Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 19, Nummer 6 › Seite 44
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 12. November 1862, Seite 44
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: m
einer besonderen Gemeinde unter⸗
schrieben hätten, nicht mehr als
Glie der anzusehen seien, son⸗
dern hiermit ausgeschlossen wä⸗
ren und alle Rechte und An sprü⸗
che verloren hätten. „Macht, daß
ihr hinauskommt!“ — schloß dieser
Ausspruch des gewaltigen Vorsitzers, worauf
mit der einfachen Bemerkung: „das ist alles, was
wir wollen,“ jene Familienväter die Versamm⸗
lung verließen.“) Auf dies hin kam denn
Past. Lochner am 16. Juli nach Racine und
nach nochmaliger Erforschung des eben geschil⸗
derten Hergangs und Besprechung über die Lehre
erklärte er, daß wir, so sehr wir alle un recht ⸗
mäßige Trennung verabscheuten und ihr kei⸗
nerlei Vorschub leisten wollten, doch nun mehr
das Gesuch dieser besonderen Gemeinde um
einen Prediger berücksichtigen und bis zur Er⸗
langung eines solchen unter Mithülfe benach-
barter Amtsbrüder dieselbe mit Wort und Sa⸗
crament bedienen müßten. —
Das ist der wahre Hergang, bei dessen
Darlegung wir Nothdurft halber etwas ausführ⸗
lich sein mußten. Halten wir nun etliche der
Angriffe des Kirchenraths dage⸗
gen. „Es hat sich nun, schreibt derselbe, in
Folge derreinen Predigt des Evan-⸗
geliums eine unzufriedene Par⸗
thei gebildet, die aus allerlei
Leuten besteht, die aber, wie Pila⸗
tus und Herodes Freunde geworden
sind.“ Sonderbar! So lange diese Leute bei der
Gemeinde waren, hat es nichts ausgemacht,
daß sie „allerlei Leute“ und „wie Pilatus und
Herodes“ waren und hätte man als solche sie gar
gerne behalten, wenn sie nur geblieben wären
und mit ihnen die regelmaͤßigen Beiträge zur
Kirchenkasse. So wie sie aber austraten, galten
sie auf einmal für „allerlei Leute, Pilatus und
Herodes“, ja wie sie zuletzt in diesem Aufsatz
titulirt werden, „für Gottlose, die sich durch
ihre Bosheit und Aufwiegelung von der Ge⸗
meinde ausgeschlossen hatten.“ Sind sie „allerlei
Leute, Gottlose und Boshaftige,“ weil sie durch
ihren äußerlichen Lebenswandel dem Evangelio
Schande vor der Welt machten? Warum ist
aber bei jener Untersuchung durch Past. Stein⸗
bach von dem Kirchenrath auch keine einzige
Klage über den Wandel dieser Leute vorge-
bracht worden? Warum hat man bisjetzt nichts
hören können, was die Einzelnen für sonderliche
Aergernisse gegeben haben? Warum hat man sie
trotz angeblicher offenbarer „Gottlosigkeit“ und
„Boshaftigkeit“ als Geme indeglieder zum Abend⸗
mahl gehen lassen und warum hätte man sie als
solche ohne weiteres in der Gemeinde behalten?
Doch nein, sie sind nach der Erklärung des Kir⸗
chenraths des wegen eigentlich „Gottlose und
*) Zum Beweis, wie genau man es hier mit der „reinen
Predigt des Evangeliums“ auch in Absicht auf den Schul.
unterricht nimmt, führen wir hier an, daß die Gemeinde
eine Zeitlang einen erklärten Swedenborgianer — also einen
schwärmerischen Leugner der heil. Dreieinigktit — zum
Schullehret vatte und daß dieser, wie wir berichtet sind, ohne
geforderten Widerruf seiner gottlosen Lehre und ohne rück⸗
haltsloses Bekenntnis zu den symbolischen Büchern in ditser
Vierteljahrsversammtung fürs Schulamt wieder angenom⸗
men worden ist. D. E.
Boshaftige“ weil sie „in Folge der reinen
Predigt des Evangeliums“ eine „un⸗
zufriedene Parthei“ geworden sind.
Nun die „reine“ Predigt des Evangeliums
kennt bereits der Leser. Es ist daher nur eine
ganz leichte Correktur an diesem Satz vorzuneh⸗
zunehmen; in richtiger Fassung muß er so lau⸗
ten: „Es hat sich nun in Folge der un reinen
Predigt des Evangeliums eine unzufriedene Par⸗
thei gebildet.“ In dieser Fassung mag das andere
von den „allerlei Leuten“, von „Pilatus und
Herodes“ und von den „Gottlosen und Boshaf⸗
tigen“ stehen bleiben, denn nun paßt es voll⸗
kommen nach dem Wort Christi: „Selig sind,
die um Gerechtigkeit willen verfolgt werden, denn
das Himmelreich ist ihr. Selig seid ihr, wenn
euch die Menschen um meinetwillen schmähen
und verfolgen und reden allerlei Uebels wieder
euch, so sie daran lügen. Seid fröhlich und ge⸗
trost, es soll euch im Himmel wohl belohnt wer⸗
den. Denn also haben sie verfolget die Prophe⸗
ten, die vor euch gewesen sind.“ (Matth.
5, 10—12.) Der Kirchenrath faͤhrt fort: „Diese
(die „allerlei Leute,“ „Pilatus und Herodes“ ꝛc.)
haben nun andere, die frühernichts
nach der Kirche fragten, auf ihre
Seite bekommen und organisirten
sich zu einer sogenannten lutheri⸗
schen Gemeinde, welche der seit
zwölf Jahren bestehenden G e⸗
meinde den Todesstoß geben möchte.“
Darauf ist einfach zu sagen, daß die 22 Fami⸗
lien auf unseren Rath bis jetzt für sich blie⸗
ben und mit der Aufnahme neuer Glieder war⸗
ten wollen, bis ein Pastor unter ihnen ist, und
daß unseres Wissens gleich nach ihrem Austritt
kaum vier Andere sich mit ihnen verbunden
haben, nahmlich ein früheres Glied aus Pastor
Lochner's Gemeinde; ein Hausvater, der erst
von Milwaukee nach Racine gezogen ist, und
ein Mecklenburger, der sich nach seiner Erklä⸗
rung darum nicht zu Past. Conrad hielt, weil er
bei ihm nicht seine Lutherische Kirche finden
konnte. Was nun aber den befürchteten „To-
de sstoß“ betrifft, so wünschen wir vielmehr,
daß das Bestehen dieser Gemeinde dem Kirchen-
rath und seiner Gemeinde einen Anstoß zum
Leben in der vollen lutherischen Wahrheit
geben möchte!
In der vermein tlichen „Rechtfertigung“ heißt
es weiter: „Da die Leute wußten, daß
sie von der Wisconsinsynode kei⸗
nen Prediger bekommen würden,
und zudem wußten, daß das Ver⸗
hältniß zwischen der Wisconsin⸗
und der Missourisynode nicht so
ist, wie es sein sollte, so wandten
sie sich, nicht aus Ueberzeugung,
sondern aus Politik, an Prediger
der Missourisynode.“ Nicht aus Ueber⸗
zeugung — und doch bekannt mit dem Verhält⸗
nis der beiden Synoden? Die Ueberzeugung war
wohl da, wie wir gesehen haben, nur daß sie in
Folge des Verkehrs mit uns und der gepflogenen
Verhandlungen tlefer undweiter geworden
ist und bei Manchem sich zum be st immten
Ausdruck gestaltete, was erst mehr im Gefühl
2
—
gelegen hatte. Daß nun aber die wachsende
Ueberzeugung von unlutherischer Lehre und Pra⸗
ris erst zuletzt von Allen gebührend betont
wurde, kam auch daher, daß sie, wie sie nachher
auf unser Befragen bekannten, gerne in Frie⸗
den entlassen sein wollten und bei ihrer anfäng⸗
lichen Erkenntnis die Schulsache für wichtig ge⸗
nug hielten, um diese allein in die Wag⸗
schaale zu werfen, dabei auch zu furchtsam und
blöde waren, in der Meinung, es riefe das Zeug⸗
nis gegen die Lehre und Praxis allerlei mündlich
und schriftliche Debatten hervor, denen sie sich
nach ihrem Bildungsstand nicht gewachsen
glaubten.
Im Kirchenrathsartikel heißt es ferner: „Ei⸗
nige Wochen nach der Untersuch⸗
ung kam Pastor Lochner ebenfalls
von Milwaukee und ohne alle Un⸗
tersuchung versprach er den Leu⸗
ten einen Prediger und Geld für
den Kirchenbau und sagte, wenn
ein Kranker das h. Abendmahlbe⸗
gehre, so solle man nach Milwau⸗
kee telegraphiren u. s. w. Al so der
Kranke auf seinem Leidenslager
solhleben und sterben ohne den Trost
des Evangeliums, wenn der missou⸗
rische Herr nicht kommen kann oder
zu spätkommt. Das istnach unserer
Ansicht fanatischer
dessen sich ein Christ schämen sollte.“
Der Kirchenrath hat hier ausgelassen, daß in⸗
zwischen jene Viertelsjahrsversammlung statt⸗
fand, in welcher die Leute aus dem rechten
Grunde von der Gemeinde schieden und daß
darauf P. Lochner sie annahm und ihnen
einen Prediger versprach, wie er sich bestimmt
und des Näheren „vor Freund und Feind“ er⸗
klärte.
noch „Geld für den Kirchenbau“ ver⸗
sprochen haben soll, ist eine reine aus
der Luft gegriffene unverschämte
Lüge des Kirchenraths. An den Ein⸗
sender ist nie ein auch nur entfernt dahin zie⸗
lendes Gesuch gestellt worden, vielweniger hat
er weder öffentlich, noch sonderlich mit einer
Silbe irgend eine derartige Zusage gethan. Im
Gegentheil haben die Leute ohne all unser Zu⸗
thun bereits ein schönes Grundstück ganz aus
eigenen Mitteln angekauft und ein nettes Ge⸗
bäude, das vorläufig als Kirche und Schule
dienen soll, ohne alle auswärtige Hilfe
darauf gebaut. Doch derlei Klatscherei ist einem
Kirchenrath zu gut zu halten, der von dem sel.
Past. Weinmann als das Höchste rühmt, daß
er „in östlichen Gemeinden Gelder für die
Kirche sammelte.“ Das Uebrige jedoch, was von
Partheigeist,
Daß nun aber derselbe den Leuten auch
der Krankencummunion gesagt ist, ist zu einfältig,
als daß darauf zu antworten wäre; ebenso auch
das, daß dem Past. Steinbach und dem Predi⸗
ger der am 9. Sonnt. p. Trinit., als am 17.
August, das Abendmahl austheilte, in einer an⸗
dern Stelle des Artikels zum Vorwurf gemacht
wird, daß nicht Jeder vor dem Amtiren als⸗
dann immer wieder eine neue Untersuchung der
Trennung veranstaltet hat.
Aber eine Stelle können wir nicht umhin,
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