Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 1 › Seite 3
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-09-04, Seite 3
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Atheiſten 9
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Mit folgender Erklärung beginnt daher sogleich unsere Concordienformel: „Wir glauben, lehren und bekennen, daß die einige Regel und Richtschnur, nach welcher zugleich alle Lehren und Lehrer gerichtet und geurtheilt werden sollen, seien allein die prophetischen und apostolischen Schriften alten und neuen Testamentes, wie geschrieben stehet: Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege, Ps. 119, 105. Und St. Paulus: Wenn ein Engel vom Himmel käme und predigte anders, der soll verflucht sein, Gal. 1, 8. Andere Schriften aber, der alten oder neuen Lehrer, wie sie Namen haben, sollen der heiligen Schrift nicht gleich gehalten, sondern allzumal miteinander derselben unterworfen, und anders oder weiter nicht angenommen werden, denn als Zeugen, welcher Gestalt nach der Apostel Zeit, und an welchen Orten solche Lehre der Propheten und Apostel erhalten worden." (Ib. S. 473.)
In nächster Nummer gedenken wir zu zeigen, in welchem Sinne wir allerdings exclusiv zu sein nicht verneinen können noch wollen.
Nachrichten aus der alten Heimath.
II.
Im Juni 1849.
Es ist lange her seit meinem ersten Bericht, viel länger als ich's vorhatte und hoffte, den zweiten geben zu können. Ich wollte doch nicht eher schreiben, als bis sich irgend ein Resultat der politischen Bestrebungen herausgestellt hatte, und als ich meine ersten Mittheilungen abgesandt hatte, da wollte sichs anlassen, als dürfte bald der zweite folgen, und nun ist ein halbes Jahr herum und — wir wissen noch nicht, wie wir daran sind. Zu Anfang des Jahres gewann es den Anschein, als ob die gewünschte und ersehnte Einigkeit doch bald zu Stande kommen sollte, und zwar in einer Weise, wie im Anfange kaum jemand zu hoffen gewagt, nemlich mit einem erblichen Reichsoberhaupt, mit einem Kaiser an der Spitze. In der Reichsversammlung zu Frankfurt hatte dieser Gedanke hauptsächlich durch Gagerns und Dahlmanns Ansehen und Einfluß bei Vielen Eingang gefunden; diese „Partei der Erbkaiserlichen" erstarkte immer mehr, ließ sich durch den Widerstand, der ihr auf der rechten wie auf der linken Seite entgegengesetzt wurde, nicht abschrecken, sondern verdoppelte nur ihre Bemühungen und Anstrengungen, den Gedanken geltend zu machen und siegreich durchzuführen, daß zur Herstellung der deutschen Einheit und eines starken Deutschlands nach Außen und Innen ein Erbkaiser gewählt werden müsse, und daß das kein anderer sein könne und dürfe, als der mächtigste Fürst in Deutschland, der König von Preußen. Der Kaiser von Oesterreich könne es nicht wohl werden, weil er als deutscher Fürst nicht so mächtig sei, wie der König von Preußen, und weil ihn die engere Verbindung seiner nichtdeutschen Länder mit seinen deutschen hindere, in den engern deutschen Bund der Reichsverfassung gemäß einzutreten. Darum verlangte der Ministerpräsident v. Gagern Vollmacht von der Reichsversammlung, mit Oesterreich in Unterhandlungen treten zu dürfen, um dasselbe, da es in den engern Bund nicht eintreten könne, dennoch so eng als möglich mit dem übrigen Deutschland zu verbinden, bis auf die Zeit, wo ihm seine Verhältnisse gestatteten, mit seinen deutschen Landen auch in das engere Deutschland einzutreten. Gagern hatte von der Annahme und Genehmigung dieses Verlangens sein Verbleiben im Ministerium abhängig gemacht und es erhielt in motivirter Fassung die Stimmenmehrheit, wenn auch keine bedeutende. Sechzig österreichische Abgeordnete aber legten einen Protest gegen diesen und jeden Beschluß ein, wodurch Deutsch-Oesterreich von dem deutschen Bundesstaate ausgeschlossen würde, und Viele waren und blieben ihrer Meinung. So entstanden die Parteien der sogenannten „Großdeutschen", die nur ein Deutschland mit Oesterreich wollten, und der „Kleindeutschen", die, weil sie sahen, daß Oesterreich nicht eintreten könne und wolle, eine engere Vereinigung des übrigen Deutschlands unter Einem Reichsoberhaupte bezweckten, zu dem Oesterreich in dem Verhältnisse des alten Staatenbundes stehen sollte. Darum wollten aber eben die Großdeutschen kein erbliches Kaiserthum und überhaupt keinen Kaiser, sondern ein Directorium von drei oder sieben Fürsten, in dem abwechselnd der Kaiser von Oesterreich und der König von Preußen den Vorsitz führen sollten, und die ersten beiden Paragraphen der Verfassung so abgeändert, daß Oesterreich mit seinen deutschen Ländern in den deutschen Bundesstaat eintreten könnte. Allein das erklärten die Kleindeutschen für nichts anderes als den alten kraft- und saftlosen Bundestag. Ihnen machte die Bereitwilligkeit, mit der nicht nur mehrere Länder, z. B. Würtemberg, Nassau, Coburg, Gotha ꝛc., die Grundrechte als Landesgesetze verkündigten, sondern auch noch mehrere, wie Würtemberg, Baden, die sächsischen Herzogthümer, Oldenburg ꝛc., sich für Ein Reichsoberhaupt erklärten und die letztern sogar dem Könige von Preußen schriftlich ihre Freude ausdrückten, ihn als solches begrüßen zu dürfen, — wieder neuen Muth. Doch standen der Sache noch bedeutende Hindernisse und Bedenken entgegen. Schon die Grundrechte erkannten die Regierungen von Hannover, Sachsen, Bayern ꝛc. nicht unbedingt an, verweigerten deren amtliche Veröffentlichung, einestheils weil den Landesverfassungen gemäß ein Gesetz nur durch Zustimmung der Kammern Kraft erhalten könnte, anderntheils weil die Grundrechte so manches enthielten, was in den einzelnen Staaten nicht ohne großen Nachtheil für dieselben durchführbar sei und darum für diese einigermaßen angepaßt werden müßten. Was aber die Annahme eines erblichen Reichsoberhaupts, und insonderheit eines preußischen anlangt, so erklärte die sächsische Kammer kein solches, sondern nur einen Präsidenten anerkennen zu wollen; der bayrische Landtag verwahrte sich in beiden Kammern feierlich und einstimmig gegen die Ausscheidung Oesterreichs und somit gegen den König von Preußen als erblichen Kaiser; Oesterreich selbst protestirte wiederholt gegen seine Behandlung als bloßen Bundesgenossen des engern Deutschlands und daß es nicht aus dem Bund treten wolle und könne, und auch Preußen stimmte für die Beibehaltung Oesterreichs, forderte die Reichsversammlung auf, vor der zweiten Lesung der Verfassung die Einsprachen und Bedenken der einzelnen Regierungen zu vernehmen, und die Regierungen, dergleichen Erklärungen baldmöglichst nach Frankfurt abzugeben, und so beiderseits eine erwünschte „Vereinbarung" anzubahnen und zu bewerkstelligen. Der Vorschlag fand auch beiderseits Anklang, die Erklärungen liefen ein, wurden dem Verfassungsausschuß übergeben. Die mit Preußen stimmenden (kleinern) Staaten forderten das absolute Veto, dreijährige Finanzperiode u. s. w., Bayern ꝛc. eine Verfassung, an der Oesterreich vollen Antheil nehmen könnte, in der auch den Einzelstaaten ihre Selbstständigkeit gewahrt bliebe. Unterdessen schob man die Beschlußfassung über die Spitze der Verfassung (das Reichsoberhaupt ꝛc.) geflissentlich hinaus, nahm die zweite Lesung der Grundrechte vor und vollendete sie, während man für und gegen den Erbkaiser, für und gegen ein Directorium nach Kräften agitirte*), debattirte**) und sich gegenseitig in immer größere Leidenschaftlichkeit und Erbitterung hinein trieb. Da gab endlich auch Oesterreich, das bisher immer nur gesagt hatte, was es nicht wolle, eine etwas sagende Erklärung ab. Es wolle ein Directorium von 7—9 Gliedern, mit Oesterreich und Preußen an der Spitze, die abwechselnd ein Jahr ums andere den Vorsitz führen sollten ꝛc. Das war zu Anfang des März, man hatte also ein volles Vierteljahr mit Zuwarten und Zurathen hingebracht. Da kommt auf einmal die Nachricht, der Reichstag in Kremsier sei — nicht aufgelöst, sondern gesprengt, und eine Verfassung für Oesterreich octroyirt†), worin Deutschlands mit keinem Worte gedacht und nur auf den festen und engen Zusammenschluß aller unter dem österreichischen Scepter stehenden Länder Bedacht genommen ist. Oesterreich will also nichts von Deutschland wissen, hieß es, es will nicht in den deutschen Bund. Und einer der eifrigsten Vertheidiger Großdeutschlands, Welker, tritt plötzlich in der Reichsversammlung mit dem Antrag auf: die Reichsverfassung, wie sie in erster Lesung beschlossen worden, in Bausch und Bogen anzunehmen, dem König von Preußen die Erbkaiserwürde anzutragen und gegen die übrigen deutschen Fürsten die Erwartung auszusprechen, daß sie diesem Beschlusse freiwillig um der Einheit und Rettung Deutschlands willen beitreten würden. Für Oesterreich sollte der Eintritt immer auf bessere Zeiten vorbehalten bleiben. Der Eindruck, den dieser Antrag auf die Versammlung machte, war unbeschreiblich. Die Erbkaiserlichen wurden zu
*) Das heißt, aufreizend wirkte. D. R.
**) Das heißt, Wortgefechte anstellte. D. R.
†) Eine octroyirte Verfassung nennt man diejenige, die einem Volke aus Gnaden und freier Machtvollkommenheit verwilligt worden ist, im Gegensatz zu einer solchen, welche sich ein Volk als eine ihr von Rechtswegen zustehende errungen hat. D. R.
English translation AI translation
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With the following declaration, therefore, our Formula of Concord begins at once: "We believe, teach, and confess that the only rule and norm according to which all doctrines and teachers alike are to be judged and decided are none other than the prophetic and apostolic writings of the Old and New Testament, as it is written: Thy word is a lamp unto my feet and a light unto my path, Ps. 119, 105. And St. Paul: Though an angel from heaven preach any other gospel unto you, let him be accursed, Gal. 1, 8. But other writings, of ancient or modern teachers, whatever name they bear, are not to be held equal to Holy Scripture, but all together are to be subjected to it, and not otherwise or further to be received than as witnesses showing in what manner after the time of the Apostles, and in what places, such doctrine of the Prophets and Apostles was preserved." (Ib. p. 473.)
In the next number we purpose to show in what sense we indeed cannot and will not deny being exclusive.
News from the Old Homeland.
II.
In June 1849.
It is long since my first report, much longer than I had intended and hoped before being able to give the second. I did not wish to write until some result of the political strivings had come to light, and when I had sent off my first communications, it looked as though the second might soon follow, and now half a year has gone round and — we do not yet know where we stand. At the beginning of the year it appeared as though the wished-for and longed-for unity would soon come about after all, and indeed in a manner which at the outset hardly anyone had dared to hope for, namely with an hereditary head of the Empire, with an Emperor at the top. In the National Assembly at Frankfurt this thought had found entrance with many chiefly through the authority and influence of Gagern and Dahlmann; this "party of the hereditary-imperialists" grew ever stronger, let itself not be frightened off by the opposition set against it on the right as on the left, but only redoubled its efforts and exertions to make the thought prevail and carry it through to victory, that for the establishment of German unity and of a strong Germany outwardly and inwardly an hereditary Emperor must be chosen, and that this could be no other, and might be no other, than the most powerful prince in Germany, the King of Prussia. The Emperor of Austria could not well become it, because as a German prince he was not so powerful as the King of Prussia, and because the closer connection of his non-German lands with his German ones hindered him from entering the narrower German Union in accordance with the Imperial Constitution. Therefore the Minister-President v. Gagern demanded authority from the National Assembly to enter into negotiations with Austria, in order nevertheless to connect the same, since it could not enter the narrower Union, as closely as possible with the rest of Germany, until the time when its circumstances should permit it to enter the narrower Germany also with its German lands. Gagern had made his remaining in the ministry dependent upon the adoption and approval of this demand, and it received in a motivated form the majority of votes, though no considerable one. Sixty Austrian deputies, however, lodged a protest against this and every resolution whereby German-Austria would be excluded from the German federal state, and many were and remained of their opinion. Thus arose the parties of the so-called "Great-Germans," who wanted only a Germany with Austria, and of the "Little-Germans," who, because they saw that Austria could not and would not enter, aimed at a closer union of the rest of Germany under One head of the Empire, to which Austria should stand in the relation of the old confederation of states. For that very reason, however, the Great-Germans wanted no hereditary imperial dignity and indeed no Emperor at all, but a Directory of three or seven princes, in which the Emperor of Austria and the King of Prussia should alternately preside, and the first two paragraphs of the Constitution so altered that Austria with its German lands could enter the German federal state. But this the Little-Germans declared to be nothing other than the old powerless and sapless Federal Diet. The readiness with which not only several countries, e. g. Würtemberg, Nassau, Coburg, Gotha, etc., proclaimed the Fundamental Rights as laws of the land, but also several more, such as Würtemberg, Baden, the Saxon duchies, Oldenburg, etc., declared themselves for One head of the Empire, and the latter even expressed in writing to the King of Prussia their joy at being permitted to greet him as such, — gave them fresh courage again. Yet considerable hindrances and misgivings still stood in the way of the matter. Even the Fundamental Rights the governments of Hannover, Saxony, Bavaria, etc. did not recognize unconditionally, refusing their official publication, partly because according to the constitutions of the several lands a law could receive force only by the consent of the Chambers, partly because the Fundamental Rights contained so much that could not be carried out in the individual states without great detriment to them, and therefore would have to be somewhat adapted for them. But as regards the adoption of an hereditary head of the Empire, and especially of a Prussian one, the Saxon Chamber declared that it would recognize no such thing, but only a President; the Bavarian Diet protested solemnly and unanimously in both Chambers against the exclusion of Austria and thereby against the King of Prussia as hereditary Emperor; Austria itself protested repeatedly against its treatment as a mere ally of the narrower Germany, and declared that it neither would nor could withdraw from the Union, and Prussia also voted for the retention of Austria, called upon the National Assembly, before the second reading of the Constitution, to hear the objections and misgivings of the individual governments, and the governments to deliver such declarations at Frankfurt as soon as possible, and so on both sides to prepare and bring about a desirable "agreement." The proposal also found acceptance on both sides, the declarations came in, and were handed over to the Constitutional Committee. The (smaller) states agreeing with Prussia demanded the absolute veto, a three-year financial period, etc., Bavaria, etc., a Constitution in which Austria could take full part, in which also the individual states should have their independence preserved. In the meantime the decision on the apex of the Constitution (the head of the Empire, etc.) was purposely postponed, the second reading of the Fundamental Rights was taken up and completed, while men agitated*) with all their might for and against the hereditary Emperor, for and against a Directory, debated**) and drove one another into ever greater passion and bitterness. Then at last Austria also, which until then had always said only what it did not want, gave a declaration that said something. It wished a Directory of 7-9 members, with Austria and Prussia at the head, who should alternately, one year about, hold the presidency, etc. That was at the beginning of March, so a full quarter of a year had been spent in waiting and counselling. Then all at once comes the news that the Diet at Kremsier has been — not dissolved, but blown up, and a Constitution for Austria octroyed†), in which Germany is not mentioned with a single word, and only the firm and close union of all lands standing under the Austrian sceptre is considered. Austria wants nothing to do with Germany, it was said, it will not enter the German Union. And one of the most zealous defenders of Great-Germany, Welker, suddenly steps forward in the National Assembly with the motion: to adopt the Imperial Constitution, as it was resolved in first reading, in the lump, to offer the hereditary imperial dignity to the King of Prussia, and to express toward the other German princes the expectation that they would accede to this resolution of their own free will for the sake of the unity and salvation of Germany. For Austria the entrance should remain reserved for better times. The impression which this motion made upon the Assembly was indescribable. The hereditary-imperialists were
*) That is, acted in an inflammatory way. Ed.
**) That is, engaged in wordy contests. Ed.
†) An octroyed Constitution is that which has been granted to a people by grace and free plenitude of power, as opposed to one which a people has won for itself as something due to it by right. Ed.