Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 68, Nummer 6 › Seite 90

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 19. März 1912, Seite 90

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Synoden · Tpracheufrage 3 · Sprachenfrage 12

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Der V„Tutheranes

lische Sprache an.“ Der Rat ist freilich in den meisten Fällen
kaum nötig, weil sich die Aneignung der englischen Sprache unter
den vorliegenden Verhältnissen ganz von selbst versteht. Kein
Geringerer als D. Krauth vom General Council hat den deut⸗
schen Lutheranern den Rat gegeben: „Sorgt für das Deutsche;
das Englische sorgt für sich selbt.“ Die ganze „Sprachenfrage“
wird für die deutschen Lutheraner gegenwärtig am besten durch
die deutsch⸗englischen Gemeindeschulen gelöst. Die in diesen
Schulen aufgewachsenen Kinder können in deutschen oder eng⸗
lischen Gemeinden Glieder sein. Die Erfahrung hat auch gelehrt,
daß durchschnittlich begabte Kinder sehr wohl zwei Sprachen als
lebende Sprachen gebrauchen können, und daß die Kenntnis von
zwei Sprachen ihre geistigen Fähigkeiten nicht hindert, sondern
fördert. F. P.

Die Aufgabe unsers „Lutheraner“. Ein katholischer Schrei⸗
ber legte kürzlich dar, was die Aufgabe eines echt katholischen
Blattes sei. Es sei die, alle Hauptereignisse in Welt und Kirche
vom Gesichtspunkt der römischen Kirche aus zu beurteilen. So
schärfte auch der Papst selbst in der Bulle „Immortale Dei“ allen
katholischen Zeitungsschreibern ein, sie müßten nicht selbständig,
sondern nur im Zusammenhang mit ihren Bischöfen die
Dinge in Kirche und Staat beurteilen. Das ist vom römischen
Standpunkt aus folgerichtig geredet. Was für ein römisches
Blatt der Papst und die Bischöfe sind, das ist für ein christliches
Kirchenblatt Gottes Wort, und es sieht seine Aufgabe darin,
alle Ereignisse in Welt und Kirche nach dem klaren und un⸗
fehlbaren Wort Gottes zu beurteilen. Darin allein besteht die
„christliche Weltanschauung“, von der heutzutage so viel die Rede
ist, daß wir alle Dinge im Licht des Wortes Gottes ansehen und
so vor jedem Betrug bewahrt bleiben. Darin sucht auch der
„Lutheraner“ seinen Lesern zu dienen. F. P.

Unsere Bemühung um die Einigung der lutherischen Kirche.
Der „Lutheraner“ wird in einer längeren Zuschrift erinnert, er
möchte sich doch die Einigung der lutherischen Kirche Amerikas
recht angelegen sein lassen. Der „Lutheraner“ ist von seiner
ersten Nummer an, die im Jahre 1844 erschien, für die Einigung
der lutherischen Kirche und der ganzen christlichen Kirche einge⸗
treten, weil er aus Gottes Wort weiß, daß Gott diese Einigung
will und alle Uneinigkeit und Trennung hart verurteilt. Der
„Lutheraner“ weiß aber auch, daß Gott die Einigung nicht nur
will, sondern auch für alle Zeiten vorgeschrieben hat, wie, das
heißt, auf welcher Grundlage oder „platform“, die Vereinigung
geschehen müsse. Dies ist Gottes Wort, wie es in der
Heiligen Schrift der Kirche vertraut ist. Alle Christen sollen an
Christi Rede bleiben (Joh. 8, 31), und die davon abgetreten sind,
sollen zu Christi Wort zurückkehren. Die Trennung in der Kirche
muß so geheilt werden, wie sie entstanden ist. Sie ist dadurch
entstanden, daß solche Lehrer, die nicht an Christi Rede blieben,
sondern ihr eigen Wort führten, von den Christen nicht ge⸗
mieden wurden, wie es doch Gottes klarer Befehl ist, sondern
unter den Christen Anhang fanden. So kann die Trennung
auch nur so beseitigt werden, wie der Apostel Paulus vorschreibt
Röm. 16, 17: „Ich ermahne aber euch, lieben Brüder, daß ihr
aufsehet auf die, die da Zertrennung und Ärgernis anrichten neben
der Lehre, die ihr gelernet habt, und weichet von den⸗
selbigen!“ Um die Einigung der Kirche, die durch Abtreten
von Menschenlehre und durch Rückkehr zu Gottes Wort geschieht,
ist der „Lutheraner“ bis auf diesen Tag bemüht gewesen. Die
von Gott gewollte Einigung der Kirche wird leider immer wieder
dadurch gehindert, daß man die Einigung auf Gottes Wort für
unmöglich erklärt und nicht will und daher an Stelle der Lehre
Christi eine von Menschen zugeschnittene Plattform zur Grund⸗
lage der Vereinigung zu machen sucht. F. P.

Unsicherheit der Logenversicherung. Die so weitverbreitete
Loge der Modern Woodmen of America“ ist in Schwierigkeiten.

Am 26. Januar dieses Jahres mußten ihre Raten um 47 Pro⸗
zent, also fast um das Doppelte, erhöht werden. Es ging so
nicht weiter.
5280,000,000 geraten. Es soll im Lande 150 solche Logen 4
geben, die alle zu billig versichern und das deswegen nicht auf
die Dauer treiben können.

bestehen könnte.
billige „Versichern“ verboten, und in sechs andern Staaten
liegen ähnliche Anträge den Gesetzgebungen vor. Ein weltliches
Blatt, Tꝝe Brooρ⁷νn Daily Eagle, macht dazu zwei Bemerkungen: 3

die eine, daß es über kurz oder lang allen ähnlichen Gesell⸗ E.
schaften so ergehen müsse; die andere: Narren werden nur durch
eigenen Schaden klug; verständige Leute lassen sich warnen X.
Es ist die alte Geschichte.

durch anderer Leute Erfahrung.
Wir haben das auch schon oft gesagt. Wir haben ja noch biel
ernstere Dinge an den Logen auszusetzen. Aber gerade die billige
Versicherung ist ja die Lockspeise, mit der die Logen die Leute 4
zu fangen suchen. E. P.

Grobe Vermischung von geistlichen und weltlichen Dingen.
überaus anstößig redet wieder der Observer von der General⸗

synode über die Schiedsgerichtsverträge, die unsere Regierung mit
England und Frankreich abschließen wollte.

durch Schiedsgerichte als durch Kriege zu schlichten, fährt er
wörtlich fort: „Dies wird den Frieden Gottes, welcher höher
ist denn alle menschliche Vernunft, in die Welt bringen und
das Kommen des tausendjährigen Reiches beschleunigen.“
Christ sollte doch aus Gottes Wort wissen, daß der Friede Gottes,

welcher höher ist denn alle Vernunft (Phil. 4, 7), nicht durch
Verträge mit England, Frankreich, Deutschland oder einem andern

Lande, sondern allein durch das Evangelium von Christo, dem
Gekreuzigten, kommt. Das Evangelium meldet uns nämlich,
daß Gott durch Christum mit der ganzen Sünderwelt Frieden

gemacht hat und allen Sündern um Christi willen Gnade anbietet.

Wenn nun jemand durch Wirkung des Heiligen Geistes dies Evan⸗
gelium glaubt, dann und nur dann hat er den Frieden Gottes,
welcher höher ist denn alle Vernunft. Wenn nun jemand, wie
der Observer, lehrt, daß dieser Friede durch die Schiedsgerichts⸗
verträge mit England usw. kommt, so schmäht er das Evangelium

von Christo und führt seine Leser von Christo und der christ⸗

lichen Kirche hinweg. F. P.
Aus unserm Brasilianischen Distrikt. über die Aussichten
für die Gemeinde in Porto Alegre, die gegenwärtig 65 stimm⸗
berechtigte und 221 kommunizierende Glieder zählt, lesen wir im
„Kirchenblatt“: „Für Palmsonntag stehen 34 Konfirmanden auf
der Liste. Das ist fast das Doppelte des vorigen Jahres. Wir
machen besonders aufmerksam auf die große Zahl der Getauften
(64). Es ist dies ein gutes Zeichen für die Zukunft der Ge⸗
meinde, wenigstens im Verein mit der großen Zahl unserer Schul⸗
kinder. Wenn auch die Eltern vielfach der Kirche entfremdet sind
— denn selbstverständlich sind unsere meisten Getauften, Schul⸗
kinder und Konfirmanden Kinder von Fremden —, so lassen sie
doch noch ihre Kindlein taufen und in unserer Wochen⸗ oder
Sonntagsschule christlich unterrichten. Die Kirchlosigkeit der
Alten ist zum Teil ein böses Erbe aus der alten Heimat, zum
Teil die böse Folge der langen Entwöhnung von Gottes Wort
hier in Brasilien.“ F. P.
Leibliche und geistliche Versorgung der Einwanderer in Porto
Alegre. P. W. Mahler berichtet im „Kirchenblatt': „Unsere
(brasilianische) Regierung hat wieder einmal gezeigt, daß sie für
die Einwanderer ein warmes, fürsorgliches Herz hat und ihnen.
nach Möglichkeit entgegenkommen will. Sie hat diefer Tage an
der Rua Voluntarios da Patria, in der Nähe unsers Seminars,
ein schönes großes Gebäude für 65 Contos erwworben und' darin

In vier Jahren wären sie in eine Schuld von

Man hat berechnet, daß bis zum 3
Jahre 1924 keine einzige von diesen so fortwirtschaften und dabei
In sechzehn Staaten ist solches leichtfertige

Nachdem er gesagt
hat, daß es passender sei, die Streitigkeiten zwischen den Völkern .

Jeder

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