Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 68, Nummer 6 › Seite 87

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 19. März 1912, Seite 87

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Unsere Synode besitzt zehn volle Anstalten. Zwei dar⸗
unter, die Anstalten in Addison, Ill., und Seward, Nebr.,
bilden unsere zukünftigen Schullehrer aus. Auf zwei andern
— in St. Louis, Mo., und Springfield, Ill. — werden unsere
Studenten für das Predigtamt tüchtig gemacht. Unsere sechs
Gymnasien — in Fort Wayne, Ind.; Milwaukee, Wis.;
St. Paul, Minn.; Concordia, Mo.; Bronxville, N. Y., und
Winfield, Kans. — bereiten unsere Knaben auf das Studium
der Heiligen Schrift in St. Louis vor. Die Studienzeit der
Schullehrer dauert sechs Jahre, die Studienzeit in Springfield
fünf oder sechs Jahre und die Studienzeit auf einem unserer
Gymnasien und in St. Louis zusammen neun Jahre. Zu
obigen zehn Prophetenschulen kommen dann noch die vier An⸗
stalten in Portland, Oreg.; Oakland, Cal.; Conover, N. C.,
und Porto Alegre, Brasilien, die bis auf Conover noch zum
Teil den betreffenden Synodaldistrikten gehören. Unsere
Schulen sind, wie ein Blick auf die Landkarte alsbald zeigt, so
gelegen, daß die eine oder andere von irgendeiner Gemeinde
aus verhältnismäßig schnell und leicht erreicht werden kann,
so daß Knaben aus allen Gebieten unserer Synode ihre Studien
beginnen können, ohne durch allzu große Entfernungen von
ihren Angehörigen getrennt zu sein. Die Zahl unserer Pro⸗
fessoren beläuft sich gegenwärtig auf 78, wozu noch mehrere
Hilfslehrer kommen, und die der Lernenden auf 1851.

Die Arbeit unserer lieben Professoren ist überaus an⸗
strengend. Nicht nur müssen sie tagsüber fleißig unterrichten,
sondern dann auch nach den Stunden die vielen schriftlichen
Arbeiten der Schüler nachsehen und sich auf das nächste Tage⸗
werk vorbereiten, so daß sie in der Regel bis in die tiefe Nacht
hinein zu arbeiten haben. Ihr Ziel ist, unsere Propheten⸗
schüler die für ihr Amt nötigen Kenntnisse zu lehren und sie
aufzuerziehen in der Zucht und Vermahnung zum SErrn, so
daß der Unterricht fort und fort getragen und gewürzt wird
von dem lieben Gotteswort. Für unsere Professoren sollen
wir recht dankbar sein, sie lieben und ehren als ein Geschenk
unsers erhöhten Heilandes und fleißig für sie beten, daß Gott
sie in ihrer wichtigen Arbeit segne und ihnen die nötigen Kräfte
Leibes und der Seele schenke und erhalte. Einige unter ihnen
sind leider gegemvärtig durch Krankheit verhindert, ihres Be⸗
rufes zu warten.

Von den Schülern und Studenten ist zu sagen, daß sie
auf allen unsern Anstalten wohl versorgt sind. Die Räum⸗
lichkeiten sind allerdings bescheiden und hie und da recht eng,
die Koft einfach, aber doch genügend, die Aufsicht seitens der
Direktoren und Professoren vortrefflich. Jeder Tag wird mit
einem kurzen Gottesdienst begonnen und beschlossen und ist
streng geregelt und eingeteilt in Unterrichtsstunden, Arbeitszeit
und die nötige Erholung. Um ½6 oder 6 Uhr morgens ruft
die Glocke die Schüler zum Aufstehen, und um 9 oder 10 Uhr
abends begeben sie sich zur Ruhe. Obgleich unsere Anstalten
örtlich weit voneinander getrennt sind, tragen sie doch dasselbe
Gesicht und unterscheiden sich nur in unwesentlichen Dingen.
Dies hat ohne Frage darin seinen Grund, daß auf allen Gottes
Wort regiert, und daß alle dasselbe Ziel inn Auge haben, näm⸗
lich, Prediger und Lehrer für unsere liebe lutherische Kirche
heranzuziehen.

Möge der reiche Gott fortfahren, unsere Lehranstalten zu
segnen, und ihnen fort und fort fromme und begabte Knaben
zuführen! Luther schreibt: „Wo dem Teufel soll ein Schaden

geschehen, der da recht beiße, der muß durchs junge Volk ge⸗
schehen, das in Gotteserkenntnis aufwächst und Gottes Wort
ausbreitet und andere lehret.“ Wolle niemand hier einwenden:
Wir haben eben gehört, daß bereits über 1800 Schüler unsere
Colleges besuchen. Das sollte doch genügen. Dein Heiland
spricht: „Die Ernte ist groß; aber wenig sind der Arbeiter.“
Welche Not gegenwärtig auf unserm weiten Arbeitsfelde
herrscht, mögen dir, lieber Leser, folgende Zahlen zeigen: In
der nun verflossenen ersten Hälfte des Schuljahres sind gegen
200 Gesuche um Aushelfer bei unsern Professoren eingelaufen,
von denen kaum die Hälfte berücksichtigt werden konnte. In
den meisten Fällen würden die Gemeinden lieber einen aus⸗
studierten Prediger oder Lehrer berufen, wenn solche zu haben
wären, statt sich mit einem Studenten notdürftig zu begnügen.

So laßt uns denn in der gegenwärtigen seligen Passions⸗
zeit, wo uns Christi großes Erlösungswerk ganz besonders ge⸗
predigt wird, und der Schulunterricht vieler Knaben in unsern
Gemeinden durch die Konfirmation zum Abschluß kommt, Um⸗
schau halten. Ein freundliches und ernstes Wort unserer Pre⸗
diger und Lehrer an fromme und begabte Konfirmanden und
deren Eltern wird nicht verfehlen, unsern Anstalten im nächsten
Herbste wiederum eine große Schar Schüler zuzuführen.

Luther reizt uns Eltern, unsere Söhne aufs College zu
schicken und die Kosten für ihr Studium zu wagen, mit folgen⸗
den herrlichen Worten: „Du, Vater und Mutter, mögest von
Herzen dich freuen und fröhlich sein, wo du dich findest, daß
du von Gott dazu erwählet bist, mit deinem Gut und Arbeit
einen Sohn zu erziehen, der ein frommer, christlicher Pfarr⸗
herr, Prediger oder Schulmeister wird, und damit Gott selbst
erzogen hast einen sonderlichen Diener, ja einen Engel Gottes,
einen rechten Bischof vor Gott, einen Heiland vieler Leute, einen
König und Fürsten in Christi Reich und in Gottes Volk einen
Lehrer, ein Licht der Welt. Und wer will und kann alle Ehre
und Tugend erzählen eines rechten, treuen Pfarrherrn, so er
vor Gott hat? Es ist ja kein teurer Schatz noch edler Ding
auf Erden und in diesem Leben denn ein rechter, treuer Pfarr⸗
herr oder Prediger.“

Der gnädige und barmherzige Heiland wolle recht viele
Eltern unserer diesjährigen Konfirmanden willig machen, ihre
Söhne auf unsere Anstalten zu senden, und wolle sie dann die
Freude erleben lassen, daß aus ihnen fromme, christliche Pre⸗
diger oder Schulmeister werden. F. Pfotenhauer.

Der äußere Staud unserer Synode im Jahre 1911.

Das „Statistische Jahrbuch“ unserer Synode wird in den
nächsten Tagen erscheinen, und wir können schon in dieser Num⸗
mer die Hauptzahlen mitteilen. Mit Lob und Dank gegen
Gott sei zuvörderst gesagt, daß unter seinem unverdienten
Segen sich unsere Synode auch im Jahre 1911 wieder weiter
ausgebreitet und in allen Rubriken eine Zunahme zu verzeich⸗
nen hat. Das diesmal ganz bedeutende Wachstum ist natürlich
hauptsächlich darauf zurückzuführen, daß die bisherige eng⸗
lische Missourisynode im Laufe des vergangenen Jahres sich
mit der unsrigen vereinigt hat und nun zum ersten Male als
ein Distrikt unserer Synode mitgezählt wird. Aber auch davon
abgesehen, hat unsere Synode zugenommen. Wir bringen dies
am besten durch eine vergleichende Tabelle zur Anschauung,

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