Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 26, Nummer 8 › Seite 59
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 15. Dezember 1869, Seite 59
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Anhang · Papfttum 3
daher das Wort, welches Christus einst zu Pilatus
on Than, der chursächsische Gesandte, dem an—
Der DTZutheraner.
59
Pilatus zur Kreuzigung Christi, so den Kaiser
Eigismund zur Ermordung des theuren Mär⸗
rers Huß verführt hat. Auch hier erfüllte sich
sagte: „Der mich dir überantwortet hat,
der hat es größere Sünde.“ Joh. 19, 11.
Mügen die papistischen Zeitungsschreiber immer—
hin durch allerlei Lügen ihre Pabstkirche rein zu
waschen suchen, das Blut der Tausende heiliger
Märtyrer, welches diese Kirche vergossen hat,
werden sie nie abwaschen. Es ist kein Zweifel,
bätte das neue römische Concil noch dieselbe
Macht, wie einst das Costnitzer, so würde jenes
jetzt mit uns gerade so verfahren, wie einst dieses
Enit Huß. Aber, Gott Lob! durch die Refor⸗
nation ist der Antichrist der Christenheit verrathen
und ihm seine blutige Macht genommen. Die
Fürten wollen sich daher durchaus nicht mehr zu
stinen Henkersknechten machen lassen, wie einst
vor und noch zur Zeit der Reformation. Wohl
versucht der Antichrist die ihm durch dieselbe ge—
sclagene tiefe Wunde auch durch das gegen—
wärtige Concil zu heilen (Offb. 13, 3., aber
mögen sich ihm wieder noch so Viele um zeitlichen
Vortheils willen verschreiben, endlich wird der
HErr selbst kommen und „seiner ein schreckliches
Ende machen durch die Erscheinung seiner
Zukunft“. 2 Thess. 2, 8. W.
——
Zur Geschichte des tridentinischen Concils.
Im Jahre 1542 machte Pabst Paul III.
durch eine Bulle vom 22. Mai dieses Jahres
endlich Anstalt, ein Concilium nach Trient zu
berufen. Als nun in demselben Jahre nach dem
Willen des Kaisers zu Nürnberg ein Reichstag
gehalten wurde, um die päbliche Bulle zu ver—
kündigen, fanden sich wenig protestantische Stände
dazu ein. Nach Verlesung der Bulle machte,
nach dem Bericht eines Augenzeugen, Eberhard
wesenden König Ferdinand „gebührliche
Reverenz und ging zur Thür hinaus“;
die andern protestantischen Abgeordneten thaten
hierauf ebenso, „so daß die Reichsversammlung
ganz dünn wurde“. Um den Grund dieses Be—
nehmens gefragt, erklärten sie, „es wolle ihnen
Fnicht geziemen, dabei zu sein, wo man
den Pabst heiligen Vater nenne, denn
dafür erkennen sie nur Gott“.
Das Concil wurde übrigens erst am 13. De—
cernber 1545 mit 10 Bischöfen in Trient eröffnet,
zwei Monate vor Luthers Tod, welcher daher,
als er sich das letzte Mal (in Eisleben) zur Ruhe
Hniederlegen wollte, allen Gegenwärtigen die Hand
eichend sprach: „Doctor Jona und Magister Cöli
und ihr Andern, betet für unsern HErrn
Gott und sein Evangelium, daß es ihm
wohl gehe, denn das Coneilium zu Tri—
dent und der leidige Pabst zürnen hart
mit ihm.“ Der theure Mann wollte an der
Pforte der Ewigkeit hiermit zweierlei anzeigen:
seinen Bischöfen zusammenkomme, das Luther—
thum auszurotten, denn das sei nichts anderes,
als den allmächtigen Gott selbst und sein ewiges
Evangelium stürzen wollen; zum andern aber
auch, wie nöthig das Gebet sei, damit Gott
und sein reines Evangelium uns bleibe. Denn
obwohl Gott selbst nicht vom Throne gestoßen
und das Evangelium nicht aus der Welt aus—
gerottet werden kann, so kann doch Gott, wenn wir
sicher und undankbar werden, verhängen, daß
wir Gott und sein Evangelium verlieren. W.
—
Ein Scandalprozeß wegen Seelenmessen.
Trauet nicht auf Seelenmessen,
Die man den Verstorbnen hält!
Toödte werden bald vergessen,
Und der Baum liegt, wie er fällt.
Ach, bestellt selbst euer Haus,
Machet hier die Sachen aus!
Fremde Bitten und Gebete
Kommen hinten nach zu späte.
Fremdes Bitten hilft auch nicht,
Und wer weiß, obs auch geschicht!)
So sangen vor Zeiten die alten Straßburger,
als die Jesuiten durch geheime Ränke das Pabst⸗
thum in die ehrwürdige Stadt wieder einzuführen
suchten. Die Seelenmessen werfen zwar für die
römische Geistlichkeit ein bedeutendos Einkommen
ab; aber sie sind auch lautredende Zeugen für das
Seelenverderbliche der römischen Irrlehren. Das
beweis't ein Prozeß, der neuerdings vor dem Pa—
riser Gerichtshof verhandelt wurde, und worin es
sich um den Kauf und Verkauf von Seelenmessen
handelte. Dieser Prozeß hat obiges Lied bewahr⸗
heitet. Er zeigt auch, wie das römisch-katholische
Volk auf jämmerliche Weise durch die Irrlehren
seiner Priester betrogen wird.
Unter Seelenmessen versteht man die Messen,
welche Familien für ihre verstorbenen Verwand⸗
ten bestellen: das Meßopfer, welches mit be—
stimmter Absicht auf den Verstorbenen vollzogen
wird, soll Letzterem zu Gute kommen, so daß für
ihn die Leiden im Fegfeuer abgekürzt werden.
Je mehr Messen, desto kürzere Zeit im Fegfeuer.
Eine solche Messe kostet Einen Franken. In
großen Städten häufen sich die Bestellungen der—
maßen, daß die Priester die Messen nicht alle lesen
können. In Paris rechnet man die Bestellungen
(intentions de messes) jährlich zu mehreren
Hunderttausenden. Nun hat es das päbstliche
Necht erlaubt, solche Messen von einem Priester
auf den andern zu übertragen. Und da in Paris
die Zahl der Priester nicht hinreicht, alle bestellten
Messen zu lesen, so werden sie von der Pariser
Geistlichkeit den Priestern auf dem Lande über—
tragen. Da findet nun ein regelmäßiger Kauf
und Verkauf mit diesen Messen Statt. Priester
und Buchhändler dienen als Mittelspersonen;
und da die Sache ganz geschäftsmäßig betrieben
wird, wollen diese auch ihren Profit dabei haben.
Von dem ersten Franken zahlen sie z. B. 5 Sous
als Prämie dem Priester, der ihnen den Auftrag
gibt, und behalten 5 Sous für sich als Com-—
missionsgebühr, und dann werden die Messen
der Land⸗moder Provinzgeistlichkeit etwa zu
10 Sous feilgeboten.. ö
Ob nun die bestellten und bezahlten Messen
auch wirklich alle gelesen werden, darum hat sich
bis jetzt Niemand bekümmert: die römischen
Priester beherrschen ja dermaßen das Volk, daß es
Niemand bis jetzt eingefallen ist, eine Controlle
über die Intentionsmessen zu üben.
Allein die Gerichtsbarkeit ist darüber gekommen.
Ein ehemaliger Priester, Namens Vidal, der schon
einmal wegen Betrügereien verurtheilt worden
war, hat in Verbindung mit einem Geschäfts—
Agenten, Namens Dousset, den Messenhandel ins
Große getrieben. Er schickte Prospecte auf Pro⸗
specte in sämmtlichen Departementen herum und
zwar ließ er darunter die Namen mehrerer Priester
drucken, welche diese Agentur den Provinzgeistlichen
angeblich empfahlen. Eine bedentende Anzahl
Priester in den Departementen ließen sich nun
herbeilocken und schickten der Agentur Dousset die
Zeddel, wornach sie sich verpflichteten, Messen für
Verstorbene zu lesen: ein Platz war auf dem Zed⸗
del freigelassen, um da später den Namen des Ver⸗
storbenen, für welchen Messen gelesen werden soll⸗
ten, einzutragen. Dousset ließ sich mit Hülfe dieser
Zeddel in Paris Messen auftragen, zog das Geld
ein, behielt es aber für sich (soviel man weiß,
72,677 Franken). Auf diese Weise kam dann
der Betrug heraus. Die Priester, welche er be—
trogen hatte, mußten als Zeugen auftreten. Ein
Priester, Namens Bonnetat, hatte für 7,618 Mes⸗
sen unterschrieben, ein anderer für 1,270; ein
Pfarrer, Namens Blane, hatte 11,265 Messen
übernommen, derselbe hatte in zwei Jahren für
100,000 Franken Messen verkauft. Denn, wie
es scheint, trieben diese Priester den Handel noch
weiter. Statt mit baarem Gelde, ließen sie sich
auch mit Büchern, Mobiliar und feinem Wein
ausbezahlen.
Was ist nun aus den vielen bestellten Messen
geworden? Und wie mögen sich die armen Seelen
im Fegfeuer darüber beschweren!
Dousset wurde zu 1 Jahr Gefängniß und
50 Fr. Geldstraft, Vidal, der Hauptschuldige, zu
5 Jahren Gefängniß und 3000 Fr. verurtheilt.
Uns dünkt aber, der Hauptschuldige in der ganzen
Sache ist das Pabstthum selber mit seiner verderb⸗
lichen Lehre vom Fegfeuer, Meßopfer und Werk⸗
heiligkeit. Der Scandal, den Vidal angerichtet,
gleicht er nicht aufs Haar dem Ablaßkram des
Tetzel? Aber wo findet sich jetzt unter dem Pabst—
thum ein Mönch, der im Namen IeEsu Christi
gegen solchen Greenel zeugt?
(Schifflein Christi in Paris.)
„Warum weigert sich das General Council,
den Vorschlag einer Freien Canferrnz
anzunehmen?“
Diese Frage beantwortet der „Lutheran
Standard“ vom 1. December unter der Chiffre
N. W. folgendermaßen: „Zur Zeit, als das
General Council gebildet wurde, fanden einige
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