Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 16 › Seite 127
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-04-01, Seite 127
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Der Engel sprach: „Siehe da, hier wohnen Selige! Sie haben ihre Kleider gewaschen und helle gemacht im Blute des Lammes, und tragen Friedenspalmen in ihren Händen! in ihrer Mitte thront der Friedefürst. Siehe, welch' ein Mensch! Es ist der HErr, JEsus Christus, das Lamm, das erwürget ist! Den beten sie an, und singen: „Heil sei unserm Gott und dem Lamme!“ Ewiglich danken sie ihm, daß er sie erkauft und sie seliger gemacht hat, als wir Engel sind. Siehe hier, wie die armen Sünder, selig wie die Kinder, Ihm in's Antlitz sehen — das ist ihre Seligkeit. Willst du bei ihnen wohnen?“ Der Mensch hatte sich abgewandt und sein Gesicht verhüllt. Endlich schrie er laut: „Bringe mich hinweg von hier, den Anblick kann ich nicht aushalten! Nein, Er hat mir noch immer keine Gestalt und Schöne! Ich sehe, es ist wahr, was ich nicht glauben wollte: aber es ist entsetzlich, daß es wahr ist, — denn ich liebe Ihn nicht!“ So sprach der Mensch und zähneknirschend sah er im Nu von den Bewohnern der Hölle sich umgeben, und — stimmte ein in das Heulen, das der Anblick Dessen ihnen auspreßt, den sie gestochen hatten (Offenbarung 1, 7.).
(Besser, Bibelstunden.)
Sacharja 12, 10.
Aber über das Haus Davids, und über die Bürger zu Jerusalem will ich ausgießen den Geist der Gnade und des Gebetes; denn sie werden mich ansehen, welchen jene zerstochen haben, und werden ihn klagen, wie man klaget um ein einziges Kind, und werden sich um ihn betrüben, wie man sich betrübet um ein erstes Kind.
Es hat der HErr gesprochen,
Es solle dies geschehn:
Mich, welchen sie zerstochen,
Mich werden sie ansehn;
Sie werden um mich klagen,
Wie um ein einz'ges Kind;
Und um mich Leide tragen,
Wie um ein erstes Kind.
Wohl ist es bittrer Kummer,
Den eine Mutter hegt,
Wenn sich zum letzten Schlummer
Ihr einz'ger Liebling legt;
Wenn seine Kräfte weichen,
Die Auglein fallen zu,
Die Wangen ihm erbleichen,
Es geht zur ew'gen Ruh.
Doch bittrer sind die Schmerzen
Der Kirche, Christi Braut,
Wenn mit zerriss'nem Herzen
Sie den Geliebten schaut:
Wie er am Kreuzesstamme
Dort schmachtend, blutend ringt,
Aus heißer Liebesflamme
Ins Todesleiden sinkt.
Den Gottes Krone zieret,
Zersticht ein Dornenkranz;
Den, der die Welt regieret,
Zersticht des Kriegers Lanz;
An Händen und an Füßen
Zersticht ihn harter Stahl:
O unerhörtes Büßen! —
O Marter ohne Zahl!
Die Sonne mag nicht scheinen
Zu ihres Schöpfers Pein,
Als wollt' sie drüber weinen
Verlieret sie den Schein.
Ein tiefes Weh durchschauert
Das ganze, weite Land,
In Finsternissen trauert
Es wie im Leidgewand.
Und als nun Gott verscheidet
Und stirbt mit lautem Schrei:
Der Cherub steht entkleidet:
Der Vorhang reißt entzwei:
Die Erde selbst erhebet
Laut klagend ihre Stimm,
Erschricket und erbebet
Im tiefen Schmerzensgrimm.
Sieh! auch die Felsen jammern,
Zerreißen und zergehn:
Es öffnen sich die Kammern,
Der Heil'gen, die erstehn.
Der Heiden Schaar erzittert,
Ob Christi mächt'gen Tod;
Der Hauptmann steht erschüttert,
Und preiset ihn als Gott.
Was bebest du, o Erde?
Was zagest du Natur
Mit trauernder Geberde
In Angst und Schrecken nur?
Ach seht, die Schöpfung hüllet
Sich in ihr Trauerkleid,
Da ihren Schöpfer füllet
Des Todes bittres Leid.
Und du nur wollt'st alleine,
O Menschheit, fühllos sein,
Und härter als die Steine
Bei deines Gottes Pein?
Ach weinet, weinet, weinet,
Ihr Menschen überall!
Erhebet und vereinet
Der Trauerklage Schall.
So schön und auserlesen,
Ein süßes Liebesbild,
Das Leben aller Wesen,
So freundlich, treu und mild:
Die ew'ge Gnad' und Güte,
Die selbst vom Himmel stieg,
Erscheint in ihrer Blüthe
Am Kreuz, gewinnt den Sieg.
Da hab' ich ihn zerstochen
Mit meiner Sündenschuld;
Da ist sein Herz zerbrochen
Für mich aus lauter Huld;
Da hat der Herr bezwungen
Tod, Teufel, Höllengluth,
Und siegreich sich errungen
Die Menschheit durch sein Blut.
Drum will ich Christum klagen
Den meine Sünd' betrübt;
Ich will mit Thränen sagen,
Wie mich mein Heiland liebt.
Mir liegt in seinen Schmerzen
Mein ew'ger Lebensgrund,
Drin werde ich von Herzen
Erquicket und gesund.
Ach kommt, ihr Lebensquellen!
Nehmt Tod und Sünde hin;
Ach kommt, ihr Liebeswellen!
Und heiligt meinen Sinn.
Schließ' mich in deine Wunden,
Mein süßer JEsu, ein,
Dein laß mich dir verbunden
Auf ewig, ewig sein.
Hermann Fick.
Warum haben die heiligen Apostel das Evangelium erst eine Zeitlang mündlich gepredigt, und dann erst schriftlich aufgezeichnet?
Auf diese Frage antwortet unser Martin Chemnitz in seinem Meisterwerke: „Die Prüfung des Tridentinischen Concils“ u. A. Folgendes:
„Ehe die Lehre des Evangeliums schriftlich aufgezeichnet würde, sollte sie erst wider die Verläumdungen und Entgegnungen der Juden und Heiden mit Predigt, Zeichen und Wundern der Apostel durch den ganzen Erdkreis bestätigt, und durch die Beistimmung der gläubigen Schaaren bekräftigt werden; damit wir gewiß wären, daß das, was geschrieben ist, nicht zweifelhaft, ungewiß und ungegründet, sondern, wie Lucas (nach dem Grundtext Luc. 1, 1.) redet, von Gott durch die Apostel vollkommen zuverläßig bestätigt und von den ersten Gläubigen durch die ganze Welt als vollkommen glaubwürdig bewährt worden sei. So geht der heiligen Schrift dadurch, daß dieselbe nicht sogleich in den ersten Jahren der apostolischen Predigt schriftlich verfaßt worden ist, nicht nur nichts ab, sondern ihre Würde und Auktorität bekommt daher nur einen größeren Glanz.“ Diese kurze Antwort unseres unvergleichlichen Chemnitz schlägt wie mit Einem Schlage alle die Scheingründe darnieder, welche die Papisten gegen die Nothwendigkeit der Schrift und für ihre mündlichen Überlieferungen daraus erbeuten zu können meinen, daß die erste Kirche einige Jahre allein durch die mündliche Predigt der heiligen infallibelen Apostel bestanden und sicherhalten hat.
Papistischer Aberglaube und Götzendienst.
So schreibt Gabriel Vasquez, ein Jesuit (gest. 1604): „Nichts hindert es, daß jemand, mit reinem Glauben und mit rechter Absicht Liebe und Gemüth allein auf Christum richtend, die Lippen Judas' (des Verräthers) und andere Dinge, von welchen Christus ungerechter Weise berührt worden ist, ehrfurchtsvoll küsse, wie aus der Lehre der 110. Disputation offenbar geschlossen wird; und daher ist es auch klar, in wiefern der Esel, auf welchem Christus saß, recht angebetet (adorari) werden könne.“ (Comentar. in 3. P. Thomae Tom. I. Disp. III. C. 6. p. m. 878.)
English translation AI translation
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The angel said: "Behold, here dwell the blessed! They have washed their robes and made them white in the blood of the Lamb, and bear palms of peace in their hands! in their midst is enthroned the Prince of Peace. Behold the man! It is the LORD, JESUS Christ, the Lamb that was slain! Him they worship, and sing: "Salvation to our God and unto the Lamb!" Everlastingly they thank Him that He hath redeemed them and made them more blessed than we angels are. See here how the poor sinners, blessed as children, look Him in the face — that is their blessedness. Wilt thou dwell with them?" The man had turned away and covered his face. At last he cried aloud: "Bring me away from here, I cannot endure the sight! No, He hath still no form nor comeliness for me! I see that it is true, what I would not believe: but it is dreadful that it is true, — for I love Him not!" So spoke the man, and gnashing his teeth he saw himself in a moment surrounded by the inhabitants of hell, and — joined in the howling which the sight of Him whom they pierced wrings from them (Revelation 1, 7.).
(Besser, Bibelstunden.)
Zechariah 12, 10.
But I will pour upon the house of David, and upon the inhabitants of Jerusalem, the spirit of grace and of supplications; and they shall look upon me whom they have pierced, and they shall mourn for him, as one mourneth for his only son, and shall be in bitterness for him, as one that is in bitterness for his firstborn.
The LORD hath spoken,
Let this come to pass:
Me, whom they have pierced,
Me shall they look upon;
They shall mourn for me,
As for an only child;
And for me bear sorrow,
As for a firstborn child.
Bitter indeed is the grief
That a mother harbors,
When to her last slumber
Her only darling lays him down;
When his strength departeth,
The little eyes fall shut,
His cheeks grow pale,
He goeth to eternal rest.
Yet more bitter are the pangs
Of the Church, Christ's bride,
When with rent heart
She beholdeth the Beloved:
How on the stem of the cross
He, languishing, bleeding, there doth struggle,
From glowing flame of love
Sinketh into the pains of death.
Him whom God's crown adorneth,
A crown of thorns doth pierce;
Him who ruleth the world,
The soldier's lance doth pierce;
At hands and at feet
Hard steel doth pierce him:
O unheard-of penance! —
O torture without number!
The sun will not shine
At her Creator's pain,
As if she would weep thereat
She loseth her light.
A deep woe thrilleth through
The whole wide land,
In darkness it mourneth
As in a garment of grief.
And when now God departeth
And dieth with a loud cry:
The cherub standeth stripped:
The veil is rent in twain:
The earth herself lifteth up
Loud lamenting her voice,
Is startled and trembleth
In deep wrath of anguish.
Behold! the rocks also lament,
Are rent and fall asunder:
The chambers open themselves
Of the saints, who arise.
The host of the heathen trembleth
At Christ's mighty death;
The centurion standeth shaken,
And praiseth Him as God.
Why tremblest thou, O earth?
Why quakest thou, Nature,
With mournful bearing
In fear and terror only?
Ah see, creation wrappeth
Herself in her mourning garb,
Since her Creator is filled
With death's bitter woe.
And thou alone wouldst
O mankind, be unfeeling,
And harder than the stones
At thy God's pain?
Ah weep, weep, weep,
Ye men everywhere!
Raise and unite
The sound of the lament.
So fair and chosen,
A sweet image of love,
The life of all beings,
So friendly, true and mild:
Eternal grace and goodness,
Which itself came down from heaven,
Appeareth in its bloom
On the cross, winneth the victory.
There have I pierced him
With my guilt of sin;
There is his heart broken
For me out of pure favor;
There hath the Lord vanquished
Death, devil, hell's fire,
And victoriously won for himself
Mankind through his blood.
Therefore will I mourn for Christ
Whom my sins have grieved;
I will with tears declare
How my Saviour loveth me.
In his sufferings lieth for me
My eternal ground of life,
Therein shall I from the heart
Be refreshed and made whole.
Ah come, ye fountains of life!
Take death and sin away;
Ah come, ye waves of love!
And sanctify my mind.
Shut me in thy wounds,
My sweet JESUS,
Thine let me be, to thee united
For ever, for ever more.
Hermann Fick.
Why did the holy Apostles first preach the Gospel orally for a time, and only then record it in writing?
To this question our Martin Chemnitz answers in his masterwork: "Die Prüfung des Tridentinischen Concils" among other things the following:
"Before the doctrine of the Gospel was recorded in writing, it was first to be confirmed, against the calumnies and objections of Jews and heathen, by the preaching, signs and wonders of the Apostles throughout the whole round world, and corroborated by the assent of the believing multitudes; that we might be certain that what is written is not doubtful, uncertain and ungrounded, but, as Luke (according to the original text, Luke 1, 1.) saith, was by God through the Apostles most surely confirmed and by the first believers throughout the whole world approved as perfectly credible. Thus nothing is lost to the Holy Scripture by the fact that it was not at once in the first years of the apostolic preaching composed in writing, but its dignity and authority receive thence only a greater lustre." This brief answer of our incomparable Chemnitz strikes down at one blow all the specious pretexts which the Papists think to gain thence against the necessity of Scripture and for their oral traditions, that the first Church subsisted some years alone by the oral preaching of the holy infallible Apostles, and kept itself secure.
Popish Superstition and Idolatry.
Thus writeth Gabriel Vasquez, a Jesuit (died 1604): "Nothing hindereth that one, with pure faith and with right intention directing love and mind solely upon Christ, should reverently kiss the lips of Judas (the betrayer) and other things by which Christ was unjustly touched, as is plainly concluded from the doctrine of the 110th Disputation; and hence it is also clear in how far the ass on which Christ sat may rightly be worshipped (adorari)." (Comentar. in 3. P. Thomae Tom. I. Disp. III. C. 6. p. m. 878.)