Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 24 › Seite 189
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-07-22, Seite 189
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription AI-corrected against the scan
189
verlörest, so hast du Christum verloren. Wenn aber der dahin ist, so wird dir freilich der Liebe Einigkeit nichts nütze sein.
Dagegen wenn du die Einigkeit des Geistes und Christum erhältest, schadet dirs nicht, ob du gleich mit denen nicht eines bist, so das Wort verkehren und fälschen, und dadurch die Einigkeit des Geistes zertrennen. Darum will ich lieber, daß nicht allein sie, sondern auch die ganze Welt von mir abfalle, und meine Feinde werden, denn daß ich von Christo abfallen und ihn zum Feinde haben sollte; welches aber denn geschähe, wenn ich sein klar öffentlich Wort fahren ließe, und hinge ihren losen Träumen an, dadurch sie die Worte Christi auf ihre Meinung zwingen wollen. Mir ist der einige Christus viel größer und mehr, denn unzählig viel Einigkeiten der Liebe.
Mit denen aber, so Christum lieben und sein Wort recht lehren und gläuben, erbieten wir uns, daß wir nicht allein wollen Friede und Einigkeit halten, sondern wollen auch herzlich gern leiden und tragen alle ihre Schwachheit und Sünde; wollen sie gern mit sanftmüthigem Geist unterweisen, wenn sie gefallen sind; wie St. Paulus nicht allein hier lehret, sondern auch mit der That beweiset. Denn er hat den Galatern ihre Schwachheit zu gute gehalten, da sie so greulich gefallen sind; item, andern Gemeinden mehr, so die falschen Apostel verkehret haben, da sie sich von Herzen und mit Ernst bekehrten und besserten. Also hat er auch den Blutschänder wieder aufgenommen, 2 Cor. 2. 5. sqq. Item den Knecht Onesimon, welchen er zu Rom im Gefängniß zum Glauben bekehrete, hat er mit seinem Herrn wiederum versöhnet, dem er entlaufen war, Philem. v. 10. sqq. Hat also eben das, so er hie und anderswo lehret, durch sein selbst Exempel fein bewiesen, wie man denen wieder aufhelfen soll, so da gefallen sind.: doch die solche sind, so ihnen rathen lassen, das ist, die ihren Irrthum, Sünde und Fall von Herzen erkennen, und sich wiederum bessern; dagegen aber hat er aufs allergeschwindeste gefahren mit den falschen Aposteln, so verstockt waren, und ihre Lehre, als wäre sie nicht irrig, sondern rechtschaffen vertheidigen wollten: „Wollte Gott, saget er cap. 5, 12., daß sie auch ausgerottet würden, die euch verstören!“ Item v. 10: Wer euch aber irre machet, der wird sein Urtheil tragen, er sei wer er wolle.“ Item cap. 1, 8: „So auch wir oder ein Engel vom Himmel herab u. s. w. der sei verflucht.“
Und ist kein Zweifel daran, es werden viel gewesen sein, die die falschen Apostel wider St. Paulum vertheidiget und gesagt haben: Sie hätten gleich sowohl den Geist, und wären Christi Diener, die das Evangelium lehreten, als St. Paulus. Ob sie nun gleich mit ihm in allen Artikeln der Lehre nicht übereinstimmeten, sollte er darum wider sie ein solch Urtheil nicht sprechen; sintemal er dadurch, daß er so steif sein wollte, anders nichts ausrichtete, denn daß er die christliche Gemeinde nur irre machte, und ihre feine Einigkeit zertrennete u. s. w.
Er läßt sich aber solche schöne Worte gar nichts anfechten, sondern gehet frei hindurch, verdammet und verflucht die falschen Apostel, nennet sie ohne allen Scheu Verstörer der Gemeinden und Verkehrer des Evangelii Christi; erhebt dagegen seine Lehre so hoch, und will, daß ihr alles soll weichen und Platz geben, es sei Einigkeit der Liebe, Apostel, Engel vom Himmel, oder was endlich sein möge u. s. w.
Darum mögen die, so da wollen treue Seelsorger sein, aus dieser Lehre St. Pauli mit Fleiß lernen, wie sie mit denen umgehen sollen, so da gefallen sind. Lieben Brüder, saget er, so ein Mensch übereilet wird, verbittert noch betrübet ihn nicht weiter, verwerfet oder verdammet ihn nicht; sondern helfet ihm zur Besserung, erquicket oder unterweiset ihn, (denn also hält das griechische Wort,) und was der Teufel durch seine List und Schwachheit des Fleisches in ihm verderbt hat, das bringt wiederum zur Besserung durch eure Sanftmüthigkeit. Denn das Reich, darin ihr berufen seid, ist nicht ein Reich, darinnen man die Gewissen schrecken und martern, sondern sie zurecht bringen und trösten soll. Derhalben wo ihr etwa einen Bruder sehet, der erschrocken ist um seiner Sünde willen, so er gethan hat, da laufet flugs zu, reichet ihm die Hand, daß er von seinem Fall wiederum aufstehe, tröstet ihn mit süßen, lieblichen Worten, nehmet ihn mit mütterlichem Herzen auf. Diese Hartsinnigen und Verstockten aber, so ohne Furcht in aller Sicherheit in Sünden beharren und fortfahren, die scheltet und strafet hart; wiederum aber, die, so etwa von einem Fehl übereilet werden, denen ihr Fall leid ist, und drüber in Traurigkeit kommen, denen sollt ihr, die ihr geistlich seid, aufhelfen, und sie unterweisen, und solches mit sanftmüthigem Geist. Nicht mit großer Schärfe und Strenge; wie weiland etliche Beichtväter zu thun pflegten, welche also geschickt waren, wenn sie die betrübten schwachen Herzen mit einem süßen, lieblichen Trostspruch laben und erquicken sollten, gaben sie ihnen anders nichts, denn eitel Essig und Gallen zu trinken, wie die Jüden Christo am Kreuz thaten.
Daraus denn genugsam zu verstehen, daß die Vergebung der Sünden nicht gelten soll, wenn man in der Lehre irret, oder wider die erste Tafel sündiget, und will es noch dazu für Recht erstreiten, wie die Sacramentirer fürgeben; sondern wenn es einer versiehet, fället in eine Sünde, und ist ihm doch leid u. s. w. da soll einer den andern nicht verdammen, noch mit großem Zorn und Grimm schelten; wie der Prophet Ezechiel von den Hirten Israels saget (cap. 34, 4.), daß sie strenge und hart über die Heerde Gottes geherrscht haben; sondern wenn etwa ein Bruder gefallen ist, soll ihn sein Seelsorger oder ein anderer Bruder mit sanftmüthigem Geist trösten. Da soll denn, der gefallen ist, ihm sagen lassen, dem gläuben, das ihm aus Gottes Wort gesaget wird, und es annehmen als Gottes Trost. Denn es will ja Christus nicht, daß man die, so zerbrochenen Herzens sind, wegwerfen, sondern ihnen aufhelfen soll, wie der 146. Psalm v. 8 saget: Sie kosten ihn zu viel, nehmlich sein Leben und Blut, darum sollen auch wir solche mit Sanftmuth aufnehmen, ihnen helfen und sie heilen. Derhalben sagen wir die Vergebung nicht ab, weder den Sacramentirern, noch andern gottlosen Rotten; sondern von Herzen gern wollen wir ihnen verzeihen, was sie wider Christum gelästert haben, wollen auch alles deß, so sie uns mit Gewalt und Unrecht aufgelegt haben, gerne vergessen; doch mit der Bedingung, daß sie Buße thun, lassen ab von ihrer gottlosen Lehre, damit sie die christlichen Gemeinden verwirrt haben, und wandeln hinfort auf richtiger Bahn. Wo sie aber in ihrem Irrthum beharren, ist es umsonst, daß sie von uns bitten, daß wir ihnen vergeben und zu gute halten sollen.
Also lassen wir uns kurzum diesen Handel nicht so geringe machen; denn dem er angehöret, ist ein großer Herr. Einmal ist er wohl klein gewesen, nehmlich, da er in der Krippen lag; aber wie geringe er dazumal immer war, war er gleichwohl so groß und herrlich, daß ihn die Engel anbeten, und einen Herrn über alle Herren rühmen und bekennen mußten. Darum können noch wollen wir es nicht leiden, daß sein Wort in einem einigen Artikel verletzet oder verrücket werden soll. Denn in den Artikeln des Glaubens soll uns nichts geringe und klein dünken, daran wir etwas begeben oder nachlassen sollen oder können.
Die Vergebung der Sünden gehört für die, so im Glauben und Leben schwach und gebrechlich sind, und doch ihre Sünden erkennen und Vergebung bitten: für die aber, so die Lehre verkehren, gehöret sie nicht; denn sie erkennen ihre Sünde nicht, sondern mit aller Gewalt vertheidigen sie sie, als wären es nicht Sünden, sondern die lautere göttliche Wahrheit und Gerechtigkeit, und machen dadurch, wenn man ihnen nicht widerstehet, daß wir die rechte Vergebung der Sünden verlieren; denn das Wort, so uns Vergebung der Sünden verkündiget und bringet, das verkehren und fälschen sie. Darum, ist es ihnen ein Ernst mit ihrer Einigkeit, so werden sie aufs erste mit uns in Christo eines, das ist, sie erkennen ihre Sünde, und stehen von ihrem Irrthum ab, so soll es am sanftmüthigen Geist auf unserer Seite gewiß nicht fehlen. Fehlet es aber, so mögen sie denn billig über uns klagen.
Und wer die Worte des Apostels mit Fleiß ansiehet und ihnen nachdenket, der sieht klärlich, daß er nicht von Ketzerei oder Sünden wider die Lehre redet, sondern von viel geringern und leichten Sünden, darin der Mensch fället, nicht aus vorsetzlicher Bosheit, sondern aus Schwachheit.“ (Opp. Hal. VIII. 2781. ff.)
English translation AI translation
189
lost, thou hast lost Christ. And when He is gone, the unity of love will indeed be of no profit to thee.
On the other hand, if thou keepest the unity of the Spirit and Christ, it harms thee not, though thou be not one with those who pervert and falsify the Word, and thereby rend the unity of the Spirit. Therefore I would rather that not only they, but the whole world also, fall away from me, and become my enemies, than that I should fall away from Christ and have Him for an enemy; which would then come to pass if I let His clear, open Word go, and clung to their loose dreams, whereby they would force the words of Christ to their own opinion. To me the one Christ is much greater and more than countless unities of love.
But with those who love Christ and teach and believe His Word aright, we offer that we will not only keep peace and unity, but will also right gladly suffer and bear all their weakness and sin; will gladly instruct them in a spirit of meekness, when they have fallen; as St. Paul not only teaches here, but also proves by deed. For he bore with the Galatians in their weakness, though they had fallen so grievously; likewise with other congregations besides, which the false apostles had perverted, when they turned with heart and earnestness and amended. So also he received the incestuous man again, 2 Cor. 2. 5. sqq. Likewise the servant Onesimus, whom he converted to the faith at Rome in prison, he reconciled again with his master, from whom he had run away, Philem. v. 10. sqq. Thus he has proved well by his own example the very thing which he teaches here and elsewhere, how one ought to help up again those who have fallen: yet only such as are willing to be counselled, that is, who acknowledge from the heart their error, sin and fall, and amend themselves again; but on the other hand he dealt most sharply with the false apostles, who were obdurate, and would defend their doctrine as though it were not erroneous but right: "Would to God, saith he, cap. 5, 12., that they were even cut off which trouble you!" Likewise v. 10: Whosoever troubleth you shall bear his judgment, whosoever he be." Likewise cap. 1, 8: "But though we, or an angel from heaven, etc., let him be accursed."
And there is no doubt that there were many who defended the false apostles against St. Paul, and said: They had the Spirit just as well, and were servants of Christ, who taught the Gospel, as St. Paul. Though they did not agree with him in all the articles of doctrine, he ought not on that account to pronounce such a judgment upon them; seeing that by being so stiff he accomplished nothing else than that he only confused the Christian congregation, and rent their fine unity, etc.
But he lets such fair words trouble him not at all, but goes freely on, condemns and curses the false apostles, calls them, without any fear, troublers of the congregations and perverters of the Gospel of Christ; exalts on the other hand his doctrine so high, and wills that everything shall yield to it and give place, be it unity of love, apostles, angels from heaven, or whatever it may finally be, etc.
Therefore let those who would be faithful pastors learn diligently from this teaching of St. Paul how they are to deal with those who have fallen. Dear brethren, saith he, if a man be overtaken, embitter him not further, nor afflict him, reject him not nor condemn him; but help him to amendment, refresh or instruct him, (for so the Greek word means,) and what the devil has spoiled in him by his craft and the weakness of the flesh, that bring back again to amendment by your meekness. For the kingdom wherein ye are called is not a kingdom wherein men are to terrify and torture consciences, but to set them right and comfort them. Wherefore, where ye see a brother who is terrified on account of his sin which he has done, run quickly to him, reach him the hand, that he may rise again from his fall, comfort him with sweet, loving words, receive him with a motherly heart. But these hardened and obdurate ones, who without fear in all security continue and persist in sins, rebuke and chastise hard; but again, those who are overtaken by some fault, who are sorry for their fall, and are come into sorrow thereover, them ye that are spiritual shall help up, and instruct them, and that in a spirit of meekness. Not with great sharpness and severity; as in former times certain confessors were wont to do, who were so skilled that, when they should refresh and revive the troubled, weak hearts with a sweet, loving word of comfort, they gave them nothing else but mere vinegar and gall to drink, as the Jews did to Christ on the cross.
From this it may be sufficiently understood that the forgiveness of sins is not to avail when one errs in doctrine, or sins against the first table, and moreover will contend for it as right, as the Sacramentarians pretend; but when one oversees himself, falls into a sin, and is nevertheless sorry, etc., then one is not to condemn another, nor to scold with great wrath and fury; as the prophet Ezekiel says of the shepherds of Israel (cap. 34, 4.), that they ruled the flock of God with severity and hardness; but when a brother has fallen, his pastor or another brother shall comfort him in a spirit of meekness. Then he that has fallen shall suffer himself to be told, believe what is said to him from God's Word, and receive it as God's comfort. For Christ will not have those who are of a broken heart cast away, but helped up, as the 146th Psalm v. 8 says: They cost Him too much, namely His life and blood, therefore we also should receive such with meekness, help them and heal them. Therefore we do not deny forgiveness, neither to the Sacramentarians, nor to other godless factions; but from the heart we are glad to forgive them what they have blasphemed against Christ, and will also gladly forget all that they have laid upon us with violence and wrong; yet on this condition, that they do penance, cease from their godless doctrine, wherewith they have confused the Christian congregations, and walk henceforth in the right way. But where they persist in their error, it is in vain that they beg of us that we should forgive them and bear with them.
Thus, in short, we will not let this matter be made so small for us; for He to whom it belongs is a great Lord. Once indeed He was small, namely, when He lay in the manger; but however lowly He then ever was, He was nevertheless so great and glorious that the angels worshipped Him, and had to praise and confess Him a Lord above all lords. Therefore we neither can nor will suffer that His Word be injured or removed in a single article. For in the articles of faith nothing ought to seem to us small and trifling, in which we might yield or give way in anything, or could do so.
The forgiveness of sins belongs to those who are weak and frail in faith and life, and yet acknowledge their sins and pray for forgiveness: but for those who pervert the doctrine, it does not belong; for they do not acknowledge their sin, but with all their might defend it, as though they were not sins, but the pure divine truth and righteousness, and thereby bring it about, if one does not withstand them, that we lose the true forgiveness of sins; for the Word which proclaims and brings us forgiveness of sins, that they pervert and falsify. Therefore, if they are in earnest about their unity, they will first become one with us in Christ, that is, they will acknowledge their sin, and desist from their error, and then there shall surely be no lack of a meek spirit on our side. But if it be lacking, then they may justly complain of us.
And whoever looks diligently at the words of the Apostle and considers them, sees clearly that he does not speak of heresy or sins against the doctrine, but of much smaller and lighter sins, into which man falls, not from deliberate malice, but from weakness." (Opp. Hal. VIII. 2781. ff.)