Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 5 › Seite 38

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-10-30, Seite 38

33 34 35 36 37 38 39 40

⤓ Download page image (full resolution)

German transcription AI-corrected against the scan

Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Hoffart 2 · Tod 3 · Werke 30 · Erziehungsmittel

⤓ Download .txt · copy text

38

Was das ungarische Volk anbelangt, so mag der Christ es wohl bemitleiden, aber rechtfertigen darf er's nicht, er würde sonst Revolution, die in Gottes Wort schlechtweg verpönt ist, rechtfertigen müssen. Das Wort des HErrn: ihr sollt nicht widerstreben dem Uebel, ist die Regel für einzelne Personen sowohl, als für ganze Völker, und wer nicht von Amtswegen das Schwert trägt, darf es nicht ergreifen, auch nicht unter dem Vorgeben, ein vorenthaltenes Recht zu suchen, sondern hier gilt es, sich unter Gottes Hand demüthigen und seine Gnade bußfertig zu suchen. Wir wissen wohl, daß wir mit diesen Grundsätzen die gesammte öffentliche Meinung wider uns haben; um so mehr aber werden wir nicht aufhören, unsere Leser zu warnen, sich auch in diesem Stücke der Welt nicht gleich zu stellen.

Der dänische Krieg ist zum großen Verdruß der Schleswig-Holsteiner vorläufig durch einen Waffenstillstand zwischen Preußen und Dänemark beendigt.

Dem König von Preußen scheint es in seinen Bestrebungen, sich an die Spitze eines deutschen Staatenbundes zu stellen, wenigstens soweit gelungen zu sein, daß er jetzt alle nördlichen Staaten mit Ausnahme Oldenburgs auf seiner Seite hat. Ihm gegenüber steht Oesterreich mit Bayern und Würtemberg, und es werden Verhandlungen gepflogen, um eine friedliche Vereinbarung dieses nördlichen und südlichen Bundes herbeizuführen. In Kurzem soll ein Fürstencongreß gehalten werden, der die deutsche Frage zu einem endlichen Abschluß bringen soll.

Wenn Gerüchten zu glauben ist, so zieht sich jetzt über die Schweiz ein gefährliches Gewitter zusammen. Die großen Herren sollen es auf nichts geringeres abgesehen haben, als auf eine Zerstückelung und Vertheilung der Schweiz unter sich, um so den Herd republikanischer Ideen und den Schlupfwinkel der deutschen Republikaner im Angesicht Europas zu vertilgen.

Ein Testament.

(Siehe: Sonntagsblatt 1840, No. 41.)

„Es war ein Bürger geplagt mit einer eigensinnigen und stolzen Frau, die nicht fürlieb nehmen wollte mit dem, was ihr der Mann nach seinem Vermögen gab, sondern hoch herfahren und den Reichsten gleich sein wollte. Der arme Mann wollte die Frau nicht erzürnen, ließ sein Handwerk, ward ein Kaufmann und brachte groß Geld und Gut mit Wucher und Betrug zusammen. Nun lebte er mit seiner Frau in täglicher Freude, Wollust und Kurzweil. Endlich pochte Gott an, der Mann ward todtkrank. Die Frau und seine Freunde vermahnten ihn, ein Testament zu machen. Er sprach aber, er hätte sein Testament schon gemacht. Sie ließen aber nicht ab. Da willigte er ein und hub an vor Notarien und Zeugen: „Zum ersten bescheid ich zum Testament meinen Leib und meine Seele dem Teufel und allen höllischen Geistern ewiglich, mit ihnen im Abgrund der Höllen zu brennen. Denen gehört sie.“ Die Frau sprach: „Ei, Mann, seid Ihr thöricht? Wie redet Ihr also? Denkt' an den allmächtigen Gott!“ Er sprach: „Ich bin nicht thöricht. Wie ich gesagt habe, so muß es geschehen. Da wird nichts Anders draus. Wem sollt' ich mich billiger befehlen, denn dem ich gedient habe? Im Leben hab' ich mit Gott nichts zu thun gehabt.“ Die Frau sprach: „Was wollt Ihr denn mit-mir machen?“ Da antwortete er: „Du sollst mit mir brennen im höllischen Feuer ewiglich.“ Die Frau schlug das Kreuz und sprach: „Da behüte mich Gott vor.“ Antwortet er: „Was Gott? Gott hat mit dir nichts zu schaffen. Du bist eine Ursache gewesen, daß ich mich dem Teufel um Geldes willen ergeben habe. Ich konnte dich nie mit Schmuck und Kleidung sättigen und deiner Hoffahrt genug thun, mußte mein ehrlich Handwerk lassen und ein Kaufmann werden, die Leute betrügen und übervortheilen in Worten und Werken, Gewicht, Maaß und Elle. Darum sollst du mit mir Theil haben im ewigen Feuer. Da wird nichts Anderes draus.“ — Sein Beichtvater, den er täglich über Tisch hatte, fragte ihn auch, was er haben sollte zum Testamente? Da antwortete er: „Ihr sollt auch mit mir das Brod der ewigen Trübsal essen im Abgrund der Hölle.“ Er sprach: „Da sei Gott für.“ Da antwortete er: „Da hilft kein Segen noch Hüten davor! Ihr seid in meinem Brod gewesen und habt täglich meinen bösen, unchristlichen Handel gesehen und erkannt, und habt mich nie darum gestraft, weder heimlich noch offenbar; sondern Ihr habt geschwiegen und gefürchtet, ich würde Euch meines guten Tisches entsetzen. Ihr liebtet also Fresserei mehr denn Gottes Gebot, und Wollust mehr, denn die arme Seele, die Ihr hättet mögen durch gute Vermahnung aus dem Rachen des Teufels erretten. Darum sollt Ihr auch nimmermehr in Ewigkeit von meinem Tische geschieden sein, sondern ewiglich mit mir essen im Abgrund der Höllen. Da wird nichts Anderes draus. Eine solche Arbeit will solchen Lohn haben.“

Diese Geschichte ist nicht erdichtet. Es erzählen sie glaubhafte Männer: Johannes Anglicus, Johannes Spangenberg im Ehespiegel und Thomas Rorer von Pruck. Lasset euch warnen, ihr Töchter Hevä! Ihr Söhne Adams, laßt euch warnen! Ihr Seelsorger, — ach, solltet auch ihr der Warnung bedürfen, — die ihr sein sollt ein Salz der Erde! — HErr, entbinde deine Christenheit von ihren Lastern! beteten unsere Väter! Knieet nieder und betet gleich also!

Erzählt von Löhe.

„Dem aber, der nicht mit Werken umgehet, glaubet aber an den, der die Gottlosen gerecht macht, dem wird sein Glaube gerechnet zur Gerechtigkeit.“ Röm. 4, 5.

St. Bernhard, Abt von Clairvaux, gestorben 1153, gab sich die äußerste Mühe, alle Mönche an Frömmigkeit zu übertreffen, und als er es dahin gebracht zu haben vermeinte, setzte er sein Vertrauen auf diese seine Frömmigkeit. Er schreibt daher, einst sei ihm gewesen, als werde er vor Gottes Richterstuhl citirt und daselbst angeklagt als ein grober Uebertreter des göttlichen Gesetzes. Da habe er geantwortet: „Ich habe gethan, so viel ich konnte.“ Aber der Satan habe ihm entgegnet: „Du hättest alles thun sollen. Verflucht ist, wer nicht alle Worte dieses Gesetzes erfüllet, daß er darnach thue.“ 5 Mos. 27, 26. Da du nun dies nicht gethan hast, so hast du Gottes Zorn verdient.“ Hier rief Bernhard, in sich zurückkehrend, aus: „Wehe mir, ich habe verdammlich gelebt!“ Worauf Satan erwiederte: „So hat Gott Ruthen und Strafen, womit er dir vergelten will.“ Bernhard: „Ach, gütiger Gott, zerstoße, brenne, schneide hier, schone nur in der Ewigkeit.“ Wieder rief der Satan: „Sowohl hier wie dort ist die Strafe zu tragen.“ Hier hielt nun Bernhard lange inne und sprach endlich, auf Christum sich berufend: „Mein Christus besitzt das Himmelreich nach einem zwiefachen Rechte; erstlich als wahrer Gott nach dem Rechte seiner ewigen Geburt, und zweitens als wahrer Mensch nach dem Rechte seiner Erlösung. Das erste Recht überlasse ich ihm, von dem anderen aber weiß ich, daß er dasselbe mit mir und allen Gläubigen theilen will.“ Und so wand sich Bernhard aus seiner Anfechtung heraus.

O, lieber Leser, der du selig werden willst, merke dir dieses Beispiel des heiligen Bernhardus; lerne, wie er, an allen deinen, auch besten, Werken verzagen und des Bettlerrechtes dich bedienen, und eigne dir durch den Glauben die Gerechtigkeit zu, die Christus nicht sich, sondern uns Menschen erworben hat! Dies und kein anderer ist der Weg, auf welchem du selig werden kannst.

(Eingesandt von P. Sievers.)

Mittheilungen aus einem Briefe meines Freundes vom 10. Juni dieses Jahres.

Die Verhältnisse Deutschlands haben sich seit unserm letzten Briefwechsel um nichts gebessert; es kann auch wohl nicht anders sein, als daß die Saat des Unrechts, die im Anfange der Revolution selbst durch die gemäßigten, von der Nation gefeierten, Männer, wie H. v. Gagern, Dahlmann, Uhland u. s. w. ausgestreut ist, noch eine reiche Ernte des Verderbens bringen wird.

Unumstößlich klar muß es aber besonders in jetziger Zeit durch das Beispiel der genannten Männer und vieler anderer werden, wie mit einer bürgerlichen Rechtschaffenheit nicht einmal durch diese Welt, geschweige denn in den Himmel zu kommen ist. —

Die politischen Zustände übergehe ich mit Stillschweigen, zumal da sie Dir doch durch die Zeitungen bekannt sein werden; nicht überflüssig dagegen möchte es sein, einiger kirchlichen Neuerungen zu gedenken. Bislang ist die einzige Frucht der Revolution für unsere hannoverische Landeskirche, die schon in das praktische Leben eingeführt ist, das Institut des Kirchenvorstands gewesen. Dieser, bestehend aus dem oder den Ortspfarrern und mehreren von der Gemeinde frei gewählten Laien (wenigstens vier, in

English translation AI translation

⤓ Download .txt · copy text

38

As for the Hungarian people, the Christian may well pity them, but he may not justify them; otherwise he would have to justify revolution, which is flatly forbidden in God's Word. The word of the Lord, "Resist not evil," is the rule for individual persons as well as for whole nations, and he who does not bear the sword by virtue of office may not take it up, not even under the pretext of seeking a withheld right; but here it is a matter of humbling oneself under God's hand and seeking His grace with repentance. We know well that with these principles we have the whole public opinion against us; but so much the more shall we not cease to warn our readers not to conform themselves to the world also in this respect.

The Danish war has been brought to a provisional end by an armistice between Prussia and Denmark, to the great vexation of the Schleswig-Holsteiners.

The King of Prussia seems to have succeeded in his endeavors to place himself at the head of a German confederation at least so far that he now has all the northern states, with the exception of Oldenburg, on his side. Over against him stands Austria with Bavaria and Würtemberg, and negotiations are being carried on in order to bring about a peaceful agreement between this northern and southern league. In a short time a congress of princes is to be held, which is to bring the German question to a final conclusion.

If rumors are to be believed, a dangerous storm is now gathering over Switzerland. The great lords are said to have in view nothing less than a dismemberment and partition of Switzerland among themselves, in order thus to destroy the hearth of republican ideas and the hiding-place of the German republicans in the sight of Europe.

A Testament.

(See: Sonntagsblatt 1840, No. 41.)

"There was a citizen plagued with a self-willed and proud wife, who would not be content with what her husband gave her according to his means, but wished to go high and to be equal to the richest. The poor man did not wish to anger his wife, left his trade, became a merchant, and heaped together great money and goods by usury and fraud. Now he lived with his wife in daily joy, pleasure, and pastime. At last God knocked at the door, and the man fell mortally sick. His wife and his friends admonished him to make a testament. But he said he had made his testament already. They did not let up, however. Then he consented and began before notaries and witnesses: 'In the first place I bequeath by testament my body and my soul to the devil and all hellish spirits forever, to burn with them in the abyss of hell. They own it.' The wife said: 'Ah, husband, are you foolish? How do you talk so? Think of Almighty God!' He said: 'I am not foolish. As I have said, so it must be. Nothing else will come of it. To whom should I more fitly commend myself than to him whom I have served? In my life I have had nothing to do with God.' The wife said: 'What will you then do with me?' Then he answered: 'You shall burn with me in hellish fire forever.' The wife crossed herself and said: 'God keep me from that.' He answered: 'What, God? God has nothing to do with you. You have been a cause that I gave myself to the devil for money's sake. I could never satisfy you with finery and clothing and do enough for your pride, I had to leave my honest trade and become a merchant, to cheat people and overreach them in words and works, weight, measure, and ell. Therefore you shall have part with me in the eternal fire. Nothing else will come of it.' — His father confessor, whom he had daily at table, also asked him what he would have for his testament. Then he answered: 'You shall also eat with me the bread of eternal tribulation in the abyss of hell.' He said: 'God forbid.' Then he answered: 'No blessing or guarding helps against it! You have been in my bread and have daily seen and known my wicked, unchristian trade, and have never reproved me for it, neither secretly nor openly; but you kept silent and feared that I would deprive you of my good table. You loved gluttony more than God's commandment, and pleasure more than the poor soul which you might have rescued out of the devil's jaws by good admonition. Therefore you shall also nevermore in eternity be parted from my table, but shall eat with me forever in the abyss of hell. Nothing else will come of it. Such work wants such wages.'"

This story is not invented. Credible men relate it: Johannes Anglicus, Johannes Spangenberg in the Ehespiegel, and Thomas Rorer of Pruck. Let yourselves be warned, you daughters of Eve! You sons of Adam, let yourselves be warned! You pastors of souls, ah, should you also need the warning, you who are to be the salt of the earth! "Lord, deliver Thy Christendom from its vices!" so prayed our fathers! Kneel down and pray the same!

Related by Löhe.

"But to him that worketh not, but believeth on him that justifieth the ungodly, his faith is counted for righteousness." Rom. 4:5.

St. Bernard, abbot of Clairvaux, who died in 1153, took the utmost pains to surpass all monks in piety, and when he supposed he had succeeded in it, he put his trust in this his piety. He writes, therefore, that once it seemed to him as if he were cited before God's judgment seat and there accused as a gross transgressor of the divine law. Then, he says, he answered: "I have done as much as I could." But Satan replied to him: "You should have done all. Cursed be he that confirmeth not all the words of this law to do them." Deut. 27:26. Since you have not done this, you have deserved God's wrath." Here Bernard, returning into himself, cried out: "Woe is me, I have lived damnably!" Whereupon Satan answered: "Then God has rods and punishments with which He will requite you." Bernard: "Ah, gracious God, crush, burn, cut here, only spare in eternity." Again Satan cried: "The punishment is to be borne both here and there." Here Bernard now paused for a long time and said at last, appealing to Christ: "My Christ possesses the kingdom of heaven by a twofold right: first as true God by the right of His eternal birth, and secondly as true man by the right of His redemption. The first right I leave to Him, but of the other I know that He will share it with me and all believers." And so Bernard wound his way out of his temptation.

O dear reader, who wouldst be saved, mark this example of the holy Bernard; learn, like him, to despair of all thy works, even the best, and to avail thyself of the beggar's right, and appropriate to thyself by faith the righteousness which Christ has obtained not for Himself, but for us men! This and no other is the way in which thou canst be saved.

(Sent in by Pastor Sievers.)

Communications from a Letter of My Friend of the 10th of June of this Year.

The conditions of Germany have improved in nothing since our last correspondence; nor can it well be otherwise than that the seed of injustice, which at the beginning of the revolution was sown even by the moderate men celebrated by the nation, such as H. v. Gagern, Dahlmann, Uhland, and so forth, will yet bring a rich harvest of destruction.

But it must become irrefutably clear, especially in the present time, by the example of the men named and of many others, that with a civic uprightness one cannot get even through this world, to say nothing of coming into heaven. —

The political conditions I pass over in silence, especially since they will be known to you through the newspapers; but it might not be superfluous to mention some ecclesiastical innovations. Hitherto the only fruit of the revolution for our Hanoverian state church that has already been introduced into practical life has been the institution of the church council. This, consisting of the parish pastor or pastors and several laymen freely chosen by the congregation (at least four, in