Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 65, Nummer 2 › Seite 18
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 26. Januar 1909, Seite 18
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Vater Uuſer. —Schluß · Wort Gottes 13 · Wort Gottes 14 · Paſtor · Paſtor 9 · Gemeindeſchule · Gemeindeſchule
18
S Der V„Tutheraner
er gedeihe und wachse und nicht verkümmere, so speise auch
täglich deine unsterbliche Seele mit Gottes Wort. Sie hat es
nötig, damit dein geistliches Leben wachse und gedeihe und
stark werde.
Fleißiges, regelmäßiges Bibellesen bringt aber auch
großen Nutzen und Segen. Je mehr du die Schrift liesest,
desto besser wirst du sie verstehen, denn sie ist ihr eigener Aus⸗—
leger. Sie ist hell, klar und deutlich, und je tiefer du in sie
eindringst, desto klarer wird sie dir, desto süßer, desto tröstlicher.
Es bleibt bei dem obenstehenden Wort: die Bibel ist das rechte,
große Trostbuch. Was der heilige Sänger aus eigener Erfah⸗
rung heraus bekennt, das ist seitdem die Erfahrung unzähliger
Christen geworden: „Wo dein Gesetz“ — und hier steht das
Wort Gesetz nicht im Gegensatz zu Evangelium, sondern be⸗
zeichnet überhaupt die Lehre und Unterweisung Gottes in sei⸗
nem Wort — „wo dein Gesetz nicht mein Trost gewesen wäre,
so wäre ich vergangen in meinen Elend.“ In Sündenangst
und Gewissensnot, in geistlicher Anfechtung und leiblichem
Kummer, in großen Schmerzen und bitterem Weh, in Ster⸗
bensgefahr und Todesnot gibt es nur einen Trost. Das
ist das Wort unsers Gottes, das Wort von seiner Gnade.
Denke nur an die köstlichen Psalmen, die das Gesang- und
Gebetbuch der alttestamentlichen Kirche bildeten, an die unver—
gleichlichen Abschiedsreden unsers Heilandes im Evangelium
St. Johannis, Kap. 14 bis 16, die Luther einmal die beste und
tröstlichste Predigt nennt, so der HErr Christus auf Erden
getan hat, die St. Johannes der Christenheit zu Trost nach
ihm gelassen hat als einen Schatz und Kleinod, so mit der Welt
Gut nicht zu bezahlen ist. Denke an die herrlichen Kernsprüche
aus den Briefen der Apostel und folge dem Beispiele Luthers,
der von sich erzählt: Wenn ich gedrückt werde mit weltlichen
Gedanken oder häuslichen Sorgen, so nehme ich einen Psalm
oder ein Wort St. Pauli und gehe damit zu Bette.
Es ist schön, wenn jeder erwachsene Christ seine eigene
Bibel besitzt. Es ist eine löbliche Sitte, wenn man den jungen
Konfirmanden zu ihrer Konfirmation eine Bibel schenkt und
auf das Titelblatt als Widmung schreibt: Zum fleißigen und
gesegneten Gebrauch. Unter den Hochzeitsgeschenken, die einem
jungen christlichen Brautpaar dargebracht werden, sehe ich keins
lieber als eine Haus- und Familienbibel. Aber die Hauptsache
und das Schönste ist, wenn die Konfirmationsbibel nun nicht
weggestellt und vergessen wird, wenn die Familienbibel nicht
unberührt auf einem Tische im besten Zimmer des Hauses
liegen bleibt, sondern wenn solche Bibeln von Jünglingen und
Jungfrauen, von Mann und Weib, von Vater, Mutter und
Kindern fleißig benutzt, regelmäßig gelesen und meinetwegen
zerlesen werden. Treues, gewissenhaftes, fortlaufendes Lesen
der Heiligen Schrift, des wahrhaftigen Wortes und rechten
Trostbuches unsers Gottes, bringt Nutzen, Segen und Gewinn
in Zeit und Ewigkeit. L. F.
Ein Wörtlein vom Schulehalten der Pastoren.
II.
Wir haben das letzte Mal zwei Gründe gebracht, weshalb
nur im Notfall ein Pastor zugleich auch der Schullehrer in
seiner Gemeinde sein sollte. Sobald die Gemeinde dazu im⸗
stande ist, sollte sie ihrem Pastor das Schulehalten abnehmen
*
und einen besonderen Gemeindeschullehrer anstellen.
wollen wir noch zwei Gründe dafür anführen.
3. Schule zu halten, sollte nur dann vom Pastor erwartet
werden, wenn es die dringende Not erfordert, weil naturgemäß
in der Regel durch die Schule eines Pastors nicht so viel
erreicht werden kann wie durch die Schule eines Leh⸗
rers. Auch um der Schule selbst willen sollte also das Schule⸗
halten der Pastoren nur als ein Notbehelf angesehen werden.
Die Schule kann dabei meistens nicht zu ihrem Rechte kommen.
Während ein Lehrer fünf Tage in der Woche Schule hält, hält
ein Pastor in der Regel nur drei oder vier Tage Schule. Es
gehen den Kindern dann jede Woche ein oder zwei Schultage
verloren. Außerdem kommen in der Schule eines Pastors
mancherlei Unterbrechungen vor, bald wegen eines Begräb⸗
nisses, bald wegen einer Trauung, bald wegen einer Kranken⸗
kommunion, bald wegen einer andern wichtigen Amtshandlung.
Dergleichen Unterbrechungen braucht die Schule eines Lehrers
nicht zu erleiden. Ferner, wo ist für einen Pastor immer die
Zeit vorhanden, sich auf die verschiedenen Unterrichtsgegen—
stände seiner Schule vorzubereiten? Ohne eine solche Vor⸗
bereitung kann doch sicherlich nicht das geleistet werden, was
geleistet werden sollte. Zu solcher Vorbereitung hat ein Lehrer
genügend Zeit, ein Pastor aber nicht, da seine übrige Zeit durch
die Arbeiten in seinem eigentlichen Berufe in Anspruch genom⸗
men ist. Dazu kommt noch, daß ein Lehrer für das Schule⸗
halten eine besondere Ausbildung erhalten hat, während der
Heute
Pastor für das Schulfach nicht besonders ausgebildet ist.
Wenn ein Lehrer sein Amt antritt, so bringt er für die Schule
etwas mit, was einem Pastor mangelt und was er sich erst durch
übung aneignen kann; denn auch hier heißt es: „ÜUbung macht
den Meister.“ Diese besondere Ausbildung eines Lehrers für
sein Schulfach ist nicht so gering anzuschlagen, wie es öfters
geschieht. Der Handwerker, der Farmer, der Geschäftsmann,
der für seine Arbeit gut ausgebildet ist, hat einen großen Vor⸗
teil vor solchen, denen eine derartige Ausbildung fehlt. Sollte
denn von allen Berufsarten der Lehrerstand eine Ausnahme
bilden? Es ist offenbar, daß aus den angegebenen Gründen
oft die Schule eines Pastors das den Kindern nicht bieten kann,
was ihnen in einer Schule, an der ein Lehrer unterrichtet, ge⸗
boten wird. Und darauf sollten doch Eltern sehen, daß ihre
Kinder in der Zeit, da sie zur Schule gehen, einen möglichst
guten und vollständigen Unterricht bekommen. Sind aber Kin⸗
der mehrere Jahre hintereinander in die Schule eines Lehrers
gegangen und haben da nicht nur drei oder vier, sondern fünf
Tage in der Woche ohne Unterbrechungen Gottes Wort gehört,
und kommit dann noch ein gründlicher Konfirmandenunterricht
hinzu, so ist Grund zur Hoffnung vorhanden, daß die Kinder,
die so in der heilsamen Lehre gegründet und befestigt worden
sind, von Wölfen nicht so leicht erhascht und von falschen Pro⸗J
pheten nicht so bald verführt werden. Diese Hoffnung ist aber
nicht in dem Maße vorhanden, wo ein Pastor Schule und Kon⸗
firmandenunterricht übernehmen muß und doch verhältnis⸗
mäßig nur wenig Zeit dafür anwenden kann.
4. Schule zu halten, sollte nur dann von einem Pastor
erwartet werden, wenn es die Not erfordert, weil durch die
—.
.. .
doppelte Arbeit im Predigt⸗ und Schulamt die Gesund⸗
heit des Pastors oft ernstlich gefährdet wird.
Ein Pastor, der Schule hält, muß zwei Amter verwalten, von
denen jedes eine volle Manneskraft erfordert.
Wenn diese
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