Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 68, Nummer 1 › Seite 4

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 9. Januar 1912, Seite 4

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Gemeindeſchule · Gemeindeſchule · Gemeindeſchule

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„*

4 8 Der-Vutheraneb

ben zu Gesicht bekam, nahm sie mit diesem Gliede — Herrn
Leeseberg — Rücksprache. Derselbe gab dann folgende Erklä⸗
rung ab und beauftragte mich später, sie hier zu veröffentlichen.
Sie lautet also: „Da ein Zirkular über meinem Namen als
Glied der Aufsichtsbehörde ausgesandt worden ist, so erkläre ich,
1. daß ich die Tragweite dieses Zirkulars nicht erkannt habe,
2. daß ich auch die Art und Weise der Ausbreitung dieses Zirku⸗
lars nicht billige, 3. daß in diesem Zirkular nicht die Meinung
der Aufsichtsbehörde in bezug auf Verlegung der Anstalt, son⸗
dern meine persönliche Meinung zum Ausdruck kommt. Ja, ich
muß erklären, daß die andern Glieder der Aufsichtsbehörde das
Zirkular nicht billigen. Chicago, Ill., 7. Dezember 1911.
Louis Leeseberg.“

Was Chicago anbetrifft, so ist den „Lutheraner“-Lesern
bekannt, daß die letzte Synode nicht bloß die Lutheran Educa-
tion Society von Chicago bat, ein Grundstück im Werte von
550,000 für die neue Anstalt zu schenken, sondern auch die Hoff⸗
nung aussprach, die Gemeinden dieser Stadt würden sich son⸗
derlich die Verlegung der Anstalt angelegen sein lassen. Ein
Grundstück ist nun von genannter Gesellschaft für die Synode
gekauft worden, nachdem es von der Allgemeinen Aufsichts⸗
behörde gründlich besichtigt und für in jeder Beziehung geeignet
erklärt worden war. Am zweiten Weihnachtstage fand dann
eine große Versammlung von Vertretern sämtlicher Gemeinden
in Chicago statt. Sie war auf Anregung der Lutheran Edu-
cation Society zustande gekommen und bezweckte zunächst, alle
Gemeinden zur Beteiligung bei Ankauf des Landes zu gewin⸗
nen, sowie für den Aufbau der Anstalt sich gegenseitig zu er⸗
muntern und zu begeistern. Die Gemeindevertreter sprachen
es als ihre persönliche überzeugung aus, daß die Beschlüsse der
Synode ausgeführt werden sollten, und beschlossen einhellig,
ihren Gemeinden zu empfehlen und sie zu bitten, die fehlenden
Gelder für den Ankauf des Grundstückes aufzubringen und die
Lutheran Education Society als Exekutivkomitee einzusetzen.

So haben wir alle Ursache, Gott zu loben und zu danken,
der so weit geholfen und willige Herzen und offene Hände ge⸗
schenkt hat. In seinem Namen wollen wir fröhlich ins neue
Jahr eintreten und nicht vergessen, welch selige Leute wir sind,
und welch herrlichen Beruf und große Aufgabe wir haben.
„Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen
und züchtigt uns, daß wir sollen verleugnen das ungöttliche
Wesen und die weltlichen Lüste und züchtig, gerecht und gottselig
leben in dieser Welt und warten auf die selige Hoffnung und
Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unsers
Heilandes JEsu Christi, der sich selbst für uns gegeben hat, auf
daß er uns erlösete von aller Ungerechtigkeit und reinigte ihm
selbst ein Volk zum Eigentum, das fleißig wäre zu guten Wer⸗
ken“, Tit. 2, 11—14. F. Pfotenhauer.

Durch unsere Gemeindeschule wehren wir dem Teufel.

Daß der Satan gerade der Jugend nachstellt, kann jeder
sehen, der offene Augen hat. Denn wie groß sind nicht die
Versuchungen, denen unser junges Volk ausgesetzt ist, wie
mannigfach und wie fein nicht die Netze der Sünde, die unsern
Kindern gelegt sind; ja wie reich ist nicht die Ernte, die der
Böse gerade unter den jungen Leuten hält! Unter der Jugend
arbeitet der arge Feind mit großem Erfolge; unsere Kinder

„

* —

sind die „niedlichen Bißlein“, nach denen ihn hungert. Wie
sollten wir da nicht alle, Eltern, Lehrer und Paftoren, mit
vereinten Kräften dem Teufel wehren und unsere Kinder rüsten,
damit sie am Tage der Versuchung dem Bösewicht widerstehen
können! Ist da auch nur einer, der müßig die Hände in den
Schoß legen und gleichgültig zusehen könnte, wie der Satan
unter unsern Kindern wütet? Ist auch nur einer da, der sich
einen Christen nennt, der Mühe, Arbeit und Kosten scheut,
wenn es gilt, unsere Kinder vor dem Bösen zu bewahren?

Aber wie wollen doch manche in dieser hochwichtigen Sache
so gleichgültig werden! Sie denken nur an „den Bauch und
die zeitliche Nahrung“ ihrer Kinder, das heißt, sie meinen vor
allen Dingen dafür sorgen zu müssen, daß ihre Kinder einmal
in der Welt, im Leben vorankommen; um die arme Seele
kümmert man sich weniger. So geschieht es denn auch, daß
manche Leute ihre Kinder nicht mehr in die christliche Ge⸗
meindeschule schicken wollen, in der irrigen Meinung, sie lernten
dort nichts, sondern sie lieber in die religionslosen Staats⸗
schulen gehen lassen, abermals in der irrigen Meinung, sie
lernten dort bedeutend mehr für das praktische Leben. Man
hält ja wohl heutzutage viel auf Schulung und Bildung der
Kinder, denkt aber dabei vornehmlich an eine weltliche Bildung,
die für das irdische Leben nützen soll, während man darüber
die geistliche, die Seelenbildung des Kindes, leicht vernach—
lässigt.

Was sagt Luther dazu? „Daß aber der Teufel sich also
zur Sache stellt und gibt solches ein den fleischlichen Weltherzen,
die Kinder und das junge Volk so zu verlassen, ist nicht Wunder.
Und wer will's ihm verdenken? ... Wie sollte er das zugeben
und anregen, daß man jung Volk recht aufziehe? Ja, ein
Narr wäre er, daß er in seinem Reiche (der Welt) sollte das
lassen und helfen aufrichten, dadurch es (sein Reich) aufs
allergeschwindeste müßte zu Boden gehen; wie denn geschähe,
wo er das niedliche Bißlein, die liebe Jugend, verlöre und
leiden müßte, daß sie mit seinen Kosten und Gütern erhalten
würde zum Gottesdienst.“ Ja wahrlich, der Teufel weiß, welch
großer Schade seinem Reiche geschähe, wenn die Jugend recht
und christlich erzogen würde; daher will er unsere Kinder auch
lieber in Unkenntnis des göttlichen Wortes lassen, damit er
ihrer desto sicherer sei.

Wollen wir uns nun von dem Seelenfeind in eine solche
Gleichgültigkeit einwiegen lassen, daß wir uns hinfort nicht
besonders um die christliche Schulung unserer Kinder kümmern?
Nimmermehr! Wir wollen dem Teufel auch hier wehren; wir
wollen seine Anschläge auf unser junges Volk zunichte machen;
wir wollen sein Reich zerstören helfen; wir wollen zugleich
auch unsere Kinder mit siegreichen Waffen wider den Erbfeind
ausrüsten. Wohlan, dann müssen wir das junge Volk auf⸗
ziehen in der Zucht und Vermahnung zum SErrn; dann
müssen wir es in Gottes Wort gründlich unterrichten; dann
müssen wir Luthers Rat befolgen und christliche Schulen auf⸗
richten und erhalten und die schon vorhandenen pflegen und
erweitern. Denn gerade unsere christlichen Schulen sind die
Arsenale, in denen unsere Kinder mit Waffen ausgerüstet wer⸗
den, zu kämpfen gegen Teufel, Welt und Sünde; da werden
die jungen Streiter herangebildet, die dem Satan und seinen
Schuppen entgegentreten können. Durch unsere Gemeinde⸗
schulen bekämpfen wir aufs nachdrücklichste und erfolgreichste
das Reich des Teufels.

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