Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 1 › Seite 7

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-09-04, Seite 7

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Antichriſt 2 · Antichriſt 4 · Liebe zum Nächſten 3 · Taufe 45

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keine andere Frucht schafft, als die, daß Solche das Zeugniß empfangen haben und sich daher am Tage des Gerichts mit der Trägheit der Lutheraner des neunzehnten Jahrhunderts nicht werden entschuldigen können, die sie habe in ihrem Wahn schlafen lassen.

Glaube der kleinen Kindlein.

Wir wollen doch sehen die Ursache, warum sie die Kinder nicht gläubig halten. Sie sprechen, weil sie noch nicht zur Vernunft sind kommen, mögen sie Gottes Wort nicht hören. Wo aber Gottes Wort nicht gehört wird, da kann kein Glaube sein, Röm. 10.: Der Glaube kommt durchs Hören, das Hören kommt durch Gottes Wort ꝛc. ꝛc. — Sage mir, ist das auch christlich geredt, also von Gottes Werken urtheilen nach unserm Dünken? Die Kinder sind nicht zur Vernunft kommen, darum könnten sie nicht gläuben? Wie? wenn du durch solche Vernunft wärest schon vom Glauben kommen, und die Kinder durch ihre Unvernunft zum Glauben kommen?

Lieber, was Gutes thut die Vernunft zum Glauben und Gottes Wort? Ist's nicht sie, die dem Glauben und Wort Gottes aufs Höchste widerstehet, daß Niemand für ihr zum Glauben kann kommen, noch Gottes Wort leiden will, sie werde denn geblendet und geschändet, daß der Mensch muß ihr absterben und gleich werden ein Narr, und ja so unvernünftig und unverständig als ein jung Kind, soll er anders gläubig werden und Gottes Gnade empfangen. Wie Christus spricht Matth. 18.: Es sei denn, daß ihr euch umkehret, und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen. Wie oft hält uns Christus für, daß wir zu Kindern und Narren werden müssen, und verdammt die Vernunft.

Dazu sage mir, wo bleibt die Vernunft des Christgläubigen, wenn er schläft, so doch sein Glaube und Gottes Gnade ihn nimmer lässet? Kann hie der Glaube ohne Zuthun der Vernunft bleiben, daß sie es nicht gewahr wird, warum sollte er auch nicht anfahen in den Kindern, ehe die Vernunft darum etwas weiß? Item, so möcht' ich auch sagen von allen Ständen, darin ein Christe lebt und etwas arbeitet, oder sonst zu schaffen hat, daß er des Glaubens und Vernunft nicht gewahr wird, und doch darum der Glaub nicht ablässet. Gottes Werk sind heimlich und wunderbarlich, wo und wenn er will; wiederum auch offenbarlich genug, wo und wenn er will: daß uns darüber zu urtheilen zu hoch und zu tief ist.

Damit wollen wir aber das Predigtamt nicht haben geschwächt oder niedergelegt. Denn freilich auch Gott nicht predigen lässet um des vernünftigen Hörens willen, sintemal da keine Frucht aus kommt; sondern um des geistlichen Hörens willen, welches auch die Kinder haben, so wohl und besser, denn die Alten. So hören sie ja auch das Wort. Denn was ist die Taufe anders, denn das Evangelium, dazu sie gebracht werden? Wiewohl sie das einmal nur hören, sie hörens aber desto kräftiger, weil Christus sie aufnimmt, der sie hat heißen bringen. Denn die Alten haben hie ein Vortheil, daß sie oft hören und wieder daran denken mögen. Doch gehet es auch mit den Alten also zu im geistlichen Hören, daß es nicht durch viel Predigt eingehet; sondern es mag einmal treffen in einer Predigt, so hat ers genug ewiglich. Was er darnach höret, da höret er entweder, dasselbe Erste zu bessern, oder wieder zu verderben.

Haben sie (die Kinder) das Wort nicht gehöret, dadurch der Glaube kommt, wie es die Alten hören, so hören sie es aber wie die jungen Kindlein. Die Alten fassen's mit Ohren und Vernunft, oft ohne Glauben. Sie aber hören's mit Ohren, ohne Vernunft und mit Glauben. Und der Glaube ist so viel näher, so viel weniger die Vernunft ist, und stärker der ist, der sie herzu bringet, denn der Wille ist der Alten, die von ihnen selbst kommen.—(Luthers Kirchenpostille Dom. III. p. Epiph.)

(Eingesandt.)

Politisches.

Der „Lutheraner“ hat seinen Lesern lange keine Nachrichten aus dem Gebiet der Politik gebracht, und scheint sein Versprechen beinahe vergessen zu haben. Wir wollten ihn gelegentlich daran erinnert haben und freundlich bitten, seine Berichte fortzusetzen; denn wenn wir auch die Begebenheiten aus politischen Blättern erfahren können, so liegt uns doch gerade daran das meiste, wie sie von einem lutherischen Christen anzusehen und zu beurtheilen sind. Der Lutheraner hat in Beurtheilung der neuesten europäischen Ereignisse eine viel würdigere, solidere und schriftgemäßere Stellung behauptet, als die meisten andern Blätter der hiesigen religiösen Presse. Ich kann es nun bei dieser Gelegenheit nicht unterlassen, mit ein paar Worten auf die letzten Ereignisse in Rom hinzuweisen. Diese seit länger denn einem Jahrtausend von geistlichem Despotismus geknechtete Stadt, mit dem Thron des Antichrists in ihrer Mitte, die ihre längst untergangene Größe und Berühmtheit nur noch spärlich mit dem schimmernden Blendwerk päbstischer Hierarchie deckte, diese Stadt erwachte plötzlich wie ein Löwe aus dem Schlaf, schüttelte die längst gewohnten Fesseln ab, verjagte den Pabst und erklärte ihn seiner weltlichen Macht für verlustig. Wohl waren schon manchmal in früheren Zeiten die Päbste aus ihrer Residenz vertrieben worden, allein aus ganz andern Gründen, als jetzt. Diesmal war die eigentliche Ursache seiner Vertreibung der allerdings protestantische Grundsatz, daß geistliche und weltliche Macht nicht mit einander verbunden sein dürfen, daß dem Pabst, als dem Bischof zu Rom, wohl zukomme, seine Kirche zu regieren, aber nicht den Staat. Dies zeugt von einem ungeheuren Umschwung in den Ideen des römischen Volkes, sei es nun, daß er durch Einfluß des echten Protestantismus, oder durch die zerstörenden Tendenzen einer Art Deutsch-Katholicismus bewirkt worden ist.

Kurz alle Protestanten waren wohl bei diesen Ereignissen in Rom aufs tiefste interessirt, wie dieselben mit den Weissagungen der heiligen Schrift vom Pabstthum in Uebereinstimmung zu bringen sein. Die alte lutherische Kirchenlehre ist ganz einfach die: der Pabst muß bleiben bis ans Ende, bis zur Wiederkunft Christi zum Gericht, ob er wohl durch die Reformation Lutheri einen tödtlichen Streich empfangen hat, und nun, so zu sagen, immer in Todeskrämpfen liegt; aber bleiben muß er, was er ist, eine geistliche und weltliche Macht, bis zur Wiederkunft Christi. Unsere alten Theologen begründeten diese Ansicht mit 2 Thess. 2, 8.: „Und alsdann wird der Boshaftige geoffenbaret werden, welchen der HErr umbringen wird mit dem Geist seines Mundes, und wird seiner ein Ende machen, durch die Erscheinung seiner Zukunft.“ Hätte nun der Pabst jetzt wirklich seine weltliche Macht auf immer verloren, so hätte er aufgehört der rechte Antichrist zu sein, weil die Vereinigung der geistlichen und weltlichen Macht das charakteristische Merkmal desselben ist. Dies wäre offenbar gegen die Weissagung der Schrift. Ich setze voraus, daß den Lesern bereits bekannt sein wird, daß Rom nach einem verzweifelten Widerstand sich endlich den Franzosen hat ergeben müssen, und durch diese gezwungen worden ist, den Pabst nicht blos als seinen geistlichen, sondern auch als seinen weltlichen Herrn anzunehmen. Es ist sonach die altlutherische Kirchenlehre durch diese Wendung der Ereignisse in Rom aufs neue bestätigt. Man weiß es, zu wie viel schwärmerischen Ideen und Schlüssen von der Entwickelung der in der Offenbarung Johannis geweissagten Ereignisse die zeitweilige Vertreibung und Demüthigung des Pabstes verleitet hatte. Die lutherische Lehre wird auch in ihrer Eschatologie, (Lehre von den letzten Dingen) das Silber sein, das eine siebenfache Feuerprobe aushält und jedesmal bewährter hervorgeht.

Höchst merkwürdig ist nur noch dies, wie wunderbar die Hand Gottes in dieses Ereigniß eingegriffen hat. Niemand hatte es geglaubt, daß dem Pabst seine weltliche Gewalt durch ein Volk würde zugestellt werden, welches selbst kurz vorher das Joch abgeschüttelt und sich für ein freies Volk erklärt hatte. Hätte man wohl eher denken sollen, die Tiber müsse ihren Lauf ändern und nach Rom zurückgehen, als daß der Pabst durch die Franzosen sollte nach Rom zurückgeführt werden. Es ist dies so etwas unerhörtes, aller menschlichen Erwartung so total widersprechendes, daß man offenbar die Regierung des höchsten HErrn im Himmel darin sehen muß. Die Schrift sollte erfüllt werden, und damit Gott seine Macht desto mehr erzeige, so mußte sie gerade durch die erfüllt werden, von welchen man es zuvor für unmöglich gehalten hätte. Ueberhaupt sieht man auch aus dem Ausgang der Revolution in Deutschland recht deutlich, daß die Gestalt der Dinge zu ändern, alte Institutionen niederzuwerfen und neue aufzubauen und den Geschicken der Völker eine andere Wendung zu geben, nicht Sache des Thons, sondern des Töpfers, nicht des ohnmächtigen menschlichen Willens, sondern des absoluten Herrscheramts Gottes ist. Die armen Titanen

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bears no other fruit than this, that such persons have received the testimony and will therefore not be able, on the Day of Judgment, to excuse themselves with the sloth of the Lutherans of the nineteenth century, who have let it sleep in their delusion.

Faith of the Little Children.

Let us see the cause, then, why they do not hold the children to be believing. They say, because they have not yet come to reason, they cannot hear God's Word. But where God's Word is not heard, there can be no faith, Rom. 10.: Faith cometh by hearing, and hearing by the Word of God, etc., etc. — Tell me, is that also spoken in a Christian manner, thus to judge of God's works according to our own notion? The children have not come to reason, therefore they could not believe? What? If thou, through such reason, wert already fallen away from faith, and the children through their unreason were come to faith?

Prithee, what good does reason do toward faith and God's Word? Is it not she that resists faith and God's Word in the highest degree, so that no one can come to faith for her, nor will she suffer God's Word, unless she be blinded and put to shame, so that man must die to her and become equally a fool, and just as unreasonable and unintelligent as a young child, if he is to become a believer and receive God's grace. As Christ says, Matth. 18.: Except ye be converted, and become as little children, ye shall not enter into the kingdom of heaven. How often does Christ set before us that we must become children and fools, and condemns reason. Tell me besides, where does the reason of the Christian believer remain when he sleeps, though his faith and God's grace never leave him? Can faith here remain without the aid of reason, so that she is not aware of it, why should it not also begin in the children, before reason knows anything of it? Likewise I might also say of all stations in which a Christian lives and works at something, or otherwise has to do, that he is not aware of faith and reason, and yet faith does not on that account cease. God's works are hidden and wonderful, where and when He will; again also manifest enough, where and when He will: so that to judge concerning them is too high and too deep for us.

Yet we would not by this have the preaching office weakened or laid aside. For indeed God also does not let preaching go on for the sake of rational hearing, since no fruit comes of that; but for the sake of spiritual hearing, which the children also have, as well and better than the old. So they hear the Word too. For what is Baptism else than the Gospel, to which they are brought? Although they hear it only once, they hear it all the more mightily, because Christ takes them up, who has bidden them be brought. For the old have here an advantage, that they hear often and can think of it again. Yet it goes also with the old thus in spiritual hearing, that it does not enter through much preaching; but it may strike once in a sermon, and he has enough of it eternally. What he hears afterwards, there he hears either to better that first thing, or to spoil it again.

If they (the children) have not heard the Word, whereby faith comes, as the old hear it, yet they hear it as the young little children. The old take it in with ears and reason, often without faith. They, however, hear it with ears, without reason and with faith. And faith is so much the nearer, the less reason there is, and the stronger is He who brings them thereto, than is the will of the old, which comes from themselves.—(Luther's Kirchenpostille, Dom. III. p. Epiph.)

(Submitted.)

Political Matters.

The "Lutheraner" has for a long time brought its readers no news from the field of politics, and seems almost to have forgotten its promise. We would like to have reminded it of this on occasion and kindly ask it to continue its reports; for even if we can learn the events from political papers, what concerns us most is precisely how they are to be regarded and judged by a Lutheran Christian. The Lutheraner has, in judging the latest European events, maintained a far worthier, sounder and more Scriptural position than most of the other papers of the religious press here. I cannot now, on this occasion, refrain from pointing in a few words to the latest events in Rome. This city, enslaved for more than a thousand years by spiritual despotism, with the throne of Antichrist in its midst, which covered its long since vanished greatness and renown only sparingly with the glittering delusion of papal hierarchy, this city suddenly awoke like a lion from sleep, shook off the long accustomed fetters, drove out the Pope, and declared him forfeit of his temporal power. Indeed, the Popes had often in former times been driven from their residence, but for quite other reasons than now. This time the real cause of his expulsion was the certainly Protestant principle that spiritual and temporal power may not be joined with one another, that it belongs to the Pope, as Bishop of Rome, to govern his Church, but not the State. This testifies to a prodigious revolution in the ideas of the Roman people, whether it was wrought by the influence of genuine Protestantism, or by the destructive tendencies of a sort of German-Catholicism.

In short, all Protestants were no doubt deeply interested in these events in Rome, as to how they are to be brought into agreement with the prophecies of Holy Scripture concerning the Papacy. The old Lutheran doctrine of the Church is quite simple: the Pope must remain to the end, until the return of Christ to judgment, although he has received a deadly blow through the Reformation of Luther, and now, so to speak, lies continually in the throes of death; but remain he must, what he is, a spiritual and temporal power, until the return of Christ. Our old theologians grounded this view upon 2 Thess. 2, 8.: "And then shall that Wicked be revealed, whom the Lord shall consume with the spirit of his mouth, and shall destroy with the brightness of his coming." If now the Pope had really lost his temporal power for ever, he would have ceased to be the true Antichrist, because the union of spiritual and temporal power is the characteristic mark of the same. This would be plainly contrary to the prophecy of Scripture. I presume that it will already be known to the readers that Rome, after a desperate resistance, has finally had to surrender to the French, and has been compelled by them to accept the Pope not merely as her spiritual, but also as her temporal lord. The old-Lutheran doctrine of the Church is therefore confirmed anew by this turn of events in Rome. It is known to how many fanatical ideas and conclusions concerning the development of the events prophesied in the Revelation of John the temporary expulsion and humiliation of the Pope had led. The Lutheran doctrine will also in its eschatology, (doctrine of the last things) be the silver that endures a sevenfold trial by fire and comes forth each time the more proved.

Most remarkable of all is this, how wonderfully the hand of God has intervened in this event. No one had believed that the Pope would have his temporal power restored to him by a people which itself had shortly before shaken off the yoke and declared itself a free people. One might sooner have thought that the Tiber must change its course and flow back to Rome, than that the Pope should be led back to Rome by the French. This is something so unheard-of, so utterly contrary to all human expectation, that one must plainly see therein the government of the most high LORD in heaven. The Scripture was to be fulfilled, and that God might the more show His power, it had to be fulfilled precisely by those of whom one had before held it to be impossible. In general one sees also from the outcome of the Revolution in Germany quite plainly that to change the shape of things, to overthrow old institutions and build up new, and to give another turn to the destinies of the nations, is not the affair of the clay, but of the potter, not of the powerless human will, but of the absolute sovereignty of God. The poor Titans