Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 68, Nummer 1 › Seite 14
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 9. Januar 1912, Seite 14
Scan: Internet Archive item DerLutheraner68_partial. Selected pages only: not every page of this year is held.
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription machine transcription, uncorrected
Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Geſetz 21 · Kirchengemeinſchaften. 4„99
8 Der „TuthsranesS
hat. Bist du auf das Krankenlager gelegt worden — es kam
von Gott; hat dich in deinem Geschäfte ein empfindlicher Unfall
betroffen — Gott hat es zugelassen; hast du selbst den Todes⸗
boten bei dir eintreten sehen und mußtest du dein Liebstes her⸗
geben — es war der SErr, der dich heimsuchte. Er will dich
durch das Kreuz zu sich ziehen. Näher zu Gott soll dich alles
bringen, was dir widerfährt; denn die, welche Gott gefallen,
sollen durchs Feuer der Trübsal bewährt werden.
Kommt dir ein Schmerz, so halte still
Und frage, was er von dir will.
Ich weiß gewiß, Gott schickt dir keinen
Nur darum, daß du solltest weinen.
„Von Gott“ ist dein Lebensgang bestimmt. Seine Güte hat
dich ins Leben gerufen; er hat alle deine Tage auf sein Buch
geschrieben, die noch werden sollen, da ihrer noch keiner da war;
er setzt auch einst das Ziel deines Lebens, wenn es heißt: „Komm
wieder, Menschenkind!“ Wie tröstlich ist dies! Kein blinder Zu⸗
fall, keine böse Macht lenkt deine Schicksale, sondern Gott hat
dein Leben in seiner Hand. Er schickt dir frohe Tage — nimm
sie dankbar an als von ihm. Er schickt das Leid — beuge dich
demütig darunter! Freud' und Leid sind Gottesboten, und
Über Nacht fein sacht
Kommt Freud' und Leid,
Und eh' du's gedacht,
Verlassen dich beid'.
Sie gehn, dem HErrn zu sagen,
Wie du sie getragen.
Solche Boten schickt uns Gott immer wieder; möchten wir
doch verstehen und verstehen wollen, was sie uns sagen sollen!
„Von Gott“ sind dir auch dein Ehegatte, deine Kinder, deine
Hausgenossen und Nachbarn ans Herz gelegt. Zeige ihnen durch
dein Verhalten gegen sie, daß die Liebe Gottes in dir wohnt;
sei ihnen ein Führer „zu Gott“! Es heißt so schön in einem
Trauungsformular: „Es soll jedes darauf bedacht sein, daß
eins das andere mit sich in den Himmel bringe.“ Das gilt
zunächst den Ehegatten; aber du kannst und sollst auch deinen
übrigen Angehörigen ein Förderer auf dem Wege zum Himmel
sein. Ihr Eltern, führt eure Kleinen zu ihm, der gesagt hat:
„Laßt die Kindlein zu mir kommen!“
„Von Gott“ kommen zu dir alle die heiligen Zeiten, die im
Festtagsglanze an dir vorbeiziehen: das Adventsfest, gleich einer
hohen, herrlichen Pforte, umkränzt mit Palmenzweigen, den
König der Ehren einziehen zu lassen: „Gelobet sei, der da kommt
im Namen des HErrn!“ — das Weihnachtsfest mit dem Kindlein
in der Krippe, mit seinem Stern und seiner Engelspredigt:
„Euch ist heute der Heiland geboren“; die ernste Passionszeit
mit dem Kreuz auf Golgatha: „Siehe, das ist Gottes Lamm,
welches der Welt Sünde trägt!“ — das frohe Osterfest mit der
Engelsbotschaft: „Christ ist erstanden!“ — Himmelfahrt mit
seiner tröstlichen Verheißung: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage,
bis an der Welt Ende“; das heilige Pfingstfest mit seiner Geistes⸗
ausgießung und mit der Bitte: „O Heil'ger Geist, kehr' bei uns
ein!“ „Von Gott“ kommt dir jeder Sonntag, an dem dir Gott
in Wort und Predigt besonders nahetritt. „Zu Gott“ weisen dich
alle die heiligen Zeiten und Tage. Laß dich weisen und versäume
nicht die Gnadenzeit!
Das führt uns auf das Edelste und Herrlichste, das wir
von Gott haben. Unser Geist stammt von Gott und ist „zu
Gott“ geschaffen. Daher findet er auch keine Befriedigung auf
dieser Welt. Du kannst in die Tiefen der Gelehrsamkeit ein⸗
dringen, du kannst dich für das Beste, Edelste und Schönste be⸗
geistern, was Menschen ersonnen und geschaffen haben, du kannst
dich selber im Dienst für die Menschheit aufopfern — Ruhe und
Frieden für deine Seele kannst du nur in Gott finden. Er allein
kann den sehnenden Geist befriedigen und den Hunger deiner Seele
*
stillen. Darum sagt schon der fromme Kirchenbater Augustinus
in seinen „Bekenntnissen“: „Du, o Gott, hast uns zu dir ge⸗
schaffen, und ohne Ruhe ist unser Herz, bis es ruht in dir.“
„Von Gott“ stand über dem Taufstein, als uns Gott so
väterlich entgegenkam am Morgen unsers Lebens; möge einst,
wenn unsere Sonne sinkt, auf unserm Grabsteine stehen: „Zu
Gott!“ Mögen uns die beiden Gottesboten, Freude und Leid,
die auch in diesem Jahre bei uns einkehren werden, weiter helfen
auf dem Wege zum Heimatland, bis der letzte Bote kommt, uns
das Reisekleid auszieht und uns heimholt „zu Gott“!
Ein Tag sagt es dem andern,
Mein Leben sei ein Wandern
Zur frohen Ewigkeit. ‚
O Ewigkeit, du schöne,
Mein Herz an dich gewöhne!
Mein Heim ist nicht in dieser Zeit.
(Christenbote.)
„So habe ich das nicht angesehen.“
In der Gemeinde zu X. war Jahresversammlung mit Be⸗
amtenwahl und Rechnungsablage gehalten worden. Zwei Glieder
der Gemeinde, Alfred G. und Heinrich M., waren auf dem Heim⸗
weg. Spricht der Heinrich: „Sag', ist dir nicht aufgefallen, daß
auch dieses Jahr wieder vier oder fünf Glieder nichts in die Kasse
der Gemeinde bezahlt haben? Und etliche haben bedeutend weniger
beigetragen als andere Jahre. So ist das nun jedes Jahr ge⸗
wesen, und ich habe mich darüber schon so geärgert, daß ich mir
vorgenommen habe, ich bezahle von jetzt an auch weniger oder
gar nichts.“
Alfred: „Glaubst du, Nachbar, daß die Glieder recht getan,
die ohne Not abgezogen oder gar nichts gegeben haben, obwohl sie
es gekonnt hätten?“
Heinrich: „RNein, das ist es gerade, was mich so ärgert.
Diese Leute handeln nicht recht.“
Alfred: „Allerdings, diese Leute sündigen, weißt du auch
an wem?“
Heinrich: „Die versündigen sich an Gott; denn sie tun
nicht, was Gott von denen verlangt, die unterrichtet werden mit
dem Wort, und sie versündigen sich an den andern Gliedern der
Gemeinde, denen sie ihren Anteil an den Lasten auch noch auf⸗
bürden.“
Alfred:
begehen?“
Heinrich: „Nun, so hab' ich das nicht gemeint, aber“ —
Alfred: „Behalte dein Aber noch für dich! Sag' mir
zuvor einmal, woher es kommt, daß diese Leute, obwohl sie recht
gut dazu imstande wären, ihren Beitrag zu entrichten oder auch
einen größeren Beitrag zu geben, es doch unterlassen haben?“
Heinrich: „Es ist Gleichgültigkeit; bei zweien ist es auch
Du weißt ja, welche ich meine.“
Alfred: „Nein, das allein ist es nicht. Der Schaden sitzt
tiefer. Wenn diese Leute Gottes Wort wirklich von Herzen lieb⸗
„Und diese Sünde willst du von nun an auch
Geiz.
hätten, auch ihre Mitchristen aufrichtig liebten, würden sie so
handeln? Gewiß nicht! Die Liebe zu Gottes Wort und zu den
Brüdern würde sie dringen, ihr reichlich Teil beizusteuern.
Glaubst du das nicht auch?“
Heinrich: „Ja, gewiß glaube ich das.“
Alfred: „Also woran fehlt es diesen Leuten?“
Heinrich: „Wie du gesagt hast, an der Liebe zu Gottes
Wort und zu den Brüdern.“
Alfred: „Unser Pastor sagte kürzlich in einer Predigt:
Wo es an Liebe fehet, da fehlt es am Glauben; und so wird das
—..—.—
English translation
Not yet translated.