Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 24 › Seite 187
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-07-22, Seite 187
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und eingedenk, daß der Christen Gerechtigkeit allerdings vielmehr in Vergebung, als in eigenem Thun besteht; was jene losen Wäscher umlehren, und ohne Vergebung allein auf unser Thun dringen.
3. Zeugniß. Wie zum christlichen Leben vorzüglich Glauben und Liebe gehören; von welchen man richtig lehren und predigen soll.
Diese zwei Artikel sind zu lehren und zu predigen. Erstens soll man dafür sorgen, daß der Glaube an Christum recht gepredigt werde. Sodann soll man predigen, daß die Früchte und guten Werke recht getrieben werden. Zum Glauben gehört, daß wir wissen, was die Sünde, das Gesetz und der Tod sei, und was er herbeiführet. Ferner, wie wir wieder zum Leben kommen, und in demselben bleiben. Auf diese Weise lehret Paulus in allen seinen Episteln, sonderlich in der an die Römer; zuerst vom Glauben an Christum, und pflanzet einen guten Baum; gleichwie Einer, der einen guten Garten anlegen will, zuerst gute Bäume haben muß; so thut auch Paulus: vorn herein pflanzet er gute Bäume; und lehrt, wie wir gute Bäume werden, nämlich: gläubig und selig werden sollen. Dieses hat er bis an das 12. Capit. des Römerbriefes beschrieben: Hier im 12. Capit. lehrt er die Früchte des Glaubens bis ans Ende der Epist.; damit wir nicht falsche Christen sein sollen, die allein den Namen haben, sondern rechte, wahrhaftige Gläubige sein sollen. Dieses ist die Predigt von guten Werken, welche Gott vorzeichnet; daß wir, die wir durch den Tod des Sohnes Gottes erlöset sind, gottselig leben sollen, als die wir nicht in dieses, sondern in das ewige Leben gehören, wenn wir anders recht glauben, daß wir nicht nach dem Glauben wieder in die Welt gerathen, wie er denn kurz zuvor gesagt hat: Erneuert euch im Geist eures Gemüthes. — Es soll unsere Sorge sein, daß wir Gott, dem Vater aller Barmherzigkeit und Trostes dankbar sein, und hinfort uns anstellen, daß unser Glaube nicht in den Worten, sondern in der Kraft bestehe. Denn Paulus spricht 1. Cor. 4.: Das Reich Gottes bestehet nicht in Worten, sondern in Kraft. Es ist nicht genug, daß wir fein davon reden und schreiben können; sondern das Leben und die That muß der Wahrheit Zeugniß geben, daß wir unsere Liebe und unsere Wohlthaten gegen Freunde und Feinde darbringen.
4. Zeugniß. Von der falschen Mittelstraße der Welt.
Die Welt bleibt allezeit so, daß sie entweder falsch vom Glauben rühmt; oder daß sie ohne Glauben allzuheilig sein will. Predigt man vom Glauben und von der Gnade, so will Niemand Werke thun: dringt man auf die Werke, so will Niemand an den Glauben; und es sind diejenigen selten, die sich auf der rechten Mittelstraße halten; ja es wird auch wohl den frommen Christen schwer. Denn ich bekenne für mich selbst, und ohne Zweifel müssen es Andere auch bekennen, daß mirs an demjenigen Fleiß und Ernste mangelt, den ich jetzt viel mehr als vorhin haben sollte; und daß ich viel nachlässiger bin, als unter dem Papstthum; und es ist jetzt nirgends ein solcher Ernst bei dem Evangelio, wie man vorher bei Mönchen und Pfaffen gesehen; wo man so viel gestiftet und gebauet hatte; und wo Niemand so arm war, der nicht Etwas hätte geben wollen. Aber jetzt ist nicht eine Stadt, die einen Prediger ernähren will; und nur Rauben und Stehlen herrscht unter den Leuten, und sie lassen ihnen Niemand wehren. Woher kommt diese schändliche Plage? Von der Lehre, sagen die Widersacher, daß man lehrt, man solle nicht auf die Werke bauen und trauen. Aber nein! es ist der leidige Teufel, welcher der reinen, heilsamen Lehre fälschlich das zumisset, woran vielmehr seine und der Leute Bosheit Schuld ist, die diese Lehre mißbrauchen; so wie auch die Trägheit unseres alten Adams, der immer den Holzweg zur Seiten hinaus will, und denket, es habe nicht Noth, ob wir gleich nicht viel gute Werke thun; und wir werden unversehens faul und unachtsam, und versauern darin, bis wir den Saft und die Kraft des Glaubens gar verlieren. — Auf der rechten Mittelstraße will Niemand bleiben; daß wir uns nämlich gerade vor Gott verläugneten, als Solche, die Nichts suchen, als lauter Gnade; und diese, die auch angeboten und verheißen wird, empfangen; dann aber hingingen und thäten, was wir könnten, und zwar auch frei umsonst, um keines Verdiensts oder eigenen Genusses willen; man sagt und predigt dieß; man hörts wohl; es kann es aber Niemand, wenn mans können und beweisen soll. —
Ich habe ja fleißig bisher und noch gelehret und ermahnet, daß man Glaube und Liebe nur wohl von einander unterscheide, und ein Jedes recht lehre und treibe. Denn man gibt uns sonst Schuld, weil wir des Glaubens Lehre so hoch treiben, daß wir von guten Werken Nichts predigen, noch halten; obgleich wir doch vor aller Welt bezeugen können, daß wir viel herrlicher und gewaltiger von guten Werken gepredigt haben, als sie selbst, die uns lästern. Aber das strafen wir, daß sie die Werke und den Glauben nicht unterscheiden, sondern unter einander bräuen und mengen, daß man nicht weiß, was der Glaube oder was die Werke thun und geben; ja daß sie vom Glauben, bevor wir mit unserer Lehre aufgetreten sind, gar Nichts gewußt, und Alles den Werken beigelegt haben, was Christus durch den Glauben geben soll. Wir aber dringen darauf, daß man von Beiden einen rechten Unterricht und gewissen Verstand habe und behalte, wie weit der Glaube und die Liebe, oder wie weit die Werke gehen. Denn die Welt will doch der wahren Wege keinen recht, sondern immer den Holzweg gehen: entweder gar Nichts thun und wirken, oder nicht gläuben; sie fährt immer zur Seiten hinaus, indem sie entweder den Glauben oder die Liebe fahren läßt; die Mittelstraße nur will sie nicht treffen, dadurch, daß sie den Glauben gegen Gott rein und unversehrt, und die Liebe gegen den Nächsten von rechtschaffenem Herzen übte; wie dieses auch St. Johannes Beides fordert und treibt, der, ob er gleich vornehmlich sich vorgenommen, zur Liebe zu ermahnen, doch auch des Glaubens nicht vergißt, und sich immer auf ihn bezieht. — So wollen und können jene, unsere Widersacher, nicht lehren, sondern wollen entweder den Werken Alles geben, oder, wie Andere, die Liebe gar unterlassen, und meinen, es sei genug, daß sie viel vom Glauben sagen können. Du aber bleibe auf dieser rechten Mittelstraße, daß du nicht nur den Hauptruhm gegen Gott behaltest, auf den wir endlich und gründlich unsere Zuversicht setzen müssen, auf den wir auch getauft sind, und Beides, leben und sterben müssen; welcher ist unser Herr Jesus Christus, der unsere Sünde durch sein Blut abgewaschen hat, und jetzt zur rechten Hand des Vaters sitzet und uns Alles schenket; sondern daß du auch dabei gegen der Welt dich rühmen, und von deiner Liebe trotzen könnest, daß es nicht in bloßen Worten bestehe, sondern vor Gottes Gericht bestehen, und daselbst beweisen können, daß es ein rechter, ungefärbter Glaube, und eine rechtschaffene, völlige Liebe gewesen sei, die ihre Tugend und ihre Art durch rechte Werke darthut, so daß man's sehen und und greifen könne. — Denn der wahre Glaube ist nicht ohne die Liebe, sondern ist durch dieselbe thätig, soll er anders kein erdichteter, heuchlerischer, sondern ein rechter, lebendiger Glaube sein. Denn ein lebendiger Glaube ist derjenige, der sich in guten Werken durch die Liebe übt und und anhält. Das ist denn nichts anders als so viel gesagt: Wer ein rechter Christ und in Christi Reich sein will, der muß wahrlich einen rechten Glauben haben: nun ist aber freilich der Glaube nicht recht, wo nicht die Werke der Liebe nachfolgen. — Denn, wenn der Mensch durch den Glauben an Christum gerecht worden ist, und ihn durch den Glauben bekommen hat; und nun weiß, daß derselbe seine Gerechtigkeit und sein Leben ist: alsdann wird er gewiß nicht müssig und ohne Werke bleiben; sondern er hat den heiligen Geist; wo aber der ist, läßet er den Menschen nicht faul noch müssig sein; sondern treibt ihn zu allerlei Gutem. Darum sagen wir auch, daß der Glaube ohne Werke nichts werth oder unnütz sei; das ist, daß der Glaube, der ohne Werke ist, lauter Nichts, das ist, ein schlechter, erdichteter Wahn und Traum des Herzens ist, welcher falsch ist und nicht gerecht macht. Gleichwohl machen die Werke der Liebe den Glauben nicht rechtschaffen, sondern mein Glaube macht die Werke rechtschaffen. Darum sagt Paulus, daß weder die Beschneidung noch Vorhaut etwas gelte, sondern eine neue Creatur, wodurch wir dem Ebenbilde Gottes ähnlich werden; welche nicht durch Werke der Liebe geschaffen wird, sondern durch den heiligen Geist, welcher durch den Glauben die Herzen reinigt, uns einen neuen Verstand und Willen gibt, daß wir Gott fürchten, lieben und ihm vertrauen; und der uns Kraft verleiht, das Fleisch zu zähmen, und uns vor der Welt Gerechtigkeit und Weisheit zu hüten.“ Es heißt demnach eine neue Creatur die Erneurung des Sinnes, die durch den heiligen Geist geschieht. Hieraus folgt denn
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and mindful that the righteousness of Christians consists, indeed, much rather in forgiveness than in their own doing; which those idle babblers overturn, and, without forgiveness, press for our doing alone.
3. Testimony. How faith and love above all belong to the Christian life; of which one should rightly teach and preach.
These two articles are to be taught and preached. First, care must be taken that faith in Christ be rightly preached. Then one should preach that the fruits and good works be rightly practised. To faith it belongs that we know what sin, the law and death are, and what it brings with it. Further, how we come to life again, and abide in it. In this way Paul teaches in all his Epistles, especially in that to the Romans; first of faith in Christ, and plants a good tree; just as one who would lay out a good garden must first have good trees: so also does Paul: at the very outset he plants good trees; and teaches how we become good trees, namely, by becoming believing and saved. This he has described up to the 12th Chapter of the Epistle to the Romans: Here in the 12th Chapter he teaches the fruits of faith to the end of the Epistle; that we should not be false Christians, who have only the name, but true, genuine believers. This is the preaching of good works which God prescribes; that we, who have been redeemed by the death of the Son of God, should live godly, as those who belong not to this, but to the eternal life, if we truly believe that we do not after faith fall back into the world, as he said shortly before: Be ye renewed in the spirit of your mind. — Let it be our care that we be thankful to God, the Father of all mercies and comfort, and henceforth so conduct ourselves that our faith consist not in words, but in power. For Paul says, 1 Cor. 4: The kingdom of God is not in word, but in power. It is not enough that we can talk and write finely about it; but life and deed must bear witness to the truth, that we show our love and our benefits toward friends and enemies.
4. Testimony. Of the false middle way of the world.
The world always remains so that it either boasts falsely of faith; or wants to be over-holy without faith. If one preaches of faith and of grace, then no one will do works: if one presses for works, then no one will have faith; and those are few who keep to the right middle way; yea, it is hard even for pious Christians. For I confess for myself, and without doubt others must also confess, that I lack that diligence and earnestness which I now ought to have much more than before; and that I am much more remiss than under the Papacy; and there is now nowhere such earnestness for the Gospel as was formerly seen among monks and priests; where so much was endowed and built; and where no one was so poor that he would not have given something. But now there is not a city that will support a preacher; and nothing but robbing and stealing prevails among the people, and they let no one restrain them. Whence comes this shameful plague? From the doctrine, say the adversaries, that one teaches that we should not build and trust upon works. But no! it is the wicked devil who falsely imputes to the pure, wholesome doctrine that of which rather his own and the people's wickedness is the cause, who abuse this doctrine; as also the sloth of our old Adam, who always wants to go astray down the wood-path to one side, and thinks there is no need, though we do not do many good works; and we become unawares lazy and heedless, and grow sour therein, until we lose the sap and strength of faith altogether. — On the right middle way no one will remain; namely, that we should deny ourselves quite before God, as those who seek nothing but pure grace; and receive this, which is also offered and promised; but then should go and do what we could, and indeed also freely, for nothing, for the sake of no merit or enjoyment of our own; this is said and preached; it is well heard; but no one can do it, when it is to be done and proved. —
I have, indeed, diligently taught and exhorted hitherto and still, that faith and love be well distinguished from one another, and each be rightly taught and practised. For otherwise we are blamed, because we urge the doctrine of faith so highly, that we preach nothing of good works, nor hold to them; although we can testify before all the world that we have preached much more gloriously and powerfully of good works than they themselves who revile us. But this we rebuke, that they do not distinguish works and faith, but brew and mix them together, so that one does not know what faith or what works do and give; yea, that before we came forward with our doctrine they knew nothing at all of faith, and ascribed to works everything which Christ is to give through faith. But we insist that one have and retain a right instruction and certain understanding of both, how far faith and love, or how far works, extend. For the world will, indeed, rightly take none of the true ways, but always the wood-path: either do nothing at all and work nothing, or not believe; it ever goes aside, in that it lets go either faith or love; the middle way alone it will not hit upon, by exercising faith toward God pure and unimpaired, and love toward the neighbor from an upright heart; as St. John also requires and urges both, who, though he had chiefly set himself to exhort to love, yet does not forget faith either, and refers always to it. — So those, our adversaries, neither will nor can teach, but either want to give everything to works, or, like others, leave love altogether undone, and think it is enough that they can say much of faith. But do thou keep to this right middle way, that thou not only retain the chief boast toward God, on whom we must ultimately and thoroughly place our confidence, on whom we are also baptized, and must both live and die; who is our Lord Jesus Christ, who has washed away our sin by His blood, and now sitteth at the right hand of the Father and giveth us all things; but that thou mayest also withal boast before the world, and defy it with thy love, that it consists not in mere words, but may stand before God's judgment, and there prove that it was a right, unfeigned faith, and an upright, perfect love, which shows its virtue and its nature by right works, so that one can see it and and grasp it. — For true faith is not without love, but is active through it, if it is not to be a feigned, hypocritical, but a right, living faith. For a living faith is that which exercises and and continues in good works through love. That is, then, nothing else than as much as to say: Whoever would be a true Christian and in Christ's kingdom, must truly have a right faith: but now faith is certainly not right where the works of love do not follow. — For when man has become righteous through faith in Christ, and has obtained Him through faith; and now knows that He is his righteousness and his life: then he will surely not remain idle and without works; but he has the Holy Ghost; but where He is, He does not let the man be lazy or idle; but drives him to all manner of good. Therefore we also say that faith without works is worth nothing or useless; that is, that faith which is without works is sheer nothing, that is, a poor, feigned delusion and dream of the heart, which is false and does not make righteous. Nevertheless the works of love do not make faith upright, but my faith makes the works upright. Therefore Paul says that neither circumcision nor uncircumcision availeth any thing, but a new creature, whereby we are made like the image of God; which is not created by works of love, but by the Holy Ghost, who through faith cleanses the hearts, gives us a new understanding and will, that we fear, love and trust God; and who gives us strength to tame the flesh, and to guard us against the righteousness and wisdom of the world." It is called, accordingly, a new creature, the renewal of the mind, which is wrought by the Holy Ghost. From this follows then