Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 1 › Seite 6

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-09-04, Seite 6

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Lehre. 665 Falſche Lehrer 6 · Tod 3 · Taufe 71

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bung, von Zorn oder Gnade Gottes gehört, und am allerwenigsten, in welcher Beziehung die heilige Taufe dazu stehe.—Kaum eine halbe Stunde später und eben erst wieder in mein Haus eingetreten, wurde auch mein lieber kleiner Wilhelm von der Cholera ergriffen. Bei Manchem war ich schon während des ganzen Verlaufs der Krankheit bis zum Tode gewesen, aber Keinen hatte ich noch so leiden gesehen, als dieses arme Kind. Als der Kranke gegen ein Uhr in der Nacht etwas ruhiger wurde, mußte ich mich ein kleines Stündchen zurückziehen, indem meine Kräfte den übermenschlichen Anstrengungen der letzten Wochen wichen. Hierauf blieb ich eine kurze Zeit allein bei dem Knaben, der jetzt fortwährend laut und deutlich sprach, als mit Vater, Mutter, seinen Geschwistern ꝛc. Eine Zeitlang hörte ich seinen durchaus zusammenhängenden Reden zu, worauf ich in andere Gedanken versank, bis ich durch das Wort „getauft“ wieder aufmerksam auf ihn wurde. Mein Erstaunen war groß, als ich die Worte von ihm hörte: „— — getauft, nun sind mir alle meine Sünden vergeben!“ Nach einigen anderen Worten sagte er wieder: „ich und Davidle und noch mehr (das andere kleine Kind) sind getauft, nun sind sie alle, alle vergeben!“ Kurz darauf traten zwei liebe Glieder meiner Gemeinde, Herr Claus und Herr Steinmann, die mir in Pflege des Kranken Hülfe leisteten, wieder in das Zimmer. Sie vernahmen von mir mit großer Verwunderung das Gehörte. Auf ihre Ermahnung, meiner selbst doch etwas zu schonen, zog ich mich um 4 Uhr wieder zurück. Allein an Ruhe war wenig zu denken. Um halb nach 5 trat ich wieder zu dem Kranken, der jetzt in dem bei dieser Krankheit dem Tode fast immer unmittelbar vorangehenden Schlummer lag. Claus und Steinmann erzählten mir jetzt, wie die letzten Reden des Kindes länger als fünf Minuten sich fast einzig auf die durch die heilige Taufe erlangte Gnade Gottes in Christo JEsu bezogen hätten. Deutlich entsannen sie sich insonderheit der Worte: „Ich hab' Einen gefunden, der alle meine Sünden weggenommen hat. Heinrich (der älteste Bruder — soll aber wohl ein anderer gewesen sein!) will mir es (wahrscheinlich das geschenkte Gut der Gerechtigkeit Christi) wieder nehmen; aber nein, nein! ich wills behalten, ich brauchs selbst.“ Der Worte „gefunden“ und „weggenommen“ habe ich mich nie gegen das Kind bedient: sie sind ihm durch den Heiligen Geist, der sich zu den von mir geredeten Worten Gottes bekannt hat, gepredigt!—Um 6 Uhr ging die Seele des Kindleins über zum Schauen dessen, was sie hier, wenn auch erst seit wenigen Stunden, so doch in einem festen Glauben erfaßt hatte. Gelobet sei der HERR, der jetzt noch immer in und durch seine Kirche größere Zeichen und Wunder thut, als Er einst in der Heilung der Kranken ꝛc. gethan.

Ich fühle mich gedrungen, diese merkwürdige Erfahrung von der Kraft der heiligen Taufe zur Oeffentlichkeit zu bringen, nicht um der Ungläubigen und Taufverächter willen, die ja mit sehenden Augen doch nicht sehen, und mit hörenden Ohren doch nicht hören; sondern um der Gläubigen willen, die durch Gottes Gnade auf das bloße Wort Gottes hin glauben, auch ohne zu sehen, die aber wohl allesammt täglich Ursache haben, über die Schwachheit ihres Glaubens zu klagen. Sie möchte ich dadurch reizen, ihre kleinen Kindlein so viel freudiger im Gehorsam des göttlichen Wortes zur Taufe zu bringen mit brünstigen Gebeten, die erlangte Taufgnade, trotz allen Einsprüchen der menschlichen Vernunft, vom zartesten Alter an durch das Wort unseres Gottes in den Kindlein zu nähren, sowie auch in allen eignen Anfechtungen und großen Seelennöthen deß sich zu getrösten: Ich bin ja getauft! Da habe ich den HErrn Christum angezogen! Da ist Vergebung der Sünden, Erlösung von dem Tod und Teufel, und die ewige Seligkeit gewirket und gegeben mir, mir, der ich glaube den Worten und Verheißungen Gottes!

August Selle, Pastor.

Zur Bestätigung des Obigen haben auch wir gern unsere Namen unterzeichnen wollen, der Hoffnung, daß Gottes unseres Heilandes Ehre dadurch gefördert werde.

August Claus.
Christian Steinmann.
Chicago, den 16. August, A. D. 1849.

(Eingesandt von P. Röbbelen.)

Gottlose Lehre kann nicht bestehen, wenn sie bei der Menge keinen Beifall findet, wie Ps. 73, 10. bezeugt; das Zeugniß der Wahrheit bedarf aber solches Beifalls nicht, weil es einen ewigen Grund hat in Gott dem HERRN.

Der „Lutheraner“ geht ein halbes Jahrzehend zu den Gliedern der Kirche Christi, welche Eine ist zu allen Zeiten, grüßend aus, um sie zu stärken nach dem Befehl des HERRN in diesen letzten bösen Zeiten gegen die Verführung zum Un- und Irrglauben, die namentlich in einem Lande, wo auch der Satan die allgemeine Freiheit zu seinem Nutzen und der Seelen Schaden reichlich ausbeutet, mehr oder weniger an allen, auch den entlegenern Wohnplätzen von diesem Feinde des Friedens in Gott und Seiner ewig gleichen, ungetheilten und unvermischten Wahrheit bereitet wird. Es ist dies wahrlich ein Beweis von großem Glauben; denn wenn man an die Zeit denkt, wo das kleine Häuflein der redlichen Bekenner ihres HErrn mit diesem Gruß zuerst hervortrat, so wäre es der berechnenden Vernunft noch nicht so ungereimt, mitten unter dem von Demetrius erregten Haufen zu Ephesus (Ap. Gesch. 19, 28.) während seines götzendienerischen Geschreis zu Worte zu kommen und den Apostel Paulus zu vertheidigen, als da, wo die Vermengung verschiedener Lehren unter dem schrecklich gemißbrauchten Namen Union freilich nicht durch Staatsgesetze geboten, aber durch die weit größere Tyrannei der Mode und Anklänge an hochgefeierte politische Verhältnisse in dem Gemeingeiste einer mächtigen Nation herrschend geworden war, die Vertretung der reinen lutherischen Lehre, d. h. der unverkümmerten und unvermengten Einen Rede von Christo (vergleiche 1 Cor. 1, 10.), zu unternehmen. Weil es aber im Glauben geschehen ist, so hat der HERR, der Seiner niemals spotten läßt, auch diese That über den Spott der auf ihre Massen trotzenden Diener der Zeit und Gefangenen des Zeitgeistes siegen lassen, wenn auch nicht durch große Zahl (denn Zahlen entscheiden nicht im Reiche Gottes), doch um so herrlicher durch ein volles Maß geistlicher Gaben und innerer Kräftigung der in Seinem Namen berufenen Gemeinen. Freilich dauern dessenungeachtet die Anfeindungen der Wahrheit fort; aber bleiben ihre Bekenner nur eingedenk der ernsten Mahnung des Heiligen Geistes 2 Joh. 10., suchen sie sich nur auch darin von der Welt unbefleckt zu behalten, daß sie mit Solchen, welche Menschen zu gefallen je nach Maßgabe der Umstände die Lehre von Christo weiter und enger spannen und in der Auffassung deutlicher Aussprüche der heiligen Schrift eine solche unchristliche Freiheit einräumen, daß sie dieselben eben so gleichgültig leugnen wie annehmen lassen, die Glaubensgemeinschaft aufheben: so hat es mit allem Widerspruch keine Noth, mag er noch so fein und gewandt und im Namen eines noch so großen Haufens erhoben werden. So wenig es ja Jeden, der sich im Glauben zu den Aposteln gesellt, befremden kann, daß er wie sie nicht bloß Juden und Heiden zu Gegnern hat, sondern auch solche, die unter dem Namen Christi gegen die apostolische, unter dem Namen Pauli gegen die Petrinische und unter dem Namen Petri gegen die Paulinische Predigt mit dem falschen Vorgeben streiten, daß Paulus und seine Mitapostel untereinander, und die Apostel von dem HErrn Christo in ihrer Predigt abweichen, mit einem Wort: falsche Brüder, d. h. solche, die sich Christen nennen, ohne es zu sein, Christum bekennen, ohne sein Wort dann gelten zu lassen, wenn es in ihren Kopf und Kram nicht paßt, — daß er sichs gefallen lassen muß, außer den Papisten, den Erzfeinden der Kirche Christi, auch diejenigen, welche er als Protestanten so gern mit der Kirche eben so kräftig für jedes Wort Gottes wie gegen das Pabstthum zeugen hörte, unter den Feinden zu sehen; so wenig braucht er sich dadurch in dem Frieden stören zu lassen, den er im Glauben hat, weil er weiß, daß nicht sein Glaube und Bekenntniß, noch weniger die Menge derer, welche glauben und bekennen, sondern daß die Verheißung des HERRN die Kirche und ihn in und mit der Kirche trägt, daß auch er nicht streitet, wenn er für die Kirche das Schwert des Wortes zieht, sondern der Josua, welcher die Mauern stürzt ohne Hand, der Gideon, welcher die Feinde jagt ohne die Vielen, welche von ihm weichen, der Simson, welcher die Philister schlägt mit einem Eselskinnbacken, und der David, welcher den Gewappneten ohne Helm und Panzer im Namen Gottes darniederstreckt. Am allerwenigsten ist es für das Bestehen der lutherischen Kirche von irgend einer Bedeutung, daß sie trotz der ruhigsten und schlagendsten Vertheidigung ihrer Lehre, wie sie fort und fort durch den „Lutheraner“ geschieht, bei denen, welche entweder aus Vorurtheil oder Fleischesliebe oder bösem Hochmuth und Widerstreben gegen die Wahrheit von ihren Irrthümern nicht abstehen,

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ness, of wrath or grace of God, and least of all in what relation holy Baptism stood thereto.—Scarcely half an hour later, and just having entered my house again, my dear little William also was seized by the cholera. With many a one I had been, throughout the whole course of the sickness, even unto death, but none had I yet seen suffer as this poor child. When toward one o'clock in the night the sick child became somewhat quieter, I had to withdraw for a little hour, as my strength gave way under the superhuman exertions of the last weeks. Thereupon I remained a short time alone with the boy, who now spoke continually, loudly and distinctly, as with father, mother, his brothers and sisters, etc. For a while I listened to his thoroughly coherent speeches, whereupon I sank into other thoughts, until by the word "baptized" I was again made attentive to him. My astonishment was great when I heard the words from him: "— — baptized, now all my sins are forgiven me!" After some other words he said again: "I and little David and still more (the other small child) are baptized, now they are all, all forgiven!" Shortly thereafter two dear members of my congregation, Mr. Claus and Mr. Steinmann, who were rendering me help in the care of the sick, came into the room again. They heard from me with great astonishment what I had heard. At their exhortation to spare myself somewhat, I withdrew again at 4 o'clock. But there was little thought of rest. At half past 5 I came again to the sick child, who now lay in the slumber which in this sickness almost always immediately precedes death. Claus and Steinmann now told me how the last speeches of the child, for more than five minutes, had referred almost solely to the grace of God in Christ JESUS obtained through holy Baptism. They distinctly remembered especially the words: "I have found One who has taken away all my sins. Henry (the eldest brother — but it must surely have been someone else!) wants to take it (probably the bestowed gift of the righteousness of Christ) from me again; but no, no! I will keep it, I need it myself." The words "found" and "taken away" I never used toward the child: they were preached to him by the Holy Ghost, who has declared Himself for the words of God spoken by me!—At 6 o'clock the soul of the little child passed over to the beholding of that which it had here laid hold of, though only a few hours before, yet in a firm faith. Praised be the LORD, who even now still does, in and through His Church, greater signs and wonders than He once did in the healing of the sick, etc.

I feel constrained to bring this remarkable experience of the power of holy Baptism to publicity, not for the sake of the unbelievers and despisers of Baptism, who with seeing eyes yet do not see, and with hearing ears yet do not hear; but for the sake of the believers, who by God's grace believe on the bare Word of God, even without seeing, but who all together have daily cause to lament the weakness of their faith. Them I would thereby stir up to bring their little children to Baptism so much the more joyfully in obedience to the divine Word, with fervent prayers, to nourish in the little ones, in spite of all objections of human reason, the baptismal grace obtained, from the tenderest age, by the Word of our God, and also in all their own temptations and great distresses of soul to comfort themselves with this: I am baptized! There have I put on the LORD Christ! There is forgiveness of sins, deliverance from death and the devil, and eternal blessedness wrought and given to me, to me, who believe the words and promises of God!

August Selle, Pastor.

In confirmation of the above we also have gladly wished to subscribe our names, in the hope that the honor of God our Saviour may thereby be promoted.

August Claus.
Christian Steinmann.
Chicago, the 16th of August, A. D. 1849.

(Sent in by P. Röbbelen.)

Ungodly doctrine cannot stand if it finds no applause with the multitude, as Ps. 73, 10. testifies; but the testimony of the truth has no need of such applause, because it has an eternal ground in God the LORD.

The "Lutheraner" goes forth for half a decade to the members of the Church of Christ, which is One at all times, with greeting, to strengthen them, according to the command of the LORD, in these last evil times against the seduction to unbelief and false belief, which, particularly in a land where Satan also abundantly exploits the general freedom to his own advantage and the injury of souls, is prepared more or less for all, even in the remoter dwelling-places, by this enemy of peace in God and in His eternally uniform, undivided and unmixed truth. This is truly a proof of great faith; for when one thinks of the time when the little flock of the honest confessors of their LORD first came forward with this greeting, it would not yet have been so absurd to calculating reason, in the midst of the crowd stirred up by Demetrius at Ephesus (Acts 19, 28.), during its idolatrous clamor, to get a hearing and to defend the apostle Paul, as there, where the commingling of different doctrines under the dreadfully abused name of Union, not indeed commanded by laws of State, but through the far greater tyranny of fashion and echoes of highly celebrated political conditions, had become dominant in the common spirit of a mighty nation, to undertake the representation of the pure Lutheran doctrine, that is, of the unabridged and unmixed One speech concerning Christ (compare 1 Cor. 1, 10.). But because it has been done in faith, the LORD, who lets Himself never be mocked, has also let this deed triumph over the scorn of the servants of the time and prisoners of the spirit of the age, who rely upon their masses, if not by great numbers (for numbers do not decide in the kingdom of God), yet so much the more gloriously by a full measure of spiritual gifts and inner strengthening of the congregations called in His name. To be sure, the hostilities against the truth nevertheless continue; but if its confessors only remain mindful of the earnest admonition of the Holy Ghost, 2 John 10., and seek only also in this to keep themselves unspotted from the world, that they break off fellowship of faith with such as, to please men, according to circumstances stretch the doctrine of Christ wider and narrower, and in the apprehension of clear sayings of Holy Scripture allow such unchristian liberty that they let them be denied as indifferently as accepted: then there is no need of any contradiction, however fine and adroit, and however much raised in the name of a yet so great multitude. Just as little as it can strike any one who in faith joins himself to the apostles as strange, that like them he has not merely Jews and Gentiles as adversaries, but also such as, under the name of Christ against the apostolic, under the name of Paul against the Petrine, and under the name of Peter against the Pauline preaching, contend with the false pretense that Paul and his fellow-apostles differ among themselves, and the apostles from the LORD Christ in their preaching; in a word: false brethren, that is, such as call themselves Christians without being so, confess Christ without letting His Word stand when it does not suit their head and humor,—that he must put up with seeing among his enemies, besides the Papists, the arch-enemies of the Church of Christ, also those whom as Protestants he would so gladly have heard testify, with the Church, as powerfully for every word of God as against the Papacy; so little need he let himself be disturbed thereby in the peace which he has in faith, because he knows that it is not his faith and confession, still less the multitude of those who believe and confess, but the promise of the LORD that bears the Church, and him in and with the Church, and that he too does not fight when he draws the sword of the Word for the Church, but Joshua, who casts down the walls without hand, Gideon, who chases the enemies without the many who depart from him, Samson, who smites the Philistines with the jawbone of an ass, and David, who lays low the armed man without helmet and coat of mail in the name of God. Least of all is it of any importance for the continuance of the Lutheran Church that, despite the calmest and most telling defense of her doctrine, such as is done continually through the "Lutheraner," among those who, whether from prejudice or love of the flesh or wicked pride and resistance against the truth, do not desist from their errors,