Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 5 › Seite 35

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-10-30, Seite 35

33 34 35 36 37 38 39 40

⤓ Download page image (full resolution)

German transcription AI-corrected against the scan

Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Loge · Loge 4

⤓ Download .txt · copy text

35

wissermaßen, so im Allgemeinen hin regiere, wie ihre Vernunft sie das gelehrt haben soll?

C. Ja, wenn sie sonst nur moralische Leute sind.

P. Nun wohlan, betet der Jude Christum an als den wahren Gott? Nein, er speit bei seinem Namen aus, und verflucht ihn. Betet der Türke Christum an als wahren Gott? Nein, er hält ihn für einen Propheten, und verflucht die Christen als Götzendiener. Beten denn nun diese den wahren Gott an, oder einen Götzen?

C. Da sie Christum als Gott nicht für Gott annehmen, sondern verwerfen, so beten sie ja freilich den dreieinigen Gott nicht an, sondern einen Götzen.

P. Und doch beten sie, und du mit ihnen, den „großen Geist“, den Gott der Gesellschaft, an; also nicht Christus, den hassen sie, oder halten ihn für einen bloßen Menschen, nicht den dreieinigen Gott, denn den verwerfen sie: ist nun der Gott, den sie und die ganze Gesellschaft als Ein Körper anbetet, „der große Geist“, ist er der rechte Gott oder ist er ein Götze, oder das Lügenbild des Satans, von dem wir vorher geredet? Ob man meint, man bete den rechten Gott an, darauf, wie wir früher gesehen, kommts nicht an, sondern ob er wirklich der rechte Gott ist. Und wenn du nun auch den Gott anrufst, den Juden und Türken als ihren Gott anrufen, bist du dann ein Diener des lebendigen Gottes oder auch ein Götzendiener, oder wenigstens ein Heuchler, der unter Umständen seinen HErrn mit kaltem Blute verleugnen, und an falschem Gottesdienst Theil nehmen kann? Als Christ kann dir die Antwort nicht zweifelhaft sein, und zu einem Christen rede ich.

C. Die Juden beteten doch aber auch nicht den dreieinigen Gott an, waren sie auch Götzendiener?

P. Die Frage gehört hier eigentlich nicht her, indessen da ihr euch oft dahinter versteckt, so will ich sie beantworten: Gewiß beteten die Juden vor Christus den rechten Gott an, der sich fortlaufend von den Vätern her durch Lehren und Thaten, durch Gebote und Verheißungen ihnen offenbarte und als den Einigen, lebendigen persönlichen Gott thatkräftig bezeugt hatte. Beteten sie den rechten wahren Einigen Ewigen Gott an, außer dem kein Gott ist, so beteten sie auch den dreieinigen Gott an, denn das ist der Eine rechte Gott. Nun will ich zugeben, daß Gott im alten Testament sich nicht so klar und deutlich als Dreieinig offenbart haben soll (obgleich Hinweisungen auf die Dreieinigkeit ja sicherlich nicht fehlen), so konnten sie, so lange ihnen diese tiefere Erkenntniß seines Wesens von Gott selbst vorenthalten war, ihn nicht als Dreieinig anbeten. Indessen mußt du zugeben, daß man den rechten offenbarten Gott anbeten kann, wenn gleich die tiefere Erkenntniß Seines Wesens fehlen mag. Diese fehlte auch ihnen, aber damit nicht die rechte Anbetung des rechten Gottes. Nachdem nun aber Gott in dem vollbrachten Erlösungswerk der Menschheit sich als dreieinig, Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist offenbart hat, die Juden aber Christum, d. h. den wahren Gott verworfen haben, und jetzt noch Gott als Eine Person anbeten, so beten sie nun nicht mehr den rechten Gott an, sondern das Werk ihrer Hände, oder Gedanken, so gut wie die Türken und abgefallenen Christen und Heiden. Du aber, als ein Christ, kannst einfältig dabei stehen bleiben: wo Christus nicht als der wahre Gott angebetet wird, da wird ja natürlich nicht der wahre Gott angebetet. Eure Gesellschaft betet als Gesellschaft offenbar Christum nicht an als den wahren Gott, sondern einen Gott, den auch Juden und Türken und öffentlich abgefallene Christen anbeten, also ist der „große Geist“, den sie anbeten, nicht der wahre Gott. Und da du nun den Gott der Gesellschaft mit anbetest, ihren ganzen Ceremonienkram mitmachst, und dich öffentlich zu ihnen bekennst, vielleicht gar ein Oberpriester bist — so sage nun selbst, was du bist? Ich denke, mein Carl, das ist des Entsetzlichen genug, um dich über die Mauer hinüber zu den Füßen deines Heilandes zu treiben! Nun gehe hin, suche dir die Flüche aus dem Alten und Neuen Testament zusammen, die der heilige Gott auf die Götzendiener und die mit ihnen Gemeinschaft haben, ausgeschüttet! sammle sie in dein Gewissen, und prüfe, ob du mit der Last beladen in die Ewigkeit deinem Richter entgegenziehen kannst?

Ende.

(Eingesandt von Dr. Sihler.)

Was ist Wahrheit?

Also fragte bekanntlich Pilatus, der vornehme gebildete Heide, der wie andere Römer seines Gleichen die Götterfabeln seines Volkes verachten gelernt, aber für Aberglauben nur Unglauben eingetauscht hatte; und denselben Ausruf hat ihm auch schon mancher katholische Römer und Papist nachgethan, der die Legenden oder vielmehr Lügenden von den Heiligen oder den wunderthätigen Bildern derselben verlachen lernte, ohne zur evangelischen Wahrheit d. i. sonderlich zu Dem hindurch zu dringen, der von sich sagte: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben!“

Doch kann es vorkommen, daß auch Gläubige solche Frage: Was ist Wahrheit? thun müssen, wenn sie nemlich z. B. aus einem Brunnen wirklich süßes und bitteres Wasser hintereinander quillen sehen; wenn dieselbe Hand und Feder kurz auf einander Worte des Bekenntnisses und der Verleugnung, ja des Glaubens und Unglaubens schreibt; und zudem, wenn diese Hand und Feder einem Manne angehört, der ein Hauptstimmführer der sogenannten lutherischen Generalsynode und von ältern und jüngern Unkundigen wohl gar für eine Säule der lutherischen Kirche in Amerika angesehen wird. Dieser Mann nun ist kein anderer als der Dr. Benjamin Kurtz, Herausgeber des Lutheran Observer, der zugleich auch die Zeitschrift jener Synode ist.

Dieser Mann nemlich that vor einiger Zeit dem Lutheran Standard, einer besser gesinnten englisch-lutherischen Zeitschrift, die Versicherung, daß er „immer eine fast an Abgötterei grenzende Ehrfurcht vor der Augsburgischen Confession gehabt habe“. Wie soll nun ein unpartheiischer Leser solche Worte verstehen? Läßt er das Uebertreibende im Ausdruck fahren, so muß er doch jedenfalls das herauslesen, der Schreiber wolle damit sagen, er habe deshalb eine tiefe Ehrerbietung vor jenem kirchlichen Symbol, weil es durchaus mit Gottes Wort übereinstimme; denn unmöglich könnte er diese Achtung davor haben, wenn es auch nur in einem Stücke dem Worte Gottes nicht gemäß, sondern zuwider wäre. Folglich muß derselbe unpartheiische Leser, der den Worten des Herrn Benjamin Kurtz aufrichtig glaubet, wie sie lauten, dafür halten, daß er auch vor dem 10ten Artikel jener Confession eine ungeheuchelte Ehrfurcht habe. Und ist besagter Leser zudem ein Lutheraner ohne Falsch, der auch von bisherigen Gegnern der reinen Lehre alles glaubt und alles hofft, so muß er sich von Herzen über jene Worte freuen.

Aber so leid es mir thut, ich kann dem Leser die Freude nicht lassen, muß sie, Gott sei es geklagt, vielmehr in Trauer und Bestürzung, ja in gerechte Entrüstung über die schreckliche Unlauterkeit oder den bodenlosen Leichtsinn jenes Mannes verwandeln. Die Sache nemlich ist diese. Ein gewisser Herr Brennessel (natürlich ein angenommener Name) behauptete vor einiger Zeit im Lutheran Observer, daß „die körperliche Gegenwart Christi im Sacrament immer die Lehre der lutherischen Kirche gewesen und bis auf den heutigen Tag noch sei“. Zugleich versichert er, daß diese Lehre (von der bekanntlich die sogenannte Generalsynode ganz abgefallen ist) wieder rasch aufkomme unter Predigern und Hörern und sicherlich in etwa fünf Jahren wieder allgemeine Geltung werde gewonnen haben.

Darüber ist nun der Herr Dr. B. Kurtz sehr in Harnisch gerathen; jene „fast an Abgötterei grenzende Ehrfurcht vor der Augsburgischen Confession“ ist ihm jetzt gänzlich abhanden gekommen und wie Schaum zerronnen; denn er leugnet nicht nur in der Nummer v. 8. Juni aufs Entschiedenste die von Brennessel behauptete Thatsache, sondern stellt vielmehr die gegentheilige Behauptung auf, daß z. B. unter den 60 lutherischen Gemeinden im Staat Maryland kaum 30 hier geborne Glieder sein möchten, die auch nur wüßten, was unter „körperlicher Gegenwart“ gemeint sei, geschweige daran glaubten.

An einen völligen Sieg aber dieser veralteten Lehre sei endlich gar nicht zu denken. „Im Gegentheil, je mehr sie bekannt werde, desto weniger Gunst finde sie unter dem freidenkenden, praktischen und mit gesundem Menschenverstand begabten Volke der Vereinigten Staaten.“ Ebenso halte es sich auch mit einer andern veralteten Lehre, nemlich von der Wiedergeburt durch die Taufe. „Kann es“, — so ruft der Ehrwürdige Dr. B. Kurtz aus, — „kann es nur einen Augenblick angenommen werden, daß amerikanische Lutheraner für eine solche Lehre bereitet sind?“

Was wird nun der unpartheiische Leser zu solchem Widerspruche gegen jene selbstgerühmte „Ehrfurcht vor der Augsburgischen Confession“ sagen? — Muß er nicht ganz irre werden an der Gesinnung des Mannes, der auf gut methodistisch so

English translation AI translation

⤓ Download .txt · copy text

35

in a manner, so to speak, governs in general, as their reason is supposed to have taught them?

C. Yes, if they are otherwise only moral people.

P. Well then, does the Jew worship Christ as the true God? No, he spits out at His name, and curses Him. Does the Turk worship Christ as the true God? No, he holds Him for a prophet, and curses the Christians as idolaters. Do these then worship the true God, or an idol?

C. Since they do not accept Christ as God for God, but reject Him, they do indeed not worship the triune God, but an idol.

P. And yet they worship, and you with them, the "great spirit," the God of the society; thus not Christ, whom they hate, or hold for a mere man, not the triune God, for Him they reject: now is the god whom they and the whole society as one body worship, "the great spirit," is he the right God, or is he an idol, or the lying image of Satan of which we spoke before? Whether one thinks he is worshipping the right God, that, as we saw before, does not matter, but whether He is really the right God. And if you now also call upon the god upon whom Jews and Turks call as their God, are you then a servant of the living God, or also an idolater, or at least a hypocrite, who under circumstances can deny his Lord in cold blood and take part in false worship? As a Christian the answer cannot be doubtful to you, and I am speaking to a Christian.

C. But the Jews also did not worship the triune God; were they also idolaters?

P. The question does not properly belong here, but since you often hide behind it, I will answer it: Certainly the Jews before Christ worshipped the right God, who revealed Himself continuously from the fathers on through teachings and deeds, through commandments and promises, and had testified with power of act that He was the One, living, personal God. If they worshipped the right, true, One, Eternal God, besides whom there is no God, then they also worshipped the triune God, for that is the One right God. Now I will grant that God in the Old Testament is said not to have revealed Himself so clearly and distinctly as Triune (although indications of the Trinity certainly are not lacking); so, as long as this deeper knowledge of His being was withheld from them by God Himself, they could not worship Him as Triune. Yet you must grant that one can worship the right revealed God even if the deeper knowledge of His being may be lacking. This was lacking also to them, but not thereby the right worship of the right God. But now that God, in the completed work of redemption, has revealed Himself to mankind as triune, God the Father, Son and Holy Ghost, and the Jews have rejected Christ, that is, the true God, and still worship God as One Person, they now no longer worship the right God, but the work of their hands, or of their thoughts, as much as the Turks and fallen-away Christians and heathen. But you, as a Christian, can simply stand by this: where Christ is not worshipped as the true God, there of course the true God is not worshipped. Your society as a society evidently does not worship Christ as the true God, but a god whom Jews also and Turks and openly fallen-away Christians worship; therefore the "great spirit" whom they worship is not the true God. And since you now worship the god of the society along with them, take part in their whole ceremonial rigmarole, and openly profess yourself to them, are perhaps even a high priest — now say yourself what you are. I think, my Carl, that is horror enough to drive you over the wall to the feet of your Savior! Now go, seek out for yourself the curses from the Old and New Testament which the holy God has poured out upon the idolaters and those who have fellowship with them! Gather them into your conscience, and examine whether you can go forth to meet your Judge in eternity laden with that burden.

End.

(Submitted by Dr. Sihler.)

What is Truth?

So asked, as is well known, Pilate, the distinguished, cultured heathen, who, like other Romans of his kind, had learned to despise the fables of the gods of his people, but had exchanged for superstition only unbelief; and the same exclamation many a Catholic Roman and Papist has already echoed after him, who learned to laugh at the legends, or rather lie-ends, of the saints or at their miracle-working images, without penetrating to the evangelical truth, that is, especially to Him who said of Himself: "I am the way, the truth, and the life!"

Yet it may happen that even believers must ask such a question: What is truth? when, for example, they actually see sweet and bitter water spring forth from one fountain one after the other; when the same hand and pen writes, in quick succession, words of confession and of denial, yea of faith and of unbelief; and moreover when this hand and pen belongs to a man who is a leading voice of the so-called Lutheran General Synod and by elder and younger ignorant persons is quite regarded as a pillar of the Lutheran Church in America. This man is now no other than Dr. Benjamin Kurtz, editor of the Lutheran Observer, which is at the same time the organ of that Synod.

This man, namely, some time ago gave the assurance to the Lutheran Standard, a better-disposed English-Lutheran periodical, that he had "always had a reverence for the Augsburg Confession bordering almost on idolatry." How is now an impartial reader to understand such words? If he lets the exaggeration in the expression go, he must nevertheless in any case read out of it that the writer wishes to say thereby that he has a deep reverence for that churchly symbol because it agrees throughout with God's Word; for he could not possibly have this regard for it if it were in even one point not conformable to the Word of God, but contrary to it. Consequently the same impartial reader, who sincerely believes the words of Mr. Benjamin Kurtz as they read, must hold that he has also for the tenth article of that Confession an unfeigned reverence. And if the said reader is moreover a Lutheran without guile, who believes all things and hopes all things even of former adversaries of the pure doctrine, he must rejoice heartily over those words.

But however sorry I am, I cannot leave the reader his joy, but must, God have mercy, rather turn it into grief and dismay, yea into righteous indignation at the dreadful insincerity or the bottomless levity of that man. The matter, namely, is this. A certain Mr. Brennessel (naturally an assumed name) asserted some time ago in the Lutheran Observer that "the bodily presence of Christ in the Sacrament has always been the doctrine of the Lutheran Church and is so to this very day." At the same time he assures us that this doctrine (from which the so-called General Synod, as is well known, has wholly fallen away) is coming up again rapidly among preachers and hearers, and will surely in about five years have regained general currency.

At this Mr. Dr. B. Kurtz has now fallen into a great rage; that "reverence for the Augsburg Confession bordering almost on idolatry" has now entirely vanished from him and melted away like foam; for in the number of June 8 he denies in the most decided manner the fact asserted by Brennessel, but sets up rather the opposite assertion, that, for example, among the 60 Lutheran congregations in the State of Maryland there might scarcely be 30 native-born members who even knew what is meant by "bodily presence," to say nothing of believing it.

A complete victory of this antiquated doctrine, he says, is finally not to be thought of at all. "On the contrary, the more it becomes known, the less favor does it find among the freethinking, practical people of the United States, endowed with sound common sense." So it is also with another antiquated doctrine, namely, regeneration through Baptism. "Can it," — thus exclaims the Reverend Dr. B. Kurtz, — "can it be supposed for a moment that American Lutherans are prepared for such a doctrine?"

What will the impartial reader now say to such a contradiction of that self-vaunted "reverence for the Augsburg Confession"? — Must he not become quite perplexed about the disposition of the man who in good Methodist fashion so