Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 21 › Seite 166
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-06-10, Seite 166
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ben, selbst wenn sie im Vertrauen auf das ihnen zugesicherte freie Geleit an den Ort des Gerichts gekommen sind und sonst nicht gekommen sein würden; und daß der, welcher das Versprechen gegeben, da er gethan hat, was an ihm ist, keine Verbindlichkeit mehr habe". (Consil. Constantiens. sess. 19. p. 1615. ed. Colon.) Daß es in jener Zeit, wo des Pabstes Tyrannei und Macht so hoch gestiegen war und dieser Mensch der Sünde seinem antichristischen Throne fast alle Mächte der Erde sich unterworfen hatte, möglich war, daß ein solches Teufelsdecret erlassen wurde, ist nicht zu verwundern, aber entsetzlich ist es, daß es zu allen Zeiten, besonders unter den Jesuiten, Teufelsadvocaten gegeben hat und noch gibt, die aller auch natürlichen Schaam so baar waren und sind, daß sie dieses Decret und den darin ausgesprochenen schändlichen Grundsatz vertheidigt haben und noch vertheidigen. Der berüchtigte Dr. Eck wollte einst auch Kaiser Carl V. in Worms bewegen, mit Luthern, dem derselbe ebenfalls ein freies Geleit hin und zurück mit Brief und Siegel zugesichert hatte, wie mit Huß und Hieronymus von Prag zu verfahren; aber hierauf sprach Carl das wahrhaft kaiserliche Wort: „Wenn Treu und Glauben auch in der ganzen Welt ausgestorben sei, so müsse man dies doch noch bei dem Kaiser finden". Ähnlich antwortete in der Versammlung der Fürsten, von denen einige auch riethen, man solle Luthern das zugesicherte Geleit nicht halten, Pfalzgraf Ludwig, nehmlich: „Es sei keinesweges zu leiden, daß Deutschland zu Gunsten der Priester den Schandfleck eines öffentlichen Treubruchs trage". (cf. Pet. Suavis lib. I. Hist. Conc. Trid. p. 16.) — Den oben bezeichneten Grundsätzen gemäß haben einst die Jesuiten auch dahin gearbeitet, daß den Lutheranern die 1555 mit ihnen von den catholischen Fürsten geschlossenen Friedensverträge nicht gehalten würden, was endlich über ganz Deutschland den Jammer des dreißigjährigen Krieges gebracht hat.
Für den „Lutheraner".
Rückerwiederung.
Die 18te Nummer des Lutheraners enthielt einen Artikel, dessen Zweck war, Beispiels halber an zwei Artikeln der ersten Nummer eines in St. Louis erschienenen bibelfeindlichen Blattes, genannt „Freie Blätter. Ein Organ für religiöse Aufklärung", zu zeigen, wie in derselben trotz des Geschreis von Licht, Aufklärung u. s. w. ein guter Theil Unwissenheit und Dummheit einem entgegenträten; und dies wieder, um den Einen und Andern darauf aufmerksam zu machen, daß die Meinung: Wer es wage, gegen das Wort Gottes aufzutreten, müsse zum wenigein gar gescheuter und gelehrter Mann sein, ein Irrthum ist.
Der Herausgeber jenes Blattes und Verfasser jener Artikel, ein gewisser Herr Schmidt, giebt nun in der neunten Nummer seines Blattes unter der Überschrift „dem Verdienste seine Krone" eine Erwiederung auf jenen Artikel des Lutheraners. Wir stellen es aber dem Urtheile eines jeden, dem daran liegt, der Sache auf den Grund zu sehen, er sei nun ein sogenannter Kirchengläubiger, oder nicht, nur daß er Verstand genug habe, den Artikel im Lutheraner und Herrn Schmidt's Erwiederung darauf zu fassen, und Ehrlichkeit genug, wahr sein zu lassen, was wahr ist — wir stellen es dem Urtheil eines jeden Solchen anheim, zu entscheiden, ob Herr Schmidt in seiner Erwiederung nicht so zu Werke gegangen ist, daß er einige Puncte in dem Artikel des Lutheraners übergangen, andere (wir lassen es dahin gestellt sein, ob absichtlich, oder unabsichtlich) mißverstanden, und die übrigen entstellt und verdreht hat, und nachdem er sich so Boden verschafft, seine Witzeleien angebracht hat.*) Herr Schmidt hat gewiß darauf gerechnet, daß seine Leser den Lutheraner nicht zu Gesicht bekämen, sonst würde er sich schwerlich gegen dieselben eine so große Blöße gegeben haben. Denn außerdem, daß er sich von dem, ihm gemachten Vorwurf, daß er in jenen Artikeln Unwissenheit und Dummheit an den Tag gelegt, nicht gereinigt hat, macht er sich durch Entstellen und Verdrehen der Worte eines Andern verächtlich und obenein lächerlich: denn damit gesteht er nicht nur thatsächlich ein, daß es schlecht mit seiner Sache steht, sondern thut es damit auch jenem trübseligen Ritter gleich, der den Seinigen von einem Feinde sagte, der über ihn gekommen sei, dem er aber vor ihrer aller Augen den Garaus machen wolle, der darauf unbemerkt einen Popanz von Stroh zurichtete, sich auf seine Mähre schwang, auf sein Machwerk zujagte, ihm seine alte stumpfe rostige Lanze durch den Leib rannte, und dann Victoria schrie. Das sind die Helden „der religiösen Aufklärung".
*) Anmerkung. Von dem Obigen nehmen wir allerdings einen Punct, doch eben nur in so weit aus, daß wir Herrn Schmidt, nachdem was er jetzt darüber gesagt hat, gern längere Bekanntschaft mit dem apokryphischen Evangelio Nikodemi zugestehen.
Brief
Dr. Martin Luthers
von Einsetzung der Kirchendiener
an den Rath zu Prag in Böhmen
vom Jahre 1523.
Aus dem Lateinischen übersetzt von
Paulus Speratus,
Verfasser des Liedes: „Es ist das Heil uns kommen her."
Diese bekannte Schrift Luthers hat die hiesige deutsche ev.-lutherische Gemeinde ungeänd. Augsb. Conf. vor einigen Monaten, wie es auf dem Titel heißt, „als ein Wort zu seiner Zeit zur Rettung der theuren Lehre von dem geistlichen Priesterthum aller gläubigen Christen" wieder abdrucken lassen. Wir können nicht umhin, alle unsere christlichen Leser auf diese Schrift aufmerksam zu machen und ihnen dieselbe dringendst zu empfehlen.
Man muß jetzt so oft hören, diejenigen, welche man „Altlutheraner" nennt, seien halbe Papisten; das sogenannte Altlutherthum führe geraden Weges nach Rom. Und es ist leider! nicht zu leugnen, es hat sich allerdings in unseren Tagen hie und da auch unter denen, welche man gewöhnlich zu den Altlutheranern mitrechnet, eine Richtung geoffenbart, welcher unleugbar Grundsätze zu Grunde liegen, auf die das System der römischen Kirche erbaut ist. Es gibt allerdings sowohl in Deutschland wie in Amerika eine Classe von sogenannten Altlutheranern, denen nicht mit Unrecht der Vorwurf gemacht wird, daß sie insonderheit in der Lehre von der Kirche und von der Kirchengewalt sich stark zu der römischen Lehre hinneigen und einer höchst seelengefährlichen Hierarchie (Priesterherrschaft) das Wort reden. Viele unverständige Menschen meinen daher jetzt, das unterscheide eben das Altlutherthum von den anderen Parteien im Protestantismus, daß dasselbe noch vieles vom Pabstthum zurückbehalten habe und demselben unter allen noch am nächsten stehe; und viele unredliche Leute benutzen dieses Vorurtheil, indem sie dasselbe nähren, dadurch die alte wahre lutherische Lehre verdächtig und verhaßt zu machen. Wer sich nun davon überzeugen will, was denn die wahre alte lutherische Kirche eigentlich von jenen Punkten, von der Kirche, von der Kirchengewalt und von dem Kirchenamt, je und je gelehrt hat und noch lehrt, der findet hierzu in dem angezeigten Büchlein von Dr. Martin Luther, das ihm hiermit angeboten wird, die beßte Gelegenheit.
Wer freilich in den Büchern, die er zu seiner Lectüre erwählt, schöne Worte sucht, der wird diese Schrift unbefriedigt aus den Händen legen, um so mehr, da das deutsche Exemplar nur eine alte Übersetzung ist. Oder wer den Werth einer Schrift darnach abmißt, was für süße Gefühle und Empfindungen sie in ihm bei flüchtigem Durchlesen erregt, auch der wird seine Rechnung nicht darin finden. Oder wer endlich so an vorgefaßten menschlichen Meinungen hängt, daß er auch dem klaren einfältigen Worte Gottes nicht zu weichen gedenkt und „an lang gehaltenem Brauch" hängt, dem sagt Luther sogleich Eingangs des Büchleins: „Die sollen wissen, daß sie gar nichts angehet, was ich in diesem Büchlein handeln werde. Ich will ihnen vergönnen, daß sie ihrer Geistlichkeit, ja ihrem Aberglauben, wie gemein, alt und hoch berühmt er ist, warten wie lang sie wollen. Wir aber suchen die lautere und rechtschaffene Weise, die uns in der Schrift fürgebildet ist; bekümmern uns nicht viel, was der Brauch und die Väter in der Sache für eine Weise gegeben oder gehalten haben. Dieweil wir nun längst zuvor genugsam gelernet haben, daß wir nicht schuldig sind, auch nicht müssen oder wollen den menschlichen Sätzen unterworfen sein; sondern wir wollen, wie es uns gefallen wird, aus christlicher Freiheit Herren darüber sein, wie geschrieben stehet 1 Cor., 3. 21. 22: „Alle Ding sind Euer, es sei Petrus oder Paulus; aber ihr seid Christi".
Ist dir's aber, lieber Leser, ernstlich um Er-
English translation AI translation
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even if they have come to the place of judgment trusting in the safe-conduct assured to them, and otherwise would not have come; and that he who has given the promise, having done what is in his power, is under no further obligation." (Consil. Constantiens. sess. 19. p. 1615. ed. Colon.) That in that age, when the tyranny and power of the Pope had risen so high, and when this Man of Sin had subjected to his antichristian throne almost all the powers of the earth, it was possible for such a devil's decree to be issued, is not to be wondered at; but it is dreadful that at all times, especially among the Jesuits, there have been, and still are, devil's advocates who were and are so devoid of all shame, even natural shame, that they have defended, and still defend, this decree and the shameful principle declared in it. The notorious Dr. Eck once wanted also to persuade Emperor Charles V at Worms to deal with Luther, to whom the same had likewise assured a safe-conduct there and back, with letter and seal, as with Huss and Jerome of Prague; but to this Charles spoke the truly imperial word: "Though faith and honesty were extinct in all the world besides, yet they must still be found with the Emperor." In like manner, in the assembly of the princes, some of whom also advised that the safe-conduct assured to Luther should not be kept, Count Palatine Louis answered, namely: "It is by no means to be tolerated that Germany, to gratify the priests, should bear the stain of a public breach of faith." (cf. Pet. Suavis lib. I. Hist. Conc. Trid. p. 16.) — In accordance with the principles above indicated, the Jesuits also once labored to the end that the treaties of peace concluded in 1555 with the Lutherans by the Catholic princes should not be kept, which at length brought upon all Germany the misery of the Thirty Years' War.
For the "Lutheraner."
A Rejoinder.
The 18th number of the Lutheraner contained an article whose purpose was to show, by way of example, from two articles in the first number of a Bible-hating paper published in St. Louis, called "Freie Blätter. Ein Organ für religiöse Aufklärung," how in that paper, in spite of the clamor about light, enlightenment, etc., a good measure of ignorance and stupidity confronts one; and this again in order to make one and another aware that the opinion that whoever ventures to oppose the Word of God must be at least a very clever and learned man is an error.
The publisher of that paper and author of those articles, a certain Mr. Schmidt, now gives, in the ninth number of his paper, under the heading "Give Merit Its Crown," a rejoinder to that article of the Lutheraner. We leave it, however, to the judgment of everyone who cares to get to the bottom of the matter, be he a so-called church-believer or not, provided only that he have understanding enough to grasp the article in the Lutheraner and Mr. Schmidt's rejoinder to it, and honesty enough to let what is true be true, we leave it to the judgment of every such person to decide whether Mr. Schmidt, in his rejoinder, has not proceeded in such a way that he has passed over some points in the article of the Lutheraner, misunderstood others (we leave it undecided whether intentionally or unintentionally), and distorted and twisted the rest, and, after he had thus gained ground for himself, has brought in his witticisms.*) Mr. Schmidt surely counted on it that his readers would not get to see the Lutheraner, otherwise he would hardly have exposed himself so greatly before them. For besides that he has not cleared himself of the reproach made to him, that he displayed ignorance and stupidity in those articles, he makes himself contemptible, and moreover ridiculous, by distorting and twisting the words of another: for thereby he not only admits in fact that his cause stands ill, but does the same as that woeful knight who told his people of an enemy that had come upon him, whom he intended, however, to dispatch before the eyes of them all, and who thereupon, unobserved, set up a bugbear of straw, swung himself upon his nag, rode at his own handiwork, ran his old blunt rusty lance through its body, and then cried Victoria. Such are the heroes of "religious enlightenment."
*) Note. Of the above we do indeed except one point, yet only so far that we, after what he has now said about it, gladly concede to Mr. Schmidt a longer acquaintance with the apocryphal Gospel of Nicodemus.
Letter
of Dr. Martin Luther
on the Appointment of Church Ministers
to the Council at Prague in Bohemia
of the Year 1523.
Translated from the Latin by
Paulus Speratus,
Author of the hymn: "Salvation unto us has come."
This well-known writing of Luther's the local German Ev. Lutheran congregation of the unaltered Augsburg Confession had reprinted some months ago, as the title says, "as a word in season for the rescue of the precious doctrine of the spiritual priesthood of all believing Christians." We cannot refrain from calling the attention of all our Christian readers to this writing and recommending it to them most urgently.
One must now hear so often that those whom one calls "Old Lutherans" are half Papists; that so-called Old Lutheranism leads straight to Rome. And it is, alas! not to be denied that in our days there has indeed manifested itself here and there, even among those who are commonly counted with the Old Lutherans, a tendency which undeniably rests upon principles on which the system of the Roman Church is built. There is indeed, both in Germany and in America, a class of so-called Old Lutherans against whom the reproach is made, not without reason, that, particularly in the doctrine of the Church and of church power, they incline strongly to the Roman doctrine and speak in favor of a most soul-endangering hierarchy (priestly dominion). Many unreflecting people therefore now think that this is just what distinguishes Old Lutheranism from the other parties in Protestantism, that it has retained much of Popery and stands nearest to it of all; and many dishonest people use this prejudice, by fostering it, to make the old true Lutheran doctrine suspected and hated. Whoever, then, wishes to convince himself what the true old Lutheran Church has really taught from time to time, and still teaches, concerning those points, concerning the Church, church power and the church office, will find in the little book of Dr. Martin Luther here announced, which is hereby offered to him, the best opportunity.
Whoever, to be sure, seeks fine words in the books which he chooses for his reading will lay this writing down from his hands unsatisfied, the more so as the German copy is only an old translation. Or whoever measures the worth of a writing by what sweet feelings and sensations it excites in him on a cursory reading, he too will not find his account in it. Or whoever, finally, clings so to preconceived human opinions that he does not intend to yield even to the clear, simple Word of God, and clings to "long-held custom," to him Luther says at once at the beginning of the little book: "Let them know that it concerns them not at all what I shall treat of in this little book. I will grant them that they may wait upon their clergy, yea, upon their superstition, however common, old and highly renowned it be, as long as they please. But we seek the pure and upright manner which is set before us in Scripture; we trouble ourselves not much what custom and the fathers have given or held in the matter. Since we have long ago learned sufficiently that we are not bound, nor must nor will be subject to human ordinances, but we will, as it shall please us, out of Christian liberty be lords over them, as it is written, 1 Cor. 3:21, 22: 'All things are yours, whether Peter or Paul; but ye are Christ's.'"
Is it, however, dear reader, earnestly your concern to be in-