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Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 9. Januar 1912, Seite 15

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wohl sein. Und von nun an willst du auch zu den Leuten gehören,
denen es an Liebe und Glauben fehlt oder doch mangelt?“

Heinrich: „Höre, Nachbar, so habe ich das nicht ange⸗
sehen; Gott bewahre mich davor! Ich werde auch in Zukunft
meine Schuldigkeit tun, und das mehr noch als bisher.“

Alfred: „Das dachte ich mir doch. Aber nun ärgere dich
auch nicht mehr über besagte Leute, sondern bedauere sie von
Herzen und schließ sie in deine Fürbitte treulich ein, damit Gott
Glauben und Liebe in ihnen wecke und erhalte. Dann wird dir
auch die Rechnungsablage mehr Freude bereiten; denn hat ein
Mensch im Glauben erkannt, wie reich ihn Gott in Christo IEsu
gemacht hat und wie Gott die ganze Fülle seiner Gnade durch die
Predigt des Wortes über ihn ausschüttet, dann tut ihm die Dank⸗
barkeit Tasche und Hand auf zum reichlichen Opfer. Doch hier
scheiden sich unsere Wege; ich wünsche dir eine geruhsame Nacht.“

Heinrich: „Gute Nacht, Nachbar! Vielen Dank für deine
Belehrung!“

Was ich mir recht oft im neuen Jahre vorsagen will.

1. Daß mir mit jedem Tag ein Gnadentag, zwölf Gnaden⸗
stunden, geschenkt sind für die Ewigkeit, wovon ich Rechenschaft
ablegen muß, und die, einmal entschwunden, für immer dahin sind.

2. Daß mein Leben eine Reise, ein Weg zum Himmel ist,
mein Lauf nur hindurchgeht, und hienieden meines Bleibens
nicht ist.

3. Daß der Weg, der zum Leben führt, sehr eng und schmal
ist, daß er mit Kreuzen besetzt ist und sich heute noch in das dunkle
Tal des Todes verlieren kann.

4. Daß aber auch einer mir zur Seite und mit mir ist, der
von sich selber gesagt hat: „Ich bin der Weg und die Wahrheit
und das Leben“; daß einer bei und mit mir ist, der sein Kreuz
nach Golgatha getragen hat und mir das meinige tragen hilft
und es dort mit dem Tode versiegelt hat, daß er auch mein Hei⸗
land sei.

5. Daß ich auch heute den alten Menschen in mir mit all
seinen Neigungen und Lüsten, mit all seinen bösen Gedanken und
Sinnen durch die Kraft des Heiligen Geistes, die Gott mir dar⸗
reicht, töten und verleugnen kann und soll.

6. Ich will danach trachten, soviel ich nur kann, daß der
verborgene Mensch des Herzens still und unverrückt vor Gott
bleibe, in stillem Gebet ohne Unterlaß zu ihm, und das Auge des
Geistes nur immer gläubig und kindlich auf IEsum, meinen
Heiland, schaue.

7. Alles, was mir kommt, will ich annehmen als vom HErrn
und beten, es sei Freude oder Leid, daß es mir zum besten diene,
und dabei weder für den folgenden Tag noch für die Zukunft
einer ängstlichen Sorge Raum geben. Der morgende Tag wird
für das Seine forgen, und es ist ja genug, daß ein jeder Tag für
sich seine Plage habe.

8. Ich will auch alle Menschen ansehen als Miterlöste, Mit⸗
berufene und sie alle lieben als solche, die mit mir eines gleichen
Sündenelends teilhaftig, aber auch alle mit mir berufen sind,
Gnade, Frieden und Leben zu empfangen durch IEsum Christum.

9. Mit besonderer Liebe und Treue aber will ich den Kin⸗
dern Gottes anhangen.

Guter Rat.

Einst fuhr ein alter Herr mit einigen Freunden über Land.
Man sprach von den vielen Nöten und Bedrängnissen dieser Welt.
Da sagte der Alte: „Freunde, ihr müßt es nur immer machen
wie ich auf dieser Fahrt und rückwärts fahren. Ihr seht von

—

euren Sitzen aus vorwärts. Da erblickt ihr jeden Stein, jeden
Abhang, jede Tiefe und jede Höhe und ängstigt euch. Ich sehe
alles erst, wenn wir hinüber sind, und jede Schwierigkeit ist mir
nur ein Grund zum Loben und Danken, daß wir glücklich vorbei
sind, während sie euch Sorgen und Angst macht.“

Ist das nicht auch die rechte Art, wie man ins neue Jahr
hineinfahren soll? Wir wollen an Weihnachten und an alles Gute
des alten Jahres und an alle frühere Hilfe unsers lieben, treuen
Gottes denken, dann können wir auch fröhlich und getrost in die
Zukunft blicken. Ps. 77, 12 heißt es: „Darum gedenke ich an

die Taten des HErrn; ja, ich gedenke an alle deine vorigen
Wunder.“ ö

Rechnungsabschluß.

Ein Prediger hörte einst einen Ungläubigen sagen: „Ich
bringe den Sonntag immer mit Abschließen meiner Rechnungen
zu.“ Darauf antwortete jener ernst: „Sie werden finden, daß
der Tag des Gerichts auf ganz gleiche Weise zugebracht wird.“

Todesanzeigen.

Es hat dem HErrn der Kirche gefallen, unsern treuen Mis⸗
sionar unter den Persern, P. Joh annes Aiwaz Pascha,
am 6. Dezember 1911 im Alter von 49 Jahren aus der Arbeit
dieses Lebens in die ewige Ruhe abzurufen. P. Pascha war ge⸗
boren in Digalah, Persien, am 6. September 1862. Seine
Ausbildung erhielt er auf den Anstalten der Presbyterianer zu
Urumiah und arbeitete dann einige Jahre als Lehrer, später als
Missionar unter seinen Volksgenossen. Durch fleißiges Studium
der Schrift war er zu der überzeugung gelangt, daß die pres⸗
byterianische Lehre nicht in allen Stücken mit der Wahrheit über⸗
einstimme, und als er durch den Verkehr mit einigen lutherischen
Missionaren aus Deutschland in der rechten Lehre immer fester
gegründet wurde, schloß er sich diesen im Jahre 1894 an und
wirkte hinfort, nach einem kurzen Aufenthalt in Berlin, als
lutherischer Missionar unter den Mohammedanern. Unterstützt
wurde seine Mission von Deutschland aus, zuerst von P. Faber
in Berlin, dann von einer hessischen Pastoralkonserenz. Als aber
nach einigen Jahren die versprochene Unterstützung immer ge⸗
ringer wurde und endlich ganz aufhörte, arbeitete der Entschlafene
zunächst jahrelang ohne Gehalt weiter, bis er schließlich sein ganzes
Vermögen im Dienste der Mission geopfert hatte. Nun reiste er
im Jahre 1907 persönlich nach Deutschland. Dort stellte es sich
heraus, daß auf keine weitere Unterstützung der Mission in Persien
zu hoffen sei, und so kam er denn auf Anraten einiger Pastoren
nach Amerika, um hier Interesse für seine Mission zu wecken.
Hier wurde er von den Missionsbehörden des Generalkonzils in
die Missionsarbeit unter den Persern dieses Landes eingestellt.
Gott fügte es so, daß er bald nachher die Lehrstellung unserer
Synode kennen lernte und sie als die seinige erkannte und be⸗
kannte. Im Mai dieses Jahres wurde er in unsern Synodal⸗
verband aufgenommen, nachdem er schon ein Jahr lang unter der
Aufsicht der Pastoralkonferenz von New York seine Mission weiter⸗
geführt hatte. Mit großer Treue und mit Aufopferung aller
seiner Kräfte arbeitete er unter den Persern in Nonkers, N. Y.,
New Britain und Bristol, Conn., Philadelphia, Pa., Atlantic Cithy,
Newark und Elizabeth, N. J., und Chicago, Ill. überall wurde
ihm von seinen Landsleuten, deren manche in Persien seine Schüler
gewesen waren, das größte Vertrauen geschenkt, so daß er oft
70 bis 150 Männer in seinen Gottesdiensten hatte. Sein Wunsch
war jedoch, zu seiner Familie in sein Heimatland zurückzukehren,
um dort unter den Mohammedanern zu missionieren und persische

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