Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 19 › Seite 146

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-05-14, Seite 146

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gläubige, treue und verständige Hausfrau und Gehülfin. Von seinen in dieser Ehe erzeugten fünf Kindern starben zwei frühzeitig, zwei Söhne und eine Tochter haben ihn überlebt und werden, wie wir zu Gott hoffen, ihres seligen Vaters Gedächtniß unter uns erhalten helfen. Die ersten sieben bis acht Jahre seiner Amtsführung arbeitete der liebe Löber, wie damals und wohl noch jetzt viele andere, jüngere gläubige Prediger in einem minder hellen Licht der evangelischen Erkenntniß. Der weiterschallende Wächterruf des ehrwürdigen Harms in seinen 95 Thesen zum Jubeljahr 1817, frühe Bekanntschaft mit Dr. Luther's Schriften, die Anregung des neuen Jubeljahres 1830, zu welchem er eine Denkschrift der Augsburgischen Confession im Druck herausgab, nach der Anzeige der Berliner Kirchenzeitung „eine lebensvolle Stimme auch aus dem Altenburgischen, wo sonst der geistliche Tod herrscht"; all' diese Weckstimmen hatten ihn zwar schon hingebracht auf die Bahn zu dem Kleinod der reinen evangelischen Lehre; noch waren aber die Einwirkungen des Pietismus, Herrnhutismus und des falschen Unionsgeistes, die alle bei dem ersten neuen Erwachen zum geistlichen Leben von ihm ohne sein Wissen mit aufgenommen worden waren, in ihrem Widerspruch gegen das reine Evangelium von ihm noch nicht sattsam erkannt und wieder ausgetilgt worden. Diese zweite Läuterung, die Abkehr auch von dem feineren Unglauben, bewirkte der treue Gott in unserm Löber durch das lebendige und kräftige Zeugniß jüngerer Freunde, die sich an den Pastor Stephan zu Dresden angeschlossen hatten, und durch die Bekanntschaft mit Stephan selbst. Er konnte der Kraft der Wahrheit nicht lange widerstehen, prüfte, betete, forschte, und als ihm das hellere Licht nun auch aufgegangen war, that er ab, was demselben ihm nicht gemäß erschien in Lehre und Leben. Zwar hatte auch er in der Person Stephans sich in so fern geirrt, daß er ihn mit allen Anhängern desselben für das einzig hellste und letzte Licht in dieser Weltzeit hielt, und daher auch dessen falsche Lehren über die Gewalt des Predigtamts auch in weltlichen Dingen und über die Kirche, die als sichtbare nur auf Stephans Umgebung beschränkt wurde, zugleich mit angenommen, aber es war doch auch ein Fortschritt in der Erkenntniß der Wahrheit in ihm bewirkt worden. In Folge dieses Anschlusses an Stephan wanderte er, durch irrendes Gewissen gebunden, ohne Entlassung sein Amt aufgebend, im Herbst des Jahres 1838 mit aus, gelangte durch Gottes allmächtige Beschützung gesund und wohlbehalten durch die heiße Zone über das weite atlantische Weltmeer nach New Orleans, zum Staunen und Entsetzen seiner zurückgebliebenen Freunde und Verwandten, und kam im Januar 1839 ebenso wohlbewahrt in St. Louis an. Im Mai desselben Jahres wurden in Folge seiner Predigt am Sonntag Rogate ihm zuerst durch freiwillige Geständnisse die Augen über Stephan geöffnet. Nun begann eine neue Läuterung, die mehrere Jahre hindurch dauerte. Die mannigfache leibliche Trübsal, die er in der Zeit des ersten Anbaus mit zu erdulden hatte, schwere Krankheiten, der Tod seiner Schwester und mancher anderen mit ihm ausgewanderten Freunde und Kirchkinder, dazu die innerlichen Sichtungen und Kämpfe in den neuen Gemeinden in Perry County, welche die gänzliche Ausfegung des Stephanistischen Sauerteiges mit sich brachte, vollendete diese Läuterung, und sie zeigte sich bald in edeln Früchten. Als er die Sünde seiner Amtsverlassung wohl erkannt, legte er sein Predigtamt zu Altenburg vor dem HErrn in die Hände der Gemeinde nieder, durch die es ihm aber der HErr sogleich wieder übertrug. Seinen vormaligen Landesherrn bat er schriftlich um Verzeihung und erhielt sie alsbald in den wohlwollendsten Ausdrücken. Von den drei Irrwegen des Stephanismus, falscher Lehre vom Predigtamt und von der Kirche, so wie von dem unter Stephans Regiment zur Praxis gewordenen falschen Verstand der evangelischen Freiheit, sagte er sich in einer besonderen Schrift los, die er auch, von den andern Amtsbrüdern unterzeichnet, an die christlichen Freunde nach Deutschland sandte. So war er auserwählt gemacht worden im Ofen des Elends, Jes. 48, 10., durch Feuer und Wasser gekommen, wurde aber auch wieder von der Hand des HErrn ausgeführt und erquickt. Ps. 66.

Nun fing der HErr auch wieder an, durch ihn zu bauen und zu pflanzen. Fleißig und treulich unterrichtete er in Gemeinschaft mit seinem freiwilligen Gehülfen, Herrn Brohm, jetzt Pastor zu New York, und nach dessen Abgang mit Herrn Rector Gönner, so wie mit dem Pastor Keyl zu Frohna, Herrn Schullehrer Winter und Herrn Nitschke, die wenigen Zöglinge des auch durch seine Mitwirkung gegründeten Predigerseminars zu Altenburg, und übernahm darin den Unterricht in Exegese, Dogmatik, Homiletik, Pastoraltheologie, Logik, Psychologie, deutscher Sprache, Aesthetik und Rhetorik, Geographie und Weltgeschichte, ja selbst im Zeichnen. Die lutherische Gemeinde zu St. Louis, diese seine vielfache ohne alle bestimmte Besoldung geleistete Arbeit anerkennend, sprach solches durch Geschenke des Danks und Beilegung des Professortitels aus. Nach Abberufung der Pastoren Walther, Bürger und Keyl aus Perry County hatte er auch die Gemeinde zu Dresden, Selitz, Frohna und Wittenberg zu seiner Pflege überkommen. Er erlebte die Freude, zwei von seinen Zöglingen, die Pastoren Biltz und Müller, in das Predigtamt eintreten zu sehen; seinen ältern Sohn hörte er das Jahr vor seinem Tode nicht nur predigen, sondern sah ihn auch zu seinem Gehülfen von der Gemeinde Frohna schon bestimmt; auch seinen jüngern Sohn sah er unter seinem und der Gehülfen Unterricht zu seiner Freude heranwachsen. Drei Jahre nach einander half er durch Uebernahme weiter und kostspieliger Reisen und Theilnahme an den Berathungen den Synodalverband der lutherischen Kirche im Westen der Vereinigten Staaten einleiten, gründen und befestigen, und diente so mit seinen Gaben nun auch in weitern Kreisen. Im August des Jahres 1847 wurde in seinem gastfreundlichen Hause die erste allgemeine Predigerconferenz gehalten, die allen, welche daran Theil genommen, in unvergeßlicher Erinnerung bleiben wird. Bei der Synodalversammlung zu St. Louis im Jahr 1848 hielt er eine treffliche Predigt über die Seelsorge, die bereits im „Lutheraner" mitgetheilt worden.

Als nun der Selige sein fünfzigstes Lebensjahr zurückgelegt, spürte er die allmähliche Abnahme seiner Leibeskräfte und wünschte der schweren Arbeit am Seminar enthoben zu sein, um sein Hirtenamt in den Gemeinden besser abwarten zu können. Tief erschütterten und bewegten ihn auch die Ausbrüche der allgemeinen Revolution in Europa im Jahr 1848, so wie die Nachricht von dem dadurch veranlaßten Tode seines ältern Bruders. Dagegen schenkte ihm der treue Gott eine hohe Freude in demselben Jahr, da er seine einzige geliebte Tochter zum ehelichen Bunde mit dem Cantor der lutherischen Gemeinde zu St. Louis, Herrn Theodor Bünger, in seiner drei Jahre vorher eingeweihten räumlichen und schönen Kirche zu Altenburg öffentlich einsegnete. Im Mai des Jahres 1849 übernahm er in Gemeinschaft mit dem Schreiber dieses die Ordination des ihm so bald vorausgegangenen Amtsbruders, des seligen Buttermann, zu Chester. Ach, es war die letzte Reise, die wir zusammen machten! Bald nach seiner Rückkehr brach die Cholera auch in Frohna und Altenburg aus. Da floh er nicht wie ein Miethling, sondern verzehrte seine Kräfte bei heißer Jahreszeit im Besuchen der Kranken und Sterbenden und redete einmal über das andere an dem Grabe Worte des Trostes und der Ermahnung. —

Nachdem so der Herr der Kirche all seinen Dienst durch ihn ausgerichtet, dazu er ihn begabt und berufen; nachdem Er in Deutschland in einigen hohen Familien durch ihn einige seiner Lämmer geweidet und ein kräftiges Zeugniß der Wahrheit hatte ablegen lassen; nachdem Er im Herzogthum Altenburg, in dem Lande, da seiner Väter Gebeine ruhen, in diesem vormaligen Erbland Friedrichs des Weisen, Johanns des Beständigen, Johann Friedrichs des Großmüthigen, und Ernsts des Frommen, auch durch sein Bekenntniß in Predigt und Wandel vierzehn Jahre hindurch das Licht des Evangeliums noch einmal hatte leuchten lassen; nachdem in der ganzen neuauflebenden lutherischen Kirche Deutschlands viele Seelen durch ihn mündlich und schriftlich berathen, belehrt, gewarnt und getröstet worden waren; nachdem Er ihn auf Adlersflügeln über das wilde weite Meer getragen und in der Urwalds-Wüste dieses fernen Abendlandes Seine Kirche auch durch unsern Löber hatte pflanzen und bauen lassen: nun wollte ihm der HErr Ruhe geben von seiner Arbeit.

Mitten in seinem heißen Tagewerk überfiel ihn am 1. August die letzte Krankheit, ein Brustfieber, das bald in ein tödtliches Nervenfieber überging. Seine letzte Predigt, gleich der Abschiedsrede des heiligen Paulus Apostelgesch. 20., war über das Evangelium von den falschen Propheten. Sein letztes Examen hielt er über den Abendsegen, gleich als hätte er sich selbst zum seligen Entschlafen

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believing, faithful and sensible housewife and helpmeet. Of the five children born to him in this marriage two died early; two sons and a daughter survived him and will, as we hope of God, help to preserve their blessed father's memory among us. For the first seven or eight years of his ministry the dear Löber labored, as at that time, and probably still now, many other younger believing preachers do, in a less bright light of evangelical knowledge. The far-sounding watchman's call of the venerable Harms in his 95 Theses for the jubilee year 1817, early acquaintance with Dr. Luther's writings, the stimulus of the new jubilee year 1830, for which he published in print a memorial of the Augsburg Confession, according to the notice of the Berliner Kirchenzeitung "a lively voice even from the Altenburg region, where otherwise spiritual death reigns"; all these voices of awakening had indeed already brought him onto the path to the jewel of the pure evangelical doctrine; yet the influences of Pietism, Herrnhutism, and the false spirit of Union, all of which at his first new awakening to spiritual life had been taken up by him without his knowing it, had not yet been sufficiently recognized by him in their contradiction to the pure Gospel and been eradicated again. This second purification, the turning away also from the subtler unbelief, was wrought by faithful God in our Löber through the living and powerful testimony of younger friends who had attached themselves to Pastor Stephan at Dresden, and through acquaintance with Stephan himself. He could not long resist the power of the truth; he examined, prayed, searched, and when the brighter light had now also dawned upon him, he put away what appeared to him not in accord with it in doctrine and life. To be sure, he too had erred in the person of Stephan, in so far as he took him, with all his adherents, for the one brightest and last light in this age of the world, and therefore also accepted at the same time his false doctrines concerning the power of the ministry even in worldly matters and concerning the Church, which as a visible one was confined to Stephan's surroundings; but nevertheless a progress in the knowledge of the truth had also been wrought in him. In consequence of this attachment to Stephan he emigrated with them, bound by an erring conscience, resigning his office without dismissal, in the autumn of the year 1838, arrived, by God's almighty protection, safe and sound through the torrid zone, over the wide Atlantic Ocean to New Orleans, to the astonishment and horror of his friends and relatives left behind, and arrived equally well preserved in St. Louis in January 1839. In May of the same year, in consequence of his sermon on Sunday Rogate, his eyes were first opened about Stephan by voluntary confessions. Now began a new purification, which lasted for several years. The manifold bodily affliction which he had to endure in the time of the first settlement, severe illnesses, the death of his sister and of many other friends and parishioners who had emigrated with him, in addition the inward siftings and struggles in the new congregations in Perry County, which brought with them the complete sweeping out of the Stephanistic leaven, completed this purification, and it soon showed itself in noble fruits. When he had well recognized the sin of his abandonment of office, he laid his ministry at Altenburg before the LORD into the hands of the congregation, through which, however, the LORD at once conferred it upon him again. He asked his former sovereign for forgiveness in writing and soon received it in the most benevolent terms. From the three errors of Stephanism, a false doctrine of the ministry and of the Church, as well as the false understanding of evangelical liberty which had become practice under Stephan's rule, he renounced them in a special writing, which he also sent, signed by the other brethren in the ministry, to the Christian friends in Germany. Thus he had been made elect in the furnace of affliction, Is. 48, 10., had come through fire and water, but was also brought out again and refreshed by the hand of the LORD. Ps. 66.

Now the LORD began again to build and to plant through him. Diligently and faithfully he taught, in company with his voluntary assistant, Mr. Brohm, now pastor at New York, and after his departure with Mr. Rector Gönner, as also with Pastor Keyl at Frohna, Mr. Schoolteacher Winter and Mr. Nitschke, the few pupils of the preachers' seminary at Altenburg, which was founded also through his cooperation, and undertook therein the instruction in exegesis, dogmatics, homiletics, pastoral theology, logic, psychology, the German language, aesthetics and rhetoric, geography and world history, even in drawing. The Lutheran congregation at St. Louis, acknowledging this his manifold labor performed without any fixed salary, expressed this by gifts of thanks and the bestowal of the title of Professor. After the departure of Pastors Walther, Bürger and Keyl from Perry County he had also taken over the care of the congregations at Dresden, Selitz, Frohna and Wittenberg. He lived to see the joy of seeing two of his pupils, Pastors Biltz and Müller, enter the ministry; his elder son he heard in the year before his death not only preach, but saw him also already designated by the congregation of Frohna as his assistant; his younger son also he saw growing up to his joy under his own instruction and that of the assistants. For three years in succession he helped, by undertaking distant and costly journeys and taking part in the deliberations, to initiate, found and strengthen the synodical union of the Lutheran Church in the West of the United States, and thus served with his gifts now also in wider circles. In August of the year 1847 the first general preachers' conference was held in his hospitable house, which will remain in unforgettable remembrance with all who took part in it. At the synodical assembly at St. Louis in the year 1848 he delivered an excellent sermon on the care of souls, which has already been communicated in the "Lutheraner."

When the blessed man had now completed his fiftieth year, he felt the gradual decline of his bodily strength and wished to be relieved of the heavy work at the seminary, in order to be able to attend better to his pastoral office in the congregations. He was also deeply shaken and moved by the outbreaks of the general revolution in Europe in the year 1848, as well as by the news of the death of his elder brother occasioned by it. On the other hand, faithful God granted him a great joy in the same year, when he publicly blessed his only beloved daughter in holy matrimony with the cantor of the Lutheran congregation at St. Louis, Mr. Theodor Bünger, in his spacious and beautiful church at Altenburg, consecrated three years before. In May of the year 1849 he undertook, in company with the writer of this, the ordination of his brother in the ministry who preceded him so soon, the blessed Buttermann, at Chester. Ah, it was the last journey that we made together! Soon after his return the cholera broke out also in Frohna and Altenburg. He did not flee then like a hireling, but spent his strength in the hot season in visiting the sick and dying, and spoke over and over again at the grave words of comfort and exhortation. —

After the Lord of the Church had thus accomplished through him all the service for which He had endowed and called him; after He had, in Germany, in some high families, through him pastured some of His lambs and had let a powerful testimony of the truth be given; after He had, in the Duchy of Altenburg, in the land where the bones of his fathers rest, in this former hereditary land of Frederick the Wise, John the Steadfast, John Frederick the Magnanimous, and Ernest the Pious, let the light of the Gospel shine once more for fourteen years also through his confession in preaching and walk; after in the whole newly reviving Lutheran Church of Germany many souls had been counseled, instructed, warned and comforted by him orally and in writing; after He had borne him on eagles' wings over the wild wide sea and had let His Church be planted and built in the primeval forest wilderness of this distant West also through our Löber: now the LORD willed to give him rest from his labor.

In the midst of his hot day's work the last illness overtook him on the 1st of August, a chest fever, which soon passed into a mortal nervous fever. His last sermon, like the farewell address of the holy Paul, Acts 20., was on the Gospel of the false prophets. His last examination he held on the evening blessing, as if he had himself for a blessed falling asleep