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Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1848-09-12, Seite 1

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Bekenntnisſchriften 3 · Chriſtenverfolgung 2 · Geſangbuch 1 · Uuion · Unzucht · Loge 3 · Luther 4 · Miſſion 29 · Papſttum 6

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Der Lutheraner.

„Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“

Herausgegeben von der deutschen evangelisch-lutherischen Synode von Missouri, Ohio und anderen Staaten.

Redigirt von C. F. W. Walther.

Jahrgang 5.  St. Louis, Mo., den 12. September 1848.  No. 1.

Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subscriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterschreiber, welche denselben vorauszubezahlen und das Postgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft.

Nur die Briefe, welche Mittheilungen für das Blatt enthalten, sind an den Redacteur, alle anderen aber, welche Geschäftliches, Bestellungen, Abbestellungen, Gelder ꝛc. enthalten, unter der Adresse: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu senden.

Vorwort des Redacteurs zum fünften Jahrgang des „Lutheraner“.

„Vorwärts! Vorwärts!“ so tönt es von allen Seiten in unseren Tagen. So rufen jetzt nicht nur die Lichtfreunde, sondern auch selbst die „gläubigen“ Protestanten, ja — o Wunder des neunzehnten Jahrhunderts! — so ruft jetzt selbst der Pabst von seinem hohen Stuhle herab. Hingegen: „Zurück, ihr Lutheraner, zurück zu Luther, zu seiner Reformation, Kirche und Lehre!“ so hat bisher der „Lutheraner“ auf seiner vierjährigen Wanderschaft durch die hiesigen Gemeinden immer und immer gerufen. Das ist ja freilich ein recht böser Mißton in die schöne Harmonie hinein gewesen, zu der es endlich in der Welt gekommen ist. Es ist aber auch daher dem „Lutheraner“ bisher gar übel ergangen. Die Lichtfreunde haben ihn dafür als einen Feind des Lichtes und der Freiheit in Acht und Aberacht erklärt, die Papisten ihn als einen im Abfall von der Kirche sich Verstockenden in den Bann gethan und die Unionsmänner ihn als einen engherzigen Fanatiker, als den bornirten Altlutheraner aus der Liste der wahren Protestanten ausgestrichen. Sollte nun wohl, werden vielleicht manche unserer lieben Leser sagen, der arme verlassene und verstoßene „Lutheraner“ den Muth haben, bei seinem Zurück! Zurück! auch in seinem neuen Jahreslaufe zu verbleiben? Sollte er nicht vielleicht zu der Ueberzeugung gekommen sein, daß wir nun einmal im Zeitalter des Fortschrittes leben, und daß es daher thöricht sei, allein zurückbleiben, ja zurück schreiten zu wollen?

Es ist offenbar um der Ehrlichkeit willen nöthig, daß die lieben Leser, vor welchen der „Lutheraner“ mit der gegenwärtigen Nummer wieder erscheint, über diesen Punkt nicht im Unklaren gelassen werden. So sagen wir es denn hiermit auch sogleich in diesem unserem Vorworte zum neuen Jahrgange heraus: Ja, auch in dem neuen Jahrgange wird der „Lutheraner“ bei seiner alten Losung: Zurück! zurück zu Luther, seiner Reformation, Kirche und Lehre! ob Gott will, verbleiben. Damit aber die lieben Leser den „Lutheraner“ hierbei nicht mißverstehen und ihm, daß er so verfährt, nicht für einen bösen Eigensinn auslegen, so wollen wir sogleich dies erste Mal im neuen Jahre ein wenig davon sagen, warum wahre Lutheraner nicht umhin können, zu der durch Luthern gestifteten Reformation und von ihm gepredigten Lehre zurückzukehren, ja warum eigentlich alle, die noch Christen sein wollen, mit dem „Lutheraner“ dahin zurückkehren sollten.

Um uns hierbei möglichst kurz zu fassen, wollen wir nur auf zwei Hauptgründe dafür hinweisen. Der erste ist, weil Luther offenbar ein Gesandter Gottes und von ihm zum Reformationswerke berufen war; der zweite ist, weil Luther offenbar nichts anderes, als das ewige Evangelium wieder gelehrt hat. —

Ist es gewiß, daß Luther ein Gesandter Gottes und von ihm selbst zum Reformationswerk berufen war, so ist es auch, meinen wir, von keinem Menschen, der noch an Gott glaubt, zu leugnen, daß alle, die wahre Lutheraner, alle, die Christen sein wollen, zu der durch Luthern gestifteten Kirchenreformation und zu der von demselben gepredigten Lehre zurückkehren und dabei bis in den Tod treulich verharren sollten. Denn war Luther von Gott selbst zu so hohem Werke gesandt und berufen, so gilt auch von ihm, was der HErr von den Aposteln sagt: „Wer euch höret, der höret mich, und wer euch verachtet, der verachtet mich; wer aber mich verachtet, der verachtet den, der mich gesandt hat.“ Luc. 10, 16.

Das wissen die Papisten wohl, daher sind sie auch von jeher bemüht gewesen, zu beweisen, daß Luther zu seinem Werke keinen Beruf gehabt habe. Sie sagen: wer hat es ihm geheißen, einen so großen Aufruhr und eine so große Spaltung in der Christenheit anzurichten? Hatte er nicht geschworen, der römischen Kirche treu zu bleiben? Wie durfte er daher ihr Feind werden, von ihr abfallen und sie zerstören?

Wir antworten hierauf: Luther war allerdings zum Reformationswerk berufen, und zwar erstlich auf ordentliche gewöhnliche, aber auch auf ungewöhnliche außerordentliche Weise.

Einen ordentlichen Beruf zum Dienste der Kirche hat Luther empfangen zu verschiedenen Zeiten. Erstlich als er 1507 zum Priester geweiht, sodann 1509 zum Professor der Gottesgelahrtheit an der Universität ernannt, hernach 1511 zum Doctor der heiligen Schrift gemacht und endlich 1512 auch zum Prediger und Pfarrer bei der Stadtkirche zu Wittenberg erwählt worden ist. Bei der Annahme dieser Berufe hat nun zwar Luther auch dem Pabste und seiner Kirche Treue angelobt, aber zugleich und vor allem hat er dabei auch Gotte und seinem Worte, Christo und seiner Kirche Treue geschworen. Als er Priester wurde, rief man ihm u. A. zu: „Wir geben dir Macht, zu lehren das Wort Gottes“, und als er Professor wurde: „Es ist nun deine Pflicht, das Gesetz Gottes auszulegen und das Buch des Lebens zu lehren.“ Als er Doctor der heiligen Schrift wurde, mußte er mit zu Gott aufgehobener Hand sprechen: „ich schwöre, daß ich fremde, von der Kirche verdammte und frommen Ohren ärgerliche Lehren nicht vortragen will“, und als er kurz zuvor Licentiat geworden war: „Ich schwöre, daß ich die evangelische Wahrheit nach allen meinen Kräften vertheidigen will.“ Mochte daher Luther als Papist, weil es ihm damals noch an vollständiger Erkenntniß mangelte, auch andere wider Gottes Wort und die wahre Kirche streitende Gelübde abgelegt haben, so konnten doch diese ihn so wenig binden, als das gottlose Versprechen, welches ein Räuber seinem Hauptmann geleistet hat; dazu wurden jene ungöttlichen Gelübde durch Eidschwüre für Gottes Wort und für die allgemeine christliche Kirche wieder aufgehoben und ungültig. Daher hat denn auch Luther dieses seines ordentlichen Berufes in seinen Anfechtungen vielfach sich getröstet und darauf vor jedermann sich freudig berufen. Als man z. B. im Jahre 1523 in der Stiftskirche zu Wittenberg die papistische Messe nicht abschaffen wollte, redete er seine Gemeinde von der Kanzel mit den Worten an: „Ich bin von euch zum Predigtamt berufen, habe einen göttlichen Befehl, daß ich die Gemeine Gottes allhie mit dem reinen Wort weiden soll: will mir derhalben von Amtswegen gebühren, darob mit Ernst zu sein, daß solch Uebel und Aergerniß in der

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Der Lutheraner.

"God's Word and Luther's doctrine pure shall to eternity endure."

Published by the German Evangelical Lutheran Synod of Missouri, Ohio, and Other States.

Edited by C. F. W. Walther.

Volume 5.  St. Louis, Mo., September 12, 1848.  No. 1.

Terms: Der Lutheraner appears once every two weeks at the yearly subscription price of One Dollar for out-of-town subscribers, who are to pay the same in advance and bear the postage. — In St. Louis each single number is sold for 5 cents.

Only those letters which contain communications for the paper are to be sent to the Editor; all others, however, which contain business matters, orders, cancellations, moneys, etc., are to be sent here, addressed: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo.

Preface of the Editor to the Fifth Volume of the "Lutheraner."

"Forward! Forward!" so it sounds from all sides in our days. So cry now not only the Friends of Light, but even the "believing" Protestants, yea — O wonder of the nineteenth century! — so cries now even the Pope from his high seat. On the other hand: "Back, you Lutherans, back to Luther, to his Reformation, Church, and doctrine!" so has the "Lutheraner" hitherto cried, again and again, on its four years' pilgrimage through the congregations of this country. That has indeed been a very ugly discord in the beautiful harmony to which the world has at last come. And therefore it has also gone very ill with the "Lutheraner" hitherto. The Friends of Light have on that account put it under ban and outlawry as an enemy of light and freedom; the Papists have laid it under excommunication as one hardening himself in apostasy from the Church; and the Union men have struck it from the list of true Protestants as a narrow-hearted fanatic, as the bigoted Old Lutheran. Now perhaps some of our dear readers will say: Should the poor forsaken and rejected "Lutheraner" have the courage to persist in its Back! Back! also in its new course of the year? Should it not perhaps have come to the conviction that we live, after all, in the age of progress, and that it is therefore foolish to want to remain behind alone, yea, to march backward?

It is evidently necessary, for honesty's sake, that the dear readers before whom the "Lutheraner" appears again with the present number should not be left in the dark on this point. So we declare it herewith at once, in this our preface to the new volume: Yes, also in the new volume the "Lutheraner" will, God willing, remain by its old watchword: Back! back to Luther, his Reformation, Church, and doctrine! But in order that the dear readers may not misunderstand the "Lutheraner" in this, and may not construe it to him as an evil obstinacy that he proceeds thus, we will at once, this first time in the new year, say a little about why true Lutherans cannot do otherwise than return to the Reformation founded by Luther and to the doctrine preached by him, yea, why really all who still wish to be Christians should return thither with the "Lutheraner."

To be as brief as possible in this, we will point to only two chief reasons for it. The first is, because Luther was manifestly an ambassador of God and called by Him to the work of the Reformation; the second is, because Luther manifestly taught nothing else than the everlasting Gospel once more. —

If it is certain that Luther was an ambassador of God and was called by Himself to the work of the Reformation, then it is also, we think, not to be denied by any man who still believes in God, that all who are true Lutherans, all who wish to be Christians, should return to the Church Reformation founded by Luther and to the doctrine preached by the same, and in this faithfully persevere unto death. For if Luther was sent and called by God Himself to so high a work, then it holds true also of him what the LORD says of the apostles: "He that heareth you heareth me; and he that despiseth you despiseth me; and he that despiseth me despiseth him that sent me." Luke 10:16.

This the Papists know well; therefore they have also from of old been at pains to prove that Luther had no call to his work. They say: Who bade him raise so great an uproar and so great a division in Christendom? Had he not sworn to remain faithful to the Roman Church? How, then, could he become her enemy, fall away from her, and destroy her?

We answer to this: Luther was indeed called to the work of the Reformation, and that, first, in an ordinary, regular manner, but also in an unusual, extraordinary manner.

An ordinary call to the service of the Church Luther received at various times: first, when in 1507 he was ordained a priest; then in 1509 appointed professor of theology at the university; afterward in 1511 made Doctor of Holy Scripture; and finally in 1512 also chosen preacher and pastor at the city church at Wittenberg. In accepting these calls Luther indeed pledged fidelity also to the Pope and his Church, but at the same time and above all he swore also fidelity to God and His Word, to Christ and His Church. When he became a priest, they called to him, among other things: "We give thee power to teach the Word of God"; and when he became a professor: "It is now thy duty to expound the law of God and to teach the book of life." When he became Doctor of Holy Scripture, he had to say with hand raised to God: "I swear that I will not present strange doctrines, condemned by the Church and offensive to pious ears"; and when shortly before he had become a licentiate: "I swear that I will defend the evangelical truth with all my powers." Though Luther, therefore, as a Papist, because he still lacked complete knowledge at that time, may also have taken other vows contrary to God's Word and the true Church, yet these could bind him as little as the ungodly promise which a robber has made to his captain; moreover, those ungodly vows were revoked and made void by oaths for God's Word and for the universal Christian Church. Therefore Luther also has often comforted himself in his temptations with this his ordinary call, and has joyfully appealed to it before every man. When, for example, in the year 1523 in the collegiate church at Wittenberg they would not abolish the papistical Mass, he addressed his congregation from the pulpit with these words: "I am called by you to the office of preaching; I have a divine command to feed the congregation of God here with the pure Word: therefore it behooves me by virtue of my office to be in earnest that such evil and offense in the