Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 6 › Seite 41
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1848-11-14, Seite 41
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Der Lutheraner.
„Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“
Herausgegeben von der deutschen evangelisch-lutherischen Synode von Missouri, Ohio und anderen Staaten.
Redigirt von C. F. W. Walther.
Jahrgang 5. St. Louis, Mo., den 14. November 1848. No. 6.
Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subscriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterschreiber, welche denselben vorauszubezahlen und das Postgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft.
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(Eingesandt von Prof. P. Wolter.)
Lügenhaftigkeit der katholischen Kirchen-Zeitung in Baltimore.
Die katholische Kirchen-Zeitung hat sich kürzlich bemüht, in einer Reihe von Aufsätzen, welche in der Form eines Zwiegespräches zwischen zwei Lutheranern verfaßt sind, darzuthun, daß Dr. Luther völlig übereinstimmend mit der römischen Kirche gelehrt habe, und daß deßwegen ein ehrlicher Lutheraner, wenn er nicht zu dem großen Haufen der von Luthers Lehre Abgefallenen gehören wolle, nichts Besseres thun könne, als schleunigst zur römisch-katholischen Kirche übertreten. Wir hatten schon angefangen, jenem Zwiegespräch eine Erwiderung entgegenzustellen; da aber immer eine Fortsetzung nach der andern erfolgte, wären wir genöthigt gewesen, unserer Erwiderung gleichfalls eine verhältnißmäßige Länge zu geben, und somit den „Lutheraner“ auf längere Zeit für einen Artikel in Anspruch zu nehmen, der für lutherische Christen von nur geringem Interesse und Nutzen hätte sein können, weil der Verkehrtheiten, absichtlichen Entstellungen und Widersprüche sich so unzählig viele in jenem Gespräche finden, daß der Nachweis derselben nothwendig langweilig und unerbaulich hätte werden müssen. Wir begnügen uns daher jetzt mit folgender kurzen Abfertigung: Entweder ist die katholische Kirchen-Zeitung wirklich der Meinung, daß Dr. Luther völlig übereinstimmend mit der römischen Kirche gelehrt habe, dann gibt sie dadurch selbst Zeugniß, daß es das größte Bubenstück der Päbste und ihrer Parthei war, Luthern und die Anhänger seiner Lehre aus der römischen Kirche zu stoßen und mit Feuer und Schwert zu verfolgen; oder die katholische Kirchen-Zeitung ist nicht wirklich der Meinung, Luther habe übereinstimmend mit der römischen Kirche gelehrt; dann hat sie sich der größten Heuchelei und Schurkerei schuldig gemacht, indem sie scheinbar aus Luthers Schriften den Beweis führt, daß Luther in der Lehre mit der römischen Kirche übereinstimme, während sich der Verfasser des obgenannten Zwiegespräches doch deutlich bewußt ist, daß dem durchaus nicht so sei, und er also eine Lüge durch Scheinbeweise zur Wahrheit zu machen suche. Er mag sich daher nun wenden wie er will, er hat sich einmal recht offenbarlich in seiner eigenen Schlinge gefangen, wie es denn ja früher oder später Allen ergehen muß, die aus Bosheit des Herzens der Wahrheit Lügennetze stellen. Uebrigens sehen wir aus dem mehrgenannten Gespräche, daß der Verfasser desselben mit den saubern Jesuiten nicht nur herzlich übereinstimmt, sondern auch von ihren Praktiken und Kunstkniffen schon manches hübsche Stückchen gelernt hat.
Wir haben diesen Jesuitenfreund auch noch wegen eines Artikels in No. 23 der katholischen Kirchen-Zeitung kürzlich zu berücksichtigen. Er stellt darin nämlich zunächst die possirliche Vermuthung auf, der „Lutheraner“ in St. Louis, Mo., habe eine abergläubische Furcht vor den Jesuiten. — Dagegen diene zur Erwiederung, daß man auf's Erste eine abergläubische Furcht nur vor etwas haben kann, was entweder gar nicht oder doch nicht in der Weise existirt, als man sich vorstellt. Beides ist nun aber bei den Jesuiten nicht der Fall; denn daß es Jesuiten gibt, leugnet auch die katholische Kirchen-Zeitung nicht, und daß es deren mehr gibt, als die meisten Menschen wähnen, ist sehr wahrscheinlich, da jene ehrwürdigen Herren es nicht immer für gerathen halten, ihren Namen zu bekennen, sondern lieber die Worte unseres Heilandes auf sich anwendbar machen, Joh. 3, 20.: „Wer Arges thut, der hasset das Licht und kommt nicht an das Licht, auf daß seine Werke nicht gestraft werden“, damit sie desto ungestörter unter der Decke spielen können. Daß aber der Jesuitenorden seinen Grundsätzen nach nicht etwa blos in der Vorstellung der Protestanten ein Ungeheuer von Scheuslichkeit ist, davon liegen unzählbare Documente vor, und die Geschichte hat es mehr als zuviel bewiesen. Das will freilich die katholische Kirchen-Zeitung nicht wahr geben, aber man sucht einen Gegenbeweis bei ihr vergeblich, eben weil sie ihn nicht führen kann. Denn kein vernünftiger Mensch wird es für einen Gegenbeweis halten, wenn auf wörtlich und ausführlich angezogene Stellen jesuitischer Theologen mit unbeschreiblicher Frechheit und Schamlosigkeit geantwortet wird: „die Bücher, aus welchen jene Stellen entnommen, existirten gar nicht“; oder wenn behauptet wird: „die Anführung solcher Stellen sei abgenutzt und habe längst ihre Erledigung gefunden“. Man ersieht daraus zur Genüge, wie sehr die katholische Kirchen-Zeitung ihre Unfähigkeit fühlt, die Jesuiten von den ihnen gemachten Vorwürfen zu reinigen, weshalb sie denn auch das Beispiel der Straßenjungens nachahmt und mit Schimpfworten um sich wirft, um nicht merken zu lassen, daß es ihr an besseren Waffen fehlt. — Von abergläubischer Furcht vor den Jesuiten kann demnach gar nicht die Rede sein, wie denn der „Lutheraner“ durch Gottes Barmherzigkeit um so weiter von jedem Aberglauben entfernt ist, je fester er in dem völlig richtigen, der heiligen Schrift gemäßen Glauben gegründet ist, in einem Glauben, der überhaupt von Furcht vor Menschen gar nichts weiß, und sonderlich alle geheimen und offenbaren Feindseligkeiten der Widersacher Gottes, wie teuflisch sie immer sein mögen, verlacht und verspottet, sofern sie dem Leibe und zeitlichen Gütern Verderben drohen. Dabei kann und mag aber wohl jeder aufrichtige Christ eine heilige Furcht haben vor dem seelenmörderischen Gifte der Heuchelei und falschen Lehre, welches der Satan durch seine mancherlei Helfershelfer auszustreuen sucht, unter denen die Jesuiten von jeher nicht den letzten Rang eingenommen haben. Und wenn auch jeder recht- und wahrhaft gläubige Christ dessen eben so gewiß ist, als seines eignen Lebens, daß selbst der boshafteste, beharrlichste und abgefeimteste Widersacher dennoch die Kirche Gottes nicht überwältigen kann, sondern daß sie ewiglich bleiben und endlich über alle Feinde triumphiren muß; so lernt er doch theils aus dem Worte Gottes, daß Viele zum Abfall von der Wahrheit sich verführen lassen, das Bild des Thiers anbeten und das Maalzeichen desselben annehmen werden (Offenb. Joh. 13, 16.), theils erschließt er dasselbe aus der Verderbtheit und Zaghaftigkeit des Fleisches, und darum ist er mit heiliger Furcht und Besorgniß erfüllt für alle Seelen,
English translation AI translation
Der Lutheraner.
"God's Word and Luther's doctrine shall pass away now and nevermore."
Published by the German Evangelical Lutheran Synod of Missouri, Ohio, and other States.
Edited by C. F. W. Walther.
Volume 5. St. Louis, Mo., November 14, 1848. No. 6.
Terms: Der Lutheraner appears once every two weeks at the yearly subscription price of One Dollar for out-of-town subscribers, who are to pay for it in advance and to bear the postage. — In St. Louis each single number is sold for 5 cents.
Only those letters which contain communications for the paper are to be sent to the editor; all others, however, which contain business matters, orders, cancellations, money, etc., are to be sent to this place under the address: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo.
(Contributed by Prof. P. Wolter.)
The Mendacity of the Catholic Kirchen-Zeitung in Baltimore.
The Catholic Kirchen-Zeitung has lately taken pains, in a series of essays composed in the form of a dialogue between two Lutherans, to demonstrate that Dr. Luther taught in complete agreement with the Roman Church, and that therefore an honest Lutheran, if he does not wish to belong to the great multitude of those who have fallen away from Luther's doctrine, can do nothing better than to go over to the Roman Catholic Church with all speed. We had already begun to set a reply against that dialogue; but as one continuation after another kept following, we should have been obliged to give our reply likewise a proportionate length, and thus to claim the "Lutheraner" for a considerable time for an article which could have been of only slight interest and profit to Lutheran Christians, because so countless a number of perversities, deliberate distortions and contradictions are to be found in that dialogue that the demonstration of them would necessarily have become tedious and unedifying. We therefore content ourselves now with the following brief dismissal: Either the Catholic Kirchen-Zeitung is really of the opinion that Dr. Luther taught in complete agreement with the Roman Church, in which case it itself bears witness that it was the greatest knavery of the popes and their party to thrust Luther and the adherents of his doctrine out of the Roman Church and to persecute them with fire and sword; or the Catholic Kirchen-Zeitung is not really of the opinion that Luther taught in agreement with the Roman Church; then it has made itself guilty of the greatest hypocrisy and villainy, in that it apparently furnishes proof from Luther's writings that Luther agrees with the Roman Church in doctrine, while the author of the aforementioned dialogue is yet clearly conscious that this is by no means so, and he thus seeks to make a lie into truth by means of sham proofs. Let him therefore turn now as he will, he has once for all most manifestly caught himself in his own snare, as sooner or later it must happen to all who out of malice of heart set lying-nets for the truth. Moreover we see from the oft-mentioned dialogue that its author not only agrees heartily with the fine Jesuits, but has also already learned from their practices and artful tricks many a pretty little piece.
We have also still to take notice of this friend of the Jesuits on account of an article in No. 23 of the Catholic Kirchen-Zeitung, lately. He sets forth therein, to begin with, the comical conjecture that the "Lutheraner" in St. Louis, Mo., has a superstitious fear of the Jesuits. — In reply to this let it serve, that in the first place one can have a superstitious fear only of something which either does not exist at all or at least does not exist in the manner in which one imagines. Now neither of these is the case with the Jesuits; for that there are Jesuits even the Catholic Kirchen-Zeitung does not deny, and that there are more of them than most men suppose is very probable, since those reverend gentlemen do not always think it advisable to confess their name, but would rather make the words of our Saviour applicable to themselves, John 3:20: "For every one that doeth evil hateth the light, neither cometh to the light, lest his deeds should be reproved," that they may play the more undisturbed under cover. But that the Order of the Jesuits, according to its principles, is a monster of hideousness not merely in the imagination of the Protestants, of this there are countless documents available, and history has proved it more than enough. This, to be sure, the Catholic Kirchen-Zeitung will not admit, but one seeks a counter-proof from it in vain, precisely because it cannot furnish one. For no reasonable man will consider it a counter-proof when to passages of Jesuit theologians cited literally and at length the answer is given, with indescribable impudence and shamelessness: "the books from which those passages are taken did not exist at all"; or when it is asserted: "the citing of such passages is worn out and has long since found its settlement." One sees from this sufficiently how greatly the Catholic Kirchen-Zeitung feels its inability to clear the Jesuits of the reproaches made against them, for which reason it also imitates the example of street urchins and throws abusive words about it, so as not to let it be noticed that it lacks better weapons. — Of a superstitious fear of the Jesuits there can therefore be no question at all, inasmuch as the "Lutheraner," by God's mercy, is the farther removed from every superstition the more firmly it is grounded in the entirely right faith conformable to the Holy Scripture, a faith which knows nothing at all of fear of men, and especially laughs to scorn and mocks all the secret and open enmities of the adversaries of God, however devilish they may be, insofar as they threaten destruction to the body and to temporal goods. Yet every sincere Christian can and may well have a holy fear of the soul-murdering poison of hypocrisy and false doctrine, which Satan seeks to scatter abroad through his manifold accomplices, among whom the Jesuits have from of old not occupied the last rank. And even though every right and truly believing Christian is as certain of this as of his own life, that even the most malicious, most persistent and most cunning adversary nevertheless cannot overcome the Church of God, but that it shall abide forever and at last must triumph over all enemies; yet he learns, partly from the Word of God, that many let themselves be seduced to a falling away from the truth, will worship the image of the beast and receive the mark of it (Rev. 13:16), and partly he infers the same from the corruption and faintheartedness of the flesh, and therefore he is filled with holy fear and concern for all souls,