Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 65, Nummer 2 › Seite 21
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 26. Januar 1909, Seite 21
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Zahlen. Im letzten Jahre sind wieder Hunderte direkt aus Deutsch⸗
land hier angekommen, die aber von dem „Offenbarungstaumel“
der Heiligen“ (so nennen sich bekanntlich die Mormonen) so ein⸗
genommen sind, daß schier nichts mit ihnen anzufangen ist. Es
ist traurig, aber wahr. Doch hat Gottes Wort, soweit Menschen
sehen können, bei zwei Familien Frucht gebracht. Die eine wurde
zu Neujahr in die Gemeinde aufgenommen, und die andere hält
sich fleißig zu den Gottesdiensten, so daß wir Hoffnung haben, sie
im Laufe des Jahres auch aufnehmen zu können. Die Gemeinde
hat außer §240.00 für Pfarrgehalt und §175.00 für Schulden⸗
tilgung noch §86.00 für auswärtige Zwecke aufgebracht und be⸗
schlossen, in diesem Jahre §300.00 zum Pfarrgehalt aufzubringen.
So ist doch die Mission hier nicht umsonst, und wenn wir, wie wir
hoffen, in diesem Jahre eine kleine Schule bauen können, so kön⸗
nen wir erst recht Mission treiben.“ Die letzten Worte sind ebenso
richtig wie erfreulich. Eine Gemeindeschule — das hat sich hun⸗
dertmal in der Geschichte unserer Synode bewahrheitet — ist ein
treffliches Missionsmittel und baut die Gemeinde. Das gilt auch
von deutsch-englischen oder ganz englischen Missionen und Ge⸗
meinden, wie der Brief eines Pastors an einer deutsch-englischen
Gemeinde bestätigt. Er schreibt: „Trotzdem unsere Gemeinde⸗
schule englisch ist, ist sie unter Gottes Segen doch herrlich aufge⸗
blüht; in einem Zeitraum von fünf Jahren stieg sie von 30 Kin⸗
dern auf 73. Man meint ja vielfach, mit der deutschen Sprache
würden auch unsere Gemeindeschulen eingehen; aber wenn Pastor
und Lehrer tüchtig für die Schule arbeiten und in der Schule auch
etwas leisten, dann kann auch in einer englisch werdenden Ge⸗
meinde die Schule sich erhalten und entfalten. Man arbeite nur
für die Schule, und Gottes Segen wird nicht ausbleiben. Unsere
Schule ist auch zugleich eine rechte Missionsschule. in der viele
auswärtige Kinder Aufnahme finden und in Gottes Wort und
Luthers Lehre unterrichtet werden. Gott erwecke in unsern Pa⸗
storen und Lehrern (und Gemeindegliedern) einen recht tätigen
Eifer für unsere Schulen!“ Und ebenso schreibt ein Pastor an
einer neu abgezweigten Gemeinde in einer großen Stadt: „Bis
Mitte Oktober hielt ich selbst Schule; als ich anfing, waren es
25 Kinder. Zuletzt wurde es zu viel, und wir haben jetzt einen
Lehrer. In der Gemeindeschule liegt unsere Zukunft. Gott segne
sie und auch die Kasse für Innere Mission, durch welche es uns
möglich geworden ist, unsern Lehrer zu besolden.“
Viele Berichte erzählen von fröhlichem Wachsen und Ge⸗
deihen. Es bestätigt sich immer wieder, wie richtig es ist, wenn
man in Städten Abzweigungen vornimmt und in einem neuen
oder sonst aussichtsvollen Stadtteil neue, kleine Missionsgemeinden
ins Leben ruft. Aus einer solchen abgezweigten Missionsgemeinde
heißt es: „Nach sechs Monaten beschloß die Gemeinde, mit Gottes
Hilfe selbständig zu werden; nach drei Monaten baute sie ein
eigenes Lokal, Kirch⸗ und Schulraum; nach weiteren sechs Mona⸗
ten berief man einen Lehrer. In der Schule würde die Zahl der
Schüler größer sein, wenn wir mehr Bänke hätten. Diesem übel⸗
stande soll jetzt bald abgeholfen werden. Durch die Sonntags⸗
schule sind schon eine ganze Anzahl Kinder für den Konfirman⸗
denunterricht gewvonnen worden. So hat derx HErr unsern
Kleinglauben beschämt. Wenn der HErr uns auch noch ferner
freundlich ist und das Werk unserer Hände fördert, dann wird sein
Werk in unserer Gemeinde bald einen festen Bestand haben. Die
Gemeinde hat im vergangenen Jahre weit über §1000.00 in
ihrer Mitte aufgebracht, und nun wir die Duplex Envelopes ein⸗
geführt haben, hoffen wir die Gehälter schon in diesem Monat be⸗
trächtlich erhöhen zu können.“ Eine solche Abzweigung fügt ja
öfters der alten Gemeinde empfindliche Verluste zu, und der
Missionskasse erwachsen daraus oft und auf längere Zeit bedeu⸗
tende Ausgaben. Trotzdem sollte man sich nicht abhalten lassen,
den Schritt zu tun, wenn die rechte Zeit gekommen ist. Unsere
Synode hat schon viele blühende Gemeinden durch rechtzeitige Ab⸗
zweigung gewonnen, aber auch schon manches Missionsfeld ver⸗
loren, weil man die günstige Zeit verstreichen ließ. Dazu kommt,
daß, wenn es die örtlichen Verhältnisse nicht mit sich bringen, man
die einzelnen Gemeinden nicht zu groß werden lassen, sondern
lieber abzweigen sollte. Das ist in der Regel besser für die alte
Gemeinde und ebenso für die entfernter wohnenden Glieder, die
dann den Stock der neuen Gemeinde bilden; vor allem wird da⸗
durch eine neue Gelegenheit eröffnet, unter solchen, die gleich⸗
gültig geworden oder noch ganz draußen sind, zu missionieren. —
Gute Nachricht kommt auch aus unsern Gemeinden in London,
England. Der Pastor schreibt: „Unsere Gemeinden haben sich
auch im letzten Jahre im Frieden erbauen dürfen. Ein Blick auf
die Statistik zeigt, daß die Seelenzahl der Gemeinden, wie auch die
Zahl der kommunizierenden und stimmberechtigten Glieder zuge⸗
nommen hat. (Die Gesamtzahlen sind: 265 Seelen, 110 Kom⸗
munizierende, 37 Stimmfähige.) Zugenommen haben sie auch
an Opferfreudigkeit. Mit Gottes Hilfe ist es uns möglich gewesen,
im vergangenen Jahre §50.00 mehr an unverzinslichen Darlehen
abzuzahlen, als wir uns zu zahlen verpflichtet haben. Es ist
unser sehnlicher Wunsch, bald ganz selbständig zu werden und
dann in Gottes Namen einen zweiten Missionar zu berufen. Kürz⸗
lich haben wir die Einrichtung getroffen, daß ein Gemeindeglied
sofort Mitteilung macht, tvenn im ‚Lutheraner‘ oder in der Frei⸗
kirche“ auf eine besondere Notlage hingewiesen wird. Ich mache
es darauf von der Kanzel aus bekannt, und dann füllt sich der zu
diesem Zweck beim Türeingang angebrachte Opferkasten. So sind
in kurzer Zeit für das segensreiche Wirken des Schriftenvereins
der deutschen Freikirche §55.00 eingegangen. Für unsere Synodal⸗
kasse habe ich bereits 88.00 in Händen, und dann soll unsere Syno⸗
dalbaukasse bedacht werden. Der HErr hat Großes an uns getan,
daß er uns hier in dieser Millionenstadt eine Tür aufgetan und
uns zu Gemeinden des reinen Wortes und Bekenntnisses gesam⸗
melt hat. Für diese Wohltat wollen wir uns von Herzen dankbar
erweisen. Möge Gott auch in diesem Jahre seinen Segen zu unse⸗
rer Missionsarbeit geben, damit auch hier durch die Verkündigung
des ewigen und unverfälschten Evangeliums viele Seelen „allein
aus Gnaden“ selig werden!“ — Ein anderer Pastor bemerkt zu
seinem Bericht: „Auch in dem verflossenen Jahre hat Gott uns
seinen Segen reichlich widerfahren lassen. Unsere Gemeinde ist
in jeder Hinsicht gewachsen, und die Opferwilligkeit hat bedeutend
zugenommen. Kann die Gemeinde auch noch nicht viel für aus⸗
wärtige Zwecke tun, so bestreitet sie doch ganz ihren eigenen Haus⸗
halt. So weit hat der HErr geholfen; er wird auch weiter helfen.“
Die Gemeinde zählt 45 Glieder und 126 Kommunizierende und
erhält einen Pastor und einen Lehrer.
Nicht überall ist äußeres Wachstum zu verzeichnen. Das
kann ja auch nicht sein; die Verhältnisse sind an den einzelnen
Orten zu verschieden. Aber da hat es doch nicht an sonstigen Fort⸗
schritten gefehlt, und das innere Wachstum ist doch die Haupt⸗
sache. Ein Pastor, der mehrere Gemeinden bedient, schreibt:
„Mein Bericht zeigt wenig oder gar keinen Fortschritt. In der
Tat ist aber ein großer Fortschritt. So ist vor einem Jahr die
Gemeinde in X. organisiert worden und zählt jetzt 7 stimmberech⸗
tigte Glieder, und wir haben dort eine Kirche gebaut, die bald
eingeweiht wird. Sie repräsentiert einen Wert von ungefähr
51500.00. Sodann baut die Gemeinde bei X. mit ihren 21 Stimm⸗
berechtigten ein Gotteshaus für 52000.00 bis §53000.00. Bei⸗
des schien noch vor einem Jahre eine Unmöglichkeit zu sein. So
bildet sich hier allmählich eine schöne kleine Parochie heraus. Beide
Gemeinden sind rein von Logen ꝛc. Wir haben alle Ursache, dank⸗
bar zu sein für den jetzigen Stand der Dinge.“ — Ein anderer
Pastor bemerkt: „Viel Zunahme weist mein Bericht zwar nicht
auf, doch ist mit Gottes Hilfe das Werk des HErrn etwas voran⸗
gegangen, und er wird ja auch Gnade und Segen verleihen, daß
wir in Zukunft weiter wachsen und zunehmen. An Arbeit, son⸗
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