Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 19, Nummer 6 › Seite 46

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 12. November 1862, Seite 46

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Lutheraner 1

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scheuliche Deutung unseres Motto's aus bloßer
Bornirtheit gemacht habe; es ist offenbar be⸗
wußte Bosheit, die ihn dazu getrieben hat.
Er muß es wissen, daß die Lutheraner Luther's
in seinen Schriften enthaltene Lehre eben darum
und nur darum für so unvergänglich halten, wie
das in der Bibel enthaltene Wort Gottes, weil
sie glauben und wissen, daß Luther's Lehre eben
nichet Luther's eigenes Product, sondern nichts
als das aus der Bibel genom⸗
mene Wort Gottes ist. Menschen
aber, wie der Lästerer in der Chambersburger
Kirchenzeitung, die immerdar lernen und nimmer
zur Erkenntniß kommen; solche unglückselige
Skeptiker (Zweifler), die da glauben, daß über⸗
haupt kein Mensch zur Erkenntniß der reinen
Wahrheit kommen könne; die, wenn jemand die
lautere unumstößliche Wahrheit gefunden zu ha⸗
ben bekennt, dann mit Pilatus spöttisch ausrufen:
„Was ist Wahrheit?“ d. i. Geh mir doch mit
deiner Wahrheit! Alles will sie haben, und
niemand hat sie! Sie ist der Ueberall und
Nirgends! — solche Menschen ärgern sich natür⸗
lich im tiefsten Grund ihrer Seele entsetzlich, so
oft sie lesen müssen, daß die Lutheraner wirklich
die reine Wahrbeit in Luther's Lehr gefunden zu
haben bekennen, und um nun dieses lästige
Zeugniß los zu werden, machen sie sich daruber,
das Bekenntniß der Wahrheit erst zu verdrehen,
und dann zu verlästern. Zur Kennzeichnung
des Geistes, von welchem der Schreiber des
erwähnten Lästerartikels getrieben wird, theilen
wir nur noch einige wenige Pröbchen seines
Styles mit, welche hoffentlich genügen werden.
Er schreibt, wir erhöben in unserem „Leib und
Losungswort Luther auf den Thron der Maje-
stat in der Höhe“ und machten ihn „zu einer
Art von Gott neben Gott;“ unser „kleiner Spruch
sei eine große Blasphemie“ (Gotteslästerung);
wir machten Luther zu unserem „Hausgötzen;“
wenn Luther wieder auferstünde und „in das
Mississippithal kame,“*) würde er „den Vater
bitten, uns Götzendienern das Loos der Rotte
Korah's zu bereiten,“ uns nicht „als seine Kin⸗
der anerkennen, sondern nur seine Affen in uns
sehen,“ „unter den Donnerschlägen seiner Pre⸗
digt würde uns Luthersaffen und Afterluther-
götzendienstbeflissenen Hoͤren und Sehen verge⸗
gehen;“ schließlich erklärt der liebreiche Mann,
er wisse wohl, wenn uns von einem Reformirten
die Wahrheit gesagt werde, so setzten wir ihm
„Ohren von Esels- und Ochsenhaut entgegen.“
Jedermann sieht, mit einem solchen Gegner läßt
sich nicht kämpfen. Einem solchen liegt es eben
nur daran, seine Gemeinheiten an den Mann
zu bringen und seinen Haß zu befriedigen. Wäre
dem nicht so, so würden wir einem aufrichtigen

*) Weil das zwinglische Lästermaul weiß, wie gehaßt
gerade die Missouri⸗Spnode ist von aller Welt, von den
offenbaren Feinden der lutherischen Kirche nicht mehr als von
den falschen Brüdern lutherischen Namens, so stelli er sich,
als ob nur die Missourisynode jenes Motto hätte; während
unser Motto zwar allerdings erst von den falschen Brüdern
sehr begeifert wurde; schon seit längerer Zeim aber auch von
ihnen, nämlich vom luth. Herold und vom luth. Kirchen⸗
boten, auch zu ihrem Aushängeschilde gemacht worden ist,
was der zwinglische Schreiber oder doch jedeufalls der Her⸗
ausgeber der ref. Kirchenzeitung recht gut weiß.

Gegner, welcher an unserem Motto Anstoß
nähme, einfach auffordern, uns doch etwas, was
Luther als seine „Lehre“ gepredigt und geschrie⸗
ben und bis an sein Ende behauptet hat, zu nen⸗
nen, was nicht das reine lautere Wort Gottes
selbst wäre. Vergeblich würde dann unser Geg⸗
ner nach Menschenwort in Luther's Lehre suchen
und daher endlich selbst mit uns bekennen mus⸗
sen: Ja, wahrlich!
Gottes Wort und Luther's Lehr'
Vergehet nun und nimmermehr,

das ist, Gottes Wort vergehet nun und
nimmermehr und weil Luther nicht Menschen⸗,
sondern Gottes⸗Wort gelehrt hat, so glauben
und wissen wir Lutheraner, daß daher anch
Luther's Lehr nun und nimmermehr ver⸗
gehen wird, selbst wenn alle Bücher Luther's und
alle, die sich nach ihm nennen, verbrannt und
selbst wenn sein Name aus dem Gedächtniß der
Menschen für immer ausgetilgt würde. Von
ihrem Zwingli und Calvin können dies freilich
die Reformirten nicht sagen, das wissen sie, und
darum werden die Unlauteren unter ihnen auch
so erbost, wenn sie sehen, mit wie fröhlichem
Muthe die Lutheraner sich zur Lehre ihres
theuren Vorkämpfers bekennen, als zu dem
Worte des lebendigen Gottes selbst. Aber mö—
gen solche Gesellen darüber auch vor Wuth ber⸗
sten, so bleibt es doch dabei:

Gottes Wort und Luther's Lehr'

Vergehet nun und nimmermehr.

Missionar E. R. Baierlein, der eine
Reihe von Jahren unter den Indianern Michi⸗—
gan's wirkte und in den letzten Jahren, von
Ostindien wieder zurückgekehrt, in Leipzig lebte,
ist im August wieder auf das ostindische Missi⸗-
onsfeld zurückgekehrt.

Herr Pastor Richmann ist leider! den
unerhörten Strapazen des Lebens im Felde er⸗
legen und hat daher auf sein Ansuchen in Anbe⸗
tracht seiner erschütterten Gesundheit bereits eine
ehrenvolle Entlassung von seinem Feld⸗Capla-
nat erhalten.

Rücktritt eines Baptisten⸗Pre-
digers. Vor acht Jahren trat der ev. Pre⸗
diger Ringsdorf zu den Baptisten und wurde
nun Prediger einer Baptistengemeinde zu Voll⸗
marstein, in der Grafschaft Mark. Am 17.
August dieses Jahres ist derselbe in die Landes⸗
kirche wieder zurückgetreten. In seiner Abschieds⸗
predigt erklärte er, Hauptgrund seines Austritts
aus der Landeskirche sei deren Verderbtheit und
die Absicht gewesen, eine ganz reine Gemeinde

—

zu sein vorgaben. Endlich aber nach achtjähriger
Erfahrung sehe er seine Thorheit ein. „Die
Schäden, die in der Landeskirche offen zu
Tage träten, lägen hier ver steckt.“ Sünden
seien hier vorgekommen, so gräulich, wie kaum
in der Landeskirche. Daher habe von 240
Mitgliedern der dritte Theil ausgeschlossen wer⸗
den müssen. Ein junger Mann, der eine Be⸗
kehrungsgeschichte zu erzählen wußte, sei aufge⸗
nommen, aber als ein Heuchler erfunden, ein
alter frommer Mann hingegen ausgeschlossen
worden. So sei es ihm immer frevelhafter und
hantichristischer vorgekommen, zu entscheiden, wer

zu gründen, dergleichen die Baptistengemeinden

v. 2 bis 4. Nachmittags predigte der Unte r.

im Herzen wahrhaft gläubig, wer ungläubig sei.
Er trete hiermit öffentlich und feierlich zurück.
Sobald der Segen gesprochen war, rief der von
Hamburg gekommene mit gegenwärtige Stifter
der Baptistensecte in Deutschland Oncken laut:
„Jetzt will ich reden“ und fast wäre es zu stür⸗

mischen ärgerlichen Auftritten in der Kirche ge⸗
kommen, hätte Ringsdorf nicht in großer Ruhe

und Entschiedenheit Hrn. Oncken bedentet, daß er,

Ringsdorf, noch Herr hier im Hause sei. Letzte ⸗.
rer hat nehmlich die Kirche auf seine Kosten
gebaut. Würden alle Baptisten -Prediger so
ehrlich sein, wie der genannte, so würden ohne
Zweifel alle ebensobald bekennen, wie thöricht
und vermessen es sei, vorzugeben, daß ihre Ge-
meinden — Gemeinden gläubig getaufter
Christen seien, die daher auch nothwendig die
Kindertaufe verwerfen müßten.

Sachsenu. In Chemnitz ist in der Raths⸗
sitzung der berüchtigte, von dem Hannover'schen
Consistorium wegen seiner widerchristlichen Leh⸗
ren zur Untersuchung gezogene Pastor Sulze zu
Osnabrück (gebürtig aus Camenz, im Königreich
Sachsen) zum Diakonus an der St. Jakobi⸗
Kirche gewählt worden.

Neue Kalenderheilige. Bekanntlich
glauben die Herrn Abolitionisten, daß das von
Thomas Münzer und Johann von Leyden be⸗
reits erstrebte und von Robespierre proclamirte
Zeitalter allgemeiner Freiheit und Gleichheit nun
endlich angebrochen sei. Ein ganz neues Zeitalter x
braucht aber natürlich auch einen neuen Kalen⸗
der und ein neuer Kalender auch neue Heilige. ů
Daran haben denn auch die Herrn Abolitionisten
selbst schon gedacht, wie uns ein hiesiges Blatt
meldet. Nach demselben hat nehmlich ein Reve⸗
rend Mr. Manning in einer zu Boston gehaltenen
Rede die Bemerkung gemacht, daß „wenn der ö
Vorhang im Himmel sich aufrollt, die reinsten
Heiligen zu offenbaren, wie John C. Fre⸗
mont, General Hunter, Henry Ward Becher,
Wendell Philipps und Lloyd Garrison“ (bekann⸗
lich die Hauptherolde des Abolitionismus) „als
die reinsten Heiligen im Himmel sehen
werden.“ — Was wird aber der Pabst dazu
sagen? Der canonisirt bekanntlich immer nur
solche, welche schon längst gestorben sind. Nun, mm
neuen Zeitalter muß er sich eben darin ergeben, daß
man ihm nicht nur in das Handwerk pfuscht, ö
sondern auch weit überbietet. Uebrigens ist es
wichtig, zu wissen, wie man heutzutage auch bei
der Welt ein lebendiger Heiliger werden kann.

Kircheinweihungen.

Am 28. September als am 15. Sonntage nach
Trinitatis ist die neuerbaute Kirche der deutschen
evangel.-luth. St. Johannis-Gemeinde in Jack-
son City, Ja., eingeweiht worden. Die Ein—
weihung geschah wie gewöhnlich. Vormittags
predigte Herr Pastor Schürmann über Ps. 84,

zeichnete über Ps. 26, v. 8.

Schon mehrere Jahre ist die alte Kirche zu 1
klein gewesen und zuletzt wurde dieselbe auch noch ö
baufällig; daher eine neue Kirche sehr nöthig
war. Der liebe Gott hat es der obigen Ge⸗
meinde gelingen lassen, in diesen schweren und
betrübten Zeiten eine neue Kirche zu erbauen.

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