Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 5 › Seite 39

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-10-30, Seite 39

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größeren Gemeinden bis zu zehn) vertritt die Gemeinde nur in vermögensrechtlicher Beziehung, hat über jede Summe unter 100 Thalern frei zu disponiren, über größere Verwendungen dem Consistorium Anträge zu machen. Es mag gegen die Sache selbst nicht ganz viel Erhebliches zu erinnern sein; es hat sich in der kurzen Dauer seines Bestehens hie und da auch schon eine wohlthätige Wirkung gezeigt, z. B. wo durch Nachlässigkeit weltlicher Kirchencommissäre Capitale unsicher verliehen waren und wo diese auf Antrag des Kirchenvorstands ansehnliche Entschädigungssummen zu zahlen haben. Jedenfalls aber ist die Art verwerflich, wie das betreffende Gesetz durch Regierung und Stände, ohne Consistorium oder Synode, zu Stande gebracht ist, weshalb denn auch zur Wahlfähigkeit und Wählbarkeit nicht einmal die Sacramentsgemeinschaft gefordert ist! — Die erwählten Vorsteher, in deren Collegium der Pfarrer geborener Präses ist, werden an einem Sonntage nach der Predigt eingeführt und müssen vor dem Altare dem Geistlichen Versprechen und Handschlag einer gewissenhaften Amtsführung leisten.

Die zur Ausarbeitung unserer Hannoverschen Kirchenverfassung niedergesetzte Commission, von der ich Dir schon einmal geschrieben zu haben glaube, hat so eben ihre Arbeit vollendet. Sie ist in der letzten Zeit noch verstärkt gewesen z. B. durch Prof. Ehrenfeuchter, Professor des Kirchenrechts, Hermann, Superintendent Saxer aus dem Bremischen u. s. w. Die Resultate liegen noch nicht vor; doch wird behauptet, sie habe in einem durchaus kirchenfreundlichen Sinne gearbeitet und nur so viel nachgegeben, als die Zeit unumgänglich erfordere. Um das Laienpresbyterat werden wir wohl keinenfalls hinwegkommen. Presbyterien und Synoden sollen aber das heilige Predigtamt und die Gewalt des Consistorium möglichst wenig beschränken. — Auch ist die Commission auf den Gedanken der Regierung, für Lutheraner und Reformirte eine gleiche Verfassung vorzuschlagen, nicht eingegangen.

Sehen wir uns nun um in anderen deutschen Landeskirchen, so können wir nicht genug die Gnade Gottes preisen, die uns vor dem Elende sogenannter kirchlicher constituirender Versammlungen, vor ungläubigen Majoritätsbeschlüssen u. s. w. bewahrt hat. So ist in Oldenburg durch eine solche Versammlung, von der zwei Drittel Laien und nur ein Drittel Geistliche waren, völlige Bekenntnißlosigkeit proclamirt. In der östreichischen lutherischen Kirche ist der Pfarrer nicht einmal als solcher Präses des sehr zahlreichen Laienpresbyteriums. In Neuenburg (Neufchatel) in der Schweiz werden die Geistlichen nur auf fünf oder sechs Jahre gewählt und müssen, wenn nach Ablauf dieser Zeit ein Viertel der Gemeinde eine Neuwahl fordert, dieser sich unterziehen. — In Mecklenburg ist eine Separation einer Gemeinde dadurch entstanden, daß das Consistorium einen lichtfreundlichen von der Gemeinde vocirten Candidaten hat durchfallen lassen. Dieser ist durch Laien ordinirt und bedient die Gemeinde, welche ihren Anspruch auf das lutherische Kirchenvermögen nicht fahren lassen will. Alle Schritte des Kirchenregiments dagegen sind an dem Widerstande der Stände gescheitert.

Im südlichen Deutschland gibt es Pfarrer, die über die „Grundrechte des deutschen Volks“ predigen und catechisiren. — Joh. Ronge, der in der Pfalz haus't, hat die Taufe abgeschafft und an deren Stelle die feierliche Ueberreichung eines Blumenstraußes gesetzt; er beeidigt die confirmirte Jugend auf die deutsche Reichsverfassung. Sein Aufenthalt in der Frankfurter Nationalversammlung, deren äußerster Linken er angehörte, scheint ihm fast den Verstand geraubt zu haben. Es sind auch irgendwo schon Fräulein in Presbyterien gewählt u. s. w.

Das mag als Beweis genügen, wie traurig die Zustände der deutschen Kirche im Allgemeinen, aber auch, wie verhältnißmäßig günstig sie noch in unserm theuren, so vielfach gesegneten und unverdient begnadigten Hannoverschen Vaterlande sind. — Von vielen Kanzeln erschallen kräftige und muthige Zeugnisse gegen das Treiben dieser Zeit und rufen doch keinen lauten Widerspruch hervor. Nur L., Superintendent zu H., hat in Folge seiner letzten Himmelfahrtspredigt Anfeindungen zu erdulden gehabt. Man hat ihm von Seiten zweier Vereine, die sich direct durch ihn beleidigt glaubten, bei Androhung von Störung des Gottesdienstes die Kanzel verboten. Der sonst so treffliche und muthige Mann hat leider dadurch sich bewegen lassen, ohne Abschiedspredigt abzureisen.

Kirchliche Nachricht.

Die lieben Leser haben bereits mit unserm lieben Missionar Baierlein, gewiß zu ihrer Freude, Bekanntschaft gemacht*) und mit ihm Leid getragen über die drückende Abgeschlossenheit von aller weiteren kirchlichen Gemeinschaft, in welcher sich derselbe sammt seiner lieben Hausgemeinde und seiner hoffnungsvollen christlich-indianischen Jugend befindet, in Folge welcher das Gemeinlein bisher nur höchst selten die Stärkung durch das heilige Sacrament des Leibes und Blutes unseres HErrn JEsu Christi genießen und diesen seltenen Genuß nur mit bedeutendem Aufwand von Zeit und Geld sich verschaffen konnte. In Erwägung nun, daß Gott der Heilige Geist auch einzelne Familien der Gläubigen mit dem hohen Namen der „Kirche, Gemeine“ (Röm. 16, 5. 1 Cor. 16, 19.) beehrt und daß noch obendrein zu der Hausgemeinde des lieben Missionars eine ganze Schaar, wenn auch noch minderjähriger, doch getaufter Indianerchristen gehört, hat die Synode von Missouri ꝛc. nicht angestanden, auf Begehren Anordnung zu treffen, daß genanntem Herrn Baierlein zu Vollziehung aller kirchlichen Amtshandlungen innerhalb seines Gemeinleins, die heilige Ordination ertheilt werde. Solches ist denn auch am 6ten vorigen Monats zu Bethanien, der betreffenden Missionsstation in Michigan, durch P. Crämer unter Assistenz des P. Gräbner geschehen. Der treue Heiland, welcher die theure Verheißung gegeben hat, daß er, wo zwei oder drei versammelt sind in seinem Namen, mitten unter ihnen sei, ihr Binden und Lösen auf Erden im Himmel gültig sein und ihnen alles widerfahren lassen wolle, warum es ist, das sie zu bitten eins werden (vergl. Matth. 18, 15—20.), wolle diese Verheißung auch in Bethanien recht herrlich erfüllen. Das unsere Bitte zu Ihm, in welcher sich alle lebendige Glieder an Seinem geistlichen Leibe, das ist, alle lebendige Kinder der Kirche, die dieses lesen, mit uns vereinigen wollen.

*) Siehe: „Lutheraner“ V. S. 187.

„Ich bin der HErr, und sonst keiner mehr.“ Jes. 45, 18.

Als einst im Jahre 1609 Kurfürst Johann Georg I. in der Nähe von Crottendorf in Sachsen bei einer Jagd von einem schweren Gewitter ereilt wurde und ein Blitzstrahl dicht neben ihm in eine Tanne fuhr, rief selbiger tiefbewegt aus: „Nur Gott ist HErr!“

Bekanntmachung.

Im Auftrage einer Mehrzahl der Glieder des Verlags-Collegiums bringt hiermit der Unterzeichnete den Mitgliedern der Verlagsgesellschaft zur Nachricht, daß dieselben beschlossen haben, den Druck des Briefes Luthers an die Böhmen einstweilen aufzuschieben, und zunächst den Verlag der Schrift, die Kinder zur Schule zu schicken, zu besorgen.

Ich ergreife diese Gelegenheit zugleich, den lieben Brüdern im Amte und allen Gliedern unsers Verbandes die Sache der Verlagsgesellschaft wiederholt recht dringend ans Herz zu legen, und dieselben zu bitten, sich derselben doch eifriger als bisher anzunehmen. Das Unternehmen kann unter göttlichem Beistande von unermeßlicher Bedeutung für die Kirche Christi werden, und wir möchten daher die lieben Brüder bitten, doch in ihren verschiedenen Wirkungskreisen wenigstens den Versuch zu machen, Theilnahme für die Sache anzuregen. Wollen die Brüder diesen Versuch recht bald machen? Wir wünschen recht sehr, noch vor dem heiligen Christfeste den Verlag der Schrift vom Schulschicken zu bewerkstelligen; wollen die lieben Brüder uns die Ausführung dieses Wunsches durch Einsendung recht vieler Theilnehmer vor besagter Zeit ermöglichen?

Schaumburg, Ill., den 13. Octbr. 1849.

F. A. Hoffmann,

Schreiber des Verlags-Collegiums.

(Eingesandt von P. Fick.)

An unsere Todten, die im HErrn starben.

Ihr habet nun den Lauf vollendet
Und einen guten Kampf gekämpft.
Nun hat sich euer Leid gewendet
Und eure Schmerzen sind gedämpft.
Ihr stehet nun vor Gottes Throne,
Mit weißen Kleidern angethan;
Und auf dem Haupt die Siegeskrone
Schaut ihr den Vater selig an.

Wir aber klagen euch mit Thränen,
Und weinen euch, ihr Lieben, nach;
Da wir nach euch uns herzlich sehnen,
Und unser Schmerz wird täglich wach.
Wie waret ihr so schön geschmücket
Mit Glaub' und Lieb' in Wort und That! —
Ach! daß ihr uns so früh entrücket
Durch Gottes wunderbaren Rath.

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larger congregations up to ten) represents the congregation only in respect of property matters, has the free disposal of any sum under 100 thalers, and has to submit proposals to the consistory regarding larger expenditures. There may not be very much of consequence to object to against the matter itself; in the short time of its existence a beneficial effect has already here and there been shown, for example where, through the negligence of secular church commissioners, capital had been insecurely lent out and where these have had to pay considerable sums in compensation on the motion of the church council. In any case, however, the manner is reprehensible in which the law in question was brought about by government and estates, without consistory or synod, for which reason not even communion in the Sacrament is required for eligibility and the right to vote! — The elected elders, in whose college the pastor is born president, are installed on a Sunday after the sermon and must give the clergyman, before the altar, promise and handshake of a conscientious conduct of office.

The commission appointed for the drafting of our Hanoverian church constitution, of which I believe I have written to you once before, has just completed its work. It was recently reinforced, for example, by Prof. Ehrenfeuchter, professor of church law, Hermann, Superintendent Saxer from the Bremen district, and so forth. The results are not yet before us; yet it is asserted that it has worked in an altogether church-friendly spirit and has yielded only so much as the times unavoidably require. We shall hardly get around the lay presbyterate in any case. Presbyteries and synods, however, are to restrict the holy preaching office and the power of the consistory as little as possible. — The commission also did not enter into the government's idea of proposing an equal constitution for Lutherans and Reformed.

If we now look about in other German state churches, we cannot sufficiently praise the grace of God which has preserved us from the misery of so-called ecclesiastical constituent assemblies, from unbelieving majority resolutions, and so forth. Thus in Oldenburg, by such an assembly, of which two thirds were laymen and only one third clergymen, complete lack of confession has been proclaimed. In the Austrian Lutheran Church the pastor is not even as such president of the very numerous lay presbytery. In Neuenburg (Neufchatel) in Switzerland the clergy are chosen only for five or six years, and if after the lapse of this time a fourth of the congregation demands a new election, they must submit to it. — In Mecklenburg a separation of a congregation has arisen from the fact that the consistory let a candidate who was friendly to the "Friends of Light" and called by the congregation fail the examination. He was ordained by laymen and serves the congregation, which will not let go its claim to the Lutheran church property. All steps of the church government against it have been wrecked on the resistance of the estates.

In southern Germany there are pastors who preach and catechize on the "Fundamental Rights of the German People." — Joh. Ronge, who dwells in the Palatinate, has abolished baptism and put in its place the solemn presentation of a bouquet of flowers; he swears the confirmed youth to the German imperial constitution. His stay in the Frankfurt National Assembly, to whose extreme Left he belonged, seems almost to have robbed him of his understanding. Somewhere young ladies have already been elected to presbyteries, and so forth.

That may suffice as proof of how sad the conditions of the German church are in general, but also of how comparatively favorable they still are in our dear Hanoverian fatherland, so abundantly blessed and so undeservedly graced. — From many pulpits powerful and courageous testimonies resound against the doings of this time, and yet they call forth no loud contradiction. Only L., superintendent at H., has had to endure hostilities as a consequence of his last Ascension Day sermon. Two societies who believed themselves directly offended by him forbade him the pulpit, under threat of disturbance of the divine service. The otherwise so excellent and courageous man has unfortunately let himself be moved by this to depart without a farewell sermon.

Church News.

The dear readers have already made the acquaintance of our dear missionary Baierlein, certainly to their joy,*) and have sorrowed with him over the oppressive isolation from all further church fellowship in which he finds himself together with his dear household congregation and his hopeful Christian Indian youth, in consequence of which the little flock has hitherto only very rarely been able to receive the strengthening of the holy Sacrament of the Body and Blood of our Lord Jesus Christ, and has been able to procure this rare enjoyment only at a considerable expenditure of time and money. In consideration now that God the Holy Ghost honors even single families of the believers with the high name of "church, congregation" (Rom. 16:5, 1 Cor. 16:19), and that moreover a whole company of Indian Christians, though still minors, yet baptized, belongs to the household congregation of the dear missionary, the Synod of Missouri etc. has not hesitated, upon request, to give order that the holy ordination be granted to the said Mr. Baierlein for the performance of all ecclesiastical official acts within his little flock. This has accordingly also been done on the 6th of last month at Bethany, the mission station in question in Michigan, by Pastor Crämer with the assistance of Pastor Gräbner. May the faithful Savior, who has given the precious promise that where two or three are gathered together in His name He is in the midst of them, that their binding and loosing on earth shall be valid in heaven, and that He will let come to pass for them whatever it is that they agree to ask (cf. Matt. 18:15-20), richly fulfil this promise also at Bethany. This is our prayer to Him, in which all living members of His spiritual Body, that is, all living children of the Church who read this, will unite with us.

*) See: "Lutheraner" V. p. 187.

"I am the LORD, and there is none else." Is. 45:18.

When once in the year 1609 Elector Johann Georg I, near Crottendorf in Saxony, was overtaken at a hunt by a heavy thunderstorm, and a flash of lightning struck a fir tree close beside him, he cried out, deeply moved: "God alone is Lord!"

Notice.

On behalf of a majority of the members of the Publishing College, the undersigned hereby informs the members of the Publishing Society that they have resolved to postpone for the time being the printing of Luther's letter to the Bohemians, and first to see to the publication of the tract on sending children to school.

I seize this opportunity at the same time to lay the cause of the Publishing Society once more most urgently on the hearts of the dear brethren in the ministry and of all members of our Synod, and to ask them to take it up more zealously than hitherto. The undertaking can, under God's assistance, become of immeasurable significance for the Church of Christ, and we should therefore like to ask the dear brethren to make at least the attempt, in their various spheres of labor, to awaken interest in the cause. Will the brethren make this attempt very soon? We greatly desire to accomplish the publication of the tract on sending children to school before the holy Christmas feast; will the dear brethren make the carrying out of this wish possible for us by the sending in of very many subscribers before the said time?

Schaumburg, Ill., the 13th of October 1849.

F. A. Hoffmann,

Secretary of the Publishing College.

(Sent in by Pastor Fick.)

To Our Dead, Who Died in the Lord.

You have now finished the race
And fought a good fight.
Now your sorrow is turned
And your pains are stilled.
You stand now before God's throne,
Clothed in white garments;
And on your head the crown of victory,
You behold the Father in blessedness.

But we lament you with tears,
And weep after you, you dear ones;
As we long for you from the heart,
And our grief grows fresh each day.
How beautifully were you adorned
With faith and love in word and deed! —
Ah, that you were so early taken from us
By God's wonderful counsel.