Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 17, Nummer 21 › Seite 164

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 28. Mai 1861, Seite 164

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Geſetz 21 · Geſetz und Evangelium

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sagt, daß Er uns liebt und selig machen will,
sondern es auch in der That, in der Sendung
seines Sohnes beweist; so wird das Herz dadurch
aufgerichtet, gewinnt eine Zuversicht zu Gott
und denkt: Ei, das muß ja wahr sein, denn
warum hätte Gott sonst das alles gethan, für

sich bedurfte ers ja nicht. Und was könnte ihn
anders dazu bewogen haben als seine große
Liebe und die Begierde mich selig zu machen?
Darum ists gewiß, er liebt mich, er will mich
selig machen. Und diese Zuversicht ist ja der
Glaube, den das Evangelium fordert. Das
ists ja, daß du Gott gewißlich zutraust, es sei
also, wie Er sagt.

So wirket denn das Evangelium nicht Zorn,
sondern Liebe. Denn solchen Gott, der nur
liebt und nur giebt, wie ihn uns das Evangelium
vormalt, ja, der uns das Beste was er hat giebt,
den läßt sich dann auch der Mensch gefallen,
fasset ein zutraulich Herz zu ihm und gewinnt
ihn wieder lieb. So weicht dann der knechtische
Geist und die knechtische Furcht und der kindliche
Geist kehbrt ins Herz ein und ruft nun: „Abba,
lieber Vater.“ Und wie ihm nun Gott selbst
gefällt, so gefällt ihm auch jetzt sein Gesetz, denn
er kann und mag nun gar nicht mehr anders
thun als was Gott seinem lieben Vater wohl⸗
gefällt. Nun ists ihm eine Lust und Freude in
dem Gesetze zu wandeln, die kindliche Natur
und Liebe dringt ihn dazu; denkt auch gar nicht
mehr daran, daß er dadurch Gottes Kind wer⸗
den will, sondern weil er ein Kind ist, thut ers;
nicht, daß er dadurch gerecht werde, sondern weil
er gerecht ist und in Christo alles hat. Da ist
nun kein Mussen und Zwingen, sondern da ist
eitel Lust und Wollen.

Darum sagt auch die Schrift: der Geist
macht lebendig, denn wer dem Evangelio glaubt,
der hat den Geist Gottes und da ist denn eitel
Leben innerlich und äußerlich. Denn weil er
in Gott und Gott in ihm lebt, so ist auch äußer⸗
lich ein fröhliches Regen und Bewegen, ein un⸗
ablässiges Thun und Wirken, eitel Friede und
Freude.

Diese verschiedene Wirkung zeigte sich auch
gleich bei der Offenbarung. Denn als die Kin-⸗
der Israel die Zeichen des Herrn sahen und seine
Stimme höreten, da erschraken sie und flohen;
als aber die Jünger den Herrn Christum sahen
nach seiner Auferstehung, da er zu ihnen sprach:
„Friede sei mit euch,“ „da wurden die Junger
froh, daß sie den Herrn sahen.“

IV.

Nun ist auch leicht der verschiedene Zweck zu
erkennen. Und weil wir zudem erst vorgestern
Abend über den Gebrauch des Gesetzes unterrich-
tet worden sind, so ists genug wenn solcher nur kurz
angedeutet wird. St. Paulus nennt das Gesetz
Gal. 3. einen Zuchtmeister und Cap. 4. einen
Pfleger und Vormund. Nun weiß jeder, daß
Zuchtmeister und Pfleger nicht Väter der Kinder
sind, ihr Amt nicht ist, das Kind zu zeugen, son-
dern nur zu ziehen und zur Zucht zu gewöhnen.
Also ist auch der Zweck des Gesetzes nicht, uns
zu Gottes Kindern, zu Christen, uns gerecht und
selig zu machen, sondern soll als Zuchtmeister
uns in Zucht halten. Und wer das ganze Ge⸗

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setz thäte, der würde doch dadurch kein Kind und
Erbe Gottes. Dies werden wir allein durchs
Evangelium, das ist die fruchtbare Mutter, welche
Gott Kinder gebieret wie der Thau aus der
Morgenröthe, dieses ists, das uns zu Kindern
macht. Daher schreibet St. Paulus an seine
Christen: „Ich habe euch gezeuget durch das
Evangelium.“

Doch soll das Gesetz nur Zuchtmeister sein
auf Christum, auf daß wir durch den Glauben
gerecht würden, muß uns mit seiner schweren
Ruthe zu Christo treiben, wenn der aber zu uns
kommt im Evangelio und wir zu ihm durch den
Glauben, dann muß der Zuchtmeister sein Amt
niederlegen und die Kinder dem Vater überlassen.

Das Gesetz sollte uus nur gefangen nehmen
und halten, auf daß wir des Erlösers begehren.
Dieser kommt zu uns und macht uns frei durchs
Evangelium. Das Gesetz soll die Sünde offen-
baren, damit wir Vergebung dafür bei Christo
suchen, und der vergiebt sie uns durchs Evan⸗
gelium. Das Gesetz soll die harten Herzen zer⸗
schlagen, damit Christus sein Werk treiben könne.
Das Evangelium aber ist das Mittel, wodurch
der Herr Christus sein Werk ausrichtet. Summa,
das Gesetz soll nur des Evangelii Dienstmagd
sein, und diesem dienen. Und wie Johannes
mit seiner Predigt der Buße Christo den Weg
bereitete und Bahn machte, damit Christus mit
der Predigt der Gnade Eingang in die Herzen
fände; so soll auch das Gesetz dem Evange lio
den Weg bereiten, damit diesem keine Hindernisse
im Wege stehen. Denn das ist gewiß, die Si⸗
chern, die Ruchlosen, die Werkheiligen und Selbst⸗
gerechten können so das Evangelium nicht anneh—⸗
men, nicht glauben, darum muß das Gesetz solche
Thäler und Hügel eben machen, erst rechte Buße
wirken, weil an Unbußfertigen das Evangelium
seine seligmachende Kraft nicht beweisen kann.

Nun, meine Lieben, ists aber damit nicht genug,
damit ists noch nicht gethan, daß solcher Unter⸗
schied im Lehren recht gezeigt und vorgetragen
wird, sondern ihr sollt es auch in Kraft und
Uebung bringen. Daran ist alles gelegen und
dazu allein wird es gepredigt. Und woher kommt
aller Jammer, aller Zweifel, alles Zagen und
Erschrecken vor Sünde, Tod und Gericht, alle
Anfechtungen und Schwermuth? Nirgend anders
her, als weil wir Gesetz und Evangelium nicht
zu scheiden, keines recht zu brauchen wissen, sonst
müßte unser Herz ja immer in Lust und Sprin-
gen gehen, weil wir Gott nun wieder zum Vater
haben. Aber ach, wie oft verkehren und ver⸗
mengen wir die Sache, wollen glauben wo wir
thun sollen, und thun wo wir glauben sollen.
Darum lernet diesen Unterschied immer besser
erkennen und auch recht üben.

Wir aber, ihr Väter und Brüder im Amte,
wir sollen Haushalter über diese Güter Gottes
sein, und als treue Haushalter aus unserm
Schatze Altes und Neues hervortragen. O so
lasset uns doch allen Fleiß ankehren für uns
selbst zu lernen, Gottes Wort, das uns vertrauet
ist, recht zu theilen, immer reiner zu lehren, da⸗
mit wir jedem seine Gebühr geben mögen zu
seiner Zeit. Das will aber gelernet sein unser
ganzes Lebenlang, ja das nicht allein, sondern

es will auch gelebet und an sich selbst geübet
sein, denn wer nicht durchs Gesetz hindurch ge⸗
gangen, und ganz im Evangelio lebet und webet,
der vermags nicht. Und hat der theure erleuch⸗
tete Mann, Dr. Luther, der so von diesem Unter⸗
schied des Gesetzes und Evaͤngeliums geschrieben
hat, wie nach den Apostelu keiner, von sich be⸗
kennen müssen, obwohl er viel darüber gepredigt
und geschrieben, so habe ers doch noch kaum ein
wenig gefaßt und müsse noch immerdar daran
lernen, was wollen wir dann von uns sagen?
wie könuten wir uns einfallen lassen dasselbe
schon ausgelernet zu haben! Und das lasset uns
doch moͤhl merken: daß wir die reine Lehre im
Bekenntniß haben, ja uns auch dazu mit Herz
und Mund bekennen, daraus folgt noch nicht,
daß wir Gesetz und Evangelium rein und lauter
predigen. Ja, wenn wirs auch auf der Kanzel
recht vortragen, damit ist noch nicht gesagt, daß
wirs auch in der Anwendung auf Einzelne rein
und lauter handhaben, sondern wie oft verwech⸗
seln und vermengen wirs dann! Reine Lehre
lauter zu haben und solche auch recht zu predigen
und auf jeden Einzelnen recht anzuwenden, sind
ganz verschiedene Dinge; man kann's haben
und doch verkehrt predigen und auwenden, wie⸗
wohl das Umgekehrte nicht möglich ist; wer die
reine Lehre nicht hat, kann auch Gesetz und
CEvaͤngelium nicht rein und lauter predigen.

Darum weil wir das Eine haben, so laßt uns
das Andere lernen. Lasset uns beides brauchen
zu seiner Zeit und an seinem Orte, das Gesetz
aber nur als Schaufel und Hacke, den harten
Boden des Herzens murbe zu machen und ja
nicht denken, daß man damit Christen mache,
ach nein, wenn der Boden auch noch so sehr
umgewuhlt wird, kommt aber kein guter Same
darauf, so nützt es nichts, ja das Unkrant
wächst nur um so üppiger darauf. Also, wollen
wir Christen haben, so muß der gute Same, das
Evangelium, ins Herz gesäet werden, sonst wer⸗
den nur Knechte, heuchlerische, selbstgerechte,
verzagte Menschen, aber keine Christen durch die
Predigt erzeugt. Deshalb laßt uus diesen guten
köstlichen, lebendigen und lebendigmachenden
Samen des Evangelii ja nicht sparen, wenn
auch gleichwohl eine Handvoll verloren geht, auf
den Weg, auf den Felsen und unter die Dornen
fällt. Hat ihn doch unser lieber Heiland auch
nicht gesparet, ob er gleich bei den meisten ver⸗
geblich ausgestreut ward.

Gott der Vater aller Gnade und Barmherzig⸗
keit, schenke uns dazu seinen heil. Geist, Weis⸗
heit und Verstand, um Jesu Christi willen, da⸗
mit wir treu seien und am Tage der Zukunft
Christi treu erfunden werden. Amen.

(Eingesandt von P. Lochner.)
Hymuologische Wanderung durch unser
Gesangbuch
zur Befoͤrderung seines gesegneten Ge⸗
brauchs in Kirche, Schule und Haus.

(Fortsetzung.)
2. Noch ehe unser Melodieubuͤchlein erschien,
bot sich unserem Gesangbuch von anderwärts her
bereits ein Begleiter an. Im Frühjahr 1850

English translation

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