Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 65, Nummer 2 › Seite 22
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 26. Januar 1909, Seite 22
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8 Der V.„Tutheranessss
derlich an Missionsarbeit, fehlt es hier nicht. Ich habe auch ver⸗
schiedene recht erfreuliche Erfahrungen machen dürfen. . . . Die
Gemeinde baute im letzten Jahre ein neues Pfarrhaus.“ — Aus
einer größeren Stadtgemeinde wird geschrieben: „Die Zahl der
Stimmfähigen ist eine geringere als vor einem Jahre, da wir durch
Tod und Wegzug berloren haben. Bei den neu Hergezogenen bin
ich nicht gern in zu großer Eile in bezug auf Aufnahme, es sei
denn, sie bringen ein Entlassungszeugnis einer Schwestergemeinde.
Die Zahl der Kommunikanten sollte bedeutend größer sein. . ..
Ich habe jetzt angefangen, viermal im Jahre die letzten vier Kon⸗
firmandenklassen zu einer besonderen Feier einzuladen. Doch ist
ein Fortschritt im allgemeinen nicht zu verkennen. In einem
Punkt tritt dies besonders zutage: die Kollekten für sogenannte
auswärtige“ Zwecke haben sich ziemlich gehoben.“ — Wieder ein
anderer sagt: „Beiliegend sende ich den Parochialbericht des Jah⸗
res 1908. Ich wüßte nicht, welche besonderen Bemerkungen ich
ihm beifügen sollte. Es war ein Jahr der stillen Arbeit an der
Gemeinde in großer Schwachheit und unter mancherlei persönlichen
Anfechtungen. Doch der liebe Gott muß wissen, daß ich ohne diese
nicht bleiben darf. Es gehört ja mit zu seiner weisen Regierung,
daß er uns die Widerwärtigkeiten in unserer Arbeit fühlen läßt,
aber den Erfolg vielfach unsern Augen verbirgt. Und auch das
muß uns gut sein.“ — Ein Pastor endlich bemerkt ganz kurz:
„Innerlich bin ich im verflossenen Jahre gewachsen; ich hoffe das⸗
selbe von meiner Gemeinde.“
Von Widerwärtigkeiten in der Gemeinde- und Missionsarbeit
wissen auch andere zu sagen, namentlich davon, daß die Logen
das Wachstum der Gemeinde hindern. So klagt ein Pastor: „Die
Seelenzahl kann ich beim besten Willen nicht angeben. Es ist hier
ein Durcheinander. Ob es je besser werden wird, weiß Gott. Doch
hoffe ich, wie Gott einst im Anfang aus dem Durcheinander ein
herrlich Weltgebäude bauen konnte, so wird er auch hier seine
Kirche aufbauen können. Ach, wenn nur die Logen nicht wären,
dann möchte alles besser gehen.“ — Ein anderer Pastor, der an
einer städtischen Missionsgemeinde steht, schreibt: „X. ist ein har⸗
ter Boden. Sobald ich glaube, mit Gottes Hilfe eine Schwierig⸗
keit überwunden zu haben, stehe ich vor einer andern. Manche
Leute, die aus unsern Kreisen hierherkommen, scheinen zu denken,
hier brauchten sie sich nicht zu Kirche und Gottes Wort zu halten.
Ich habe im vergangenen Jahre traurige Erfahrungen gemacht
und bin oftmals bitter enttäuscht worden. Möchte der liebe Gott
doch auch hier sein Zion bauen!“ — Mehrere Schreiber klagen
darüber, daß die Zahl der Kommunizierenden, das heißt, derer,
die zum Abendmahl berechtigt sind, und die Zahl der Kommuni⸗
zierten, das heißt, die Summa derer, die das Abendmahl empfan⸗
gen haben, in keinem richtigen Verhältnis zueinander stehen. Und
allerdings kann keiner, der die Zahlen in unserm „Jahrbuch“ ver⸗
gleicht, verkennen, daß es in diesem Stücke vielerorts nicht so steht,
wie es stehen sollte. Ein Pastor schreibt: „Indem ich hiermit
meinen Parochialbericht für 1908 schicke, muß ich mich schämen.
Was werden Sie denken, wenn Sie lesen: Kommunizierende —;
Kommunizierte —.“ (Die Zahlen zeigen, daß im Durchschnitt
der einzelne noch nicht zweimal während des Jahres zum Abend⸗
mahl gekommen ist.) „Das ist wirklich traurig. Als Ursache
dieser niedrigen Zahl kann ich keinen besonderen Grund angeben.
Der Kirchenbesuch ist ausgezeichnet. Ich habe diese Sache meiner
Genieinde ans Herz gelegt, und sie hat es auch eingestanden, daß
das sehr ungleiche Zahlen sind. Zu gleicher Zeit habe ich mich
entschlossen, jedes Jahr einmal über das heilige Abendmahl eine
Predigt zu halten. Wir feiern den Gründonnerstag nicht, und
so ist mir die Gelegenheit dazu stets entgangen. Ich glaube, das
ist mit ein Grund, daß der Abendmahlsbesuch nicht häufiger ist,
daß wir zu wenig über das heilige Abendmahl predigen.“ — Wie
dieser Plan, jährlich wenigstens einmal ganz besonders über das
heilige Abendmahl zu predigen, beachtenswert ist, so auch das,
—
was ein anderer Pastor über diesen Punkt schreibt: „Besondere
Freude macht es mir, daß die Zahl der Kommunizierten gegen
letztes Jahr eine große Zunahme, etwa 50 Prozent, aufweist.
Das ist gewiß zum Teil darauf zurückzuführen, daß häufigere
Abendmahlsfeiern veranstaltet worden sind. Wenn unsere Chri⸗
sten oft zum Tisch des HErrn gehen sollen, dann muß man ihnen
auch dazu oft Gelegenheit geben. überhaupt herrscht hier reges
Leben in der Gemeinde. Ich habe eine Anzahl Erwachsene im
englischen Katechismusunterricht. Es ist auch ein Jugendverein
gegründet worden, zu dem fast alle jungen Leute der Gemeinde
gehören. Die Gemeinde hat ihnen eine Versammlungshalle ge—
baut. Natürlich finden sich auch bei uns genug Schäden, aber bis⸗
her hat Gottes Wort noch immer gesiegt, und es wird auch ferner
den Sieg behalten. Wenn ich heute zurückblicke auf das vergangene
Jahr, so muß ich bekennen, daß der HErr überschwengliches an
uns getan hat. Er sei auch ferner mit uns, auch im neuen Jahre,
und segne meine geringe Arbeit in seinem Dienst!“ — Auf eine
andere bedenkliche Erscheinung legt ein anderer Schreiber den
Finger. Er sagt: „Bei unserm Parochialbericht wird man sich
über die auffällige Tatsache verwundern, daß die Zahl der Kon⸗
firmanden die der Geborenen um ein gut Teil übersteigt. Es fiel
mir das schon im letzten Jahrbuch“é in vielen Gemeinden auf, vor
allem jetzt in den Berichten, die aus verschiedenen Städten ver⸗
öffentlicht worden sind. In den Städten werden doch immer noch
viele Kinder getauft, die nachher nicht zur Konfirmation kommen,
und dennoch dieser Abstand! Das gibt zu denken.“ — Eine Wider⸗
wärtigkeit und ein großer Nachteil für den inneren Ausbau der
Gemeinden und Missionsposten ist auch die häufige Wegberufung
von Pastoren und Missionaren. So schreibt ein Pastor: „Durch
den vielen Pastorenwechsel war diese Gemeinde sehr herunterge⸗
kommen. Doch haben wir im letzten Jahr eine neue Kirche ge⸗
baut und bezahlt. Der Kirchenbesuch wird besser, und die Zahl der
Kommunizierenden ist in zwei Jahren schon um 60 gestiegen.
Dem SErrn die Ehre!“ Und dieser häufige Predigerwechsel hängt
zum Teil zusammen mit der großen Predigernot. Aus einem
Missionsdistrikt meldet ein Pastor von einer vakanten Gemeinde:
„Vierzehnmal hatte sie berufen, bis sie endlich einen Pastor bekam.
Ja, die Not ist so groß, daß wir gezwungen sind, von dort zu be⸗
rufen, wo die Gemeinden dichter stehen.“
Daß Gemeinden in der Liebestätigkeit gewachsen sind, ist
wiederholt schon in den mitgeteilten Briefauszügen gesagt. Nöch
mehr derartige Außerungen liegen vor, aus denen wir noch zwei
auswählen, einen Bericht aus einer großen und einen solchen aus
einer kleinen Gemeinde. Aus der ersteren wird geschrieben:
„Wenn unsere Kollekte für die Synodalbaukasse wirklich, wie es
den Anschein hat, die Summe von §1200.00 erreicht, oder gar
übersteigt — die Sammlung ist noch nicht ganz beendet —, dann
haben wir in diesem Jahre volle 53000.00 für auswärtige Zwecke
aufgebracht, und darüber freue ich mich. Die Gemeinde könnte
ja noch mehr tun und würde nicht arm dabei werden. Aber es ist
eine schöne Summe, wenn man bedenkt, daß auch die Haushalts⸗
kosten unserer Gemeinde im Verhältnis nicht geringer sind als
bei andern Gemeinden, sondern höher als bei einer großen Zahl
von Gemeinden. Auch unsere eigenen Kassen haben gut abge⸗
schlossen.“ Und aus der kleinen Gemeinde heißt es: „Es freut
mich, berichten zu können, daß meine Hoffnung, die ich letztes Jahr
aussprach, in Erfüllung gegangen ist. Vorletztes Jahr hat meine
Gemeinde für auswärtige Zwecke §104.19 aufgebracht, letztes
Jahr hingegen §136.86. Und wenn es möglich ist, wollen wir
es dieses Jahr wieder übertreffen. Es kommen auf jedes kommu⸗
nizierende Glied 95 ½% Cents.“ — Das sind so einige Mittei⸗
lungen aus unserm Synodalkreis. Die Briefe kommen aus 12
verschiedenen Distrikten, aus großen, mittelstarken und kleinen
Gemeinden, aus Stadtgemeinden und aus Landgemeinden. Sie
berichten von Kämpfen, aber auch von Siegen und mögen, wie
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