Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 3 › Seite 21
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-09-30, Seite 21
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getroffen; das ist nicht Zufall, und wer es doch für Zufall ausgeben will, handelt der Vernunft zuwider. Aber noch mehr; wir möchten die Gegner auch erinnern, daß die Weissagung von Christo nicht etwa nur an einer einzelnen Stelle im Alten Testamente steht, und nur zu einer Zeit gegeben ist, sondern in verschiedenen Büchern, und zu verschiedenen Zeiten; ja von Adams Zeit hindurch bis auf die Zeit Maleachi's des letzten Propheten. Das macht es noch viel vernunftwidriger zu sagen, das Zusammentreffen der Ereignisse mit ihr sei zufällig. Denn, um auf das vorige Beispiel zurück zu kommen; man denke sich, es fände Jemand jenen Spruch nicht Einmal, sondern an vielen verschiedenen Tagen hintereinander an die Tafel geschrieben; würde es nicht dann noch viel unverständiger sein, als zuvor, zu sagen, es sei durch Zufall geschehen, durch die Spielerei eines Kindes, das den Spruch weder wisse, noch auch zu schreiben verstehe?
So müssen also die Gegner gänzlich abstehen, entweder davon, daß das Zusammentreffen der Weissagungen und der Ereignisse zufällig sei; oder davon, daß sie sich an die Vernunft halten, und von den Regeln des gemeinen Menschenverstandes leiten lassen. Einige werden sich nun vielleicht für überwunden erkennen, andere dagegen ihre Behauptung dennoch zu verfechten suchen. Dies führt uns auf den zweiten Punct.
II.
Einige Gegner werden sagen: Freilich, wenn es sich mit den Weissagungen und deren Erfüllung im Neuen Testament hält, wie ihr Christen glaubt, so ist da kein Zweifel im Spiel, sondern es ist von Gott. Aber wir Gegner glauben nicht, daß es sich damit so hält. Wer weiß, von wem die Weissagungen im Alten Tastament herrühren? Vielleicht sind sie von den Jüngern erst geschrieben nachdem das, was im Neuen Testament berichtet wird, längst geschehen war, und sind also gefälschte Weissagungen. Einem Christen, der von der heiligen Gesinnung der Jünger Christi und der Göttlichkeit des Alten Testaments aufs innigste überzeugt ist, ist es erschrecklich, dergleichen zu hören; er möchte, wo es gesagt wird, lieber gleich abbrechen. Aber laßt uns, Geliebte, nur gelassen sein, und die Sache weiter betrachten; denn, wie schon im Voraus angedeutet ist, es wird am Ende nur die heilige Gesinnung der Jünger Christi, wonach sie keines Betrugs, auch keines sogenannten frommen Betrugs, fähig waren, und die Göttlichkeit des Alten Testaments um so heller hervorleuchten, dagegen sich zeigen, wie die Gegner, die dergleichen sagen oder annehmen, aller Vernunft, auf die sie sich doch berufen, zuwider handeln.
So unsinnig wird wol Niemand sein, zu behaupten, das ganze Alte Testament sei von den Jüngern verfaßt, nachdem geschehen, was im Neuen Testament berichtet wird; und so viel wir wissen, ist dies auch noch von Niemand behauptet worden. Wenn deshalb die Gegner vorgeben, die Weissagungen rühren von den Jüngern her; so kann die Meinung nur die sein, daß die Jünger die Weissagungen nach Geschehung dessen, was im Neuen Testament berichtet wird, ins Alte Testament hineintrugen.
Wir wollen nun sehen, wer sich an die Vernunft hält, und den Regeln des gemeinen Menschenverstandes folgt: wir Christen, die wir glauben, die Weissagungen des Alten Testaments seien von den heiligen Männern des alten Bundes, in deren Büchern sie sich finden, und zu verschiedenen Zeiten, doch alle mehrere Jahrhunderte vor Christo, geschrieben; oder die Gegner, die da die Behaupeung aufstellen, die Weissagungen rühren erst von den Jüngern her, und seien nach Christi Erscheinung auf Erden in die Bücher des Alten Testaments hineingetragen worden.
Wir erinnern hier die Gegner an den Zusammenhang, in welchem die Weissagungen auf Christum mit den andern Worten und Stücken des Alten Testaments stehen, die nicht Weissagungen sind; es ist kein loser, sondern ein inniger; die Weissagungen bilden gleichsam die Stütze des Uebrigen, und sind unzertrennlich damit verflochten; so daß sich die Weissagungen im Alten Testament und das Uebrige, das nicht Weissagung ist, in Absicht auf den Zusammenhang, in welchem sie untereinander stehen, mit den Pfählen eines Zelts und dem Zelttuche, oder etwa mit dem Grunde in einem Stück Damast oder geblümter Leinwand und den Figuren darin vergleichen lassen. Wer nun meint, das Uebrige des Alten Testaments hätte erst geschrieben, und die Weissagungen nachher in dasselbe hineingetragen sein können, der muß auch ganz begreiflich finden, daß man erst ein Zelt aufschlägt, und dann die Pfähle setzt; oder daß man erst den Grund eines Stücks Damast fertig webt, und nachher die Figuren hineinwebt.
Doch die Gegner müssen noch viel Widersinnigeres annehmen.
Freilich ist manches Buch verfälscht, und in dasselbe von Spätern hineingetragen worden, was von den Verfassern nicht geschrieben war. Aber wie wäre das möglich in dem Fall des A. T.s. Die Gegner mögen bedenken, daß die Schriften des A. T.s dem gesammten jüdischen Volke ein Heiligthum waren, und daß es mit großem Ernst, ja mit Ängstlichkeit darüber wachte, daß auch nicht ein Titelchen daran verändert würde. Bei den spätern Juden, denen, die zur Zeit Christi lebten, war dies noch in höherem Grade der Fall, als bei den früheren, eben weil der Gottesdienst der letztern meist ein äußerlicher war, und sie je mehr sie dem Geist des Gesetzes sich entfremdet hatten, desto mehr am Buchstaben hielten. Wie sollte es nun zugehen können, daß hin und wieder ganze Stücke in ein Buch getragen wären, über welches ein ganzes Volk wachte, daß auch nicht ein Titelchen daran verändert würde! Und noch mehr. Wir erinnern die Gegner, in wessen Händen die Bücher des A. T.s waren und unter wessen besonderer Aufsicht sie standen. Sie waren in denen der Schrifgelehrten und Pharisäer, und der hohe Rath hatte im besondern die Aufsicht über ihre Bewahrung. Wie sollte es denn den Jüngern gelungen sein, etwas hineinzutragen, da doch die Schriftgelehrten und Pharisäer und der hohe Rath ihnen feind waren; und etwas hineinzutragen, daß gerade gegen die Pharisäer, Schriftgelehrten und den hohen Rath zeugte, und worauf die Jünger sich beriefen, daß Jesus der Christ sei, und daß jene den Herrn der Herrlichkeit gekreuzigt hätten! Aber vielleicht geschah's doch wol mittels Bestechung. Die Hüter am Grabe des Herrn ließen sich ja bestechen zu schweigen, wenn die Juden sagen würden, Christi Jünger hätten seinen Leichnam gestohlen, dieweil die Hüter schliefen; warum sollten sich denn auch die Schriftgelehrten und Pharisäer und der hohe Rath nicht haben bestechen lassen zu schweigen, wenn die Jünger die Weissagungen eintrugen ins A. T.? Allein woher sollten die lieben Jünger das Geld genommen haben, die meist arme Fischer waren, deren Meister nicht hatte, wohin er sein Haupt legte, von denen Petrus sagt: Silber und Gold habe ich nicht. Und wenn sie auch Gold genug gehabt hätten, und alle Schriftgelehrten ꝛc. willig gewesen wären, sich bestechen zu lassen, warum machten die Jünger nicht viel lieber, oder doch zugleich mit aus, daß ihnen nicht verwehrt wäre, das Evangelium von Christo zu predigen? Denn die Obersten verboten es ihnen ja, und warfen sie darum ins Gefängniß, und stäupeten sie, und verfolgten sie bis auf den Tod. Ferner bedenke man doch, daß die Juden damals überall in der bekannten Welt ansässig waren, und ihre Synagogen hatten, in denen sich ein A. T. befand, aus welchem an jedem Sabbath eine Vorlesung geschah. Zeugniß dafür giebt uns nicht nur die allgemeine Geschichte, sondern die heilige, namentlich die Apostelgeschichte. Auf dem ersten Pfingstfeste nach der Himmelfahrt Christi waren Juden aus allen Theilen des römischen Reichs, das die damals bekannte Erde umfaßte, zugegen; und der Apostel Paulus auf seinen großen Reisen hin und wieder durchs römische Reich traf überall Juden an, an die er zuerst mit der Verkündigung sich wandte, und in deren Synagogen er zuerst mit der Predigt von Christo auftrat. Diese zu bestechen, hätten die Apostel doch nun auch die Mittel haben müssen; und diese hätten doch auch alle willig sein müssen, sich bestechen zu lassen; denn es bedurfte ja nur eines Einzigen, der nicht gewonnen wäre, um die ganze Sache an den Tag zu bringen. Und sollte sich nicht eine einzige Stimme gegen eine solche Fälschung erhoben haben; kein einziges Exemplar des A. T.s unverfälscht geblieben sein, so daß sich kein ächtes mehr fände; sollte eine solche Fälschung auch nachher nicht entdeckt sein? Und von dem allen findet sich doch auch keine Spur; vielmehr haben die Juden noch heutiges Tages dasselbe A. Testament als die Christen, und behaupten einmüthiglich, sie haben es so mit jeglichem Wort und mit jeglicher Sylbe von ihren Vätern vor Christo empfangen.
(Schluß folgt.)
English translation AI translation
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come true; that is not chance, and whoever would nevertheless pass it off as chance acts contrary to reason. But still more; we would also remind our opponents that the prophecy of Christ stands not merely in one single place in the Old Testament, nor was it given only at one time, but in various books, and at various times; yea, from Adam's time on down to the time of Malachi, the last prophet. That makes it all the more contrary to reason to say that the coincidence of the events with it is accidental. For, to return to the previous illustration; suppose someone found that saying written on the board not once only, but on many different days in succession; would it not then be far more senseless than before to say that it had happened by chance, by the play of a child who neither knew the saying nor even knew how to write?
Thus our opponents must give up altogether either the claim that the coincidence of the prophecies and the events is accidental; or the claim that they hold to reason and let themselves be guided by the rules of common human understanding. Some will now perhaps acknowledge themselves overcome, while others will nevertheless seek to maintain their assertion. This leads us to the second point.
II.
Some opponents will say: To be sure, if it is as you Christians believe with respect to the prophecies and their fulfillment in the New Testament, then there is no doubt in the matter, but it is from God. But we opponents do not believe that it is so. Who knows from whom the prophecies in the Old Testament proceed? Perhaps they were first written by the disciples after that which is reported in the New Testament had long since taken place, and are therefore forged prophecies. To a Christian who is most deeply convinced of the holy mind of the disciples of Christ and of the divinity of the Old Testament, it is dreadful to hear such things; he would like, wherever it is said, to break off at once. But let us, beloved, only be calm, and consider the matter further; for, as has already been intimated beforehand, in the end it will only shine forth the more brightly how holy was the mind of the disciples of Christ, by which they were incapable of any deceit, even of any so-called pious deceit, and how divine is the Old Testament, while on the other side it will be shown how the opponents, who say or assume such things, act contrary to all reason, to which they nevertheless appeal.
No one will surely be so senseless as to assert that the whole Old Testament was composed by the disciples after what is reported in the New Testament had happened; and so far as we know, this has also not yet been asserted by anyone. If, therefore, the opponents pretend that the prophecies proceed from the disciples, the meaning can only be that the disciples, after the occurrence of that which is reported in the New Testament, inserted the prophecies into the Old Testament.
Let us now see who holds to reason and follows the rules of common human understanding: we Christians, who believe that the prophecies of the Old Testament were written by the holy men of the old covenant, in whose books they are found, and at various times, yet all several centuries before Christ; or the opponents, who set up the assertion that the prophecies proceed only from the disciples, and were inserted into the books of the Old Testament after Christ's appearing on earth.
We remind our opponents here of the connection in which the prophecies concerning Christ stand with the other words and parts of the Old Testament which are not prophecies; it is no loose one, but an intimate one; the prophecies form, as it were, the support of the rest, and are inseparably interwoven with it; so that the prophecies in the Old Testament and the rest, which is not prophecy, may be compared, with regard to the connection in which they stand to one another, with the poles of a tent and the tent-cloth, or perhaps with the ground in a piece of damask or flowered linen and the figures in it. Whoever now supposes that the rest of the Old Testament could have been written first, and the prophecies afterwards inserted into it, must also find it quite comprehensible that one first pitches a tent and then sets up the poles; or that one first weaves the ground of a piece of damask complete, and afterwards weaves the figures into it.
But the opponents must assume something still more absurd.
To be sure, many a book has been falsified, and things have been inserted into it by later hands which were not written by the authors. But how would that be possible in the case of the O. T. Let the opponents consider that the writings of the O. T. were a sanctuary to the whole Jewish people, and that it watched over them with great earnestness, yea, with anxiety, that not a single tittle of them should be changed. With the later Jews, those who lived at the time of Christ, this was the case in a still higher degree than with the earlier, precisely because the worship of the latter was for the most part an outward one, and the more they had become estranged from the spirit of the law, the more they held to the letter. How, then, could it come about that here and there whole pieces were put into a book over which a whole people watched, that not a single tittle of it should be changed! And still more. We remind the opponents in whose hands the books of the O. T. were, and under whose special oversight they stood. They were in the hands of the scribes and Pharisees, and the high council had in particular the oversight of their custody. How, then, should the disciples have succeeded in inserting anything, since the scribes and Pharisees and the high council were hostile to them; and in inserting something that bore witness precisely against the Pharisees, scribes, and the high council, and to which the disciples appealed, that Jesus was the Christ, and that those had crucified the Lord of glory! But perhaps it was done, after all, by means of bribery. The keepers at the grave of the Lord let themselves be bribed to be silent, if the Jews would say that Christ's disciples had stolen his body while the keepers slept; why then should not the scribes and Pharisees and the high council also have let themselves be bribed to be silent, if the disciples inserted the prophecies into the O. T.? But whence should the dear disciples have taken the money, who were for the most part poor fishermen, whose Master had not where to lay his head, of whom Peter says: Silver and gold have I none. And even if they had had gold enough, and all the scribes, etc., had been willing to let themselves be bribed, why did the disciples not much rather bring about, or at least along with it, that they should not be forbidden to preach the Gospel of Christ? For the chief men forbade it them, and cast them into prison for it, and scourged them, and persecuted them even unto death. Further, consider also that the Jews were at that time settled everywhere in the known world, and had their synagogues, in which there was an O. T., from which a reading was made every Sabbath. Witness to this is given us not only by general history, but by sacred history, namely the Acts of the Apostles. At the first Pentecost after the ascension of Christ there were present Jews from all parts of the Roman empire, which embraced the earth known at that time; and the Apostle Paul on his great journeys here and there through the Roman empire found Jews everywhere, to whom he first turned with the proclamation, and in whose synagogues he first appeared with the preaching of Christ. To bribe these the Apostles would also have needed to have the means; and these too would all have had to be willing to let themselves be bribed; for only a single one who was not won over was needed to bring the whole matter to light. And should not a single voice have been raised against such a forgery; not a single copy of the O. T. have remained unfalsified, so that no genuine one were any longer to be found; should such a forgery also not have been discovered afterwards? And of all this there is yet no trace to be found; rather the Jews to this very day have the same O. T. as the Christians, and unanimously affirm that they have received it thus, with every word and every syllable, from their fathers before Christ.
(Conclusion follows.)