Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 65, Nummer 8 › Seite 120
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 20. April 1909, Seite 120
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Unzucht
120 8Der V„Tutheranss
die einen sich offenbaren als zu albern für die Vernunft, und daß
die andern sich entweder stützen auf irrige Auslegung, oder aber
durch die Geschichte als falsch erwiesen sind. Ich erfülle deshalb
durch meinen Austritt aus dem Priesterstand und aus der Kirche
ein Gebot der Aufrichtigkeit und der Ehrlichkeit; denn ein Prie⸗
ster, dessen überzeugung gerade das Gegenteil sagt von dem, was
seine Kirche ihm zu glauben und zu lehren aufträgt, ist in Aus⸗
übung seines Amtes gezwungen, fortwährend zu lügen. Er lügt
vor den Kindern, die den Katechismus lernen; er lügt die Gläu⸗
bigen an, die sich niederwerfen vor dem sogenannten Richterstuhle
der Beichte“; er belügt den Kranken und Sterbenden, der gequält
ist von den Gedanken an das Jenseits, und er sagt die Unwahrheit
dem Denker, der ihn fragt nach der Vernünftigkeit des Glaubens.“
Leider zeigen manche Ausdrücke in dieser Erklärung, daß Sforzini
nicht frei von Rationalismus oder Vernunftglauben ist, wie er
denn auch nicht zur rechtgläubigen Kirche, sondern zur bischöflichen
Methodistenkirche übergetreten ist. — Am 7. Februar erklärte auch
der bisherige römische Priester Mina Capelli vor einer großen
Versammlung in Florenz seinen übertritt zum Protestantismus.
Drei Jahre hat er die römische Kirche nach allen Seiten hin ge—
prüft, hat um des Gewissens willen mit seiner wohlhabenden und
an ihm hängenden Familie gebrochen und sein Amt als Professor
an einem römisch⸗-katholischen Seminar niedergelegt. — Ein ande⸗
rer angesehener italienischer Katholik, der ehemalige Jesuitenpater
und frühere Redakteur der fanatisch-römischen Ciite Cattolica,
war schon letztes Jahr ausgetreten, hatte sich aber lange nicht zum
Eintritt in eine der protestantischen Kirchengemeinschaften Italiens
entschließen können. Kürzlich jedoch hat er sich der alten Wal⸗
denserkirche, die schon im Mittelalter sich vom. Papsttum losgesagt
hat, angeschlossen und entfaltet eine rege Tätigkeit. Er hat öffent⸗
lich erklärt: „Ich werde das Evangelium predigen, weil ich über⸗
zeugt bin, daß die Welt heute mehr als je nötig hat, daß ihr die
ganze, reine und klare Wahrheit verkündigt werde.“ — Kein Wun⸗
der, daß die Römischen die Aufmerksamkeit von diesen Ereignissen
abzulenken versuchen. L. F.
Aus Indien haben die Tageszeitungen im letzten Jahre wie⸗
derholt von Unruhen unter der eingeborenen Bevölkerung und Auf⸗
lehnung gegen die englische Regierung berichtet. Es ist noch nicht
abzusehen, wie tief die Sache geht und welche Folgen sie haben
wird. An manchen Orten ist es zu Blutvergießen gekommen, und
die Zeitungen der Eingeborenen hetzen fortwährend ihre Leser
gegen die englischen Beamten auf. So schrieb ein solches Blatt
einige Tage nach einem Attentat auf einen englischen Beamten,
dem zwei Frauen zum Opfer fielen: „Hartherzigkeit ist notwen⸗
dig, den Feind niederzutreten. Wenn bei einem Versuch, den
Feind zu vernichten, zufällig eine Frau getötet wird, so hat Gott
keine Ursache, deshalb zu zürnen. Wie die Engländer, so muß
auch mancher weibliche Teufel getötet werden, soll die Rasse der
Tyrannen ausgerottet werden. Hier gibt es keine Sünde, keine
Barmherzigkeit, keine Liebe.“ Wenn sich nun auch diese Aufleh⸗
nung zunächst nicht gegen die Mission und die Missionare richtet,
sondern gegen die englische Regierung und ihre Beamten, so kann
und wird doch die Mission davon nicht unberührt bleiben. An
einzelnen Orten zeigt sich auch schon ein verändertes Verhalten der
Eingeborenen gegen die Missionare und die eingeborenen Christen.
Es kommt häufiger vor, daß die Missionare und ihre Gehilfen
bei der Heidenpredigt gestört und am Reden verhindert werden.
In einem großen Dorfe Bengalens wurden einem Evangelisten,
der Bibelteile zum Verkauf anbot, die Bücher von einer Anzahl
junger Leute aus den Händen gerissen und verbrannt. In der
Bombay⸗Präsidentschaft wurde das Gehöft einer englischen Mis⸗
sion von einer Rotte von Raufbolden angegriffen und eine der
Missionarinnen, die die Angreifer zu beruhigen suchte, mit Stöcken
und Steinwürfen verwundet. — Unsere Missionare haben bis jetzt
Jedoch glaube ich, es sei der Mühe wert, hier ein eigentümliches!
noch keine Klage zu führen gehabt. Gott halte auch ferner seine
schützende Hand über sie und behüte sie auch vor der Pest, die in A
Indien nie ganz ausstirbt, und von der im Februar auch in Baru⸗
gur und Krishaagiri, wo unsere Missionare Kellerbauer und Nau⸗
mann stehen, und in einigen dazwischenliegenden Orten Fälle vor⸗
gekommen sind. L. F.
Götzenhandel. Die „Allgemeine Ev.⸗Luth. Kirchenzeitung“
berichtete vor einiger Zeit über das schändliche Treiben einer engl
lischen Handelsfirma, die Götzenbilder herstellt und dann in die .
Heidenländer zum Verkauf schickt. Darauf erhielt sie, aus Ham⸗
burg folgende Zuschrift: „Immer noch bemühen sich viele Mis- 3
sionare im fernen Osten, die dortigen Völker zum Christentum zu
bekehren, und die Ausdauer dieser Missionare ist wirklich bewun⸗
derungswürdig. Wie aber sollen wir über die Birminghamer
Firma urteilen, die dieses Bestreben dadurch vernichtet, daß sie
Götzen herstellt und in großen Quantitäten in jene Gegenden ver⸗
sendet, die also ihr möglichstes tut, um die Asiaten in ihrem heid⸗
nischen Glauben zu lassen, um daraus sicheren Gewinn zu ziehen.
Aber nicht nur in England wird derartiges getrieben, nein, auch
in Deutschland, und zwar hier in Hamburg. Eine große Ham⸗
burger Exportfirma, bei der ich angestellt bin, hat kürzlich nach
Bombay, Karachi und Rangoon Musterkisten von indischen Götzen
gesandt und hofft auf gute Geschäfte. Es handelt sich um deutsches
Fabrikat, das Dutzend zu 7 bis 9 Mark.“
rige Heidenmissionsarbeit durch „Christen“ erschwert und vereitelt
und um schändlichen Gewinnes willen alles aufgeboten, um die
Heiden in ihrem greulichen Götzendienst zu halten. Welch ein Ge⸗ =
richt wird diese übeltäter einmal mit Recht treffen! L. F.
Aus Welt und Zeit.
Frevle Herausforderungen und eine furchtbare Antwort.
Das entsetzliche Erdbeben von Messina und Reggio in Italien ist E.
noch in aller Leser Gedächtnis. Aber nicht so bekannt ist, was
seitdem in mehreren Blättern berichtet und als Wahrheit bestä⸗
tigt worden ist und geeignet ist, jedes ernstere Gemüt mit Grauen
zu erfüllen. Der Corriere d' Italia, eine italienische Zeitung, hat
folgenden Brief an ihren Redakteur veröffentlicht: „Geehrter Herr;
Direktor! Ich bitte Sie, folgende Notiz in Ihr Blatt aufzuneh⸗
men. Sie ist wahr und furchtbar. 4
Messina in den Händen der Feinde des christlichen Glaubens.
Diese hielten an einem Tage, der jeuer schrecklichen Nacht des Erd⸗
bebens vorausging, einen Landtag. Die Zusammenkunft schloß!
damit, daß die Religion auf das heftigste geschmäht wurde. Ich;
will wahrlich aus diesem Umstande keine Folgerungen ziehen.!
Zusammentreffen hervorzuheben. Das Witzblatt II Telefono, das
in Messina gedruckt wurde und einen ganz gemeinen antireligiösen!
Charakter hatte, veröffentlichte in der Weihnachtsnummer ein!
Spottgedicht auf das „IEsuskindlein“. Eine der Strophen lautete
in freier übersetzung, wie folgt: ‚ ö
O du kleines Kindelein,
Das nicht nur wahrer Mensch allein,
Nein, auch ein wahrer Gott will sein:
— Um deines Kreuzes will'n begehren
Wir deine laute Stimm' zu hören.
Bekannt bist du uns, die wir leben;
Drum schick' uns allen ein Erdbeben. 4
(In einem andern, eben gegründeten freidenkerischen Blatt, „Die
Zukunft“, hatte der Redakteur in der ersten Nummer lästerlich!
Gott also angeredet: „Wenn du nicht ein ohnmächtiger Narr bist,!
dann sende uns ein Erdbeben als Beweis deiner Existenz!“ Das
war am Tage vor der Nacht des Erdbebens geschehen.) Gibt es
So wird die so schwie⸗
Seit einiger Zeit schon war
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