Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 26, Nummer 8 › Seite 61
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 15. Dezember 1869, Seite 61
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Geiz 4 · Geiz
Der Zutheraner.
Weitläufigkeiten, um ausweichen zu können, und
als das gegenüber der Beständigkeit des Frage⸗
Legate für die Kirche. Im „Evange—
listen“ vom 1. December lesen wir Folgendes:
sellers nicht mehr helfen wollte, sagte man in der „Frau Sophia Meylin, welche neulich in Lan⸗
bekannten Weise: mum, mum; so daß wir jetzt caster starb, vermachte der deutsch— lutherischen
cbenso klug sind, wie vorher.
daß das alle Fragesteller befriedigen werde, zumal!
Pastor Brobst hoff, Kich daselbst die Summe von 10,000 Dollars
und der englischen Trinitatis-Kirche 1,000 Doll.
man nächstes Jahr dieselbe Procedur zu wieder⸗ Das Gesetz fordert, daß Vermächtnisse dieser Art
holen beabsichtigt.
aul Conncil ist durch die letzten Verhandlungen
nur bestätigt worden.“ — Der „Observer““ spricht
sich über die Behandlung der vier Punkte folgen—
dermaßen aus: „Uns erscheint die ganze Sache
naebelhaft. So nebelhaft waren die Fragen ge—
stellt, daß sie wieder zurückberichtet wurden. So
nebelhaft war der Committer-Bericht über diesel⸗
ben, daß weder der Präsident, noch der Council
ihn verstand, und er zurückberichtet wurde. Und
das Substitut von Professor Harkey war nicht
weniger nebelhaft als beide. Den Abgeordneten
(eon Minnesota) gelang das Werk der Erläute—
mung nicht und das Committee stand bleich vor
Entsetzen vor der riesenhaften Aufgabe der Deut—
lichmachung und so wurden aus Mangel von ein
Bischen Ehrlichkeit, Geradheit und Courage so—
wohl, als mit einer weisen Vorahnung der Ruthe
Missouris die vier Punkte auf ein Jahr in der
Wiege der „expeclieney“ zur Ruhe gebracht.“ —
Die „Kirchenzeitung“ von Ohio berichtet: „So—
weit ging alles gut im Couneil, und man machte
bedeutende und glückliche „Geschäfte.“ Da fiel
es nun dem Delegaten der Minnesota-Synode,
Past. Sieker, unglücklicherweise ein, im Namen
seiner Synode zu fragen, wie inan denn die Be—
schlüsse, die letztes Jahr in Pittsburg über die
„vier Punkte“ gefaßt wurden, zu verstehen habe.
Das war eine sehr unbarmherzige Handlung von
Past. Sieker, denn mit seiner Frage verursachte
er Unruhe und störte das Programm des Geschäfts—
weges und brachte das Couneil, Mens volens
auf das unerwünschte Gebiet der Lehrfra⸗
gen. Zuerst suchte man ihn als außer Ordnung C
zu erklären; als das aber unpraktisch erschien und
Sieker hartnäckig auf seiner Frage beharrte, wurde
eine Committee bestimmt, dieselbe zu beantworten.
Die Antwort lief ein, war aber nicht recht befrie⸗
digend, nach keiner Seite hin; Past. Roof warnte
sogar ernstlich, man möge doch vorsichtig
sein in dieser Sache. Man beanstandete aufs
Neue das Recht des Past. Sieker, solche Frage zu
thun, und brachte es endlich dahin, daß derselbe
die Frage zurücknahm, um sie in anderer Form
vorzulegen. Eine andere Committee bekam nun
diese störende Sache in die Hände, und berichtete
endlich durch Dr. Krauth. Die Antwort war
nicht übel, wie es sich von Dr. Krauth nicht an—
ders erwarten ließ, allein das Council war jetzt
zu schr erschöpft, um darüber zu urtheilen und
verschob diese ganze Sache auf nächstes Jahr.
Pastor Sieker aber weiß jetzt ebenso wenig wie
andere Leute, was die Pittsburg⸗Beschlüsse über
die „vier Punkte“ zu bedeuten haben. Nächstes
Jahr wird er's vielleicht erfahren.“
Wir sind gewissermaßen der⸗
selben Ansicht, denn unser Urtheil über den Gene-
wenigstens 30 Tage vor dem Tod des Vermachers
gemacht werden müssen. Indem sie ihren Willen
nur etliche Tage vor ihrem Tode schrieb, so ist er
nicht giltig, und die 511,000 gehen der Kirche
verloren.“ So bedauerlich dies ist, so können
wir das Gesetz nur loben, da die darin gemachte
Bestimmung offenbar den Zweck hat, pfäffischer
Erbschleicherei, wie sie namentlich in der römischen
Kirche im Schwange geht, einen Riegel vor—
zuschieben. W.
Die Generalsynode der Brüder⸗
gemeinde, welche in Herrnhut (Sachsen) ver⸗
sammelt war und sich am 8. Juli vertagte, hat
auch die von America aus angeregte Frage wegen
Betheiligung an geheimen Gesellschaften be—
sprochen. Zwar wurde nichts Bestimmtes dar—
über beschlossen, aber im Allgemeinen ernstlich ab⸗
gerathen, sich „Gesellschaften anzuschließen, deren
Tendenzen und Grundsätze prineipiell (aus
Grundsatz) der Oeffentlichkeit entzogen werden,
im Hinblick auf Joh. 3, 20. 21. und auf die
Widersprüche, in welche sie dadurch mit den
Grundsätzen des christlichen Glaubens gerathen
könnten“. — Es ist erfreulich, daß selbst die
Herrnhuter einsehen, daß schon die Geheimthuerei
jener Gesellschaften unchristlich ist, da nur böse
Werke das Licht scheuen und mit dem Geheim—
thun jedenfalls das Wort Gottes übertreten wird:
„Meidet allen bösen Schein.“ 2 Thess. 5, 22.
Freimaurer-Coneil. Sämmtliche Frei-⸗
maurer Europa's sind auf den 8. December zu
einem Coneil nach Paris berufen. Der Groß-—
„meister der Freimaurer in Frankreich meint, damit
dem zu derselben Zeit in Rom tagenden Pabst⸗
Concil Opposition machen zu müssen.
Oesterreich. Die bisherigen Fibeln und
Lesebücher für die Elementarschulen Oesterreichs
sind einer Umarbeitung unterworfen worden, um
sie den s. g. confessionslosen Schulen anzupassen.
Bei dieser Umarbeitung ist jeder kirchlich-religiöse
Aufsatz beseitigt und der Name Jesus ist in dem
Lesebuch nicht ein einziges Mal zu finden.
Sachsen. Die „Indiana Staatszeitung“
von Fort Wayne theilt aus den „Leipziger Nach—
richten“ Folgendes mit: „Nach einer verbürgten
Nachricht ist der Graf Karl von Schönburg—
Glauchau, welcher voriges Jahr in Rom zur
römischen Kirche übertrat, von einer unheilbaren
Krankheit befallen worden und, bereits dem Tode
nahe, von Glauchau nach Rom abgereist.“
Nachdem derselbe die Gemeinden, deren Kirchen⸗
patron er ist, durch seinen Abfall in so große
Furcht vor dem Verlust ihrer kirchlichen Freiheit
versetzt hat, werden diese Gemeinden nun schwer⸗
lich in ihrer Fürbitte für des Grafen Wieder—
genesung sehr eifrig sein.
DD
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Ach, daß ich mein Leben dem Geld⸗
Sammeln gewidmet habe!“
So klagte unter anderm ein Mann, der über
Millionen zu verfügen hatte, auf seinem Sterbe—
bette. Er war Glied in einer orthodoren“ Kirche
der Stadt New Rork und erfüllte als solches eifrig
alle seine Pflichten, und dennoch bekannte er auf
seinem Sterbebette, daß „ein dem Geld-Sammeln
gewidmetes Leben“ ihn niederdrücke und an dem
ewigen Leben verzweifeln lasse. ö
Als sein Pastor ihn trösten wollte, kehrte er sein
Gesicht zur Wand mit dem Ausruf: „Sie haben
meinen geldgeizigen Sinn nie getadelt. Sie
haben ihn weise Sparsamkeit und Vorsicht ge—
nannt; aber jetzt weiß ich, daß alle Reichthümen
blos ein Fallstrick für meine arme Seele gewesen
sind.“ Wie schmerzlich drängte sich ihm jetzt di
Wahrheit auf: „Die da reich werden wollen, die
fallen in Versuchung und Stricke und viel thörich—
ter und schädlicher Lüste, welche versenken die Men⸗
schen ins Verderben und Verdammniß. Denn
Geiz ist eine Wurzel alles Uebels, welches hat
etliche gelüstet, und sind vom Glauben irre ge
gangen und machen ihnen selbst viel Schmerzen.“
1 Tim. 6, 9. 10. ö
Merke! dieser arme Mann beklagte nicht,
daß er reich war, sondern daß er sein „Leber
dem Geld-Sammeln gewidmet hatte.
Reichthum an sich ist nicht unrecht, wenn er nich!
mit Unrecht erworben ist; aber das Erlangei
von Reichthum zum Ziel seines Lebens zu machen
— die beste Kraft des „Lebens, das wir jetzt leben
im Fleische,“ diesem einen Zweck zu weihen“ —
das Erwerben von Reichthümern über alles
andere zu setzen, das das ist die Sünde.
Diese Betrachtung war es, welche die Seele
des sterbenden New Norker Millionärs mit bitte—
rer Reue erfüllte. Obgleich er ein „gutes“ christ—
liches Gemeindeglied war, baute sein Herz nich
auf Gott, sondern auf den Reichthum. —
Wie die Samariter vor Alters, „die den HErrn
fürchteten, und ihren eigenen Göttern dienten,
so fürchtete er Gott äußerlich, aber im Herzen
beugte er seine Kniee vor dem Mammon.
Und, lieber Leser, ist dies nicht eine der herr
schenden Sünden dieses Zeitalters, und nicht de
Welt allein, sondern — selbst der Kircher
Viele bekennen zwar, daß sie Verehrer Gottes sind
aber ihr Leben ist dem Erlangen des „ungerech
ten Mammon“ geweiht. Hunderte, ja tausend
handeln, als ob Geld, selbst mit den größter
Opfern erkauft, das höchste Ziel des Lebens wäre
Diese Classe weigert sich nicht etwas zu kirchlichen
Zwecken zu geben, trotz ihrer habsüchtigen Begier
den und Absichten. Die Summen scheinen auch
in ihren Augen, verglichen mit dem was ander
in der Kirche geben, groß zu sein. — So betrügen
sie sich selbst mit dem Wahne, daß sie wahrhaf
freigebig seien, aber sie vergegenwärtigen sich nich
das verhältnißmäßige Vermögen, welches si
haben, und jene mit deren Gaben sie die ihrigen
vergleichen. . ..
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