Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 24 › Seite 186

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-07-22, Seite 186

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frei, zu thun und zu leben, wie sie wollen. Denn das Heil und die Erlösung der Christen erklärte er auf eine gotteslästerliche Weise, nämlich, daß es eine Befreiung sei von jener Knechtschaft, durch welche die Menschen zu guten Thaten nach dem Gebot Gottes verpflichtet wären, und ihnen nicht frei stünde, zu thun was sie wollten. Das ist ein bitterer und wahrhaft ein recht eigentlich satanischer Hohn, durch welchen er die Lehre der Apostel von der Gerechtigkeit des Glaubens umsonst, aus Gnaden, und von der christlichen Freiheit verhöhnen und verspotten, und frommen Herzen verdächtig und verhaßt machen wollte. Ernstlich und von Herzen entsetzen wir uns auch vor der Gotteslästerung des Basilides, welcher vorgegeben hat, wir werden also aus bloßer Gnade durch den Glauben selig, daß nun alle möglichen Handlungen einander völlig gleich seien, und dieselben ohne allen Unterschied sammt aller Lustbegierde gehegt und verübt werden könnten. Wir verwerfen und verdammen auch die Lehre der Gnostiker, welche gesagt haben, sie werden durch die bloße Erkenntniß selig; und wegen der Vortrefflichkeit des Glaubens werden sie so geistlich, daß sie nicht aus der Gnade fallen können, sie mögen verüben was sie wollen. Wir bezeugen auch unser großes Mißfallen über der Rede des Aetius und Eunomius, welche Augustin anführt: Diese sollen nämlich in solchem Grade Feinde guter Sitten gewesen sein, daß sie versichert haben: keinem könne weder die Verübung noch das Beharren in irgend einer Sünde etwas schaden, wenn er sich nur an den Glauben halte, den sie lehrten.

Diese Dinge habe ich zu dem Zwecke hier angeführt, daß rechtschaffene, redliche Männer, wo sie auch sein mögen, einsehen könnten, daß unsere Kirchen auf eine ganz ungerechte Weise durch solche Verläumdungen geschmähet werden, als ob wir die andere Wohlthat des Sohnes Gottes, nämlich die Erneuerung des Geistes verwürfen, und die Lehre von der Buße und vom neuen Gehorsam, von der Liebe und von guten Werken schlechterdings aus unseren Kirchen ausschlössen. Auch war es nöthig, diese Erklärung vorauszuschicken, damit der eigentliche Punct, um den sichs in diesem Streite dreht und handelt, und der von den Tridentinern so hinterlistig und mit so großem Fleiß verdeckt und versteckt wird, klar und deutlich angezeigt und aufgestellt werden könnte. Denn keineswegs ist das die Frage; ob die Gläubigen, nachdem sie Vergebung der Sünden durch den Glauben an Christum empfangen, auch im Geist ihres Gemüthes erneuert werden? auch ist nicht die Frage: ob auch die Erneuerung zu den Wohlthaten Christi gehöre? auch wird nicht darum gestritten, ob in einem Menschen Buße sein müsse und Reue, und ein guter Vorsatz, und ob die Liebe angefangen werden und gute Werke folgen müssen? Denn das Alles bekennen und lehren wir ganz klar und deutlich, und treiben es auch fleißig in unsern Kirchen. Da nun diese Dinge sich also verhalten, so möge der Leser bei sich selbst bedenken und überlegen, was das für ein elender, unwürdiger, schändlicher Kunstgriff und Kniff sei, in einer so ernsten Sache, in einem so wichtigen Lehrstreit mit sophistischen, ja taschenspielerischen Künsten, Schwänkungen, Verdrehungen und Ausflüchten zu spielen und den wahren Stand der Frage und des Streites zu verdunkeln und zu verstecken.

Zeugnisse, aus Lutheri Schriften, gesammelt von M. Martin Statius, evangel. Prediger zu St. Johann in Danzig, in seinem Lutherus redivivus, (der wieder von den Todten erstandene Luther); welche klar und augenscheinlich beweisen, daß die Vorwürfe und Beschuldigungen der Papisten gegen Luther und seine und seiner Glaubensgenossen Lehre nichts Anderes, als unverschämte, boshafte Schmähungen und Verläumdungen sind.

1. Zeugniß. Nachweisung, wenn der Glaube vor Gott gerecht macht, wo dann die Werke bleiben?

Wir haben eine helle und bestimmte Art und Weise, von der Gnade und von Vergebung der Sünde zu reden; weil wir die Werke und den Glauben rein und richtig unterscheiden, und einem Jeden seine eigene Art und sein Amt zutheilen, wodurch man in den Stand gesetzt wird, von allen andern Theilen und Lehren gewiß zu richten und zu urtheilen. Wenn aber dieser richtige Unterschied nicht klar gehalten wird, so bleibt immer etwas von den Werken, welche dem Glauben helfen sollen, mit eingemengt. Dieses siehet man an den Papisten, unter welchen die Allerbesten gelehrt haben, und noch lehren, daß dem Glauben die Werke oder die Liebe, Kraft und Gestalt geben; wie sie sagen: der Glaube sei gestaltet, und die Liebe sei die Gestalt des Glaubens; und sie führen gar herrlich den Spruch St. Pauli Gal. 5. an: In Christo gilt weder Beschneidung noch Vorhaut etwas, sondern der Glaube, so durch die Liebe thätig ist; sie verstehen darunter, daß der Glaube nicht vor den Werken, sondern durch die Werke, Gnade und Seligkeit erwerbe; obgleich St. Paulus hier nicht davon redet, was der Glaube in seinem eigenen Werk sei oder thue, (was er vorher durch die ganze Epistel deutlich und reichlich lehrt), auch nicht, was die Liebe sei oder thue; sondern ganz kurz zusammenfaßt, was ein ganz christliches Leben sein solle, nämlich, Glaube und Liebe: Glaube gegen Gott, der Christum ergreift, und Vergebung der Sünde ohne alle Werke bekommt; sodann Liebe gegen den Nächsten, welche, als des Glaubens Frucht, beweist, daß der Glaube recht, und nicht faul oder falsch, sondern thätig und lebendig ist. Darum sagt er nicht, daß die Liebe thätig, sondern daß der Glaube thätig sei; daß der Glaube die Liebe übe und thätig mache, und nicht die Liebe den Glauben, wie es die Papisten verkehren, und so der Liebe Alles und dem Glauben Nichts zuschreiben; während St. Paulus Alles dem Glauben zuschreibt; als der nicht allein die Gnade von Gott empfängt, sondern auch gegen den Nächsten thätig ist, und die Liebe oder Werke hervorbringt und wirkt. Nun sind ja auch alle Lehren, die uns auf Werke weisen, gegen die Taufe; in der wir ohne Werke die Gnade empfangen und ewig behalten sollen, wie diese Lehre St. Paulus überall gewaltig treibt.

2. Zeugniß. Nicht allein der Glaube, sondern auch die Werke werden von wahren Christen erfordert; daß diese Lehre nicht papistisch und was der Unterschied zwischen Luther's und der Papisten Lehre sei.

Wir zeigen, wie man dazu komme, daß man fromm vor Gott werde; sie, die Papisten, aber, wie allein vor den Leuten; wo sie es noch so gut machen; obgleich sie dasselbe (das Frommseyn) erheben wollen, als sollte es vor Gott gelten; sie brauen so in Einen Brei, als Solche, die Nichts davon, was sie sagen oder setzen, wissen oder erfahren haben. Denn was ist es, daß Du viel schreiest: wer gen Himmel kommen will, muß die Gebote halten ꝛc. Hieraus wirst du es nicht zuwege bringen. Denn schaue dich selbst an, und suche in deinem Busen, so wirst du finden, daß du in Sünden geboren bist und gelebt hast; und daß du nicht zu geben vermagst, was das Gesetz erfordert; was sperrest du denn den Leuten den Mund auf und sprichst mit solchen Worten: du sollst fromm sein, so wirst du selig, woraus doch Nichts folgt, und wodurch du Niemand zeigest, wie er dazu kommen soll. Die Worte hör ich wohl, was das Gesetz erfordert: wie bring ichs aber dazu, daß es so gehe? Da weisest du mich abermals auf mich, und sprichst: Du mußt gute Werke thun. Wie bestehe ich aber vor Gott? wenn ich gleich gute Werke gethan habe und vor den Leuten fromm gewesen bin, wie du mich lehrest; und wie geschieht es, daß ich gewiß sei, daß Gott mich auch dafür halte? Denn da ist mein eigenes Herz und Gewissen gegen mich, und spricht Nein dazu. Du solltest aber mich lehren, wie St. Paulus 1 Timoth. 1. und überall thut: daß das Frommsein aus dem bloßen, ungefälschten Glauben hervorgehen muß; daß man vor allen Dingen den Gnadenstuhl erlange, und dort habe und zusetze, was uns mangelt; dann erst ist der Spruch: „Halte die Gebote,“ recht verstanden; denn das will das Gesetz, daß du ganz fromm seiest, sowohl vor Gott, als vor den Leuten. Wenn du das hast, so gehe dann heraus unter die Leute, und übe die Liebe, und thue gute Werke; so allein kommt man recht zur Sache, und erfüllt alle solche Sprüche; denn auf diese Weise gibt und thut der Mensch, was das Gesetz erfordert: zum Ersten, vor Gott; doch nicht durch sich, sondern durch Christum, ohne den wir vor Gott Nichts thun können; dann auch durch sich selbst vor den Leuten. Ein Solcher ist nun ganz fromm; inwendig durch den Glauben, oder Christum; dann auswendig durch sein Thun; doch so, daß auch damit Vergebung der Sünde verbunden sei; in der Art,

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free to do and to live as they please. For the salvation and redemption of Christians he declared in a blasphemous manner to be, namely, a deliverance from that bondage by which men were bound to good deeds according to the commandment of God, and were not free to do what they would. This is a bitter and truly most thoroughly satanic mockery, by which he sought to deride and scoff at the doctrine of the Apostles concerning the righteousness of faith, freely, by grace, and concerning Christian liberty, and to make it suspected and hateful to pious hearts. Earnestly and from the heart we also shudder at the blasphemy of Basilides, who pretended that we are saved by sheer grace through faith in such a way that all possible actions are now altogether alike, and that the same, without any distinction, together with all lust, might be indulged and committed. We also reject and condemn the doctrine of the Gnostics, who said that they are saved by mere knowledge; and that because of the excellence of faith they become so spiritual that they cannot fall from grace, whatever they may commit. We also testify our great displeasure at the saying of Aetius and Eunomius, which Augustine cites: These are said to have been such enemies of good morals that they asserted: no one could be harmed in the least, either by the commission of any sin or by continuing in it, if only he held to the faith which they taught.

These things I have cited here for the purpose that upright, honest men, wherever they may be, might see that our churches are reviled in a wholly unjust manner by such slanders, as if we rejected the other benefit of the Son of God, namely the renewal of the Spirit, and shut out utterly from our churches the doctrine of repentance and of the new obedience, of love and of good works. It was also necessary to premise this declaration, in order that the real point on which this controversy turns and is conducted, and which is so craftily and with so great diligence covered and hidden by the Tridentines, might be clearly and plainly indicated and set forth. For by no means is this the question; whether believers, after they have received forgiveness of sins through faith in Christ, are also renewed in the spirit of their mind? nor is this the question: whether renewal also belongs to the benefits of Christ? nor is it disputed whether in a man there must be repentance and contrition, and a good purpose, and whether love must be begun and good works follow? For all this we confess and teach quite clearly and plainly, and also diligently urge it in our churches. Since now these things stand thus, let the reader consider and reflect within himself what a wretched, unworthy, shameful trick and artifice it is, in so serious a matter, in so important a doctrinal controversy, to play with sophistical, yea, juggling arts, evasions, perversions and subterfuges, and to obscure and conceal the true state of the question and of the controversy.

Testimonies from Luther's writings, gathered by M. Martin Statius, evangelical preacher at St. John's in Danzig, in his Lutherus redivivus, (Luther risen again from the dead); which clearly and manifestly prove that the reproaches and accusations of the Papists against Luther and his doctrine and that of his fellow believers are nothing else than shameless, malicious revilings and slanders.

1. Testimony. Showing, if faith makes righteous before God, where then the works remain?

We have a clear and definite manner of speaking of grace and of the forgiveness of sin; because we distinguish works and faith purely and rightly, and assign to each its own nature and its office, whereby one is put in a position to judge and decide with certainty concerning all other parts and doctrines. But if this right distinction is not kept clear, then something of the works, which are to help faith, always remains mixed in. This one sees in the Papists, among whom the very best have taught, and still teach, that works or love give faith strength and form; as they say: faith is formed, and love is the form of faith; and they cite very gloriously the saying of St. Paul, Gal. 5: In Christ Jesus neither circumcision availeth any thing, nor uncircumcision, but faith which worketh by love; they understand by this that faith obtains grace and salvation not before works, but through works; although St. Paul here does not speak of what faith is or does in its own work, (which he has taught plainly and abundantly before throughout the whole Epistle), nor of what love is or does; but sums up quite briefly what a wholly Christian life should be, namely, faith and love: faith toward God, which lays hold of Christ and receives forgiveness of sin without any works; then love toward the neighbor, which, as the fruit of faith, proves that the faith is right, and not idle or false, but active and living. Therefore he does not say that love is active, but that faith is active; that faith exercises love and makes it active, and not love faith, as the Papists pervert it, ascribing thus everything to love and nothing to faith; whereas St. Paul ascribes everything to faith; as that which not only receives grace from God, but is also active toward the neighbor, and brings forth and works love or works. Now all doctrines, too, which point us to works are against Baptism; in which we are to receive grace without works and keep it forever, as St. Paul everywhere mightily urges this doctrine.

2. Testimony. Not faith alone, but works also are required of true Christians; that this doctrine is not papistical, and what the difference is between Luther's doctrine and that of the Papists.

We show how one comes to be pious before God; they, the Papists, however, how to be so only before men; where they do it ever so well; although they would exalt the same (piety) as if it were to count before God; they brew it all into one porridge, as people who have nothing of what they say or set forth, known or experienced. For what is it that thou criest much: he who would get to heaven must keep the commandments, etc. By this thou wilt not bring it to pass. For look at thyself, and search in thy bosom, and thou wilt find that thou wast born in sins and hast lived in them; and that thou art not able to give what the law requires; why then dost thou open the mouth of the people and speakest with such words: thou shalt be pious, so wilt thou be saved, from which nothing follows, and whereby thou showest no one how he is to come to it. The words I hear well enough, what the law requires: but how do I bring it about that it so goes? Thou pointest me again to myself, and sayest: Thou must do good works. But how do I stand before God? even if I have done good works and have been pious before men, as thou teachest me; and how does it come about that I am sure that God also holds me for such? For there is my own heart and conscience against me, and says No to it. But thou shouldst teach me, as St. Paul does in 1 Timoth. 1. and everywhere: that piety must proceed from sheer, unfalsified faith; that one must above all things obtain the mercy-seat, and have and add there what we lack; only then is the saying: "Keep the commandments," rightly understood; for this is what the law wills, that thou be wholly pious, both before God and before men. When thou hast that, then go forth among the people, and exercise love, and do good works; so alone does one come rightly to the matter, and fulfil all such sayings; for in this way man gives and does what the law requires: first, before God; yet not through himself, but through Christ, without whom we can do nothing before God; then also through himself before men. Such a one is now wholly pious; inwardly through faith, or Christ; then outwardly through his doing; yet so, that forgiveness of sin also is joined therewith; in the manner,