Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 1 › Seite 5

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-09-04, Seite 5

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Tod 3 · Taufe 71

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erboten, bis zur Vereinbarung der Verfassung die Centralgewalt provisorisch zu übernehmen), noch einen Antheil an Verhandlungen zum Behuf einer Vereinbarung über das von ihr selbst für abgeschlossen erklärte Verfassungswerk nehmen. Wenn daher der Erzherzog Johann trotz dem von Seiten Oesterreichs ausgesprochenen Wunsche, die Reichsverwesung beizubehalten, sich dennoch zur Niederlegung derselben bewogen fühle, so müsse Oesterreich entschiedene Einsprache dagegen erheben, daß dieselbe durch eine der deutschen Regierungen allein übernommen und ausgeübt werde, es müßte die fernere Reichsverwesung denn so organisirt*) werden, daß sämmtlichen Regierungen ihre Vertretung darin gesichert wäre. (Der alte Bundestag!) Aus allen diesen Gründen vermöchte dann Oesterreich auch nicht auf der von Preußen aufgestellten Grundlage mit dessen Bevollmächtigten, wie mit jenen andern deutschen Fürsten in Frankfurt zu unterhandeln, und befinde sich demnach nicht in der Lage, der ergangenen Einladung zu entsprechen und einen Bevollmächtigten zu den beabsichtigten Verhandlungen zu entsenden.

*) eingerichtet. D. R.

Es mußte sich wohl jedes Gemüth von solchen Erklärungen Oesterreichs, denen man deutlich allen Mangel an gutem Willen zu einer freiern und tröstlichen Lösung der deutschen Wirren abfühlte, mit Unwillen erfüllt, wenigstens schmerzlich berührt fühlen. Wenn man aber auch über die Weigerung des Königs von Preußen, die Kaiserkrone (und unter den gegebenen Verhältnissen mit der fatalen Verfassung) unbedingt anzunehmen, von allen Seiten zornig herfuhr, und—weil man merkte, daß die Weigerung hauptsächlich in Gewissensbedenken ihren Grund hatte, — des „Königs von Gottes Gnaden“ zu spotten nicht genug bekommen konnte: so war damit der faule Grund der ganzen Bewegung und unserer Zustände überhaupt für den, der Augen hatte, wieder klar aufgedeckt, und die Hoffnung, daß man es zu einem leidlichen Ziele bringen würde, konnte sich nur noch an den Gedanken halten, daß Gottes Barmherzigkeit schon öfter aus dem, was die Menschen bös gemacht, etwas gutes hervorgehen ließ, — nachdem er einem jeden zuvor die Frucht seiner Werke zu essen gegeben.

Aber auch nur vom politischen und weltlichen Standpunkt aus betrachtet, konnte man dem Könige von Preußen seine Weigerung nicht verübeln, besonders wenn man erfuhr, wie die Stimmenmehrheit für seine Wahl zu Stande gekommen war. Die Erbkaiserlichen und selbst mehrere der rechten Seite hatten sich mit der Linken in einen förmlichen Handel eingelassen und diese hatte ihre Zustimmung für den Kaiser zugesagt, wenn man auf der andern Seite das suspensive Veto und die unbeschränkte und geheime Wahl stehen lasse. Man schlug gegenseitig ein, und Vogt äußerte frei, diese Verfassung sei nur die Brücke zur Republik, darum hätten sie in den Handel eingewilligt. Ja die beiden Simon veröffentlichten eine Erklärung über den abgeschlossenen Vertrag, um sich bei den Leuten ihrer Partei über ihren Schritt zu rechtfertigen, worin sie unter anderm sagten: „Wir nehmen an—und die deutsche Presse unterstützt diese Ansicht—daß das Volk das, was es im Momente der Revolution nicht gewollt, auch jetzt in seiner großen Mehrheit nicht wolle (nemlich die Republik); daß ein Kaiser somit dieselbe Berechtigung habe wie 34 andere Fürsten, und daß ein Kaiser von Volkes Gnaden demokratischer sei als jeder der 34 Fürsten von Gottes Gnaden.“ Ferner: „Wir hatten vor allem gegründete Besorgniß, uns unbedingt einer großen Partei anzuschließen, deren politischer Richtung wir nicht nur gegenüber standen, sondern von der wir auch befürchten mußten, daß der erste gemeinschaftliche Schritt uns zu Abänderungen der Verfassung zu Ungunsten der Volksfreiheit führen würde, sofern die Annahme der Kaiserkrone an derartige Bedingungen geknüpft werden sollte, Abänderungen, die wir alsdann mit unserer kleinen Stimmenzahl zu verhindern nicht im Stande sein konnten, und wir verlangten daher von einer die Majorität sichernden Anzahl von Mitgliedern jener Partei die Erklärung, daß sie sich nach definitiver*) Feststellung der Verfassung zu irgend wesentlichen Abänderungen derselben nicht herbeilassen würde.“ Eine solche Erklärung versichern sie dann auch von achtzig Abgeordneten erhalten zu haben, worunter sich bedeutende Mitglieder der rechten Seite und des Centrums befänden, namentlich der Ministerpräsident H. v. Gagern und der Justizminister Robert Mohl. „Außerdem (sagen sie) gaben 114 Mitglieder derselben Partei uns die schriftliche Erklärung für das suspensive Veto und das Wahlgesetz, wie dieß in erster Lesung von der Nationalversammlung angenommen worden, stimmen zu wollen.“ Zuletzt sagen sie dann noch: „Sollte die Entscheidung der Nationalversammlung dem deutschen Volk widerstreben, so hat dieß nunmehr die Mittel, sich auf verfassungsmäßigem Weg auch die Spitze seiner Verfassung nach seinem Willen zu gestalten; es hat durch ein freiestes Wahlgesetz die Macht, seinen wahren Willen auszusprechen, und kein absolutes Veto hindert den ernsten, andauernden Willen zur Geltung zu kommen.“—So hatte sich also eine bedeutende Anzahl der Rechten und des Centrums der Linken verschrieben, und so kam es, daß die Minderzahl fortan die Mehrzahl ins Schlepptau nehmen konnte, was sie denn auch redlich that. Es ward beschlossen, daß die Wahl des Reichsoberhaupts von der Annahme der Verfassung unzertrennlich sei, daß die Verfassung in ganz Deutschland fortan zur Geltung gebracht und die „renitenten“ (widerstrebenden) Regierungen durch die Reichsgewalt aufgefordert werden sollten, sie in ihren Staaten sofort bekannt zu machen und in Wirksamkeit zu setzen.

(Schluß folgt.)

*) Nicht rückgängig zu machen. D. R.

(Eingesandt.)

Merkwürdige Erfahrung von der Kraft der heiligen Taufe.

Am letzten Montag-Morgen um 6 Uhr verstarb in meinem Hause ein Knabe von sieben Jahren an der Cholera. Seine Eltern hatten bis wenige Tage vor ihrem Erkranken und Sterben ein Leben gänzlicher Entfremdung von Gott, ohne Gottes Wort und Sacrament, in allerlei greulichen Lastern geführt. Die armen Kinder, sechs an der Zahl, von denen drei noch nicht getauft waren, sahen und hörten täglich nichts, als Werke der Finsterniß. Der gnädige Gott fügte es, daß in dieser ernsten Zeit insonderheit der Vater zu einer gründlichen Erkenntniß seines Elendes und zum Verlangen nach der Gnade Gottes in Christo kam, und sich in Wort und Sacrament den Trost der Vergebung zueignen konnte. Am nächsten Mittwoch-Morgen wurde er von der Cholera befallen, und entschlief noch an demselben Tage sanft und, wie ich zuversichtlich hoffe, selig in dem HERRN. Seiner eigenen Bestimmung zufolge verabredeten die Mutter und ich am Tage seiner Beerdigung, daß die betreffenden Kinder am nächsten Sonntage in der Kirche getauft werden sollten. Allein schon am nächsten (Freitag) Morgen wurde ich in aller Frühe zur Ertheilung der Nothtaufe für das mittlere der Kinder, das gleichfalls von der schrecklichen Seuche ergriffen war, gerufen. Nachdem ich kaum eine halbe Stunde im Hause, erkrankte auch sie, und mußte, trotz aller ihr geleisteten Hülfe, am Abend desselben Tages sterben. Zu ihrer Beruhigung mußte ich ihr meine Hand darauf geben, daß ich mich ihrer Kinder annehmen, die zwei ungetauften taufen, und für die christliche Erziehung aller nach besten Kräften sorgen wolle. Nachdem am Sonnabend auch sie beerdigt war und ich das noch immer sehr kranke Kind ins Hospital hatte bringen lassen, nahm ich die andern fünf armen Waisen vorläufig in mein Haus auf. Sonntag nach beendigtem Gottesdienste wurden die beiden Knaben, Wilhelm, sieben Jahre alt, und David, zwei einviertel Jahre alt, nebst einem andern Kinde aus der Gemeinde getauft, unter der herzlichsten Theilnahme und den brünstigsten Gebeten gottseliger Pathen und einer beträchtlichen Anzahl Gläubiger meiner Gemeinde. Nur einmal vor der heiligen Handlung konnte ich, so weit ich mich entsinne, Zeit und Gelegenheit nehmen, dem Kinde zu sagen, wie es nun, ein armes Waisenkind, ohne Vater und Mutter auf Erden, durch die heilige Taufe einen Vater im Himmel erhalte, der es durch das Blut Christi von allen Sünden wasche. Unmittelbar nach der Taufhandlung küßte ich das liebe Kind und sagte: „Nun hast du einen gnädigen Gott, der dir durch Christi Blut alle deine Sünden vergeben hat.“ Zu meiner eignen großen Schande muß ich gestehen, daß ich in dem Unglauben meines verderbten Herzens dabei dachte, ich könne eben so gut schweigen, da das Kind, erst sieben Jahre alt, doch nicht den Verstand habe, um das ihm Gesagte zu begreifen, zumal es im elterlichen Hause schwerlich jemals von Sünde, geschweige von eigner Sünde, oder von Verge-

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offered, until the agreement upon the Constitution, to take over the central authority provisionally), nor take any part in negotiations for the purpose of an agreement concerning the constitutional work which she herself has declared completed. If, therefore, the Archduke John, notwithstanding the wish expressed on the part of Austria that he retain the Imperial Regency, should nevertheless feel moved to lay it down, Austria must enter a decided protest against its being taken over and exercised by any one of the German governments alone; the further Imperial Regency would have to be so organized*) that all the governments would be assured of their representation therein. (The old Bundestag!) For all these reasons Austria would then also be unable to negotiate in Frankfurt, upon the basis set up by Prussia, with the plenipotentiaries of the same, as with those other German princes, and was accordingly not in a position to comply with the invitation extended, and to send a plenipotentiary to the intended negotiations.

*) established. Ed.

Every mind must indeed have been filled with indignation, or at least painfully touched, by such declarations of Austria, in which one plainly sensed a complete lack of good will toward a freer and more consoling solution of the German troubles. But if men on all sides also fell angrily upon the King of Prussia for his refusal to accept the imperial crown unconditionally (and, under the given circumstances, with the fatal Constitution), and — because they perceived that the refusal had its ground chiefly in scruples of conscience — could not mock the "King by the grace of God" enough: then the rotten foundation of the whole movement and of our condition generally was thereby laid bare again, clear to him who had eyes; and the hope that a tolerable end would be reached could only still cling to the thought that God's mercy has often before let something good come forth from what men have made evil — after He has first given each one to eat the fruit of his works.

But even viewed only from the political and worldly standpoint, one could not blame the King of Prussia for his refusal, especially when one learned how the majority of votes for his election had come about. The Hereditary-Imperialists and even several of the Right had entered into a regular bargain with the Left, and the latter had promised its consent to the Emperor if on the other side the suspensive veto and the unrestricted and secret ballot were allowed to stand. They struck hands on it, and Vogt frankly declared that this Constitution was only the bridge to the Republic, and that this was why they had consented to the bargain. Indeed, the two Simons published a declaration concerning the concluded agreement, in order to justify their step to the people of their party, in which they said among other things: "We assume — and the German press supports this view — that the people, what it did not will at the moment of the Revolution, in its great majority does not will now either (namely the Republic); that an Emperor therefore has the same right as 34 other princes, and that an Emperor by the grace of the people is more democratic than any of the 34 princes by the grace of God." Further: "We had above all well-founded concern lest we unconditionally join ourselves to a great party to whose political tendency we were not merely opposed, but of which we also had to fear that the first common step would lead us to alterations of the Constitution to the disadvantage of the people's liberty, in case the acceptance of the imperial crown should be bound up with such conditions, alterations which we could then not be in a position to prevent with our small number of votes; and we therefore demanded from a number of members of that party sufficient to secure the majority the declaration that they would not, after the definitive*) establishment of the Constitution, lend themselves to any essential alterations of the same." Such a declaration they assure us they received from eighty deputies, among whom, they said, were important members of the Right and of the Center, namely the Prime Minister H. v. Gagern and the Minister of Justice Robert Mohl. "Besides (they say) 114 members of the same party gave us the written declaration that they would vote for the suspensive veto and the electoral law, as it was adopted in first reading by the National Assembly." Finally they say further: "Should the decision of the National Assembly be repugnant to the German people, it now has the means of shaping also the head of its Constitution according to its will by a constitutional way; it has, through the freest electoral law, the power to express its true will, and no absolute veto hinders the earnest, enduring will from coming to prevail." — Thus a considerable number of the Right and of the Center had pledged themselves to the Left, and so it came about that the minority could henceforth take the majority in tow, which it also did faithfully. It was resolved that the election of the head of the Empire was inseparable from the acceptance of the Constitution, that the Constitution should henceforth be brought into force throughout all Germany, and that the "recalcitrant" (resisting) governments should be called upon by the imperial authority to make it known in their States at once and to put it into effect.

(To be concluded.)

*) Not to be undone. Ed.

(Submitted.)

A Remarkable Experience of the Power of Holy Baptism.

Last Monday morning at 6 o'clock there died in my house a boy of seven years, of the cholera. His parents had, until a few days before their falling sick and dying, led a life of complete estrangement from God, without God's Word and Sacrament, in all manner of abominable vices. The poor children, six in number, of whom three were not yet baptized, saw and heard daily nothing but works of darkness. The gracious God so ordered it that in this solemn time the father especially came to a thorough knowledge of his misery and to a longing for the grace of God in Christ, and in Word and Sacrament could appropriate the comfort of forgiveness. On the following Wednesday morning he was seized by the cholera, and fell asleep the same day, gently and, as I confidently hope, blessedly in the LORD. In accordance with his own wishes, the mother and I arranged on the day of his burial that the children concerned should be baptized the next Sunday in the church. But already on the next (Friday) morning I was called, very early, to administer emergency baptism to the middle one of the children, who likewise had been seized by the dreadful plague. When I had been scarcely half an hour in the house, she also fell sick, and had to die, in spite of all the help given her, in the evening of the same day. To quiet her mind I had to give her my hand upon it that I would take her children to myself, baptize the two unbaptized, and provide for the Christian training of all to the best of my power. After she also had been buried on Saturday, and I had had the child, who was still very sick, taken to the hospital, I took the other five poor orphans provisionally into my house. On Sunday, after the close of divine service, the two boys, William, seven years old, and David, two and a quarter years old, together with another child from the congregation, were baptized, amid the most hearty sympathy and the most fervent prayers of godly sponsors and of a considerable number of believers of my congregation. Only once before the holy act was I able, so far as I remember, to find time and opportunity to tell the child how he, now a poor orphan child, without father and mother on earth, would through holy Baptism receive a Father in heaven, who would wash him from all sins through the blood of Christ. Immediately after the baptismal act I kissed the dear child and said: "Now thou hast a gracious God, who has forgiven thee all thy sins through the blood of Christ." To my own great shame I must confess that in the unbelief of my corrupt heart I thought thereby that I might just as well have kept silent, since the child, only seven years old, surely did not have the understanding to comprehend what was said to him, especially as in his parents' house he had hardly ever heard of sin, to say nothing of his own sin, or of forgive-