Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 68, Nummer 6 › Seite 91
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 19. März 1912, Seite 91
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Anhang · Schöpfung 4
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die Einwandererherberge eingerichtet. Dort sind nun die Ein⸗
wanderer wirklich gut aufgehoben. Freilich, wenn der Andrang
so groß ist, wie gegenwärtig wieder, daß an 1200 Personen unter⸗
zubringen sind, so ist auch das große Gebäude nicht hinreichend,
und viele müssen mit einem Nachtquartier im Hof fürliebnehmen.
Sehr angenehm und lieb ist uns der Umstand, daß uns die Ein⸗
wandererherberge so viel näher gerückt ist. Wir können nun die
Einwanderer leicht in unsere Kirche zum Gottesdienst führen.
Bisher betrug der Weg zur Herberge fast anderthalb Stunden,
nunmehr kaum eine halbe Stunde zu Fuß. Wegen des weiten
Weges haben wir öfters in der Nähe der alten Herberge für die
Einwanderer Gottesdienst gehalten in einem Saal, der uns von
dem sehr gefälligen und eifrigen Herbergswirt, Herrn Sager, zur
Verfügung gestellt wurde. Doch werden wir es nun noch be⸗
guemer haben. Unter den großen Scharen von Einwanderern in
letzter Zeit waren freilich verhältnismäßig wenig Lutheraner.“
Bekenntnis unserer deutschländischen Glaubensbrüder zur
Heiligen Schrift. In einem Bericht der „Freikirche“ über die
letzte Synodalversammlung heißt es: „Auf unserer letzten Synode
wurde nach dem eingehenden Referat des Herrn P. Willkomm zur
großen Erquickung und Glaubensstärkung der Teilnehmer die
Lehre von der wörtlichen Eingebung der ganzen Heiligen Schrift
erörtert. Von neuem bekannte sich unsere ganze Synode ein⸗
stimmig und mit Freuden dazu, daß die Bibel das Buch unsers
großen Gottes ist, von ihm den heiligen Schreibern wörtlich ein⸗
gegeben. Allen modernen Einwänden gegenüber will sie ohne
Wanken bei dieser Lehre bleiben.“ F. P.
Daß die Römischen es mit der Wahrheit nicht genau nehmen,
zeigt die Behauptung des römischen Blattes Trutz in seiner letzt⸗
jährigen Aprilnummer: „Es ist nicht wahr, daß die katholische
Kirche Leute, die nicht Katholiken waren, jemals verfolgt oder
ihren Priestern gestattet hat, sie zu foltern.“ Hat die römische
Kirche jenem Priester, dem päpstlichen Legaten Arnold von
Citeaux, der dem vom Papst zur Vernichtung der Albigenser
ausgesandten Kreuzheer den Befehl gab, die Ketzer zu töten, und,
als man nach der Einnahme der Stadt Beziers die Befürchtung
aussprach, man würde Ketzer und Katholiken nicht unterscheiden
können, sagte: „Tötet sie alle; Gott wird die Seinen zu er⸗
kennen wissen“, worauf 20,000 Männer, Frauen und Kinder
hingeschlachtet wurden — hat sie diesem Priester ihre Miß⸗
billigung ausgesprochen? Als Kaiser Sigismund um seines
Geleitsbriefes willen die Freilassung des treuen Zeugen Hus
forderte, die Väter des Kostnitzer Konzils ihm aber erklärten,
daß ein einem Ketzer gegebenes Wort nicht binde, hat die römische
Kirche gegen jene Priester, die den Treubruch des Kaisers und die
Todesqualen des Märtyrers auf ihrem Gewissen hatten, ein
Kirchenzuchtsvberfahren eingeleitet? Als in und nach der Bartho⸗
lomäusnacht 70,000 Hugenotten getötet wurden, und der Papst
aus Freude darüber nicht nur ein Dankfest halten und eine
Denkmünze mit der Inschrift „Die Vernichtung der Hugenotten“
prägen ließ, sondern auch den französischen König ermahnte,
starkmütig das Begonnene fortzusetzen, hat die römische Kirche
ihn seines Priesteramtes unwürdig erklärt? Und was die In⸗
quisitoren getrieben haben, weiß die römische Kirche auch. Die
Zeitung Catnolic Banner gibt an, daß allein durch die spanische
Inquisition 35,534 Männer und Frauen lebendig verbrannt und
293,5833 ins Gefängnis oder auf die Galeeren geschickt worden
sind. Hunderttausende sind in andern Ländern im Auftrage der
Inquisitoren von den geistlichen Henkersknechten gefoltert oder
von den weltlichen Henkern hingerichtet worden. Hat die Kirche
gegen diese Priester Bullen ausgehen lassen? Dieses alles soll
die römische Kirche ihren Priestern nicht gestattet haben? Sie hat
es ihnen geboten. Die Trutn geht nicht mit der Wahrheit um.
Und wenn sie die Wahrheit redet, dann hat der römische Western
Watenman eine greuliche Lüge ausgesprochen, der nach dem Be⸗
richt des Proteslant Nagaꝛine am 24. Dezember 1908 erklärt
hat: „Die Kirche hat verfolgt. Nur ein Neuling in der Kirchen⸗
geschichte wird das leugnen. Wir haben immer die Verfolgung
der Hugenotten und die spanische Inquisition verteidigt. Wenn
sie (die Kirche) es für gut hält, leibliche Gewalt zu gebrauchen,
wird sie es tun.“ E.
Das Alter der Erde. Aus Columbia, der Universitätsstadt
des Staates Missouri, kommt die Nachricht, daß eine wissenschaft⸗
liche Expedition in den Hügelketten am Missourifluß einen Hai⸗
fischzahn gefunden hat, der éinen „wissenschaftlichen“ Irrtum
berichtigt. Bisher hatte man an der Staatsuniversität dafür
gehalten und gelehrt, daß vor nicht weniger als 12,000,000
Jahren Wasser den Staat Missouri bedeckte. Der Haifischzahn
aber, der in einem Kreidelager gefunden wurde, soll beweisen,
daß die Wissenschaft von den bisher angenommenen 12,000,000
Jahren 9,000,000 streichen und mit dem Rest von 3,000,000
Jahren zufrieden sein muß. — Die „Wissenschaft“ hindert uns
nicht, von den drei Millionen Jahren noch etwa 2,995,700 zu
streichen. Zwar heißt es in dem Bericht: „Der Haifischzahn
wurde mehr als 50 Fuß unter der Oberfläche am Abhange
eines Hügels gefunden, und seine Anwesenheit dort erklärt sich
nur so, daß Missouri früher von Wasser bedeckt war.“ Da aber
die Wasser der Flut zur Zeit Noahs vor etwa 4300 Jahren sehr
hoch gingen — 15 Ellen über die höchsten Berge —, so haben
sie sicher auch unsern Staat Missouri und die „bluffs“ am Mis⸗
souri bedeckt, und sie können die Ursache sein, daß der Haifischzahn
dort lag, wo man ihn gefunden hat. F. P.
Es hilft nicht. Aus London wird geschrieben: „Um bei der
Selbstregierung (Home Rule) Irlands die Möglichkeit auszu⸗
schließen, daß das irische Parlament die römisch-katholische Re⸗
ligion zur Staatsreligion macht, wird die Bill eine Bestimmung
enthalten, wodurch die Einführung einer Staatsreligion ver⸗
boten wird.“ Das hilft in diesem Falle nicht viel. Auch unsere
amerikanische Konstitution verbietet die Einführung einer Staats⸗
religion: „Congreéss shall make no law respecting an establish-
ment of religion, or prohibiting the freée exercise thereof.“
Dennoch hat der Papst in der Bulle „Immortale Dei“ die Tren⸗
nung von Staat und Kirche ein Verbrechen genannt und allen
amerikanischen Katholiken befohlen, darauf hinzuarbeiten, daß die
katholische Kirche zur amerikanischen Staatskirche gemacht werde.
F. P.
„Bewahre deinen Fuß, wenn du zum Hause Gottes gehest,
und komm, daß du hörest!“
Pred. 4, 17.
Wie wenig wird doch diese Ermahnung des Predigers von
vielen Kirchgängern beachtet! Wie mancher, der noch in die Kirche
geht, kommt doch nicht eigentlich deswegen, weil er das Wort
Gottes zu seiner Belehrung, Tröstung und Stärkung hören und
durch Gesang und Gebet in Gemeinschaft mit seinen Glaubens⸗
genossen Gott anrufen und preisen will, sondern mehr aus Ge⸗
wohnheit, des Anstands halber, auch wohl um Freunde zu sehen
oder sich selber sehen zu lassen, oder sogar, weil er sich durch das
gute Werk des Kirchgehens den Himmel zu verdienen hofft. —
Wer aber aus solchen Gründen zur Kirche geht, der wird auf
dem Wege dahin seinen Fuß nicht bewahren; er wird sein Herz
nicht vorbereiten auf ein fruchtbares Hören des Wortes durch An⸗
halten um Gottes Segen und durch Fernhalten ungöttlicher Ge⸗
danken; er wird sich eher durch allerlei weltliche, irdische Gedanken
und Gespräche zerstreuen und so vielleicht es sich unmöglich machen,
am Gottesdienst rechen, herzlichen Anteil zu nehmen. So kommt
es, daß nicht nur Junge, sondern auch Alte zum Gotteshause gehen
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