Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 65, Nummer 2 › Seite 20

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 26. Januar 1909, Seite 20

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Rund 56050.00 sind es demnach, um welche die euro—
päische Freikirche die Ehrw. Missourisynode herzlich und drin—
gend bittet.

Was die lieben Glaubensgenossen in Amerita bewegen
sollte, dieser Bitte nachzukommen, darüber ließe sich viel sagen.
Wir wollen uns aber ganz kurz fassen. Nur auf eins wollen
wir uns erlauben hinzuweisen, und uns damit streng an unsere
überschrift halten: „Die Beschlüsse der Delegatensynode und
die europäischen Freikirchen.“

Was die europäischen Freikirchen betrifft, so ist ihnen wohl
bewußt, daß ihre teure Schwester in Amerika sehr viele Eisen
im Feuer hat, daß ihr Ausgaben über Ausgaben erwachsen,
um ihren weitverzweigten Haushalt zu führen. Darum hat
sich unsere Kirche in Deutschland gescheut, die Vielbeschäftigte
nun auch noch stark in Anspruch zu nehmen. So haben wir
im letzten Jahre auf unserer Synode den Beschluß gefaßt, in
Zukunft ohne ganz dringende Not kein weiteres Pfarramt zu
errichten. Wir wollten die aus Amerika nötige Unterstützungs⸗
summe nicht noch erhöhen. Vor etlichen Jahren wurde uns
von Amerika her dringend geraten, die vakante Pfarrstelle in
Hamburg durch jemand zu besetzen, den man für Deutschland
ganz besonders geeignet hielt. Wir haben den Rat nicht be⸗
folgt, um nicht durch die große Familie des Betreffenden der
Missourisynode, die das Pfarramt in Hamburg zu erhalten sich
verpflichtet hat, eine ungewöhnlich große Ausgabe zu verur⸗
sachen. Das sind nur etliche Beispiele von vielen, wie wir in
Europa ernstlich darauf bedacht sind, so wenig als nur möglich
von Amerika zu erbitten.

Die Delegatensynode aber ist überaus willig gewesen,
unser Werk im alten Vaterland zu unterstützen und zu fördern.
Vor nun bald dreizehn Jahren hat sie unsere Synode ermun⸗
tert, die Hamburger Gemeinde zu veranlassen, ein selbständiges
Pfarramt aufzurichten, und hat beschlossen, sowohl den Mann
zu stellen, als auch alles nötige Geld aufzubringen. Unsere
Synodalkasse — das war die Meinung — sollte so viel mehr
bekommen, daß sie durch die neue Ausgabe nicht belastet würde.
Ferner hat die Delegatensynode im Jahre 1899 beschlossen,
jährlich 5400.00 zur Erhaltung des Pfarramtes in Berlin dar⸗
zureichen. Die Meinung war auch hier wieder, daß diese
Summe noch neben dem, was sonst unsere Freikirche erhielt,
aufgebracht werden sollte. Im letzten Jahre sind der jetzt mit
der Sächsischen Freikirche verschmolzenen Hermannsburger
Freikirche §750.00 durch Beschluß der Delegatensynode in Fort
Wayne versprochen worden. Auch der Beschluß wurde gefaßt,
der Sächsischen Freikirche die Summe von §650.00, die ihr im
vorletzten Jahre durch einen Irrtum entzogen wurde, zurück—
zuerstatten.

Durch etliche dieser Versprechungen der Delegatensynode
hat sich die Sächsische Freikirche zu Schritten bewegen lassen,
die sie sonst nicht getan hätte. Im Vertrauen auf
die versprochene Mehreinnahme hat sie die Errichtung eigener
Pfarrämter in Hamburg und Berlin gutgeheißen. Weil im
vorigen Jahre in Fort Wayne den Brüdern aus der früheren
Hermannsburger Freikirche 5750.00 zugesagt worden sind, hat
unsere Synode in eine dieser Summe entsprechende Gehalts⸗
aufbesserung der Hermannsburger Pastoren gewilligt.

Aber indem wir in Deutschland das getan haben, wozu
uns die Beschlüsse der Delegatensynode ermunterten, sind wir
teilweise zu kurz gekommen. Es ist sowohl für Hamburg als

auch für Berlin bei weitem nicht eingegangen, was die Dele⸗
gatensynode zugesichert hatte. Die Gemeinde in Berlin zum
Beispiel hat im verflossenen Jahre die Sächsische Freikirche
bitten müssen, ihr §200.00 zu ersetzen, die an dem versprochenen
Zuschuß aus Amerika fehlten.

Daß so die Unterstützung ans Amerika hinter den Ver—
sprechungen der Delegatensynode zurückgeblieben ist, hat gewiß
nur darin seinen Grund, daß man dort selbst so viel braucht
und der Beschlüsse der Delegatensynode unsere Freikirche be⸗
treffend nicht allgemein eingedenk war. Wir sind der über—
zeugung, daß es den lieben Glaubensgenossen nur lieb ist, davon
in Kenntnis gesetzt zu werden, daß ihre Beschlüsse nicht ganz
zur Ausführung gelangt sind. Darum :erlauben wir uns hier⸗
mit, darauf aufmerksam zu machen.

Die Delegatensynode hat den europäischen Freikirchen nicht
nur im allgemeinen immer wieder kräftigere Unterstützung in
Aussicht gestellt, sondern auch durch förmlichen Beschluß ganz
bestimmte Summen fest versprochen. Darum erlauben wir
uns die Bitte, daß nun auch alle Gemeinden dem in Fort Wayne
gefaßten Beschluß nachkommen möchten. Geschieht dies, so
wird gewiß die für die europäischen Freikirchen notwendige
Summe von §6050.00 mit Leichtigkeit zusammenkommen.

Der treue HErr und Heiland hat uns nicht mit Gold oder
Silber, sondern mit seinem heiligen, teuren Blut erlöst. Er,
der uns so sein Leben geopfert hat, mache uns willig, daß wir
ihm in herzlicher Dankbarkeit vergängliches Silber und Gold

opfern. Im Auftrag

H. G. Amling.

Zu vorstehendem die Bitte um baldige und reichliche
Gaben in die Kasse für die europäischen Freikirchen hinzuzu⸗
fügen erlaubt sich

Die Kommission für Innere Mission im Ausland:
L. Lochner.
K. Schmidt.
W. Walk.

Bur kirchlichen Chronik.

Aus allen Teilen und Distrikten unserer weitverzweigten
Synode laufen jetzt die Berichte für das „Statistische Jahrbuch“
ein. Das sind lauter Zahlen, die über den äußeren Stand der
einzelnen Gemeinden Aufschluß geben. über diese Zahlen werden
wir später zusammenfassend berichten. Öfters aber ist diesen stati⸗
stischen Berichten ein Brief beigelegt, der etwas über die Gemeinde⸗
verhältnisse sagt, Freude ausdrückt, Befürchtungen ausspricht, Be⸗
obachtungen mitteilt. Solche Nachrichten sind interessant und
werden auch unsere Leser interessieren. Denn alle unsere Pastoren
und Gemeinden sind ja eng miteinander verbunden durch das
Band des Glaubens und der Liebe; der einen Gemeinde Freude
oder Leid findet Teilnahme bei andern Gemeinden. Dazu ist auch
manches in den Briefen gesagt, was andern zur Belehrung, Mah⸗
nung und Ermunterung dienen kann. Wir lassen daher einige
Auszüge folgen, zunächst einen kleinen Missionsbericht aus der
Mormonenstadt Salt Lake City. Die dortige Missionsgemeinde
beansprucht auch deshalb allgemeineres Interesse, da ihr aus den
verschiedensten Teilen der Synode beim Bau ihres Kirchleins ge⸗
holfen worden ist. Der Missionar schreibt: „Ich sende hiermit
meinen jährlichen Bericht. Er ist leider immer noch klein an

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