Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 9 › Seite 70
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1848-12-26, Seite 70
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Bann · Chriſtenverfolgung · Chriſtenverfolgung 2 · Kirche · ö Anhang 6
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Person oder andre Ursachen fordern zu ändern. Daselbst folget der Haufe auch mit einträchtiglich. Weil es (wie gesagt) keinen Christen heiliger noch unheiliger macht.
Wie wohl der Pabst hievon die Welt voll Bücher geklickt und eitel Strick, Gesetz, Recht, Artikel des Glaubens, Sünde und Heiligkeit hat draus angericht, daß wohl werth wäre, noch einst sein Decret mit Feuer zu verbrennen.... Solche äußerliche freie Stücke wollen wir achten wie ein Westerhemd oder Windel, darin man das Kindlein fasset zur Taufe. Denn das Kindlein wird nicht getauft oder heilig vom Westerhemd, noch von Windeln, sondern bloß allein durch die Taufe, aber doch giebt's die Vernunft, daß man's in ein Tüchlein fasse. Wenn dasselbe unrein oder zerrissen wird, nimmt man ein anders, und wächst das Kindlein ohn alles Zuthun der Windeln oder Westerhemd; doch daß man hie abermal Maaße halte, und der Westerhemden oder Windeln nicht zu viel nehme, damit das Kindlein nicht erstickt werde. Also sollen die Ceremonien auch eine Maaße haben, damit sie nicht zuletzt eine Last oder Arbeit werden, sondern so leichte bleiben, daß man sie nicht fühlet. Gleichwie zur Hochzeit Niemand fühlet eine Last oder Arbeit, wenn er sich den Andern gleich hält und geberdet.
(Eingesandt.)
„Sie sind von uns ausgegangen, aber sie waren nicht von uns, denn wo sie von uns gewesen wären, so wären sie bei uns geblieben; aber auf daß sie offenbar würden, daß sie nicht alle von uns sind.“ 1 Joh. 2, 19.
Die lieben Leser werden sich noch aus der 7. Nummer des 4. Jahrg. des „Lutheraner“ (S. 53.) erinnern, daß die Fairfield Districts-Prediger-Conferenz der deutschen ev.-luth. Synode von Missouri, Ohio u. a. Staaten in ihrem Berichte unter Anderem auch das veröffentlichte, daß sie den zu ihr gehörenden vormaligen Pastor zu Marion (Ohio), Schneider, wegen gewissenloser Amtsniederlegung habe strafen müssen, daß sie aber zum Preise Gottes erklären könne, der Gestrafte habe sein Unrecht eingesehen und bekannt. Mit betrübtem Herzen müssen wir es jedoch nun zur öffentlichen Kunde bringen, daß sich die gute Hoffnung, welche wir damals für Pastor Schneider's Buße und Besserung faßten und um welcher willen wir ihn damals noch nicht verstoßen wollten, nicht erfüllt hat. Es ist immer offenbarer geworden, daß der Genannte seine Heerde nicht sowohl hatte weiden als vielmehr beherrschen wollen. Alles, was gerade ihm recht gedäucht hatte, hatte er eigenmächtig in seiner Gemeinde eingeführt, ohne im mindesten der Gewissen zu schonen. Kurz, er hatte mitten in der lutherischen Kirche ein kleines Pabstthum aufrichten wollen. Bei solchem Sinn fand freilich Herr Schneider in unserer Gemeinschaft seine Rechnung nicht. Die Constitution unserer Synode, in welcher die den Gemeinden von Christo gegebenen Rechte so ernstlich gewahrt sind und jede Priesterherrschaft so gänzlich ausgeschlossen ist, konnte einem so priesterstolzen Manne, als welchen Herr Schneider sich offenbarte, nur eine unerträgliche Last sein. Wie aber Hochmuth immer die Mutter der Ketzerei gewesen ist, so war sie es auch bei ihm. In diesem Sommer hat sich nemlich der unglückselige Mann der römischen Kirche angeschlossen und befindet sich gegenwärtig in einem Priesterseminar zu New York. Wir müssen nun freilich dessen gewärtig sein, daß Böswillige unter unseren Widersachern schreien werden: Siehe da, ein neuer Beweis dafür, daß das alte Lutherthum nach Rom führt! Wir sind aber getrost, denn ein Kind weiß, daß das alte Lutherthum die Christenheit nicht in das Pabstthum hinein, sondern aus dem Pabstthum heraus geführt hat und daß gerade die jetzigen heftigsten Feinde des alten Lutherthums es nächst Gott Niemand anderem zu danken haben, daß sie dem Pabste nicht mehr die Pantoffel küssen, als eben unserem alten Luther und der durch ihn zu Stande gebrachten Reformation. Wer da spricht, daß das alte Lutherthum nach Rom führe, weil schon Menschen, die sich vormals zu den Lutheranern hielten, Papisten geworden sind, der muß behaupten, daß alle kirchliche Gemeinschaften nach Rom führen, denn es gibt wohl keine, von welcher nicht Glieder wieder in das Pabstthum zurückgefallen wären; ja, wäre jener Schluß richtig, dann müßte der Glaube zum Unglauben, die Wahrheit zum Irrthum, die Frömmigkeit in Schande und Laster, das Christenthum zum Teufel führen, denn nicht wenige fallen jetzt vom Glauben zum Unglauben, von der Wahrheit zum Irrthum, von der Frömmigkeit zu Schanden und Lastern, von dem Christenthum zum Teufel ab. Mag daher auch bei dem gegenwärtigen Abfall eines Menschen, der sich erst zur lutherischen Kirche hielt und sich nun der babylonischen Hure in den Schooß gesetzt hat, unsere Kirche lästern, wer es nicht lassen kann, wir sagen mit Johannes: „Er ist von uns ausgegangen, denn er war nicht von uns“; er war wohl in der Kirche, aber nicht von der Kirche, wie der Unrath wohl im menschlichen Leibe ist, aber nicht zum menschlichen Leibe gehört und daher von ihm ausgeworfen wird.*) Schließlich bemerken wir noch, daß Herr Schneider kein Schüler Löhe's in Bayern, sondern der Sendling eines unirtgesinnten Vereins war.
Im Namen der Fairfield Conferenz
A. Ernst.
Marion, Ohio, im November 1848.
*) Es sei uns gestattet, hier an einen Ausspruch des heiligen Augustinus zu erinnern; derselbe schreibt im dritten Tractat über die erste Epistel St. Johannis: „Die Ketzer sind so in dem Leibe Christi, wie die bösen Feuchtigkeiten; werden diese ausgeworfen, so fühlt sich der Leib erleichtert: so fühlt sich auch die Kirche erleichtert, wenn die Bösen von ihr ausgehen, und sie spricht, wenn ihr Leib sie auswirft: Jene Feuchtigkeiten sind von mir gegangen, aber sie waren nicht von mir; was ist das: sie waren nicht von mir? Sie sind nicht von meinem Leibe abgeschnitten, sondern sie beschwerten mir die Brust, da sie noch darinnen waren.“
Die Redaction.
Margarita Marchant.
Zu Valencin lebte in friedlicher und einträchtiger Ehe Ambrosio Marchant mit seinem Weibe Margarita, geb. Vieronne. Aber durch eine böse Magd, die sie in das Haus bekommen, wurde der Friede gestört und das Glück untergraben. Denn als Frau Margarita die arge Bosheit der gedachten Magd nicht länger mehr ertragen können, schickte sie selbige im Einverständnisse mit ihrem Manne aus Haus und Diensten. Diese aber, darüber erbos't und von heftiger Rachsucht getrieben, ging zu dem Gerichte der Inquisition, und verklagte daselbst Frau Margarita, daß dieselbe in vielen Jahren nicht in der Messe gewesen sei, in ihrem Hause aber Eine Bibel verwahret halte, mit deren Lesen sie ihre meiste Zeit hinbringe. Die Inquisition säumte nun nicht, die Sache bei der weltlichen Obrigkeit anzubringen, worauf Frau Margarita eingezogen und in den Kerker geworfen ward. Hier redeten ihr die weltlichen Richter gütlich zu, und versprachen ihr, daß sie frei aus dem Gefängniß gehen solle, wenn sie ihnen nur in einer geringen Sache willfahren wolle. „Das will ich wohl thun“, sprach die Gefangene, „wenn Solches, was ihr von mir verlanget, nicht gegen die Ehre Gottes, noch wider meiner Seelen Seligkeit streitet.“ Darauf erwiederten die Richter: „Nein! sondern man wird Euch auf ein, neben dem Rathhause auf dem großen Markte aufgerichtetes, Schaffot führen, daselbst sollt Ihr Gott und die Obrigkeit um Vergebung bitten. Alsdann sollet Ihr Eure Bibel ohne alle Widerrede ins Feuer werfen und zu Asche verbrennen.“ — „Sagt mir doch“, entgegnete Margarita, „ihr Herren, ist meine Bibel nicht recht?“ — „Ja, sie ist recht!“ war die einstimmige Antwort der Richter. — „Nun, ihr Herren“, sagte weiter Margarita, „so Ihr doch alle bekennet, daß sie recht sei, warum soll ich sie denn in Feuer verbrennen?“ — „Damit Ihr“, war die Antwort, „nur die Väter der Inquisition zufrieden stellet; bedenket doch, daß das, was Ihr verbrennen sollt, eitel Papier sei, so errettet Ihr Euer Leben, und könnet Euch ja hernachmals eine andre Bibel kaufen.“ In solcher Weise suchten die Richter noch länger denn zwei Stunden die Frau zu überreden.
Aber ihre Mühe war vergeblich, die wackre gottselige Frau blieb fest und unerschütterlich, und beharrte bei dem Entschlusse: „Lieber will ich, daß man mich selber verbrenne, denn daß ich meine Bibel verbrennen sollte.“
Darauf ward sie in ein hartes und schweres Gewahrsam gebracht, und kümmerlich mit Wasser und Brot versorgt, ob sie solcher Weise in ihrer Standhaftigkeit wankend gemacht werden möchte; doch Alles vergebens. Lange Zeit brachte sie in diesem Elend hin, aufrecht gehalten durch die Kraft und Treu ihres Glaubens, und wußte man nicht einmal, wo sie geblieben, ja es ging unter vielen Leuten das Gerede, sie sei im Kerker heimlich bei Seite geschafft. Die Richter boten Alles auf, sie ihnen willfährig zu machen, und sendeten zu dem Ende auch den gelehrten und beredten Doctor Vineboine zu ihr, damit er ihr andre Gedanken beibrächte. Doch auch diesem ist es bei aller Kunst der Rede nicht gelungen, und hat derselbige auch hernachmals bekannt, daß er an ihr keine Ursache gefunden, warum sie sollte getödtet werden. Am 22. Januar endlich des Jahres
English translation AI translation
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person or other reasons require to change. There the multitude also follows along in concord. Because it (as said) makes no Christian holier or unholier.
Although the Pope has scribbled the world full of books concerning this, and has made out of it nothing but snares, laws, rights, articles of faith, sin and holiness, so that it were well worth while to burn his Decret with fire once for all.... Such outward free things we will esteem like a christening-gown or swaddling-cloth, in which one wraps the little child for Baptism. For the little child is not baptized or made holy by the christening-gown, nor by swaddling-cloths, but solely and alone by Baptism, but yet reason dictates that one wrap it in a little cloth. When the same becomes unclean or torn, one takes another, and the little child grows without any help of the swaddling-cloths or christening-gown; yet that here again one keep measure, and not take too many christening-gowns or swaddling-cloths, lest the little child be smothered. So the ceremonies also shall have a measure, that they may not at last become a burden or labor, but remain so light that one does not feel them. Just as at a wedding no one feels a burden or labor, when he holds and conducts himself like the others.
(Sent in.)
"They went out from us, but they were not of us; for if they had been of us, they would no doubt have continued with us: but they went out, that they might be made manifest that they were not all of us." 1 John 2, 19.
The dear readers will still remember from No. 7 of the 4th volume of the "Lutheraner" (p. 53) that the Fairfield District Preachers' Conference of the German Evangelical Lutheran Synod of Missouri, Ohio and other States published in its report, among other things, that it had been obliged to punish the former pastor at Marion (Ohio), Schneider, who belonged to it, on account of his unconscientious resignation of his office, but that it could declare, to the praise of God, that the punished man had perceived and confessed his wrong. With a saddened heart, however, we must now bring to public knowledge that the good hope which we then conceived for Pastor Schneider's repentance and amendment, and for the sake of which we then did not yet wish to expel him, has not been fulfilled. It has become ever more manifest that the said man had not so much wished to feed his flock as rather to rule it. Everything that seemed right to him he had introduced into his congregation by his own authority, without in the least sparing consciences. In short, he had wished to set up a little papacy in the midst of the Lutheran Church. With such a mind Mr. Schneider certainly did not find his account in our fellowship. The constitution of our Synod, in which the rights given by Christ to the congregations are so earnestly safeguarded and all priestly dominion so entirely excluded, could be only an intolerable burden to so priest-proud a man as Mr. Schneider revealed himself to be. As pride has always been the mother of heresy, so it was also with him. This summer, namely, the unfortunate man joined the Roman Church and is at present in a priests' seminary at New York. We must now indeed be prepared for this, that the malicious among our adversaries will cry: Behold, a new proof that the old Lutheranism leads to Rome! But we are of good cheer, for a child knows that the old Lutheranism has led Christendom not into the papacy, but out of the papacy, and that precisely the most violent present enemies of the old Lutheranism have to thank no one else, next to God, that they no longer kiss the Pope's slipper, than our old Luther and the Reformation brought about through him. Whoever says that the old Lutheranism leads to Rome, because already men who formerly held with the Lutherans have become papists, must maintain that all church communions lead to Rome, for there is probably none from which members have not fallen back again into the papacy; yea, were that conclusion correct, then faith must lead to unbelief, truth to error, godliness to shame and vice, Christianity to the devil, for not a few fall away now from faith to unbelief, from truth to error, from godliness to shames and vices, from Christianity to the devil. Let him therefore blaspheme our Church, also on account of the present apostasy of a man who first held with the Lutheran Church and has now seated himself in the lap of the Babylonian harlot, whoever cannot leave it alone, we say with John: "They went out from us, for they were not of us"; he was indeed in the Church, but not of the Church, as the filth is indeed in the human body, but does not belong to the human body and is therefore cast out by it.*) Finally we remark further that Mr. Schneider was no disciple of Löhe in Bavaria, but the emissary of a union-minded society.
In the name of the Fairfield Conference
A. Ernst.
Marion, Ohio, in November 1848.
*) Let us be permitted here to recall a saying of the holy Augustine; he writes in the third tractate on the first Epistle of St. John: "Heretics are in the body of Christ as the evil humors; when these are cast out, the body feels relieved: so the Church also feels relieved when the wicked go out from her, and she says, when her body casts them out: Those humors have gone from me, but they were not of me; what is this: they were not of me? They are not cut off from my body, but they burdened my breast while they were still within."
The Editorial Staff.
Margarita Marchant.
At Valencin there lived in peaceful and harmonious wedlock Ambrosio Marchant with his wife Margarita, born Vieronne. But through a wicked maid whom they had taken into the house, the peace was disturbed and happiness undermined. For when Mrs. Margarita could no longer endure the grievous wickedness of the said maid, she dismissed her from house and service, in agreement with her husband. But she, enraged over it and driven by violent vengefulness, went to the court of the Inquisition, and accused Mrs. Margarita there, that she had not been to Mass for many years, but kept One Bible in her house, with the reading of which she spent most of her time. The Inquisition was not slow to bring the matter before the secular authorities, whereupon Mrs. Margarita was arrested and thrown into prison. Here the secular judges spoke kindly to her, and promised her that she should go free out of the prison if she would only comply with them in one small matter. "That I will gladly do," said the prisoner, "if what you require of me is not against the honor of God, nor contrary to the salvation of my soul." Thereupon the judges replied: "No! but you shall be led upon a scaffold erected beside the town hall in the great market-place, and there you shall ask God and the authorities for forgiveness. Then you shall, without any contradiction, throw your Bible into the fire and burn it to ashes." — "Tell me, pray," answered Margarita, "sirs, is my Bible not right?" — "Yes, it is right!" was the unanimous answer of the judges. — "Now, sirs," said Margarita further, "if you all confess that it is right, why then should I burn it in the fire?" — "In order that you," was the answer, "may only satisfy the Fathers of the Inquisition; consider, moreover, that what you are to burn is mere paper, so you save your life, and can surely buy yourself another Bible afterwards." In such manner the judges tried for more than two hours to persuade the woman.
But their trouble was in vain, the brave godly woman remained firm and unshaken, and persisted in her resolve: "I would rather that they burn me myself than that I should burn my Bible."
Thereupon she was put into a hard and severe confinement, and scantily supplied with water and bread, to see whether she might in such wise be made to waver in her steadfastness; yet all in vain. A long time she passed in this misery, upheld by the power and fidelity of her faith, and no one knew even where she had gone, yea, among many people there went the rumor that she had been secretly put out of the way in the prison. The judges tried everything to make her compliant, and for that purpose sent also the learned and eloquent Doctor Vineboine to her, that he might bring other thoughts to her. But even to him, with all his art of speech, it did not succeed, and the same afterwards also confessed that he had found in her no cause why she should be put to death. On the 22nd of January at last of the year