Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 65, Nummer 8 › Seite 121

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 20. April 1909, Seite 121

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Jugend 5

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ö — S Der „VTutheraness

eine frivolere Herausforderung als die jener Zeitung aus Mes—-
sina? Hat jemand in Messina gegen diese Lästerung protestiert?
Kein Protest ist laut geworden. Die unglücklichen Bewohner der
Stadt dachten nur daran, das schöne Klima, die gesunde Luft, die
saftigen Früchte, die feinen Fleischspeisen zu genießen, aber nicht
daran, die Ehre Gottes zu verteidigen. Die Heiden in Athen und
Sparta verbrannten die gottlosen Bücher und Schriften, welche die
Götter lästerten. In Messina wurden die Lästerer an die Spitzen
der Behörde gesetzt. Die Stimme Gottes ist laut geworden;
möge sie gehört werden! Als der Turm in Siloah fiel, der acht—
zehn Menschen tötete, sprach IEsus: „Meinet ihr, daß die achtzehn
seien schuldig gewesen vor allen Menschen, die zu Jerusalem woh⸗
nen? Ich sage euch: Nein; sondern, so ihr euch nicht bessert,
werdet ihr alle auch also umkommen“, Luk. 13, 4. 5. Laßt uns
die furchtbare Lektion zu Herzen nehmen: laßt uns in Demut und
Anbetung die unendliche Majestät des HErrn erkennen.“ — So
weit die italienische Zeitung. Ein deutschländisches Blatt fügt
noch treffend hinzu: „Daß in Messina am 25. Dezember 1908
das gotteslästerliche Gedicht veröffentlicht wurde, wird auch ander—
weit bestätigt. Wenn man die grauenhafte Bitte um ein Erdbeben
liest und dann bedenkt, was am 26. Dezember geschah, wird man
unwillkürlich an das ernste Schriftwort erinnert: „Irret euch nicht;
Gott läßt sich nicht spotten!“ Leser, falte deine Hände und bete:

Hilf, daß der losen Spötter Hauf'

Uns nicht vom Wort abwende;

Denn ihr Gespött, samt ihnen drauf,

Mit Schrecken nimmt ein Ende.“

L. F.

Einige Fragen zum Nachdenken.

1. Hast du Kinder? Sind sie dir recht teuer, nicht weil sie
dich so viel kosten, auch nicht weil du von ihnen große Einnahmen
zu erzielen hoffst, sondern weil sie eine teure, köstliche Gabe Gottes
sind? Wendest du darum allen Fleiß an, sie zu Himmelsbürgern
und zu guten, nützlichen Erdenbürgern zu erziehen? Besteht bei
euch eine Gemeindeschule, eine christliche Wochenschule? Wenn
nicht, warum nicht? Wenn aber eine da ist, hilfst du sie treulich
heben und pflegen? Du schickst doch selbstverständlich alle deine
Kinder allein dahin, und zwar von Anfang an, bis sie sie absol⸗
viert haben? Hältst du deine Kinder auch zu Hause unermüdlich
zu allem Guten an? Willst du sie in aufrichtiger Gottesfurcht, als
wahre Christenkinder erziehen? Du gebrauchst Gottes Wort und
Gebet, hältst Hausandacht, täglich, mit deiner Familie? Du
betest also mit deinen Kindern, aber auch im stillen Kämmerlein
für deine Kinder? Du gehst mit den Deinen allsonntäglich zur
Kirche und lehrst deine Kinder ihre Kirche lieben? Du lebst auch
sonst ihnen vor, was du sie lehrst und lehren lässest?

2. Hast du schon konfirmierte Kinder, heranwachsende Söhne
und Töchter? Wie halten die sich zu Gottes Wort? Lesen und
hören sie es fleißig? Besuchen sie auch die Christenlehre und schä⸗
men sich nicht, von ihrem Pastor aus dem Katechismus gefragt
zu werden? Lernen sie auch das Geben für allerlei kirchliche
Zwecke? Und wie leben sie daheim und draußen? Sind sie got⸗
tesfürchtig, aufrichtig, demütig, ehrerbietig, keusch und züchtig und
wie es sonst jungen Christen geziemt? Fahrt ihr Eltern uner⸗
müdlich fort, auch eure großen Kinder mit Liebe und Ernst zu
warnen, zu strafen, zu locken und zu ermuntern?

3. Und ihr Söhne und Töchter, mit wem verkehrt ihr? Regel⸗
mäßigen, freundschaftlichen Umgang habt ihr doch wohl nur mit
euren Glaubensgenossen? Sucht ihr solche Altersgenossen, etwa
Mitkonfirmanden, die der Kirche fremd zu werden anfangen, zu
ermahnen und vor Abfall zu bewahren, ja das Verlorene zu retten?
Pflegt ihr christliche Gemeinschaft untereinander? Habt ihr einen

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christlichen Jünglings⸗-, Jungfrauen- oder Jugendverein? Nicht?
Warum nicht? Oder besteht ein solcher, und ihr gehört nicht dazu?
Oder wenn ihr Glieder seid, beteiligt ihr euch dann auch fleißig,
befucht die Versammlungen regelmäßig und pünktlich, tut in und
außer denselben eure Pflicht als Glieder oder auch als Beamte,
sucht träge Glieder wieder anzufeuern und neue zu gewinnen und
sonst, wie immer ihr wißt, das Wohl eures Vereins und seiner
Glieder und eurer jungen Mitchristen überhaupt zu fördern? Und
vergeßt ihr dabei nicht, daß diese christliche Gemeinschaftspflege,
wie auch die Hebung weltlichen und geistlichen Wissens in den Ver⸗
einen der Gemeinde, der Kirche zu Nutz und Segen gereichen soll
und gereichen wird, wenn sie nur unter der heilsamen Zucht und
auf der geraden Bahn des Wortes Gottes bleibt?

4. Was tut daher endlich ihr Gemeinden und Gemeindeglie⸗
der für eure konfirmierte Jugend? Begünstigt ihr deren gesundes
Streben nach Geselligkeit, stellt ihnen ein passendes Lokal für die
Versammlungen, nehmt auf allerlei Weise herzlichen Anteil an
ihrem Wohlergehen und überwacht sie mit freundlichem Ernst?
Ihr zeigt ihnen doch nicht etwa Gleichgültigkeit und laßt sie laufen
— laufen in glaubensmengerische Vereinigungen, in weltliche
Clubs und Gesellschaften, in die Tanzsäle, Theater und sonstige
Tempel der Weltlust und des Weltfürsten — laufen auf den brei⸗
ten Weg, ins Verderben? Bedenkt vielmehr, daß eine wohlerzogene
Jugend, die dem Heiland zu treuem Dienst ergeben ist, unsere Ge⸗
meinden der Zukunft bilden muß! Sprecht ihr daher nicht von
ganzem Herzen mit mir: „Der HErr segne und behüte unsere
liebe Jugend!“?

Offene Ohren für Gottes Wort.

Als Joh. Jak. Moser, der württembergische Professor und
Staatsmann (4 1785), und seine Frau zum Glauben gekommen
waren, sagte sie einst zu ihm: „Ich weiß nicht, ich meine, unser
Pfarrer Weißmann predigt jetzt ganz anders als früher.“ Moser
aber lächelte und sprach: „Mein liebes Kind, er predigt noch wie
zuvor; aber wir haben nun andere Herzen und Ohren.“

Als der Stadtpfarrer Kündig in Basel einst eine fast er⸗
blindete Dame ermunterte, sie möge sich oft aus der Bibel vor⸗
lesen lassen, sagte sie unwillig: „Was habe ich vom Bibellesen?
Ich habe mir heute schon Röm. 8 vorlesen lassen, aber ich verstehe
doch nichts davon.“ Etwa zwei Jahre später konnte sie ihm nicht
genug rühmen, welchen Genuß ihr das Vorlesen aus der Heiligen
Schrift gewähre. „Heute hat man mir“, sagte sie, „das 8. Kapitel
des Römerbriefes vorgelesen; das ist doch ein herrliches Kapitel!“
Da fiel ihm ihre frühere Außerung ein, und er erinnerte sie daran:
„Ist es denn noch dasselbe Kapitel wie damals?“ fragte er.
„Ach“, sagte sie, „wohl ist das Kapitel dasselbe geblieben, aber,
Gott Lob, mein Herz nicht.“

In den Gottesdienst eines frommen und gewaltigen Predi⸗
gers in Westfalen kam einst ein Mann von auswärts, sah die An⸗
dacht der ganzen Gemeinde, wurde von dem Gottesdienst ergriffen
und sagte zu dem Manne, mit dem er aus dem Gesangbuch sang:
„Welch ein Lied! Was habt ihr doch für herrliche Lieder in eurem
Gesangbuch!“ Und siehe, als er das Gesangbuch betrachtete, war
es das nämliche, das er zu Hause hatte. Aber er las hier mit
andern Augen, sang mit einem andern Herzen.

Wir sehen daraus, es kommt nicht bloß darauf an, was man
liest und singt, sondern auch darauf, wie man liest und singt; nicht
bloß darauf, wie uns Gottes Wort gepredigt wird, sondern auch
darauf, wie es von uns aufgenommen wird; nicht bloß darauf,
was wir in der Kirche empfangen, sondern auch darauf, was wir
schon mit hineinbringen — ein sattes oder ein hungriges Herz.
Daran liegt es, daß viele niemals etwas von Gottes Wort und
auch nichts vom Gottesdienst haben. Es fühlt es ja jeder rechte

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