Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 26, Nummer 8 › Seite 62
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 15. Dezember 1869, Seite 62
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Der Qutheraner.
ö
Lieber Leser, wenn du mit zeitlichen Gütern ge- werden hiermit zugleich jene sechs guten Werke,
segnet bist, so laß sie nicht deinen Gott werden, nach welchen der HErr Christus am jüngsten Tage
sondern, ich bitte dich, bedenke die wichtige Frage sein Endurtheil abgeben wird, Matth. 25, 34—
des Heilandes: „Was hülfe es dem Menschen, 40. erfüllt, wenn sie nehmlich in der Glaubens⸗
so er die ganze Welt gewönne, und nähme liebe geschehen. Denn nur erst durch eine freund—
doch Schaden an seiner Seele?“ Matth. liche Localität werden unsere Wohlthaten an den
16, 26. J. G.=—W. Kranken zu wahren Erquickungen für dieselben.
(Aus dem „Lutheran Visitor vom 1. Derbr. 69.) Darum auf und laßt es Euch eine rechte Lust und
— Freude sein, Euer Schärflein springen zu sehen
An die Jünglinge und Jungfrauen zur Erquickung für Biele! Die Größe und Ein—
und deren Vereine. richtung des Gebäudes hängt nehmlich ganz allein
Schon lange haben wir das Bedürfniß eines von den zu erwarteuden Beiträgen ab. Zwar
Gebäudes zur Aufnahme von Kranken, die an haben wir schon vor anderthalb Jahren eine
ansteckenden Krankheiten leiden, sehr schmerzlich Zeichnung für dasselbe machen lassen, aber dar⸗
empfunden; besonders vor zwei Jahren, wo uns nach zu bauen, daran ist wohl kaum zu denken,
zwei junge Personen durch die Seuche entrissen denn es würde ohngefähr 55000 kosten. Jedoch
worden, und man sich des Gedankens nicht was uns unmöglich scheint, ist bei Gott nicht un⸗
erwehren konnte, daß die Localität viel mit vazu, möglich. Und wie würde sich der arme Lazarus
beigetragen hat. Denn das Nebenhäuschen un-Und Alle, die da aus⸗ und eingingen, freuen, über
seres Hospitals, welches jetzt dazu benutzt wird, dem Eingang lesen zu können:
ist einem solchen Zweck durchaus nicht entsprechend, aiareth, errichtet von den Jünglingen und Jungfrauen
indem erstlich nur zwei Personen darinnen unter⸗ in ahr 70. —
gebracht werden können, und zweitens das Zim⸗ Um aber den Bau baldmöglichst in Angriff
mer sehr feucht und niedrig ist, und doch zur Zeit nehmen zu können, wende ich mich zunächst au
der Noth vier bis fünf darinnen sein müssen, wie sämmmtliche Henn Pastoren, welche ohne Zweifch
es eben gegenwärtig der Fall ist, wo fünf, sage unsere Gefühle theilen, mit der herzlichen Bitte,
fünf Personen drinnen liegen mlssen, so daß sie die Sache, ein jeder in seinen Bezirk, einzaleiten;
nicht alle Bettstellen haben können. Hier könnte etwa durch monatliche Beiträge, welche in zu ver—
man uns einwenden: Wir sollten eben nicht mehr anstaltenden monatlichen Versammlungen, abzu—
aufnehmen, als Platz vorhanden ist. Ja, aber geben wären, oder durch ernannte Collectoren,
gewöhnlich hat sich bei der Aufnahme die Krank-ollectirt werden könnten; und dadurch ohngefähr
heit noch nicht eutfaltet, und dann kann man sie zu ermitteln, wie viel in eines jeren Bezirk in
nicht wieder fortschicken; zum großen Theil auch Jabresfrist ermöglicht werden könnte, und mir
benifft es unsere Seminaristen in St. Louis, die spätestens bis Mitte März rie Summe anzuzei⸗
sonst nirgends untergebracht werden können, und gen, damit wir uns mit vem Bau darnach richten
dies ist eigentlich der Hauptbeweggrund meiner können. * ö
so dringenden Bitte. Von allen sonstigen barmherzigen Samaritern
Wir haben schon früher mehrere Mal darüber werden natürlich auch Gaben mit innigem Dank
berathen, wie wohl Abhilfe geschafft werden könnte, entgegen genommen.
aber es ist jdes Mal an den nicht vorhandenen Um nicht beschwerlich zu werden, hoffe ich, daß
Mitteln gescheitew. Da es uns nun in dieser diese wenigen Zeilen genügen, um in der Kürze
Blattern⸗Zeit Gott der HErr aufs Neue schmerz⸗ melden zu können, daß der Bau in Angriff ge⸗
lich fühlen läßt, was hier geschehen sollte; so wen⸗ nommten ist. Nun Gott der HErr möge die Her⸗
den wir uns zuversichtlich an Euch, geliebte Jüng⸗ regieren nach Seinem Wohlgefallen; Ihm
linge und Jungfrauen, mit der herzlichen Bitte: sei es befohlen.
dem armen Lazarus, der auch jetzt wieder vor Im Auftrag des Verwaltungsrathes
eurer Thür liegt voller Schwären und Schmerzen, unseres Hospitals
und um einige Linderung und Erquickung bittet, S§. W. Schuricht, Kassrer,
dieselbige doch zu gewähren. Er verlangt ja Vo. 1411 S. 7ch sk., St. Lanis. No.
durchaus nichts Unmögliches von Euch, sondern Der Unterzeichnete fühlt sich gedrungen, nicht
nur zu Linderung und Pflege ein paar Tollars, nur die Wahrheit des oben geschilderten Noth⸗
** standes zu bestätigen, sondern auch seine dringende
oder nachdem der eine oder der andere hat. Nun Bitte mit der des Herrn Kassirer Schuricht zu
so springt zu und danket Gott, daß er Euch wür— vereinigen. A. Crämer.
digt, etwas beitragen zu dürfen, damit dem armen — —
Lazarus sein Herz leicht, seine Schmerzen gelin— Missions⸗Feste.
dert werden und er desto eher genesen könne. Dem Unterzeichneten ist die Aufgabe geworden,
ist Euch dies ja, so ihr es um der Liebe des Bericht zu erstatten über die diesjährige Missions⸗
HErrn JEsu willen thut, eine Aussaat, wofür fest⸗Feier der ev.⸗lutherischen Gemeinden in Town
ibr in Zeit und Cwigteit emten soll; denn der Pomouth WBiee. Mach gememsamet Ucbemin
5Crr bat verheiben: Wer dieser Geringsten emenfunft genannter Gemeinden sollte das diesjährige
nur mit einem Becher kalten Wassers tränket in Missionefest, das neunte in ver Reihe, am 20sten
eines Jüngers Namen, wahrlich, es soll ihm nicht Juni in Town Hermann gefeiert werden inmitten
unbelohnt bleiben Matth. 10, 40—42. Auchsmeiner Gemeinde.
Denzufolge traf denn auch meine Gemeindt;
für genannten Tag die dazu nöthigen Vor⸗
kehrungen und wir sahen einer sehr zahlreichen ö
Betheiligung an dem Feste entgegen, zumal da
auch die benachbarten Wisconsin-Gemeinden
die Einladung mit Freuden angenommen hatten.
Doch der Mensch denkt, und Gott lenkt. Der
in diesem Jahre so häufige Regen hatte für den
größten Theil der Festgäste die Wege unpassitbar
gemacht; so konnten auch zwei Festprediger, Pas.
Straßen von Watertown und Past. Rohrlack von
Oshkosh, uns nicht erreichen, so daß am Morgen
des bestimmten Festtages, anstatt der Fest⸗Frende,
festliche Trauer sich der Gemüther bemächtigte.!
Doch ließ uns der HErr auch nicht ohne Frende.
Er sandte uns einen dritten Festprediger, den Pa⸗
stor Georgii von Rantoul, fast mehr zu Wasser,
als zu Lande. Derselbe hielt uns eine kräftige
Missionspredigt über Matthäi am letzten, wohl
nicht vor einer zahlreichen Versammlung im
Freien, wie gehofft, doch aber in einem überfüllten
Gotteshause. Die dabei erhobene Collecte betrug
25 Dollars. Meine Gemeinde jedoch, welche
an größere Missionsfeste gewöhnt war und auch
zu einem solchen Vorkehrungen getroffen hatte,
konnte sich mit diesem kleinen nicht begnügen; deß⸗
halb beschloß sie denn bald darauf, es noch ein⸗
mal aufzunehmen, hoffend, der liebe Gott weide
ihr schon noch ihren Wunsch erfüllen: geschah es
doch zu seiner Ehre und zu vieler unsterblicher
Scelen Heil. Zum Fesitag wurde diesmal der
18. Juli bestimmt. Sämmtliche Einladungen
wurden wiederholt; doch die diesmalige Annahme ö
war ein Schattenbild gegen die erste. Der Feind
der Ausbreitung und Förderung des Reiches
Gottes auf Erden war uns fast bis zur letzten
Stunde zuwider und bereitete uns mancherlei
Unannehmlichkeiten. Doch gefiel es dem lieben
Gott, uns am genannten Tage mit dem herrlich⸗
sten Wetter zu erfreuen. So begannen sich denn
am 18. Juli früh Morgens die Festgäste in dem
kleinen Laubhölzchen, unmittelbar neben der Kirche,
welches zum Festplatz ersehen war und schon einige
Male dazu gedient hatte, zu sammeln. Leider
blieben vieler geladener Gäste Plätze unbesetzt.
Wegen Mißverständnisses konnten auch zwei Fest⸗
prediger nicht zur bestimmten Zeit eintreffen. So
war ich genöthigt, die erste Festpredigt selbst zu
halten, während welcher Pastor Rohrlack und Pa⸗
stor Ottmann als Festprediger erschienen. Ich
predigte über Matth. 9, 35—38. und zeigte dar⸗
aus meinen Zuhörern: Wie wir dem Vor⸗
bilde und Befehle IEsu Christi nach
thätig sein sollen im Reiche Gottes für
das Werk der Mission. Darauf erfolgte
eine leibliche Erquickung der Festgäste wie bei
früheren Missionsfesten. Nachmittags predigte
Pastor Rohrlack über Matth. 28, 18—20. Als
Thema stellte er die Frage: Warum treiben
wir Mission? und beantwortete sie auf Grund
des Textes in vierfacher Weise: 1J. Wegen des
Grundes, auf dem sie ruht; 2. wegen
des Befehls, der uns dafür gegeben ist;
3. wegen der Mittel, die uns dazu ver—
ordnet sind; 4. wegen der Verheißung,
die uns dafür geworden ist. Nach einer
kurzen Pause predigte Past. Olumann über 1 Petri
2, 9. 10. und zeigte uns daraus: Die große
Aufgabe der Christen, das Reich Gottes
auszubreiten. Die brachte er uns näher, in⸗
dem er uns aus dem Terte nachwies, 1. wie sie
dazu tüchtig gemacht sind und 2. wie sie
diese Aufgabe ausführen sollen. Zwei
Singchöre durchwebten das ganze Fest mit ge⸗
eigneten Festgesängen. Schließlich kehrten gegen
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