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Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 15. Juli 1865, Seite 169

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Lehre. — Reine Lehre · Lehre. — Reine Lehre 8

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Ulrd ich sahe einen Engel
fliegen mitten durch den Him⸗
mel, der hatte ein ewig Evan⸗
gelium, zu verkündigen deuen,
die auf Erden sitzen und woh⸗
nen, und allen Heiden, und Ge⸗
schlechtern, und Sprachen, und

Völkern,
Ossenb. Joh. 14, 6.

UVrd sprach mit großer Stim⸗
me: Fürchtet Gott, und gebei
ihm die Ehre; denn die Zeit
seines Gerichts ist kommen, und
betet an den, der gemacht hat
Himmel und Erde, und Meer,
und dit Wasserbrunnen.
Ossend. Joh. 14, 7.

Herausgegeben von der Deutschen E

Gottes Wort und Luthers Lehr vergehet nun und nimmermehr.

...—

—

vangelisch⸗Lutherischen Synode von

Missonri, Ohio und andern Staaten.

Zeitweilig redigirt von dem Lehrer⸗Collegium des theologischen Seminars in St. Louis.

Jahrgang 21.

St. Louis, Mo., den 15. Juli 1865.

No. 22.

Bedingungen: Dersutheraner erscheint alle Monat zweimal für den jährlichen Subscrip⸗
tonepreis von einem Dollar für die auswärtigen Unterschreiber, welche denselben vorausbezahlen und aber, welche Geschaͤftliches, Bestelungen, Abbestellungen, Gelder ꝛt. enthalten, unter der
das Postgeldzurragenhaben. — In St. Louls wird jede einzelne Nummerfür 5 Cents verkauft.

Nur die Beieft, welche Mittheilungen für das Blatt enthalten, sind an die Redaktion, alle andern

Adresse:

M. C. Barthel, Lombard str., St. Louis, Mo., anherzusenden.

Predigt,
bei Eröffnung der diesjährigen Versammlung der
Synode von Missouri ꝛc. nördlichen Districts
am 14. Juni zu Milwaukee, Wis., gehalten
und auf Beschluß derselben mitgetheilt von
C. F. W. Walther, d. Z. A. Pr.

J. N. J.

Gnade, Barmherzigkeit, Friede von Gott
dem Vater und von dem HErrn JeEsu Christo,
dem Sohne des Vaters, in der Wahrbeit und in
der Liebe, sei mit euch allen. Amen.

Ehrwürdige und allerseits geehrte und ge⸗
liebte Brüder in dem HErrn!

Das Allerwichtigste an einer Synodalgemein⸗
schaft ist reine Lehre und Erkenntniß. Eine
Synode soll ja ein Theil der Kirche Gottes auf
Erden sein; auch ihr Kennzeichen ist daher,
daß in ihr „das Evangelium rein geprediget und
die h. Sacramente laut des Evangelii gereicht“
werden; auch sie soll auf nichts anderem erbauet
sein, als auf dem Grunde der Apostel und Pro⸗
pheten, da IEsus Christus der Eckstein ist;
auch sie“ soll ein Häuflein jener „heiligen Gläu⸗
bigen und Schäflein“ sein, „die ihres Hirten
Stimme hören“; auch an sie ist jener Auftrag
gerichtet, den der gen Himmel fahrende Heiland
seiner Kirche auf Erden hinterlassen hat: „Lehret
sie halten alles, was ich euch befohlen habe“
auch ihr letzter Endzweck ist die Seligmachung
der Sünder, die durch nichts anderes, als durch
das reine Evangelium, gewirkt wird; auch ihr

komme!“ sondern: „Geheiliget werde dein Name!“

Mag sonach eine Synode noch so vortrefflich
verfaßt, noch so wohl geordnet und mit noch so
herrlichen Gaben geschmückt sein; mag sie noch
so bluhende Anstalten zur Heranbildung von Die⸗
nern in Kirche und Schule haben und dieselben
freigebig unterstützen; mag sie noch so viele
hirtenlose Seelen in Gemeinden sammeln, die—
selben mit eifrigen Predigern und Kinderlehrern
versorgen und christlich gestalten; mag sie noch
so großen Einfluß ausüben auf die Verbreitung
christlicher Gesittung in ihrem Lande und dabei
auch in Betreibung des Missionswerkes unter
den Heiden noch so aufopfernd und thätig sein —
fehlt ihr bei diesem allem reine Lehre und Er—
kenntniß, so ist sie nur ein Leib ohne Seele,
eine Schale ohne Kern, und reißt mehr nieder,
als sie aufbant. Und noch mehr: mag eine
Synode in allen ihren Gemeinden im Glanze
großer Heiligkeit, im Eifer gottseliger Uebungen,
in der Menge guter Werke, in den Wundern
auffallender Erweckungen leuchten — fehlt ihr
dabei reine Lehre und Erkenntniß, so ist ihre Hei⸗
ligkeit zumeist leerer Schein, ihre gottseligen
Uebungen zumeist ein vor Gott werthloser Frohn-
dienst, ihre guten Werke zumeist arge Früchte
eines faulen Baumes, ihre großen Erweckungen
zumeist ein Feuer, dessen Frucht nicht geläuter-
tes Glaubensgold, sondern öde Brandstätten sind.
Ja, was sage ich? — mag eine Synode selbst das
reine Bekenntniß der rechtgläubigen Kirche zu
ihrem Gesetz gemacht haben — mangelt ihr dabei

allererstes Gebet soll sein, niht: „Dein Reich

reine Lehre und Erkenntniß, so gehört sie zu jenen
übertünchten Gräbern, welche auswendig hubsch
scheinen, aber inwendig sind sie voller Todten⸗
beine und alles Unflats. —

Reine Lehre und reine Erkenntniß sind
nehmlich immer beisammen. Reine Lehre fehlt
daher nicht nur da, wo man anstatt der Theo⸗
logie Philosophie, anstatt des Christenthums
Humanismus lehrt, sich das aus Gottes Wort
auswählt, was mit der Vernunft zu stimmen
scheint, und was derselben zuwider ist, verwirft,
oder wo man doch das Creuz Christi mit klugen
Worten zunichte macht; nicht nur da, wo man
Artikel des beiligen christlichen Glaubens leugnet
und verfälscht, oder dieselben doch ungewiß macht,
indem man sie fur offene Fragen erklärt;
nicht nur da, wo man Menschengedanken unter
Gottes Gedanken mischt und für Gottes Wort
ausgibt, neben dem festen prophetischen und
apostolischen Worte wechselnde Ansichten und
Zeitmeinungen, neben der gewissen Christen⸗
hoffnung ungewisse Menschen hoffnungen predigt:
reine Lehre fehlt auch da, wo man sich nur in
knechtischem Gehorsam unter das Bekenntniß der
rechtgläubigen Kirche beugt, und zwar ängstlich
nachzusprechen sucht, was dieses vorgesprochen
hat, aber dabei ohne eigene lebendige Ein sicht
in den Grund und Zusammenhang der Lehre des
Heils und ohne eigene Erfahrung ihrer gött⸗
lichen Wirkungen ist. Wahre reine Lehre ist keine
Sache des bloßen Gedächtnisses und Verstandes.
Sie ist eine Frucht göttlicher Erleuchtung und
mit einem wahren lebendigen Glauben unzer⸗

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