Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 19, Nummer 6 › Seite 43
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 12. November 1862, Seite 43
Scan: Internet Archive item DerLutheraner19.
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription machine transcription, uncorrected
werden wollten;“ besonders aber führten sie
Klage, daß sie in der Schulsache so schnöde be⸗
handelt worden seien und deshalb auch endlich
sich getrennt hätten. Past. Steinbach setzte ihnen
hierauf auseinander, daß ihre Bedenken gegen
die Lehre ihres Pastors und seine Stellung als
Glied der synkretistischen Wiscon sinsynode völlig
begründet seien, wobei er in Bezug auf letzteres
sich auf Thatsachen stützte, die wir hernach den
Lesern vorführen werden; daß aber gleichwohl
die Schulangelegenheit, so wichtig sie an sich
selbst sei, zur Trennung von dem bisherrigen
Meedigamt nicht berechtige. Wie sehr wünsch⸗
ten wir nun aber, daß an jenem Abend nichts
weiter vorgenommen worden wäre! Wiewohl
nämlich Past. Steinbach dringender Festarbei⸗
nach Milwaukee wieder zurückkehren mußte, so
hatte er doch bei seinem Hingang gehofft, noch
so viel Zeit zu finden, um Rücksprache auch mit
Past. Conrad zu nehmen. Dies stellte sich aber
als unausführbar heraus, denn nicht nur fand
er, daß derselbe über eine Meile entfernt
wohne, sondern er vernahm auch, daß der
selbe an diesem Abend nicht zu Hause zu treffen
sei, wie es auch der Fall war. Als er daher nun
ersucht wurde, bei Gelegenheit dieses Besuchs
die Leute aus Gottes Wort durch eine Predigt
zu erbanen, wollte er erst auf dieses Gesuch
durchaus nicht eingehen. Durch dringendes Bit⸗
ten Einiger jedoch, die ihm erklärten, bereits
um der Lehre willen getrennt zu sein, und durch
die Bejahung seiner Frage, ob sie es auch auf
sich nehnen wollten, daß er ihnen als sol⸗
chen predige, ließ er sich endlich zu einer Pre⸗
digt in der nabestehenden englischen Kirche be⸗
wegen, nach deren Beendigung er vor⸗der ganzen
Versammlung wiederholte, was er Etlichen in
der Wohnung seines Wirths über Trennung ꝛc.
auseinander gesetzt hatte und dann bat, es möch⸗
ten Einige gleich des andern Morgens zu Past.
Conrad gehen, denselben von seinem Besuch in
— Kenntniß setzen und Past. Steinbach aus den
angegebenen Gründen entschuldigen, daß er zuvor
nicht zu ihm gekommen sei, zugleich aber auch
ihn versichern, daß er am 3. Pfingstfeiertage
wieder kommen und als dann die ganze Angele⸗
genheit mit ihm genau durchsprechen werde. Dies
alles ist denn auch Past. Conrad gleich am an-
dern Morgen getreulich ausgerichtet worden, wie
er selbst bezeugte. Was wollen wir aber hiezu
sagen? — Ein Versehen ist hier geschehen, wie
sehr man auch die mildernden Umstände gelten
lassen mag und wie wahr es auch ist, das un⸗
ser weiteres Verfahren doch in
allen Stücken dasselbe hätte blei⸗
ben müssen, auch wenn diese Gast⸗
predigt noch unterblieben wäre.
Es thut uns das jetzt um so mehr leid, weil diese
rennungsangelegenheit sich je länger je mehr
auch vor andern benachbarten Amtsbrüdern, die
nun in Berührung mit derselben gekommen sind,
als eine verhältnismäßig makellose kund gibt,
durch dies Versehen aber einen demüthigenden
Fleck bekommen hat. Indem wir nun aber solches
biermit aufrichtig bekennen, bitten wir unsere
Gegner schönstens, unserer Synode nicht zur
ten wegen mit dem Mitternachtseisenbahnzug
Last zu legen, was, in menschlicher Schwachheit
von Einzelnen da und dort in solchen Sa⸗
chen versehen wird.
Seinem Versprechen gemäß fand sich Pastor
Steinbach am 3. Pfingstfeiertage bei Past. Con⸗
rad ein, der mit ihm zunächst einig wurde, Nach⸗
mittags in seiner Kirche eine Versammlung zu
veranstalten, an der Past. Conrad nebst seinem
Kirchenrath und seinem zum Besuch an-
wesenden Collegen, Past. Hoffmann von
Kenosha, einerseits und Past. Stein bach,
sein ihn begleitender Lehrer Glaser und jene
Bittstellher andrerseits theilnehmen sollten.
Durch die bei dem ersten Besuch über den allein
zureichenden Trennungsgrund gegebenen Aus-
einandersetzungen noch nicht recht ins Klare
gekommen, betonten auch hier die Meisten der
Abgegangenen zunächst die Schulsache; nur der
genannte Mohn bezeugte offen und ohne Rück⸗
halt, er sei „missourisch“ gesinnt, habe
sich deshalb in der nunmehrigen Kirchengemein-
schaft noch nie recht wohl und ruhig befunden,
und wies dabei hin auf die unionistische
Praxis in derselben, namentlich aber auf die,
lange Zeit hindurch gebrauchte Unionsspen⸗
deformel. Hieruͤber kam es zu einer lebhaften
Debatte zwischen den beiden Wisconsin Pastoren
und Past. Steinbach, indem Past. Conrad und
sein College in ihren Erklärungen über das Abend ·
mahl nichts weniger, als lutherisch, wohl aber
als durch und durch unionistisch, schwärmerisch
und verwirrt offenbar wurden. So behauptete
z. B. Past. Hoffmann, die Unionsformel: „Chri-
stus spricht: Das ist mein Leib,“ sei die acht
biblische Fassung; die Fassung „wahrer“
Leib stünedauch nicht in den Be⸗
kennnanisschriften Lersutherischen
Kirche () u'wd sei nur ein Zu satz,
Und als er nun von Past. Steinbach an die
Worte des 6. Hauptstücks des kleinen Katechis-
mus: „Es ist der wahre Leib ꝛc.“ erinnert
und gefragt wurde, ob denn der kl. Katechis⸗
mus Luther's nicht ein Theil des luth. Concor⸗
dienbuchs sei? so antwortete dieser höchst naiv:
„Ja, aber das gehört in den Confirmanten-
unterricht und die Kinderlehre, nicht aber an
den Altar zur Verwaltung des Abendmahls!“
Nach diesen und anderen Verhandlungen gab
Past. Stein bach zunächst seine Erklärung ab. Sie
lautete: Diejenigen, welche bezüglich ihrer
Trennung das Hauptgewicht auf die
Schulsache legten, hätten zu derselben nach
Gottes Wort noch keinen genug samen
Grund und müßten daher zu ihrem bisherigen
Gemeindeverbande zurückkehren: dagegen habe
Mohn seine Trennung um des allein richtigen
Grundes willen vollzogen und könne er ihn des⸗
halb nicht zur Ruckkehr nöthigen. Auf solche
Erklärung wandte er sich dann zu Past. Conrad
und seinem Kircheurath, sagend: „Da die ört⸗
liche und natürliche Lage durch den Fluß, sowie
die weite Entfernung und die zum Theil gefähr—
lichen Wege die Errichtung einer eigenen Paro⸗
chie in „Cauada““ wünschenswerth machten, so
möchten sie das dahin zielende Verlangen der
dort wohnenden Familien doch auch berücksich⸗
tigen und bedenken, was zum Frieden dient.
Mit der Trennung sei es schier schon zu weit
gekommen und die gegebenen natürlichen Ver⸗
hältnisse möchten kaum eine heilsame Wiederver⸗
einigung zulassen; würden sie daher jene in
Frieden entlassen, so könnten und wollten wir
uns ihrer annehmen, — wo nicht, so sei er je⸗
deufalls zum letzten Male in Racine gewesen,
und wollte dann mit der Sache nichts weiter zu
thun haben, nur möchte Past. Conrad mit seinem
Theil zusehen, daß⸗nicht die Leute in „Canada““
den Schwärmern in die Hände fielen, da der
Riß nun doch einmal schwer zu heilen sei.“ Die⸗
sem Rathe schenkte auch Past. Hoffmann seinen
Beifall und meinte, er würde die Leute in Frie-
den ziehen lassen, wenn ein solcher Riß bei ihm
geschehen wäre. Alles das wiederholte Pastor
Steinbach am Abend nach einer mit Past. Con⸗
rad's Zustimmung gehaltenen Predigt in, Canada“
vor versammelter Gemeinde.
Daß nun auch diese Erklärungen Past. Stein⸗
bach's, besonders aber die über die Abendmahls⸗
formel von den Pastoren Conrad und Hoffmann
geschehenen Aussprachen ihre weitere Wirkung
hatten, brauchen wir nicht erst zu versichern
Unterm 11. Juli empfing daher Past. Lochner
abermals ein Schreiben von den Leuten, in wel⸗
chem sie ihn um einen Besuch seinerseits baten
und ihm mittheilten, daß sie sämmtlich
über den rechten Trennungsgrund
sich klar geworden seien und nun
auch Muth und Freudigkeit ge⸗
wonnen hätten, ein entsprechen⸗
des Bekenntnis zu thun. Der von
ibnen hierbei gegebene und durch spätere münd⸗
liche Verhandlungen bestatigte Bericht ist dieser:
Am 10. Juli erschienen 21˙ Familiengcter? an
der' Viertelfahrsverfanenlung der · Sourädeschen
Gemeinde und frugen' nach Eutrichhung ihrft
Vierteljahrsbeiträge, ob sie einenfried fich e
Entlassung bekommen könnten? Als nun
nach einigen Zwischenreden zwischen dem Vor⸗
sitzer der Gemeindeversammlung nud den Bitt-
stellern Past. Conrad das Wort nahm und sagte,
er dächte zu einer solchen Trennung wäre es
noch nicht Zeit gewesen, zudem hätte ja ihr
„Hauptmann“ (der abwesende Mohn) selbst be⸗
kannt, daß er (Conrad) noch Wort und Sa⸗
crament hätte, was sie denn da noch wollten? —
so erklärte Einer in Aller Namen: „Wir sind
nicht mehr zufrieden mit der Lehre, denn das eine
Jahr geht es unirt, das andere reformirt, das
dritte lutherisch zu; Wort und Sacrament ist
wohl da, aber nicht rein; wir gehen darum,
weil wir nicht die reine lutherische Lehre hier fin /
den und weil wir hier eine altlutherische
Gemeinde bilden wollen.“ Als nun Past. Con-
rad darauf antworten wollte, nahm der Vor⸗
sitzer das Wort und frug: ob die Bittsteller be⸗
reits schon Beschlüsse gefaßt hätten? und als
ihm dies daher bejaht wurde, daß man beschlos⸗
sen habe, eine solche Gemeinde zu bilden und für
den Ankauf eines Grundstücks auch Trustees
gewählt hätte, dabei auch auf Verlangen die
Namen von 22 Familienvätern ihm mitgetheilt
wurden, — so that derselbe den Ausspruch:
der Kirchenrath habe beschlossen,
daß Alle, die sich für Bildung
English translation
Not yet translated.