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Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-09-04, Seite 1

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Das 3. Gebot · Kirche 30 · Lehre. — Falſche Lehrer 37 · rutheriſche ainche 2 · Miſſouriſynode 7 · Geſang

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Der Lutheraner.

„Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr."

Herausgegeben von der deutschen evangelisch-lutherischen Synode von Missouri, Ohio und anderen Staaten.

Redigirt von C. F. W. Walther.

Jahrgang 6.  St. Louis, Mo., den 4. September 1849.  No. 1.

Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subscriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterschreiber, welche denselben vorauszubezahlen und das Postgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. Nur die Briefe, welche Mittheilungen für das Blatt enthalten, sind an den Redacteur, alle anderen aber, welche Geschäftliches, Bestellungen, Abbestellungen, Gelder ꝛc. enthalten, unter der Adresse: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu senden.

Vorwort des Redacteurs zum sechsten Jahrgang des „Lutheraner".

So hat denn der „Lutheraner" sein erstes Lustrum*) überlebt. Mit demüthigem Danke gegen Gott blicken wir zurück. Wir wissen es ja: „Des Menschen Herz schlägt seinen Weg an; aber der HErr allein gibt, daß er fortgehe." Prov. 16, 9. Was sind wir, daß wir unserem Blättlein den Bestand auch nur für Ein Jahr hätten sichern können? Nein, nein, des HErrn Gnade ist es, daß, während so manche unserer bisherigen Gefährten, die ihre Wanderung unter viel bessern Aussichten mit uns begonnen, ihre Laufbahn längst durchschritten haben, unser „Lutheraner" hingegen heute seinen Wanderstab zur Weiterreise wieder fröhlich ergreifen kann.

*) So nennt man einen Zeitraum von fünf Jahren.

Trüb und dunkel lag die Zukunft vor uns, als wir es vor fünf Jahren wagten, unsern „Lutheraner" in die Welt hinaus zu senden. Wir hatten hohe Ursache zu fürchten, derselbe werde in seinem schlechten Kittel so selten eine Nachtherberge finden, daß er vielleicht bald werde beschämt umkehren müssen. Aber siehe! ohne, wie manche andere wohlgekleidete Herren, an die Thüre der Leute selbst erst stürmisch anklopfen und um Einlaß lange bitten zu müssen, hat man ihm aus mehr Hütten heraus, als man hoffen durfte, ein freundliches: „Herein!" zugerufen. Schon in seinem vierten Wanderjahre hat ihn eine ganze Schaar verbundener Gemeinden unter ihre Protection genommen. Und selbst viele von denen, welche nicht an der Straße der „Lutheraner" wohnen und ihn daher nur durch Hörensagen kennen gelernt und darum anfangs eine gar üble Meinung von ihm gefaßt hatten, sind jetzt zu einem großen Theile freundlicher gegen ihn gesinnt geworden, gönnen ihm nun sein Dasein, ja gestehen es gern zu, daß er das Gute in seiner Weise auch mitbefördern helfe.

Wir können es freilich nicht leugnen, daß der liebe „Lutheraner" auf seiner Wanderung noch immer nicht selten auf Leute stößt, von denen er gar übel empfangen wird, als sei er nicht ein unschuldiger Reisender, der seinem Beruf nachgeht, sondern ein Vagabund, ein verkleideter Spion, der Emissär einer Rotte Aufwiegler und dergleichen. Aber wer solche Abentheuer scheut, darf gar nicht reisen. Wir wollen uns heute nicht damit aufhalten, unsern Lesern mit unnützen Klagen hierüber das Herz zu beschweren. Nur eins ist es, was wir heute nicht mit Stillschweigen übergehen können. Es wird nemlich nicht nur dem „Lutheraner", sondern allen seinen Beförderern, die man jetzt gern Altlutheraner nennt, etwas recht Uebles selbst von denen nachgesagt, welche uns sonst durchaus nicht übel wollen: daß wir nemlich, wie man sich ausdrückt, einen so „exclusiven Charakter" hätten. Da nun dies gerade von solchen uns zum Vorwurf gemacht wird, denen man es anmerkt, daß sie uns gern alle Billigkeit widerfahren lassen wollen, von solchen, deren Urtheil uns daher wahrhaftig nicht gleichgültig sein kann, ja, die wir in vieler Beziehung hochschätzen müssen, so, meinen wir, ist es hohe Zeit, daß wir uns einmal über diesen Gegenstand offen und ehrlich aussprechen. Dies soll denn auch jetzt geschehen.

Damit es aber zu einer völligen gegenseitigen Verständigung komme, so wollen wir dreierlei zeigen, erstlich, was für einen exclusiven Charakter wir nicht haben; zweitens, inwiefern wir es selbst nicht leugnen, daß wir in einer gewissen Rücksicht allerdings exclusiv sind; und endlich, warum wir in diesem Sinne durch Gottes Gnade auch ferner exclusiv zu sein und zu bleiben gedenken. —

Exclusiv heißt wörtlich zu deutsch: „ausschließend". Im Religiösen und Kirchlichen legt man daher derjenigen Gemeinschaft einen „exclusiven Charakter" bei, welche geneigt ist, eine gewisse scharfe Scheidelinie zwischen denen zu ziehen, welche zur Kirche gehören und nicht gehören sollen, andere also davon auszuschließen, und sonach die Kirche in gewisse enge Grenzen einzuschließen. Wir stellen es nun ebensowenig wie unsere wohlwollenden Widersacher in Abrede, daß es einen exclusiven Charakter gebe, der durchaus wider Gottes Wort, und daher unchristlich und verwerflich ist, haben uns aber auch allezeit mündlich und schriftlich davon losgesagt und sagen uns noch davon los.

Wir Lutheraner haben erstlich nichts zu thun mit dem falsch exclusiven Charakter der römischen, papistischen, sogenannten katholischen Kirche, welche die Kirche Christi an einen Menschen und sein Amt, an einen Ort und Namen bindet, nemlich an den Pabst, an Rom und an den Namen katholisch, indem sie behauptet, die sichtbare, unter dem Pabste als ihrem Oberhaupte, stehende sogenannte römisch-katholische Kirche sei die einige allgemeine Kirche JEsu Christi auf Erden, außer welcher kein Heil ist. Wir Lutheraner binden die Kirche keinesweges an Luther und sein Amt, nicht an Wittenberg, nicht an den Namen lutherisch; sondern glauben und bekennen, daß die wahre Kirche Christi unsichtbar ist und sich über die ganze weite Welt erstreckt, daß es Glieder derselben, nemlich wahre Jünger Christi und Kinder Gottes, unter allen Secten der Christenheit gibt, die den Namen lutherisch nicht tragen. Denn so heißt es in der Apologie unserer Augsburgischen Confession: „So ist der tröstliche Artikel im Glauben gesetzt: Ich glaube eine katholische gemeine christliche Kirche, damit Niemand denken möchte, die Kirche sei, wie eine andere äußerliche Polizei, an dieses oder jenes Land, Königreich oder Stand gebunden, wie der Pabst von Rom sagen will, sondern das gewiß wahr bleibt, daß der Haufe und die Menschen die rechte Kirche sei, welche hin und wieder in der Welt, von Aufgang der Sonne bis zum Niedergang an Christum wahrlich glauben." (Concordienbuch, New Yorker Ausgabe, S. 140. 141.)

Wir Lutheraner haben ferner nichts zu schaffen mit dem falsch exclusiven Charakter derjenigen Kirchen, welche irgend eine bestimmte Verfassung der Kirche für nothwendig zum Wesen der wahren Kirche achten und alle diejenigen christlichen Gemeinschaften nicht für Theile der wahren Kirche ansehen, welche nicht gerade diese oder jene Verfassung haben; wie u. a. außer der römischen die Episkopalkirche und die Independenten thun. Wir achten es zwar nicht für gleich-

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Der Lutheraner.

"God's Word and Luther's doctrine shall never pass away."

Published by the German Evangelical Lutheran Synod of Missouri, Ohio, and other States.

Edited by C. F. W. Walther.

Volume 6.  St. Louis, Mo., September 4, 1849.  No. 1.

Terms: Der Lutheraner appears once every two weeks at the yearly subscription price of One Dollar for out-of-town subscribers, who are to pay for it in advance and bear the postage. — In St. Louis each single number is sold for 5 cents. Only those letters which contain communications for the paper are to be addressed to the editor; all others, however, which contain business matters, orders, cancellations, money, etc., are to be sent here under the address: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo.

Preface of the Editor to the Sixth Volume of the "Lutheraner".

So then the "Lutheraner" has outlived its first lustrum.*) With humble thanks toward God we look back. For we know: "A man's heart deviseth his way; but the LORD alone giveth that it go forward." Prov. 16, 9. What are we, that we could have secured for our little paper its continuance even for a single year? No, no, it is the LORD's grace that, while so many of our former companions, who began their journey with us under far better prospects, have long since run their course, our "Lutheraner," on the other hand, can today cheerfully take up its pilgrim's staff again for the further journey.

*) So men call a period of five years.

Gloomy and dark lay the future before us when five years ago we ventured to send our "Lutheraner" out into the world. We had great cause to fear that in its poor smock it would so seldom find a night's lodging that it would perhaps soon have to turn back ashamed. But behold! without having to knock stormily at people's doors first, and to beg long for admittance, as many other well-dressed gentlemen must, it has been greeted from more cottages than one dared hope with a friendly "Come in!" Already in its fourth year of wandering an entire company of united congregations took it under their protection. And even many of those who do not dwell on the road of the "Lutheraner," and therefore have come to know it only by hearsay, and for that reason at first had formed a very bad opinion of it, have now for the most part become more friendly toward it, grant it now its existence, yes, gladly admit that in its own way it also helps to promote what is good.

We cannot indeed deny that the dear "Lutheraner" on its journey still not seldom meets with people by whom it is received very ill, as if it were not an innocent traveller going about its calling, but a vagabond, a disguised spy, the emissary of a band of agitators and the like. But whoever shuns such adventures must not travel at all. We do not wish today to dwell upon this, burdening our readers' hearts with useless complaints about it. Only one thing is there which we cannot today pass over in silence. For not only to the "Lutheraner," but to all its promoters, whom men now like to call Old Lutherans, something quite evil is imputed even by those who otherwise by no means wish us ill: that we, namely, as they put it, have so "exclusive a character." Now since this is laid to our charge precisely by such as one can tell would gladly let all fairness be done to us, by such whose judgment therefore cannot truly be a matter of indifference to us, yes, whom we must esteem highly in many respects, we think it is high time that we speak out once openly and honestly on this subject. This shall now also be done.

But in order that a complete mutual understanding may be reached, we will show three things: first, what kind of exclusive character we do not have; second, in how far we ourselves do not deny that in a certain respect we are indeed exclusive; and finally, why we purpose, by God's grace, to be and to remain exclusive in this sense also in the future. —

Exclusive means literally in German: "shutting out." In religious and churchly matters one therefore attributes an "exclusive character" to that communion which is inclined to draw a certain sharp dividing-line between those who are to belong to the Church and those who are not, thus to shut others out from it, and accordingly to shut the Church up within certain narrow bounds. Now we no more deny than do our well-disposed opponents that there is an exclusive character which is altogether contrary to God's Word, and therefore unchristian and reprehensible, but we have also at all times renounced it, orally and in writing, and still renounce it.

We Lutherans have, first, nothing to do with the falsely exclusive character of the Roman, papistical, so-called Catholic Church, which binds the Church of Christ to a man and his office, to a place and name, namely to the Pope, to Rome, and to the name Catholic, in that it maintains that the visible so-called Roman Catholic Church, standing under the Pope as its head, is the one universal Church of JESUS Christ on earth, outside of which there is no salvation. We Lutherans by no means bind the Church to Luther and his office, not to Wittenberg, not to the name Lutheran; but believe and confess that the true Church of Christ is invisible and extends over the whole wide world, that there are members of it, namely true disciples of Christ and children of God, among all the sects of Christendom that do not bear the name Lutheran. For thus it is said in the Apology of our Augsburg Confession: "Thus the comforting article is set in the Creed: I believe one Catholic common Christian Church, lest anyone should think that the Church is, like another outward polity, bound to this or that land, kingdom, or estate, as the Pope of Rome would have it, but that this remains surely true, that the multitude and the people are the true Church who here and there in the world, from the rising of the sun to the going down thereof, truly believe in Christ." (Concordienbuch, New Yorker Ausgabe, p. 140. 141.)

We Lutherans have, further, nothing to do with the falsely exclusive character of those churches which esteem any particular constitution of the Church necessary to the essence of the true Church, and do not regard as parts of the true Church all those Christian communions which do not have precisely this or that constitution; as, among others, besides the Roman, the Episcopal Church and the Independents do. We do indeed not esteem it equally