Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 16 › Seite 125

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-04-01, Seite 125

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[unleserlich]eit von den Ungläubigen ergriffen wird, ist höchst einfach. Es heißt: Entleerung des Menschen von aller Religion. Jeder Mensch ist in seinem Gewissen sich der Wahrheit bewußt: es giebt einen allmächtigen und gerechten Gott, den Urheber deines Daseins, der das Gute belohnt und das Böse bestraft, dem du für alle deine Handlungen verantwortlich bist und der dir gebietet, das Leben, das Eigenthum und die Ehre deines Nebenmenschen, wie deine eigene zu respectiren. Dieses Gottesbewußtsein ist die nothwendige Grundlage einer jeden bürgerlichen Gesellschaft; ohne dasselbe ist kein Staat möglich und denkbar. Soll also der glorreiche Zustand einer allgemeinen Verthierung eintreten, so muß im Menschen auch die letzte Spur des Gottesbewußtseins ertödtet, die Stimme des Gewissens in ihrem letzten Keime erstickt, die Sehnsucht nach einer seligen Gemeinschaft mit Gott vertilgt, mit einem Worte, es muß der Sinn für alles Göttliche und Himmlische im Menschen mit der Wurzel ausgerottet werden: —

Dann wird der kühne Sprung gelingen:
Der Mensch es bis zum Viehe bringen.

Denn, wenn der Mensch an keinen vergeltenden Gott mehr glaubt, dann verliert er jene heil. Scheu, welche ihn früher vom Verbrechen zurückhielt; dann ist er bereit, an seinem Nächsten jede Art von Ungerechtigkeit mit kaltem Blute zu begehen; ein Gottesläugner ist völlig Vieh und zu allen Gräueln, als Mord, Meineid, Diebstahl u. s. w. fähig.

Das wissen die Lichtfreunde und all' die schnellen Läufer auf der Fortschrittsbahn; darum suchen sie vor allen Dingen den Glauben an Gott aus den Herzen der Menschen zu bringen. Deßhalb lästern sie einmüthiglich und wie mit einem Munde auf Gott und sein heiliges Wort, auf das Christenthum und alle christlichen Einrichtungen. In diesen Chorus stimmt denn auch Herr Schmidt nach Kräften mit ein. Nur ist ihm dabei ein Versehen passirt. Er spricht noch von Religion, er nennt sein Blatt ein Organ für religiöse Aufklärung. Herr Schmidt kann aber als ein erklärter Gottesleugner keine Religion haben. Lächerlich wäre es, wenn ein Mensch, der seinen Vater ermordet hat, noch viel von seiner kindlichen Liebe schwatzen wollte; lächerlich ist es, wenn Herr Schmidt, der seinen Gott verleugnet hat, noch von Religion reden will, da das Wort Religion auch im weitesten Sinne, doch immer eine Art und Weise bezeichnet, wie der Mensch sein Verhältniß zu Gott betrachtet, mithin den Gottes-Begriff einschließt. Da nun Herr Schmidt seinen Gott verleugnet hat, so kann er ebensowenig auf Religion Anspruch machen als Pferde und Esel. Darum möge er wenigstens ehrlich sein und sein Blatt der Wahrheit gemäß bezeichnen: ein Organ für irreligiöse Verdummung, oder wenn ihm das besser gefällt, für die Verthierung der Menschheit.

Übrigens möge Herr Schmidt sich nicht einbilden, daß sein gottesläugnerischer Unsinn etwas Neues sei. Gottes Wort sagt von den Gottesläugnern vor fast 3000 Jahren Folgendes, Ps. 14, 1: „Die Thoren sprechen in ihrem Herzen: „Es ist kein Gott. Sie taugen nichts, und sind ein Gräuel mit ihrem Wesen.“ Ist Herrn Schmidt noch zu rathen, so möge er aufhören, gegen sein Gewissen zu handeln und den Allmächtigen zu verlästern und zu verläugnen; er wird es sonst einmal zu seinem Schaden erfahren, daß es heißt, Gal. 6, 7.: Irret euch nicht, Gott läßt sich nicht spotten.

(Eingesandt.)
Neuester Fortschritt.

Geehrter Herr Redacteur!

Als ich neulich mit meinem Vetter Christian spazieren gehe, so begegnet mir in einer Straße folgende wunderliche Procession. Auf der einen Seite nämlich geht ein Esel, auf der anderen Seite ein Schwein und in der Mitte — denken Sie sich — kriecht auf Händen und Füßen ein — Mensch. Während ich mich noch darüber verwundere, was doch diese seltsame Erscheinung bedeuten möchte, erblicke ich auf dem Rücken des weiter kriechenden Menschen ein freies Blatt, worauf mit großen Buchstaben die folgenden Worte stehen: „Neuester Fortschritt“. Da die neuesten Aufklärer unwiderleglich bewiesen haben, daß es keinen Gott und keinen Himmel giebt, so ist es ein erschreckliches Verbrechen, hinfort noch aufrecht zu gehen und mit dem aufrechten Gange anzudeuten, daß der Mensch für Gott und den Himmel bestimmt sei. Nieder also mit dieser miserabelen Erfindung der Priesterkaste! Nieder mit dieser Schranke, welche uns von unsern theuren Glaubensbrüdern, den Eseln und Schweinen trennet! Die Erde ist unser Ein und Alles! Nur zur Erde laßt uns sehen und nur auf allen Vieren fortschreiten, so werden wir unsterblichen Nachruhm bei allen vierbeinigen und zweibeinigen Eseln und Schweinen erlangen. Alle wahren Freunde der Gottesleugnung und der Schweinereligion werden hiemit aufgefordert, sich kriechend dieser Procession anzuschließen, um in einem geschmackvoll decorirten Schweinestalle das Fest der Verthierung würdig zu feiern. Das berühmte Musikchor der alten Kater ist für die ganze Nacht engagirt. Es lebe die Aufklärung!"

Wenn Sie nicht besorgen, Herr Redacteur, daß das Licht, welches in den mitgetheilten Worten strahlt, für Ihre Leser zu stark ist, so habe ich nichts dagegen, wenn Sie dieselben in Ihrem werthen Blatte veröffentlichen.

Genehmigen Sie u. s. w.

Eine Abendmahlsfeier russischer Krieger.

Pastor Hunnius zu Narva erzählte auf der Petersburger Synode im Jahr 1843 folgende erfreuliche Amtserfahrung: Vor einiger Zeit erschien eines Abends ein junger, kaum erst aus dem Kadettenkorps entlassener Offizier, und brachte mir ein Schreiben seines in einem benachbarten Städtchen kantonirenden Obersten des Inhalts: „Eine Anzahl von siebzig Soldaten lutherischer Confession haben ihr Verlangen ausgesprochen, da sie gerade in die Nähe eines lutherischen Geistlichen gekommen seien, diese Gelegenheit zu benützen und auch einmal wieder das heilige Abendmahl zu genießen; ich möchte sie also durch die Beichte darauf vorbereiten und sodann ihre Bitte erfüllen.“ Der junge Offizier, zur griechischen Kirche gehörig, fragte: in wie viel Tagen wohl die Sache abgemacht werden könne? Ich antwortete ihm: „Zum Voraus kann ich das nicht bestimmen; es kommt eben darauf an, ob die Leute schon auf der Herreise sich auf diese heilige Handlung gehörig vorbereitet haben. Ich muß sie daher vor allen Dingen sprechen, und wenn ich sie in der rechten Fassung treffe, werde ich sie schon am folgenden Tage zum heiligen Abendmahl nehmen und sodann entlassen.“ Demzufolge erschien er den andern Morgen mit seiner ganzen Schaar. Sie hatten nach Narva einen weiten, sehr angreifenden Marsch durch eine völlig unwirthbare und morastische Gegend unter vielem Regen zu machen gehabt, und waren daher ziemlich ermüdet. Als ich sie angeredet, fand ich, daß es Deutsche, Letten, Esthen, mit Dörptscher und Revalscher Mundart und Finnländer waren, ja es fanden sich sogar auch Russen unter ihnen, jedoch auch diese evangelisch lutherischer Confession. Sie baten um einen Tag Ruhe und Erholung, da sie von dem beschwerlichen Marsche sehr angegriffen seien, und zum augenblicklichen Empfang des heil. Abendmahls weder äußerlich noch innerlich vorbereitet wären. — Ich äußerte daher gegen ihren Führer mein Bedauern, daß ich nicht heute schon seinen Wunsch erfüllen, sondern vorerst noch eine Vorbereitung mit den Leuten vornehmen müsse. Er fand das anfangs sehr befremdend, gab sich aber endlich darein, und schickte mir nicht lange darnach die Leute zur Beichte. Um mich ihnen verständlich zu machen, mußte ich mich verschiedener Sprachen und Mundarten bedienen, die ich zum Theil selbst nicht alle geläufig reden konnte, und worin ich mich daher nicht so verständlich zu machen vermochte, wie ich gewünscht hätte. Desto mächtiger und eindringlicher aber redete der Herr selbst durch Sein Wort zu ihren Herzen. Glücklicherweise war ich durch die Güte der nordamerikanischen Bibelgesellschaft und die freundliche Bereitwilligkeit ihres Agenten in Petersburg kurz zuvor in den Besitz einer Anzahl von Neuen Testamenten der verschiedenen russischen Sprachen gekommen, die hier vorkommen. Daher rief ich die Soldaten sogleich nach der Beichte zu mir und erklärte ihnen, Jeder, der lesen könnte, sollte ein Neues Testament von mir bekommen, wenn er es begehrte. Ich ließ sie einzeln vortreten, und prüfte Jeden, ob er das Neue Testament in seiner Sprache lesen könnte. Aber nur etwa die Hälfte war es im Stande. Die Letten und Esthen lasen unstreitig am besten, die Finnländer ziemlich mittelmäßig, am schlechtesten die Deutschen, welche überhaupt die verdorbensten der ganzen Abtheilung zu sein schienen, was sich daraus erklärt, daß die Deutschen in der Regel nur schlechte Subjekte unter die Rekruten treten lassen. — Jedem, der lesen konnte, schenkte ich ein Neues Testament, und unvergeßlich bleibt mir der Eindruck, den dieses Geschenk auf die meisten der Empfänger machte. Ein alter Schnurrbart, ein Lette von Geburt, dessen entschlossenes Wesen, dessen strenge Miene die tapferste Furchtlosigkeit verkündigte, ein Mann, der über den Balkan marschirt und vor Varna und Beniloff gestanden, der Praga gesehen, Wola erstürmt und in Warschau eingezogen war, ergriff das Buch, als ich es ihm gab, küßte es unter Thränen und sprach: „Herr, ich danke Ihnen! Seit eilf Jahren sah ich keine Kirche meines Glaubens, hörte kein Gotteswort in meiner Muttersprache, konnte nicht zum Tisch des Herrn, meines theuern, hoch-

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[illegible] by unbelievers is seized upon, is exceedingly simple. It is called: the emptying of man of all religion. Every man is conscious in his conscience of the truth: there is an almighty and righteous God, the Author of thy being, who rewardeth the good and punisheth the evil, to whom thou art answerable for all thy actions, and who commandeth thee to respect the life, the property, and the honor of thy neighbor as thine own. This consciousness of God is the necessary foundation of every civil society; without it no state is possible or conceivable. If, therefore, the glorious condition of a general brutalization is to come about, then in man too the last trace of the consciousness of God must be killed, the voice of conscience stifled in its last germ, the longing for a blessed fellowship with God extinguished, in a word, the sense for everything divine and heavenly must be rooted out of man, root and all: —

Then will the bold leap succeed:
Man will bring himself down to the beast.

For when man no longer believeth in a God who repayeth, then he loseth that holy awe which formerly held him back from crime; then he is ready to commit every kind of injustice against his neighbor in cold blood; a denier of God is altogether a beast and capable of all abominations, such as murder, perjury, theft, and so forth.

This the friends of light know, and all those swift runners on the road of progress; therefore they seek above all things to drive the faith in God out of the hearts of men. For this reason they blaspheme with one accord and as with one mouth against God and His holy Word, against Christianity and all Christian institutions. Into this chorus Herr Schmidt also joins with all his might. Only an oversight has befallen him in so doing. He still speaks of religion, he calls his paper an organ for religious enlightenment. But Herr Schmidt, as a declared denier of God, can have no religion. It would be ridiculous if a man who had murdered his father were still to prate much of his filial love; it is ridiculous when Herr Schmidt, who hath denied his God, still wants to talk of religion, since the word religion, even in the widest sense, always designateth a manner in which man regardeth his relation to God, and consequently includeth the concept of God. Since now Herr Schmidt hath denied his God, he can lay claim to religion just as little as horses and asses. Therefore let him at least be honest and designate his paper according to the truth: an organ for irreligious stupefaction, or, if he likes that better, for the brutalization of mankind.

Moreover, let not Herr Schmidt imagine that his atheistic nonsense is something new. God's Word saith of the deniers of God almost 3000 years ago the following, Ps. 14, 1: "The fool hath said in his heart: "There is no God. They are corrupt, and are an abomination in their being." If Herr Schmidt can still be advised, let him cease to act against his conscience and to blaspheme and deny the Almighty; he will otherwise some day learn to his hurt what is meant by Gal. 6, 7.: Be not deceived, God is not mocked.

(Submitted.)
Latest Progress.

Esteemed Herr Editor!

When I was lately walking with my cousin Christian, I met in a street the following strange procession. On the one side, namely, there goes an ass, on the other side a swine, and in the middle — imagine to yourself — there crawls on hands and feet a — man. While I was still wondering what this strange apparition might mean, I espied on the back of the crawling man a loose sheet, whereon with large letters the following words stood: "Latest Progress". Since the newest enlighteners have irrefutably proved that there is no God and no heaven, it is a dreadful crime henceforth still to walk upright and by the upright gait to intimate that man is destined for God and heaven. Down, then, with this miserable invention of the priestly caste! Down with this barrier which separates us from our dear brethren in the faith, the asses and swine! The earth is our one and all! Only to the earth let us look, and only on all fours let us advance, so shall we obtain immortal fame among all four-legged and two-legged asses and swine. All true friends of the denial of God and of the swine-religion are hereby summoned to join this procession crawling, in order to celebrate worthily the festival of brutalization in a tastefully decorated pigsty. The renowned music choir of the old tomcats is engaged for the whole night. Long live enlightenment!"

If you are not apprehensive, Herr Editor, that the light which shineth in the words communicated is too strong for your readers, I have nothing against your publishing them in your esteemed paper.

Accept, etc.

A Communion Celebration of Russian Soldiers.

Pastor Hunnius of Narva related at the Petersburg Synod in the year 1843 the following gratifying experience in office: Some time ago there appeared one evening a young officer, scarcely yet discharged from the cadet corps, and brought me a letter from his colonel, who was quartered in a neighboring little town, to this effect: "A number of seventy soldiers of the Lutheran confession have expressed their desire, since they have just come into the neighborhood of a Lutheran clergyman, to make use of this opportunity and once more to partake of the holy Communion; I would therefore beg you to prepare them for it by confession, and then to fulfil their request." The young officer, belonging to the Greek Church, asked: in how many days the matter could probably be dispatched? I answered him: "Beforehand I cannot determine that; it depends precisely on whether the men have already on the journey hither duly prepared themselves for this holy act. I must therefore above all things speak with them, and if I find them in the right frame of mind, I will take them as early as the following day to the holy Communion and then dismiss them." Accordingly he appeared the next morning with his whole band. They had had to make to Narva a long and very fatiguing march through a wholly inhospitable and swampy region in much rain, and were therefore rather weary. When I had addressed them, I found that they were Germans, Letts, Esthonians, with the dialects of Dorpat and Reval, and Finlanders, yes, there were even Russians found among them, yet these also of the evangelical Lutheran confession. They begged for a day of rest and recovery, since they were very much worn out by the toilsome march, and for the immediate reception of the holy Communion were prepared neither outwardly nor inwardly. — I therefore expressed to their leader my regret that I could not fulfil his wish today, but must first undertake a preparation with the men. He found this at first very strange, but at length acquiesced, and not long after sent me the men for confession. In order to make myself understood to them, I had to make use of various languages and dialects, which I myself could in part not all speak fluently, and in which I therefore could not make myself so understandable as I should have wished. But so much the more mightily and impressively did the Lord Himself speak to their hearts through His Word. Fortunately I had, through the kindness of the North American Bible Society and the friendly readiness of its agent in Petersburg, shortly before come into possession of a number of New Testaments in the various Russian languages that occur here. I therefore called the soldiers to me immediately after confession and explained to them that everyone who could read should receive a New Testament from me, if he desired it. I had them step forward one by one, and tested each, whether he could read the New Testament in his language. But only about half were able to do so. The Letts and Esthonians read incontestably the best, the Finlanders rather indifferently, the Germans worst of all, who on the whole seemed to be the most corrupt of the whole detachment, which is explained by the fact that the Germans as a rule let only bad subjects enter among the recruits. — To everyone who could read I gave a New Testament, and the impression which this gift made upon most of the recipients remains unforgettable to me. An old greybeard, a Lett by birth, whose resolute bearing and stern countenance proclaimed the bravest fearlessness, a man who had marched over the Balkan and stood before Varna and Beniloff, had seen Praga, stormed Wola, and entered into Warsaw, seized the book when I gave it to him, kissed it with tears, and said: "Sir, I thank you! For eleven years I have seen no church of my faith, heard no word of God in my mother tongue, could not come to the table of the Lord, my dear, most highly-