Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 16 › Seite 121
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-04-01, Seite 121
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Der Lutheraner.
„Gottes Wort und Luthers Lehr' vergeht nun und nimmermehr." (Offenb. Joh. Cap. 14 v. 6, 7.)
Herausgegeben von der Deutschen Ev. Luther. Synode von Missouri, Ohio und andern Staaten.
Redigirt von C. F. W. Walther.
Jahrg. 7. St. Louis, Mo., den 1. April 1851. No. 16.
Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subscriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterschreiber, welche denselben voraus bezahlen und das Postgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne No. für 5 Cents verkauft.
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Die Lehre von der heil. Dreieinigkeit und der Person Christi
dargelegt von Dr. M. Luther.
Zu den Zeichen der Zeit, welche ein Christ [unleserlich] mit Entsetzen beobachtet, gehört ohne Zweifel vor allem der grauenhafte Unglaube, der gegenwärtig in die sogenannte Christenheit wie ein alles überfluthendes Weltmeer eingedrungen ist. Der Unglaube hat in unsern Tagen offenbar eine Allgemeinheit und eine Höhe unter den getauften Christen erreicht, wie noch nie, so lange es Christen gibt. Ja, — wer kann es leugnen? — Die Christenheit ist jetzt tiefer gesunken, als selbst je das Heidenthum. Ganze Schaaren im Schooße der christlichen Kirche Ge[unleserlich]ner bekennen es jetzt mündlich und schriftlich ohne Scham und Scheu: „Es ist kein Gott!" während einst das blinde Heidenvolk von den Gottesleugnern, als von verruchten, verzweifelten Menschen, mit Abscheu sich ab[unleserlich], jauchzt ihnen das sogenannte Christenthum unserer Tage vielfach als seinen Stimmführern und Lieblingen zu. So mancher Christ jetzt in unsern Tagen noch vor diesem Abgrunde des Unglaubens, dem Atheismus, zuruckschauert, so gehört doch zu den gegenwärtigen Zeichen der Zeit auch dies: daß nicht nur überhaupt die [unleserlich] Partheien in der Christenheit gerade gegen die wichtigsten Lehren des Christenthums, welche die Christenheit aller Jahrhunderte als die höchsten Kleinodien der göttlichen Offenbarung festgehalten und bekannt hat, gleichgültig sind, als sei nicht viel daran gelegen; sondern daß selbst viele solche Partheien, welche einen besondern Schein der Heiligkeit um sich zu verbreiten trachten und durchaus fur echt christlich gelten wollen, jene Hauptstucke der christlichen Religion leugnen und bekämpfen. Eine solche Grundlehre ist unter andern die Lehre von der hochheiligen Dreieinigkeit. Mit Schrecken haben wir uns in neuester Zeit mehrfach davon überzeugen mussen, daß z. B. deutsche Baptisten (Wiedertäufer) das Geheimniß der heil. Dreifaltigkeit so frech ableugnen und verhöhnen, wie es sonst nur der verstockteste Jude oder der roheste Rationalist that. Mit Schrecken haben wir sehen mussen, daß seit kurzem selbst die unchristliche Swedenborgische Sekte unter unseren hiesigen Deutschen Proselyten zu machen nicht ohne Erfolg versucht hat und daß sich selbst solche in diese Sekte haben ziehen lassen, welche seiner Zeit nicht ohne alle Erfahrungen von der Kraft des Wortes geblieben waren. Mit Schrecken haben wir neuerdings erfahren müssen, daß selbst sogenannte „Gläubige" so abgestumpft sind, daß sie selbst vor der offenbaren Leugnung des ersten Glaubensartikels der ganzen christlichen Kirche aller Zeiten und Orten nicht zurückbeben, sondern schon von dem geringsten Scheine der allerarmseligsten Heilig- und Erleuchtetthuerei sich täuschen und um allen Glaubensgrund und so um Seel' und Seligkeit sich bringen lassen. Der ärgste Wolf, der frank und frei mit den seelenmörderischen Klauen des offenbarsten Unglaubens daher tritt, wenn er sich nur mit einigen Lappen von dem Schaafspelz der Frommthuerei behängt, bekommt jetzt ohne Mühe bald ein Heerdlein Schafe unter den sogenannten „Gläubigen", an denen er seinen Durst nach Seelenblut in aller Ruhe stillen kann. Gott! welch ein Gericht uber eine undankbare Christenheit, die die Zeit ihrer Heimsuchung nicht erkannt hat! „Dafur, daß sie die Liebe zur Wahrheit nicht haben angenommen, daß sie selig würden. Darum hat ihnen Gott kräftige Irrthümer gesendet, daß sie glauben der Luge; auf daß gerichtet werden alle, die der Wahrheit nicht glauben, sondern haben Lust an der Ungerechtigkeit." 2 Thess. 2, 10. 11.
Da es nun nöthig ist, sich gerade vor die Theile der Mauer und des Grundes zu stellen, wo der Feind durchbrechen will, so gedenken wir in einigen Abschnitten ein köstliches Zeugniß Luthers, von der hochheiligen Dreieinigkeit und der Person Jesu Christi unsern lieben Lesern mitzutheilen. Wir thun dies auch darum, weil wir die Erfahrung gemacht haben, daß viele unter den Christen meinen, die rechte, mit Gottes Wort ubereinstimmende Vorstellung von diesem Glaubensgeheimniß zu haben, deren Erkenntniß jedoch gerade hierin höchst lückenhaft nicht nur, sondern auch durch viele falsche Begriffe getrubt ist; was auf ihr ganzes Christenthum naturlich einen höchst schädlichen Einfluß hat. Möchte es keinen Leser dieses Blattes geben, der, indem er dies lies't, nun die Lust verliert, weiter zu lesen, da er in der Auseinandersetzung der Lehre von der heiligen Dreieinigkeit nur etwas höchst Trockenes erwartet, was er entweder schon längst gelernt habe aber was ihn doch in seinem practischen
English translation AI translation
Der Lutheraner.
"God's Word and Luther's doctrine pass not away now or evermore." (Rev. John chap. 14, v. 6, 7.)
Published by the German Ev. Luth. Synod of Missouri, Ohio and other States.
Edited by C. F. W. Walther.
Volume 7. St. Louis, Mo., the 1st of April 1851. No. 16.
Terms: Der Lutheraner appears once every two weeks, at the yearly subscription price of One Dollar for out-of-town subscribers, who pay in advance and bear the postage. — In St. Louis each single number is sold for 5 cents.
Only those letters which contain communications for the paper are to be sent to the editor; all others, which contain business matters, orders, cancellations, money, etc., are to be sent hither under the address: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo.
The Doctrine of the Holy Trinity and of the Person of Christ
set forth by Dr. M. Luther.
Among the signs of the times which a Christian observes with horror, there belongs without doubt above all the dreadful unbelief which at present has penetrated into so-called Christendom like an all-flooding ocean. Unbelief has plainly reached in our days a universality and a height among the baptized Christians such as never before, as long as there have been Christians. Yes, — who can deny it? — Christendom has now sunk deeper than even the heathenism of old. Whole throngs within the bosom of the Christian Church, [illegible] confess it now by mouth and in writing, without shame or shyness: "There is no God!" whereas once the blind heathen people turned away with abhorrence from the deniers of God, as from wicked, desperate men, so-called Christendom of our day for the most part shouts approval to them as its spokesmen and favorites. However many a Christian in our days may still shrink back from this abyss of unbelief, atheism, it nevertheless belongs to the present signs of the times also this: that not only [illegible] parties in Christendom are indifferent precisely toward the most important doctrines of Christianity, which Christendom of all centuries has held fast and confessed as the highest jewels of divine revelation, as though not much depended upon them; but that even many such parties as strive to spread about themselves a special appearance of holiness, and wish by all means to pass for truly Christian, deny and oppose those chief articles of the Christian religion. One such fundamental doctrine is, among others, the doctrine of the most holy Trinity. With horror we have been obliged in most recent times repeatedly to convince ourselves that, for example, German Baptists (Anabaptists) so impudently deny and scoff at the mystery of the holy Trinity as otherwise only the most hardened Jew or the crudest rationalist did. With horror we have had to see that of late even the unchristian Swedenborgian sect has attempted, not without success, to make proselytes among our German people here, and that even such persons have let themselves be drawn into this sect as had in former times not been without all experience of the power of the Word. With horror we have lately had to learn that even so-called "believers" are so dulled that they do not shrink back even from the open denial of the first article of faith of the whole Christian Church of all times and places, but are deceived already by the slightest show of the most miserable pretended holiness and enlightenment, and let themselves be robbed of all ground of faith and so of soul and salvation. The worst wolf, who comes along frankly and freely with the soul-murdering claws of the most open unbelief, if only he has hung about himself a few rags of the sheep's clothing of hypocritical piety, now easily gets a little flock of sheep among the so-called "believers," on whom he can quietly still his thirst for the blood of souls. God! what a judgment upon an ungrateful Christendom, which has not known the time of its visitation! "Because they received not the love of the truth, that they might be saved. And for this cause God shall send them strong delusion, that they should believe a lie: that they all might be damned who believed not the truth, but had pleasure in unrighteousness." 2 Thess. 2, 10. 11.
Since it is necessary to stand precisely before those parts of the wall and of the foundation where the enemy wants to break through, we purpose to communicate to our dear readers, in several installments, a precious testimony of Luther, concerning the most holy Trinity and the Person of Jesus Christ. We do this also because we have found by experience that many among Christians think they have the right conception, agreeing with God's Word, of this mystery of faith, whereas their knowledge is not only very defective precisely in this, but also clouded by many false notions; which naturally has a most harmful influence upon their whole Christianity. May there be no reader of this paper who, upon reading this, now loses the desire to read further, because in the exposition of the doctrine of the holy Trinity he expects only something exceedingly dry, which he has either long since learned, or which yet in his practical