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Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 24. August 1909, Seite 263

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Anhang · Auhang

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Ansprache im Namen der deutschen evangelischen Kirchenkonferenz.
Am Sonntag, den 4. Juli, hielt in der lutherischen Kirche in Genf
der Berliner Oberhofprediger ). Dryander die Calvin-Gedächtnis⸗
predigt über das Wort Hebr. 13, 7: „Gedenket an eure Lehrer“ ꝛc.
Am 6. Juli, dem eigentlichen Geburtstag, fand die Grundstein⸗
legung zu einem großen Calvindenkmal statt, das eine ähnliche
Bedeutung haben soll wie das bekannte Lutherdenkmal in Worms.
Zu dieser Feier hatte auch der deutsche Kaiser ein Glücktwunsch⸗
telegramm gesandt, in dem er unter anderm seine Freude dar⸗
über aussprach, daß unter den Standbildern, die dem geplanten
Denkmal einverleibt werden sollen, auch solche von drei seiner
Vorfahren seien, nämlich von dem französischen Admiral Coligny,
von dem niederländischen Statthalter Wilhelm von Oranien und
von dem brandenburgischen Kurfürsten Friedrich Wilhelm dem
Großen. Die Festversammlung schickte darauf ein Danktelegramm
an den Kaiser ab, in dem dieser als eine „der festesten Stützen des
ebangelischen Glaubens“ gerühmt wurde. Dieser Vorgang er⸗
innert daran, daß das preußische Herrscherhaus seit Jahrhunder⸗
ten reformiert ist, zeitenweise die lutherische Kirche sehr bedrängt
und vor fast hundert Jahren die unheilvolle Union in Preußen
eingeführt hat. L. F.
Was es kostet, vom Papste selig gesprochen zu werden, ist
anläßlich der kürzlich erfolgten Seligsprechung der Jungfrau von
Orleans bekannt geworden. Ein solcher Prozeß der Seligsprechung
erstreckt sich meistens über eine lange Zeit und erfordert immer
Geldopfer. So hat der französische Bischof Dupanloup schon dem
vorvorigen Papste Pius IX. seinerzeit 300,000 Franken gegeben
zur Einleitung der Seligsprechung. Sein Nachfolger, Kardinal
Coullie, hat in gleicher Sache 160,000 Franken an den vorigen
Papft Leo XIII. bezahlt. Außerdem hat die Fürstin d'Estinac
260,000 Franken, die römisch-katholische Diözese Orleans im
Jahre 1904 118,000 Franken gegeben, und englische Katholiken
haben 200,000 Franken aufgebracht. Das ergibt die stattliche
Summe von 1,038,000 Franken (5207,600), die nur für die
Einleitung des Prozesses entrichtet worden ist. Wenn man nun
bedenkt, daß solche Prozesse immer im Gang sind, die, wenn auch
vielleicht nicht so hohe Summen, so doch gewiß ansehnliche Gelder
kosten, so zeigt sich auch hier für jeden, der nicht ganz verblendet
ist, der greuliche irdische Sinn des Papsttums. L. F.

Aus Welt und Zeit.

über Wahnsinn und Verbrechen hat der bekannte italienische
Gelehrte Cesare Lombroso ein Werk veröffentlicht, in welchem er
einen düsteren Ausblick über die Zunahme des Wahnsinns in den
Kulturländern der Erde eröffnet. Lombroso ist ein ganz ungläu⸗
biger, atheistischer Forscher, der die Sünde und ihre Verantwort⸗
lichkeit leugnet, hat sich aber zeitlebens mit diesen Fragen beschäf—⸗
tigt und manche Beobachtungen gemacht und Tatsachen festgestellt.
Er sagt in diesem Werke nach der „Allgemeinen Ev.⸗Luth. Kirchen⸗
zeitung“ unter anderm: Wenn wir zum Beispiel die Behauptung
aufstellen wollten, daß es im nächsten Jahrhundert im Verhältnis
zur Bevölkerungsziffer fünfmal mehr Wahnsinnige geben wird als
jetzt, so ist das nichts als eine statistische Ableitung aus den Zahlen,
die uns die zibilisierten Völker aller Länder heutzutage bieten.
Jacobi weist nach, daß die Zahl der Irrsinnigen in Frankreich in
33 Jahren um 58 Prozent stieg, während im gleichen Zeitraum
die Bevölkerungsziffer nur um 11 Prozent gestiegen ist. In Ita⸗
lien gab es im Jahre 1880 17,471 Irrsinnige, und 27 Jahre
später zählte man in dem italienischen Königreich nicht weniger
als 45,000. In England kamen im Jahre 1889 auf je 10,000
Einwohner 18 Irre. Im Jahre 1893 war diese Zahl schon auf
29 gestiegen, und bis zum heutigen Tage hat diese Steigerung noch

immer bedeutend zugenommen. In den Vereinigten Staaten wuchs
die Ziffer der Irrsinnigen in 30 Jahren auf das Sechsfache. Diese
erschreckenden Zahlen sind leider nur allzu verständlich; denn die
Gründe, die den Irrsinn zur Folge haben, werden immer stärker
und häufiger und mannigfacher. So wie seit Jahrhunderten Wein,
Bier und Schnaps unsere Seele vergiftet haben, so wirkt jetzt auch
noch zum überfluß Ather, Morphium und Kokain tödlich auf un⸗
sern Geist ein. Nun füge man noch den Wirbel hinzu, in den der
Mensch jetzt durch das Hasten des Lebens gerissen wird, und der
ihn arbeiten und arbeiten und immer arbeiten läßt, bis auch die
stärkste Energie aufgebraucht und die widerstandsfähigsten Kräfte
gebrochen werden. Zu den Ursachen der überhandnahme des
Wahnsinns müssen noch gerechnet werden die schrecklichen, zum
Himmel schreienden mannigfachen Sünden wider das sechste Gebot,
die die moderne Menschheit vergiften und eine Hauptquelle der heu⸗
tigen Degeneration sind. Und vor allem hat der Atheist Lombroso
nicht beachtet, daß die letzte Ursache von dem allem der große Ab⸗
fall von Gott und von seinen Geboten ist. L. F.

Lutherworte über den Beruf zum Predigtamt.

Wie oft ist doch in den letzten Jahren die Frage erörtert
worden: Woher nehmen wir Prediger? Es ist in unserer Zeit
nicht immer leicht, einen frommen und begabten Knaben oder
Jüngling zu bewegen, daß er sich für das Studium der Theologie
entschließt. Zu andern Zeiten ist es anders gewesen. Zur Zeit
der Reformation zum Beispiel haben viele das Predigtamt be⸗
gehrt; nicht alle aber, die es begehrten, waren dazu tüchtig. Es
ist lehrreich, zu hören, wie man damals die Frage beantwortet
hat: Woher soll man Prediger nehmen und berufen?

Luther hat sich bei verschiedenen Gelegenheiten über diese
Frage geäußert. Auf die Ausbildung treuer und geschickter Pre⸗
diger legte er begreiflicherweise ein großes Gewicht. Je tiefer der
Priesterstand in der römischen Kirche im Ansehen des Volkes ge⸗
sunken war, desto mehr mußte ihm daran liegen, daß die Prediger
des Evangeliums es mit ihrem Amte wirklich ernst meinten und
als treue Lehrer und Hirten ihre Gemeinden nach dem Vorbilde
Christi, des großen Erzhirten, weideten. Woher aber wollte man
solche Prediger des Evangeliums nehmen? Luther hat den Rat
gegeben, man solle sie, wvenn möglich, aus den Schulen nehmen,
Er hat den Lehrerstand allezeit hoch geachtet, und gerade dieser
Stand schien ihm ganz besonders geeignet zu sein, tüchtige Pre⸗
diger des Evangeliums zu liefern.

Er äußert sich darüber in den Tischreden, wie folgt: „Die
Schulmeister sind des Redens gewohnt in der Schule mit ihren
Schülern, wie man der Heiligen Schrift Sprüche fein behandeln
und auslegen soll. Ich wollte, daß keiner zu einem Prediger er⸗
wählet würde, er wäre denn zuvor Schulmeister gewesen. Jetzt
wollen die jungen Gesellen von Stund an alle Prediger werden
und fliehen der Schulen Arbeit. Aber wenn einer hat Schule ge—
halten, ungefähr zehn Jahre, so mag er mit gutem Gewissen da⸗
von lassen; denn die Arbeit ist zu groß und man hält sie geringe.
Es ist aber ebensoviel in einer Stadt an einem Schulmeister ge⸗
legen als am Pfarrherrn. Und wenn ich kein Prediger wäre, so
weiß ich keinen Stand auf Erden, den ich lieber haben wollte.
Man muß aber nicht sehen, wie es die Welt verlohnet und hält,
sondern wie es Gott achtet und an jenem Tage rühmen wird.“

An einer andern Stelle in den Tischreden heißt es: „Daß
man doch aus den Schulmeistern Pfarrherren und Prediger machte!
Denn Schulmeister sind so eigentlich zum Predigen geschickt, wie
ein Mensch ein verständiges, vernünftiges Wesen ist.“

Noch eine dritte Stelle aus den Tischreden führt Magister
Konrad Porta in seinem Pastorale Lutheri zu dieser Frage an;

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