Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 65, Nummer 8 › Seite 116
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 20. April 1909, Seite 116
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Miſſion 29
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schreibt Luther also: „über die Lehre zu erkennen und zu rich⸗
ten, kommt allen und jeden Christen zu, und zwar so, daß der
verflucht ist, der solches Recht um ein Härlein kränkt. Denn
Christus hat dieses Recht in unüberwindlichen und vielen
Sprüchen angeordnet, z. B. Matth. 7, 15: „Sehet euch vor
vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch
kommen!“ Dies Wort sagt er ja gewiß wider die Lehrer zum
Volk und gebietet ihm, daß es ihre falschen Lehren meiden
solle. Wie können sie aber dieselben meiden, ohne sie zu er⸗
kennen? und wie erkennen, wo sie nicht das Recht haben
zu urteilen? Nun aber gibt er ihnen nicht allein das Recht,
sondern auch das Gebot zu urteilen, so daß diese einzige
Stelle genug sein kann wider aller Päpste, aller Väter, aller
Konzilien, aller Schulen Sprüche, die das Recht zu urteilen
und zu schließen bloß den Bischöfen und Geistlichen
zugesprochen haben, dem Volk aber, das ist, der Kirche, der
Königin, es gottloser⸗ und kirchenräuberischerweise geraubt
haben. Denn da steht Christus und sagt: „Sehet euch vor vor
den falschen Propheten! . .. So auch alles, was Christus
Matth. 24 und allenthalben von falschen Lehrern, Petrus und
Paulus von den falschen Aposteln und Johannes von Prüfung
der Geister gebieten, gehet alles dahin, daß das Volk Macht
habe zu richten, zu prüfen, zu verdammen, und zwar mit allem
Recht. Denn jeder glaubt auf seine eigene Gefahr
recht oder falsch, darum hat auch ein jeder für sich zu sorgen,
daß er recht glaube, so daß auch der gemeine Menschenverstand
und die Notwendigkeit der Seligkeit dazu dringt, daß das
Urteil über die Lehre notwendig bei dem Zuhörer sein müsse.
Sonst ist vergeblich geschrieben 1 Thess. 5, 21: ‚„Prüfet alles
und das Gute behaltet. . . . Nun magst du zusehen, aus was
für einem Geiste die gottesränberischen und greulichen Kon⸗
zilien gewesen sind, die wider so große Donnerschläge und
wider die offenbarsten Sprüche sich erdreistet haben, den
Päpsten das Recht anzumaßen, zu richten und zu erkennen,
dazu auch zu gebieten und Gesetze zu stellen. Ohne Zweifel
sind das des Satans Gedanken gewesen, durch welche er die
Welt mit Wirkungen des Irrtums überschwemmt und den
Greuel an heilige Stätte gestellt hat, in allersicherster Tyrannei,
nachdem dem Volke die Macht zu richten benommen worden ist,
davor sich sonst falsche Lehrer hätten scheuen müssen.“ 5)
Mitteilungen aus unserer Indianermission in⸗
Wisconsin. ö
Wenn wir uns anschicken, unsern Mitchristen einige Mit⸗
teilungen aus unserer Indianermission zu machen, so geschieht
das mit Lob und Dank gegen IEsum, den großen Erzhirten
seiner Kirche, der den Seinigen einen Sieg nach dem andern
verleiht und sie nicht zuschanden werden läßt. Es sind so
manche freudige Begebenheiten, die sich seit unserm letzten Be⸗
richt im „Lutheraner“ in unserer Mission zugetragen haben,
daß wir nur mit tiefer Beschämung an unser früheres Zagen
über deren Bestand zurückdenken und uns gedrungen fühlen,
mit dem Psalmisten auszurufen: „Der HErr ist groß und hoch
zu loben, wunderbarlich über alle Götter. Denn alle Götter
der Völker sind Götzen; aber der HErr hat den Himmel ge⸗
5) A. a. O., 341 ff.
macht. Es stehet herrlich und prächtig vor ihm und gehet ge⸗
waltiglich und löblich zu in seinem Heiligtum“, Ps. 96, 4—6.
Wie sich die „Lutheraner“-Leser wohl noch erinnern wer⸗
den, so klagten wir seinerzeit darüber, daß die Presbyterianer
eine Gegenmission errichtet hätten und so der gedeihliche Fort⸗
gang unserer Mission, wenn auch nicht geradezu untergraben,
so doch sehr gefährdet sei. Aber es ist auch hier nach dem
Schriftwort gegangen: „Beschließet einen Rat, und werde
nichts daraus!“ Jes. 8, 10. Schon längst ist das Feld von
den Presbyterianern wieder geräumt worden. Ihre Gottes⸗
dienste sind aufgehoben, und ihre Sonntagsschule ist einge⸗ *
gangen. Diejenigen Indianer, welche ihre Mission vornehmlich
betrieben, finden sich nun wieder fast sonntäglich àn unsern
Gottesdiensten ein und schicken auch ihre Kinder in unsere
Schule. So ist denn diese drohende Gefahr für unsere Mission
beseitigt, und es herrscht wieder ein reges, einmütiges Treiben
in der ganzen Gemeinde. Außer den Kindern, welche die Mis⸗
sionsschule besuchen, stellen sich durchschnittlich 60 erwachsene
Zuhörer zu den Gottesdiensten ein. Der Missionar gibt ihnen
das Zeugnis, und das können auch wir aus eigener Erfahrung
bestätigen, daß sie andächtig und aufmerksam der Predigt lau⸗
schen und Segen davon mit in ihre Wohnungen nehmen. Ja,
Gottes Wort erweist sich auch an diesen wilden Ureinwohnern
unsers Landes als eine Kraft Gottes, selig zu machen alle, die
daran glauben, Röm. 1, 16.
Die beiden gröbsten Laster, denen die Indianer ergeben
sind und zu denen sie am meisten versucht werden, sind Trunk⸗
sucht und Unsittlichkeit. Ach! wer einen Blick in ihre arm⸗
seligen Hütten tut und sieht, welch ein Jammer dadurch in
ihren Familien angerichtet wird und wie diese Sünden der .
Väter noch oft an Kindeskindern deutliche Spuren zurück⸗
gelassen haben, der erkennt so recht, wie wahr es ist, was
Salomo' schreibt: „Die Sünde ist der Leute Verderben“, Spr.
14, 34. Die Regierung bemüht sich allerdings, durch allerlei
äußerliche Maßregeln diese Sünden zu unterdrücken und zu
bekämpfen; doch es gelingt ihr das nur zum Teil. Nur so
lange, als das Auge des Gesetzes auf ihnen ruht, lassen sie sich
dadurch in Schranken halten, aber sobald sie sich davon nicht
beachtet wähnen, zeigen sie sich wieder als Sklaven ihrer Laster.
Das Evangelium allein kann sie zu andern Menschen machen.
die willig der Sünde entsagen und gerne Gott in Heiligkeit
und Gerechtigkeit dienen; und daß es sich kräftig an ihnen n
erweist, kann unser Missionar täglich wahrnehmen.
Im Anschluß hieran wollen wir sogleich hinweisen auf
die Tätigkeit unserer Mission an den Indianern im vergange—
neu Jahre. Eine organisierte Gemeinde mit stimmberechtigten
Gliedern haben wir in unserer Mission bisher noch nicht. Das
kommt hauptsächlich daher, daß die Männer sehr zurückhaltend
sind und nur mit Mühe zum Tauf⸗ und Konfirmandenunter⸗
richt herangezogen werden können. So weit ist nur ein Mann
Abendmahlsgast. Doch hat unser Missionar jetzt mehrere
Männer im Unterricht, und mit Gottes Hilfe wird es auch
dahin kommen, daß ein regelrechtes Gemeindewesen ins Leben
gerufen werden kann. Oft zeigt sich Gott aber auch hier, wie
sonst in den Kreisen der Weißen, ganz besonders reich an Er⸗
barmen und läßt sie noch in ihrer letzten Stunde sich bußfertig
in die Arme ihres Erlösers werfen. Wenn sie von der Schwind⸗
sucht erfaßt werden und nach und nach dahinsiechen — was
nicht selten geschieht, denn wegen des Lasterlebens, das sie
N
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