Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 21, Nummer 22 › Seite 173
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 15. Juli 1865, Seite 173
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Geſangbuch. 9197⁷ · Lehre. — Reine Lehre 7 · Lehre. — Reine Lehre 10
nicht schon lässig im treuen Gebrauch dieses höch⸗
sten himmlischen Geschenkes, was einer Kirche zu
theil werden kann?
Ich sage, wehe uns, wenn wir die Gefahr,
in der wir daher bereits schweben, nicht erkennen
und uns nicht wieder ermannen wollen!
So schnell das Licht unter uns
aufgegangen ist, so schnell kann es
auch wieder unter uns verlöschen,
und die wir bisher ein Salz der Erde gewe sen sind,
können ein dummes Salz werden, das hinfort zu
nichts nuͤtze ist, denn daß man es hinausschütte
und lasse es die Leute zertreten. Laßt uns er⸗
schrecken vor den tausend warnenden Beispielen
einst hoch begnadigter und nun im Staube lie-
gender Kirchen. Laßt uns uns fürchten vor
jenem Worte des Propheten: „‚Verflucht sei,
der des HErrn Werk lässig thut“, und vor dem
Wort des HErrn: „Wem viel gegeben ist,
von dem wird man viel fordern.“
Wollen wir aber, daß uns unser Kleinod be⸗
wahrt bleibe, so muß ein jeder in seinem Stand
und Beruf dazu Hand ans Werk legen, und alle
unsere kirchlichen Institute müssen dazu helfen.
Ihr Väter und Mutter mußt schon in eurem
Haus den Grund legen und frühzeitig euren Kin-
dern reine Lehre und Erkenntniß und iunige Liebe
dagegen, so wie Scheu vor aller Irrlehre einflößen.
Ihr Schullehrer aber müßt in euren Schulen
dieses Werk des Hauses treulich fortsetzen, oder,
wo es noch nicht begonnen ist, es mit desto bren⸗
nenderem Eifer beginnen und euch so nicht
als Hinderer, sondern als wahre Gehilfen des
h. Predigtamtes erweisen. Ihr Prediger müsset
euch nicht damit begnugen, daß ihr gebet, was ihr
gerade habt, sondern zugleich Tag und Nacht
anhalten mit Lesen und Forschen, um immer
reicher an Lehre und Erkenntniß, immer mäch-
tiger in Widerlegung des Irrthums und dabei
immer brunstiger zu werden in dem Werk
des HErrn. Bedenket: Jedes Stillstehen ist hier
Ruückschritt; nicht mehr wachsen ist hier sterben.
Wir Professoren an unseren Anstalten zu Erzie⸗
hung von Dienern in Schule und Kirche mussen
unablässig darauf denken, unsere Anstalten zu
wahren Prophetenschulen und zu hohen Leucht⸗
thürmen des Landes zu machen, in denen lieber
alles andere fehle, nur nicht das Licht der reinen
Lehre der Apostel und Propheten. Schon unser
Gymnasium muß mit höchstem Ernste darauf
vorbereiten. Hierzu müssen wir auch immer
sorgsamer und eifriger unsere Pastoralconferenzen
und Synoden auskaufen. Dazu müssen unsere
Zeitschriften und überhaupt das uns zu Gebote
stehende Mittel der Presse mit immer größerer
Gewissen haftigkeit gebrancht und unsere Leser
angeleitet werden, in unseren Veröffentlichungen
nicht interessante geistliche Unterhaltungslecture,
sondern nichts anderes, als Rein heit, Gründlich-—
keit und Entschiedenheit in Lehren und Wehren,
kein Huren mit dem Zeitgeist, kein Liebäugeln mit
der Irrlehre, kein Ansehen der Person zu suchen.
Unsere Synodalwächter aber, unsere Präsides,
müssen fortfahren, nicht sowohl Wächter mensch⸗
licher Ordnungen, als vielmehr Wächter üͤber die
Reinheit der Lehre und Erkenntniß zu sein.
Das Allerwichtigste aber hierbei ist, daß wir
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alle die uns geschenkte reine Lehre und Erkenntniß
zu unserer eigenen Seelen Seligkeit gebrauchen;
denn keine Klugheit und kein äußerlicher Eifer
unbekehrter Herzen kann. und wird dieses Kleinod
erhalten, kurz, nichts, wenn wir dabei nicht in
wahrer Buße und lebendigem Glauben vor Gott
stehen und von seinem h. Geiste erleuchtet und
getrieben werden. Denn wie Gott sein reines
Wort nur um der Auserwählten willen gibt,
so sind sie, die unsichtbare Kirche, es auch allein,
durch die es Gott erhält, die da in tiefster De⸗
muth zu Gott Tag und Nacht schreien: HErr,
erhalte uns dein Wort, denn dasselbe ist unseres
Herzens Freude und Trost. Summa, m. 3.,
unsere Gesinnung in Absicht auf unsere Synode
muß diese sein: Mag unsere Synode Freunde
oder Feinde, Ehre oder Schande, Zunahme oder
Abnahme, Friede oder Unfriede haben, das gilt
uns gleich, wenn sie nur ihr Kleinod, reine Lehre
und Erkenntniß, bewahrt; sollte sie aber jemals
dagegen gleichgültig werden, sollte sie es durch
Undank verlieren oder als eine Verrätherin an
die Welt oder an die falsche Kirche verkaufen:
dann mag sie immerhin untergehen und der Name
„Missourier“ als ein Name der Schande verwesen.
Damit aber dies nicht geschehe, so laßt uns
schließlich noch mit offenem Herzen die bekannte
Warnung und Weissagung unseres deutschen
Propheten hören, die er schon im J. 1524 that:
„Lieben Deutschen, kaufet, weil der Markt vor
der Thür ist; sammelt ein, weil es scheinet und
gut Wetter ist; brauchet Gottes Gnade und
Wort, weil es da ist. Denn das sollt ihr wissen,
Gottes Wort und Gnade ist wie ein fahrender
Platzregen, der nicht wieder kommt, wo er einmal
gewesen ist. Er ist bei den Juden gewesen;
aber hin ist hin, sie haben nun nichts. Paulus
brachte ihn in Griechenland; hin ist auch hin;
nun haben sie den Türken. Rom und lateinisch
Land hat ihn auch gehabt; hin ist hin; sie haben
nun den Pabst. Und ihr Deutschen dürft nicht
denken, daß ihr ihn ewig haben werdet; denn der
Undank und Verachtung wird ihn nicht lassen
bleiben. Darum greifet zu und haltet zu, wer
greifen und halten kann; faule Hände müssen
ein böses Jahr haben.“ —
Und nun nur noch Ein Wort, m. Br. Auch
auf unsere Treue wollen und dürfen und können
wir uns nicht verlassen, sondern allein auf Got-
tes Treue. Die laßt uns denn vor allem im
Glauben ergreifen. Denn werden wir von die—
sem Glauben nicht lassen, so wird auch Gott
von uns nicht lassen, uns jene nöthige eigene
Treue schenken, und so uns und unsern Kin⸗
dern sein reines Wort und Sacrament erhalten
und das gute Werk, das er in uns angefangen hat,
auch vollführen bis an den Tag JEsu Christi.
Ihm sei Dank, Preis und Ehre in Ewigkeit. Amen.
Zur kirchlichen Chronik.
Sectengeist. So schreibt der „Christliche
Botschafter“, das Blatt der Evangelischen oder
Albrechtsleute, vom 30. Inni, nachdem er die
„Stunden der Andacht“ wieder angezeigt hat:
„Einige unserer Wechselblätter tadeln dieses Werk
als ein sehr gefährliches für Christen. Zugege⸗
ben, daß Einiges darin enthalten ist, das nicht
von Bibelgläubigen indossirt werden kann, so ist
auch nicht zu leugnen, daß sehr viel Belehren⸗
des und Nützliches darin vorkommt. Enthalten
aber nicht die meisten religiösen und theologischen
Bücher, besonders diejenigen, welche vom alten
Vaterland kommen, mehr oder weniger Irrthü⸗
mer? Und wer wollte sich unterstehen, unsere reli⸗
giösen Blätter alle davon frei zu sprechen? Chri⸗
sten sollen Alles pruͤfen und das Gute behalten.“
Da spricht sich der Sectengeist wieder einmal so
deutlich aus, daß auch der Einfältigste sehen
kann, daß der Sectengeist nicht Christi, sondern
ein Geist erschrecklicher Unwissenheit, Leichtfer⸗
tigkeit und Gewissenlosigkeit ist. Wer nur das
ABC des Christenthums kennt, sieht auf den
ersten Anblick, daß die Stunden der Andacht
nichk nur „einige Irrthümer“ enthalten, sondern
daß ihr ganzer Geist ein rationalistischer und der
Weg, den sie zum Himmel zeigen, ein falscher
ist, der den armen Sünder zur Hölle führt —
aber das sieht der blinde Sectengeist nicht. Der
Apostel Paulus sagt von der falschen Lehre:
„Ein wenig Sauerteig versäuert den ganzen Teig“
Gal. 5, 9., aber der leichtfertige Sectengeist
spricht: „O, mehr oder weniger Irrthümer haben
nicht eben so viel zu bedeuten; unsere eigenen
religiösen Blätter sind ja nicht frei davon!“ (Da⸗
mit denn der gewissenlose Sectengeist zugleich
selbst beichtet, daß er wohl wisse, er predige
nicht die lautere Wahrheit.) Paulus sagt end⸗
lich: „Prüfet alles“ — dies versteht der Sec⸗
tengeist so, als hätte der heilige Apostel damit
sagen wollen: Leset alles, und empfehlt
alles zum Lesen, wenn ihr auch vorher wißt,
daß das Buch viel Irrthümer enthält! Ist das
nicht Blindheit über Blindheit? — Ach, liebe
Christen, seid gewarnt vor den Secten; ihre
Prediger kommen ja auch in Schafskleidern,
aber wahrlich, inwendig sind sie reißende Wölfe;
sie reichen den Seelen mit lächelndem Munde
vergiftetes Brod dar und sprechen: Esset nur
getrost; es ist zwar vergiftetes Brod, prüfet da⸗
her wohl, was ihr in den Mund nehmet; aber
das Beste davon schluckt nur frisch hinunter; es
wird euch wohl bekommen; ihr wißt es ja auch,
daß wir gar kein anderes Brod haben. Zum
Ueberfluß wollen wir nun schließlich wieder einige
Blumen aus den „Stunden der Andacht“ mitthei⸗
len, welche zeigen, was für Pflanzen darin enthal⸗
ten sind. So heißt es in Nro. 83 der ersten Ab-
theilung von Vergebung der Sünden: „Das Leben
auf Erden gleicht einer großen Straße, worauf
alle Sterbliche zu einerlei Ziele
wandeln, es heißt: Seligkeit durch
Vollendung. Die standhaft Fortwandeln⸗
den gelangen früher dahin. Der Sünder
bleibt träge und müßig stehen, oder geht irrend
zurück. Andere eilen an ihm voruüber. Die Zeit
ist entflohen. Er erkennt seinen Fehler. Er
eilt dem großen Ziele wieder zu — aber inzwischen
hat er eine elend vollbrachte Zeit verloren, die
nichts ersetzt. Andere stehen vollendeter und
seliger weit vor ihm. Die Stunde flieht; er er⸗
reicht die Uebrigen nicht mehr. Um der Be—
reuung seiner Thorheit willen ist Gott nicht un⸗
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