Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 1 › Seite 6

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1848-09-12, Seite 6

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Zeremonien 4 · ö Anhang 6 · Miſſion 4 · Obrigkeit 11 · Obrigkeit 18

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marken, weil sie einige unschuldige Ceremonien beibehalten haben, welche ganze rechtgläubige evangelisch-lutherische Nationalkirchen Jahrhunderte lang gehabt und zum Theil bis diese Stunde behalten haben?*) Gesetzt auch, Herr Weyl wäre ein so beschränkter Kopf, daß er jene überaus lieblichen Symbole der Grundwahrheiten des Evangeliums von Christo, dem Gekreuzigten und dem Lichte der Welt, für Ceremonien ansähe, die die rechtgläubige lutherische Kirche nur den Schwachen zu Lieb' aus der römischen Kirche beibehalten hätte, die man aber nun endlich abthun sollte, wie lieblos, wie sündlich richtend und verdammend, wie boshaft ist es aber dann doch, sonst rechtgläubige und eifrige Diener Christi deswegen, weil sie jene Ceremonien beibehalten, „papistische Pfaffen“ zu schelten und als geheime Jesuiten zu verdächtigen, die ihre Gemeinden in das Pabstthum zurückführen wollten! Schande über einen Mann, der den Namen eines evangelisch-lutherischen Predigers, den er trägt, durch solche schwere Versündigungen an seinen Nächsten, ja an seinen Amtsbrüdern, die ihm nie etwas zu leid gethan, so schändet! Gott erbarme sich seiner armen Seele und gebe ihm Buße, so lange es noch für ihn heute heißt. Amen.

Die Ketzer sind durchgängig hitziger und fleißiger in Fortpflanzung ihrer Irrthümer, als die Frommen im wahren Dienste des Wortes. Und dieses darum, weil den Frommen der Satan widerstehet; die Sectirer aber und Ketzer verhindert nicht allein der Satan nicht, sondern fördert sie auch, und reizet sie an.

(Luther über Joh. 17, 11.)

(Eingesandt von P. Brohm.)

Wie soll ein Christ die bekannten Ereignisse in Europa, sonderlich in Deutschland, ansehen?

Diese Frage scheint uns von nicht geringer Bedeutung zu sein, um so mehr, da sie nach unserer Ueberzeugung vom hiesigen Publicum ganz falsch beantwortet wird. Noch tönt in unsren Ohren der Jubel nach, mit dem die europäischen Revolutionen hier begrüßt wurden. In Volksversammlungen, in Zeitungen, selbst auf Kanzeln fanden sie ihre Lobredner. Dieß sei, so hieß es, der Anbruch der goldnen Zeit, des Siegs über Aberglauben und Despotie, und eine nicht geringe Befriedigung fand der republikanische Stolz in der Aussicht einer bedeutenden Vermehrung der republicanischen Familie. Alle Monarchen wurden natürlicher Weise, blos weil sie Monarchen waren, als Tyrannen gebrandmarkt, welche zu verjagen nicht die geringste Bürgertugend sei, und die es wirklich gethan, wurden als Helden und Märtyrer der Freiheit gepriesen. Selbst unter dem christlichen Publicum hört man über die Revolutionen meist nur huldigende Aeußerungen über Fortschritte der Freiheit und Vorboten großer Siege im Reiche Gottes, über dem, was Gott in Gnaden aus ihnen noch Gutes machen kann und wird, ganz vergessend, was sie an sich als Menschenwerke sind.

Was nun unsre Ansicht von der Sache betrifft, so wollen wir keineswegs den Christen zu einem müßigen, theilnahmlosen Zuschauer machen, aber eben so weit sind wir entfernt, leugnen zu wollen, daß Gott es alles so regieren werde, daß auch das Böse zu seines göttlichen Namens Ehre und seiner Auserwählten Heil gereichen werde, aber was an den erwähnten Ereignissen Menschenwerk ist, dessen können wir uns wahrlich nicht mitfreuen. Wir halten es mit Gottes Wort, welches alle Revolutionen hart verpönt. Daß alle Obrigkeiten in der Welt Ordnungen Gottes sind, daß jeder Christ ihnen Gehorsam und Unterthänigkeit schuldig ist in allen Stücken, wo es ohne Sünde geschehen kann, und selbst dann, wenn die Unterthänigkeit mit Erdulden eines Unrechts verbunden ist, das weiß ein Christenkind schon aus der Haustafel. Widerstreben wider die Obrigkeit, und nichts anders ist ja die vergötterte Revolution, ist in der heiligen Schrift mit keinem Worte gebilligt oder erlaubt, vielmehr durchweg ausdrücklich verboten. Die heilige Schrift bestimmt nicht, welche Form die Obrigkeit haben müsse, denn sie hat es mit weit höhern Dingen zu thun, als weltliche Ordnungen zu machen, sondern sie läßt die bereits bestehenden Obrigkeiten bleiben und bestätigt sie, sie mögen monarchisch oder republikanisch sein, die Form kann verschieden sein, das Wesen bleibt immer dasselbe. Die heilige Schrift schneidet also auch die Behauptung von jedenfallsiger Souverainität des Volkes ganz ab. Dieser Lehre gemäß ist ein Christ, als solcher, weder ein Monarchist, noch ein Demokrat, unbeschadet seiner etwaigen Privatmeinung, nach der er der einen oder der andern Regierungsform den Vorzug gibt, sondern er hält alle geordnete Regimente für göttliche Ordnungen; da kann also eben so wenig von einem absoluten göttlichen Rechte der Fürsten, noch von einer Souverainität des Volks, von dem aus alle Gewalt erst übertragen werden müsse, die Rede sein; überhaupt behauptet ein Christ über alle politische Dinge, so weit sie sein eigenes persönliches Interesse betreffen, eine, daß wirs so nennen, heilige Gleichgültigkeit. Mögen diejenigen, welche keinen höhern Schatz kennen, sich die Köpfe erhitzen und die Kehlen heiser schreien mit: es lebe die Republik! oder, es lebe der Kaiser! mögen sie in tollem Wahnwitz ihr Leben aufs Spiel setzen, um eine Freiheit zu erfechten, die im besten Falle nur ein zeitliches Ding ist; ein Christ, dessen Bürgerrecht im Himmel ist, sieht das bestgeordnete Weltreich nicht für sein Himmelreich, die ausgedehnteste bürgerliche Freiheit nicht für die Freiheit der Kinder Gottes an; er ist ein Pilgrim und Fremdling, der durch diese vergängliche Welt hindurch wandelt nach einer Stadt, die Gott erbaut hat und kein Mensch, gebraucht der Welt und ihrer Güter, wie ein Reisender der Herberge, nicht da zu bleiben, sondern Nachtlager und Zehrung zu nehmen und seinen Wanderstab weiter fortzusetzen; daher fügt er sich auch in die Hausordnung, die einmal in der Herberge üblich ist; sinnt nicht darauf, sie umzustoßen und eine neue zu machen; läßt sichs gefallen, ob ihn der Wirth oben oder unten an setze über Tische, d. i., ob ihn Gott zum Herrschen oder Gehorchen berufen hat. Daraus folgt auch die politische Genügsamkeit, daß der Christ zufrieden ist mit jeglichem Regimente, unter welchem er ein geruhiges und stilles Leben führen kann in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit. Will ihn die Obrigkeit daran hindern, so greift er dennoch nicht zum Schwerte, sondern zum Gebete, leidet, erduldet oder wandert aus. Mit diesen Grundsätzen im Kopf und Herzen ist ein Christ mitten im republikanischen Lande kein fanatischer Republikaner und Fürstenhasser, und im monarchischen Lande kein elender Fürstenknecht, und, so wie ers für sträfliche Empörung wider Gottes Ordnung ansehen würde, wollte jemand die hier gesetzlich bestehende republikanische Verfassung umstoßen, so sieht ers nicht minder für ein ungöttliches Vornehmen an, bestehende Monarchien in Republiken gewaltsam umwandeln zu wollen. Das ist unsers Dünkens der rechte Mittelweg, auf dem ein Christ, weder zur Rechten noch zur Linken ausschreitend, einherzugehen hat, und je freventlicher hiesigen Landes die Lehre vom göttlichen Rechte der Obrigkeit angetastet wird (man denke nur an den Spott, womit man das, richtig verstanden, sehr treffliche „von Gottes Gnaden“ hier durchzieht), desto dringender thuts Noth, den hier lebenden Christen den 16ten Artikel der Augsburgischen Confession und Apologie: vom Polizei- und weltlichen Regiment, einzuschärfen. Doch wir behalten uns die Fortsetzung bis zum nächsten Male vor.

Eine interessante Schilderung der Bewegung der Slaven findet sich in der letzten Nummer des Amerikanischen Botschafters. Dort heißt es also: — Vor 600 Jahren war der ganze östliche Theil Deutschlands von slavischen Volksstämmen bewohnt. In Meklenburg, Pommern, Brandenburg, Sachsen, Schlesien, Böhmen, Mähren, Oesterreich, Steiermark und Kärnthen war das slavische Element vorherrschend. Dies ist durch Einwanderung und Eroberung seitens der Deutschen anders geworden, und die meisten jener Länder sind jetzt rein deutsche Länder. In Böhmen und Mähren nur haben die Slaven noch ihre Sprache und Art behalten. Zwei Drittheile der Einwohner sprechen noch tschechisch, was auch die Sprache der Slovaken im nördlichen Ungarn ist. Diese Völkerstämme wollen jetzt Rache und Genugthuung haben für die Unterdrückung, die von Seiten der Deutschen, wie sie sagen, (eigentlich aber nur von der österreichischen Regierung) so lange gegen sie ausgeübt ist. Sie gehen damit um, ein eignes tschechisches Reich zu gründen. Die weiter südlich wohnenden Slaven, nämlich die Slovenzen, Kroaten und Serben denken ein großes südslavisches Reich zu bilden, das vom adriatischen bis zum schwarzen Meere reichen und mit dem Tschechen-Reiche in brüderlicher Verbindung stehen soll. Sehr unwillkommen ist ihnen hiebei, daß mitten zwischen die nördlichen und südlichen Slaven sich die Magyaren (der herr-

*) So viel wir wissen, hat jene von Herrn Weyl als papistisch ausgeschrieenen Ceremonien auch die ganze unirt-evangelische Kirche Preußens behalten.

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mark, because they have retained some innocent ceremonies, which whole orthodox Evangelical Lutheran national churches have had for centuries and in part have retained to this hour?*) Granted even that Mr. Weyl were so narrow a head that he regarded those exceedingly lovely symbols of the fundamental truths of the Gospel of Christ, the Crucified and the Light of the world, as ceremonies which the orthodox Lutheran Church had retained from the Roman Church only for the sake of the weak, which one should however at last now put away, how unloving, how sinfully judging and condemning, how wicked it is nevertheless then, to revile otherwise orthodox and zealous servants of Christ as “popish priests” for retaining those ceremonies, and to suspect them as secret Jesuits who wanted to lead their congregations back into popery! Shame upon a man who so disgraces the name of an Evangelical Lutheran preacher which he bears, by such grievous sins against his neighbors, yes, against his brethren in the ministry, who have never done him any harm! May God have mercy on his poor soul and give him repentance, as long as it is still “to-day” for him. Amen.

The heretics are throughout hotter and more diligent in propagating their errors than the godly are in the true service of the Word. And this is because Satan resists the godly; but the sectarians and heretics Satan not only does not hinder, but furthers them, and incites them.

(Luther on John 17:11.)

(Sent in by P. Brohm.)

How should a Christian regard the well-known events in Europe, particularly in Germany?

This question seems to us to be of no small importance, the more so since in our conviction it is answered quite wrongly by the public here. There still rings in our ears the jubilation with which the European revolutions were greeted here. In public assemblies, in newspapers, even in pulpits they found their eulogists. This, it was said, was the dawn of the golden age, of the victory over superstition and despotism, and the republican pride found no small satisfaction in the prospect of a considerable increase of the republican family. All monarchs were, naturally, merely because they were monarchs, branded as tyrants, whom to drive out was not the least civic virtue, and those who have actually done so were praised as heroes and martyrs of freedom. Even among the Christian public one hears about the revolutions mostly only words of homage about progress of freedom and heralds of great victories in the kingdom of God, about what God will yet make of good out of them in His mercy, quite forgetting what they are in themselves as works of men.

As to what our view of the matter is, we by no means wish to make the Christian an idle, unconcerned spectator, but just as far are we from wishing to deny that God will so govern everything that even the evil will redound to the honor of His divine name and the salvation of His elect, but what in the events mentioned is the work of men, in that we truly cannot rejoice with them. We hold with God’s Word, which strictly forbids all revolutions. That all authorities in the world are ordinances of God, that every Christian owes them obedience and subjection in all things where it can be done without sin, and even then, when subjection is bound up with suffering a wrong, a child of Christian parents knows already from the Table of Duties. Resisting the authorities, and nothing else is the deified revolution, is in Holy Scripture approved or permitted with not a word, but on the contrary throughout expressly forbidden. Holy Scripture does not determine what form the authorities must have, for it has to do with far higher matters than to make worldly ordinances, but it lets the already existing authorities remain and confirms them, whether they be monarchical or republican; the form may be different, the essence remains always the same. Holy Scripture therefore also cuts off the assertion of any sort of sovereignty of the people. According to this doctrine a Christian, as such, is neither a monarchist nor a democrat, without prejudice to his possible private opinion, according to which he gives preference to the one or the other form of government, but he holds all ordered governments to be divine ordinances; there can therefore just as little be any talk of an absolute divine right of princes, nor of a sovereignty of the people, from which all power must first be conferred; in general a Christian maintains, concerning all political things, so far as they concern his own personal interest, one, so to call it, holy indifference. Let those who know no higher treasure heat their heads and shout their throats hoarse with: Long live the Republic! or, Long live the Emperor! let them stake their lives in raving madness, to fight for a freedom which at best is only a temporal thing; a Christian, whose citizenship is in heaven, does not regard the best-ordered worldly kingdom as his kingdom of heaven, the most extensive civil freedom not as the freedom of the children of God; he is a pilgrim and stranger, who passes through this transitory world toward a city which God has built and no man, uses the world and its goods as a traveler uses the inn, not to stay there, but to take night’s lodging and refreshment and to set his pilgrim’s staff further on; therefore he also submits to the house rules that happen to be customary in the inn; does not think of overturning them and making new ones; lets himself be content whether the host sets him above or below at table, that is, whether God has called him to rule or to obey. From this follows also the political contentment, that the Christian is satisfied with any government under which he can lead a quiet and peaceable life in all godliness and honesty. If the authorities wish to hinder him in this, he nevertheless does not take hold of the sword, but of prayer, suffers, endures or emigrates. With these principles in head and heart a Christian in the midst of a republican land is no fanatical republican and hater of princes, and in a monarchical land no abject lackey of princes, and, just as he would regard it as culpable rebellion against God’s ordinance if anyone wanted to overthrow the republican constitution lawfully established here, so he regards it no less as an ungodly undertaking to want to transform existing monarchies into republics by force. That is, in our opinion, the right middle way on which a Christian, turning aside neither to the right nor to the left, has to walk, and the more wantonly in this country the doctrine of the divine right of the authorities is assailed (one need only think of the mockery with which the “by the grace of God,” which, rightly understood, is very excellent, is here dragged through), the more urgent it is to impress upon the Christians living here the 16th Article of the Augsburg Confession and of the Apology: concerning civil government and worldly authority. But we reserve the continuation until the next time.

An interesting description of the movement of the Slavs is found in the last number of the Amerikanischer Botschafter. There it reads thus: — Six hundred years ago the whole eastern part of Germany was inhabited by Slavic tribes. In Mecklenburg, Pomerania, Brandenburg, Saxony, Silesia, Bohemia, Moravia, Austria, Styria and Carinthia the Slavic element was predominant. This has become otherwise through immigration and conquest on the part of the Germans, and most of those lands are now purely German lands. Only in Bohemia and Moravia have the Slavs still retained their language and character. Two thirds of the inhabitants still speak Czech, which is also the language of the Slovaks in northern Hungary. These tribes now want to have revenge and satisfaction for the oppression which, from the side of the Germans, as they say, (really however only from the Austrian government) has been practised against them so long. They are planning to found a Czech empire of their own. The Slavs living farther south, namely the Slovenes, Croats and Serbs, intend to form a great South Slavic empire, which is to reach from the Adriatic to the Black Sea and to stand in brotherly union with the Czech empire. Very unwelcome to them is it here that in the midst, between the northern and southern Slavs, the Magyars (the rul-

*) As far as we know, those ceremonies, which Mr. Weyl has decried as popish, have also been retained by the whole United Evangelical Church of Prussia.