Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 5 › Seite 39
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-10-28, Seite 39
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tion an die Indianapolis Synode an, damit selbige mit diesem, wie es schien, mit ihr auf einem und demselben kirchlichen Grunde stehenden Körper sich darüber berathe, ob nicht eine äußere Vereinigung zwischen beiden anzustreben sei und wie dieselbe zum Heil der Kirche hergestellt werden könnte. Diese Nachricht war den Unterzeichneten sehr willkommen, einmal darum, weil durch eine Vereinigung mit diesem Körper, der allein unter allen sogenannten lutherischen Synoden dieses Landes entschieden und lauter das lutherische Bekenntniß in Lehre und Praxis handhabt und dasselbe gegen alle Anläufe des Lügengeistes frisch und fröhlich vertheidigt, der Kirche nur größerer Segen erwachsen kann und zum Andern darum, weil, wenn beide von einander getrennt bleiben, leicht der Satan die eine beschleichen und zum Eifer für Parthei entflammen könnte, so daß also, anstatt in Einem Geist die verfallenen Mauern des lutherischen Zions zu bauen und überall, sowohl bei Gründung und bei Annahme und Bedienung der Gemeinden einträchtig, dem Bekenntniß gemäß zu handeln, der Bekenntnißgrund getrübt und die Kirche nur zu Grunde gerichtet werden würde; zum dritten, weil eine solche Vereinigung nicht nur erwünscht ist zum Segen der Kirche, sondern sie auch geboten durch Gottes Wort. Denn Gott fordert wahrlich dereinst Rechenschaft von seiner Kirche, wie sie den klaren Befehlen: Seid fleißig zu halten die Einigkeit im Geist und dienet einander, ein Jeglicher nach der Gabe, die er empfangen hat, nachgekommen ist.
Die Unterzeichneten verkannten auch das gute Zutrauen nicht, was die M. Synode durch Abordnung der Delegation an die Ind. Synode bewies, da sie aus den oft vorgekommenen Verstößen der letzteren gegen die gesunde confessionelle Praxis wahrlich Grund genug hatte, die erklärte Rechtgläubigkeit derselben in Zweifel zu ziehen und die Abordnung einer Delegation an dieselbe anstehen zu lassen.
Wie ist nun das Entgegenkommen der M. Synode, was durch die Abordnung des Herrn Prof. Crämer geschah, von der Synode aufgenommen worden? Man höre, und sehe zugleich aus dem Nachfolgenden die klaren Gründe, die uns bewegen mußten, unsern Austritt aus der Synode zu nehmen:
1. Anstatt das gute Zutrauen, was die M. Synode gegen die J. Synode bewiesen, zu erwiedern, wurde von der Synode, als solcher, die Rechtgläubigkeit der M. Synode in Zweifel gezogen und darum auf eine Berathung über Vereinigung nicht eingegangen, ohne daß die meisten Glieder, die solches Mißtrauen hatten, in öffentlicher Versammlung ihr Bedenken gegen den obgenannten Delegaten freimüthig erhoben und von ihm Beseitigung derselben begehrten. Aus diesem gewannen die Unterzeichneten
2. die Überzeugung, daß die Ind. Synode gar nicht gewiß sei in der Lehre von der Kirche, vom heil. Predigtamte, von der Ordination und verwandten Artikeln, und auch durchaus keinen Ernst beweise zur rechten Gewißheit darüber zu kommen. Denn wäre Letzteres der Fall, so hätte man gewiß obengenannte Artikel einer besonderen gründlichen Berathung unterzogen und würde gefunden haben, daß Gottes Wort und die symbolischen Bücher unserer Kirche, in ihrem einfachen Verstande genommen, wie sie lauten, klar und bestimmt darüber lehren. So aber sind die Zweifelnden in ihrer Ungewißheit geblieben und demnach auch außer Stande, ihren ihnen anvertrauten Gemeinden gewissen Unterricht über diese höchst wichtigen Artikel unserer h. Lehre zu geben.
3. Endlich hat sich uns namentlich auf der letzten Versammlung die nicht minder gewisse Überzeugung aufgedrängt, daß die Ind. Synode keine hinlänglichen geistigen Gaben und Kräfte besitze, um als berathender Körper den großen, schweren und verantwortungsvollen Dienst auszurichten, den Gemeinde-Verband der Synode nach Gottes Wort und dem Bekenntniß der Kirche väterlich zu überwachen und zu leiten, auch den Kampf der lutherischen Kirche nach Außen wider die Papisten, Secten und falschen Lutheraner kräftig mitzukämpfen und den mit ihr verbundenen Pastoren und Gemeinden in schwierigen Fällen gründlichen Rath zu ertheilen, deßhalb sind denn auch theils aus Unwissenheit und Ungeschick, theils aus Gleichgültigkeit manche Verstöße gegen die gesunde kirchliche Praxis von ihr geschehen, und unsere Gewissen — wir bezeugen es vor Gott — sind deßhalb früher schon manchmal beunruhigt worden, ob die meisten Glieder der Synode auch das Wesen des Lutherthums haben oder nicht viel mehr, als die übrigen östlichen sogenannten lutherischen Synoden besitzen, die sich mit dem bloßen Namen begnügen. —
Es thut uns weh, daß die Glieder der Ind. Synode, unter denen mehre Glieder sind, mit welchen wir bisher persönlich verbunden waren, ein solches Urtheil von uns hören müssen. Wir können ihnen allen aber versichern, daß keine Schmähsucht uns veranlaßt hat, Vorstehendes zu schreiben, sondern daß die Liebe zur Wahrheit die Ursache ist, offen also unsern Austritt aus ihrem Verbande und unsern Eintritt in die M. Synode zu begründen.
Der treue Gott wolle aber der Ind. Synode ein reiches Maaß seines heil. Geistes geben, auf daß sie heilsam erschreckt werde, sonderlich vor dem Thun ihrer letzten Versammlung und aufrichtig Buße thue. Amen.
Cincinnati und Weißeichen, Ham. Co., den 10. October 1851.
Th. Wichmann.
G. Polack.
Im Namen der ev. luth. Dreifaltigk.-Gemeinde in Cincinnati der Kirchenvorstand:
Rothkopf. Landwehr. Chr. Wichmann.
Schack. Zahn.
Todesnachricht.
Der HErr Jesus hat einen begabten und treuen Diener seines Wortes aus der schweren Arbeit zur ewigen Ruhe heimgeholt.
Am 6. October d. J., gegen Abend, ist der bisherige Pastor der evang. luth. Gemeinde zu Staunton, Macoupin Co., Ills., weiland Herr Johann Friedrich Reißner in dem Herrn selig entschlafen. Vierzehn Tage vorher, am 22. Sept., war ihm seine liebe Gattin, weil. Frau Anna Margaretha geb. Hörmann in die himmlische Herrlichkeit vorangegangen. Beide waren nach einander von einem hitzigen Gallenfieber befallen worden, welches die äußerliche Ursache ihres frühen Todes wurde. Beide sind im freudigen Bekenntniß des Glaubens an ihren Herrn und Heiland Jesum Christum und mit großem Verlangen nach der ewigen Seligkeit abgeschieden. Der selige Glaubensbruder war den 9. Februar 1820 zu Harburg im Königreich Baiern geboren. Erst in seinem zwanzigsten Lebensjahre und nach vielen Mühen wurde es ihm möglich gemacht, sich demjenigen Berufe zuzuwenden, auf welchen namentlich seit seiner Erweckung zum Glauben seine Hauptneigung ging, nehmlich dem Berufe eines Lehrers des Wortes Gottes. Durch Vermittelung eines christlichen Freundes fand er in dem Schullehrerseminar zu Beuggen am Rhein eine Aufnahme und studirte daselbst drei Jahre lang unter der Leitung des tüchtigen und erfahrenen Pädagogen Zeller. Nach Verfluß dieser seiner Studienzeit wurde er in sein Vaterland als Schulvicar verlangt und verwaltete mehrere Vicariate, wie seine Zeugnisse auswiesen, mit großer Gewissenhaftigkeit. Durch „die kirchlichen Mittheilungen über die lutherische Kirche von Nordamerika“ welche Herr Pastor Löhe herausgiebt, und durch die Beschreibung der hiesigen Noth um Prediger und Lehrer wurde er in seinem Gewissen bedrängt, sich auch mit aufzumachen und der Kirche in Nordamerika seine Dienste zu weihen, so der HErr ihm den Weg dazu bahnen würde. Nicht geringe Schwierigkeiten wegen seiner Hierherreise mit Weib und Kind wurden beseitigt, und so ging er denn im Frühjahr 1849 auf eigne Kosten nach Amerika und zunächst nach Fort Wayne. Mit welchen Gesinnungen er diesem Arbeitsfelde entgegenzog, zeigen die unten stehenden Lieder, welche er damals auf der Reise gedichtet hat. (S. No. 1. und 2. Nach einem kurzen Aufenthalt in Fort Wayne wurde er nach St. Louis gesendet, machte hier das vorschriftmäßige Examen zur Zufriedenheit, predigte zur Wahl bei der Gemeinde in der Nähe von Perryville, Mo., wurde von dieser Gemeinde als ihr Pastor und Schullehrer berufen und stand 1 Jahr in diesem Amte. Im Januar d. J. folgte er dem Rufe der Stauntoner Gemeinde, wo er manche Kämpfe zu bestehen hatte, aber auch manche Erquickung genoß. Er hätte von dem HErrn schöne Predigtgaben empfangen, wie Alle, die ihn gehört haben, bezeugen werden. Es beseelte ihn ein entschiedener, keine Menschenfurcht und Menschengefälligkeit ken-
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tion to the Indianapolis Synod, in order that the latter might consult with this body, which, as it seemed, stood with it upon one and the same churchly ground, whether an outward union between the two ought not to be sought, and how the same might be brought about for the welfare of the Church. This news was very welcome to the undersigned, first, because through a union with this body, which alone among all the so-called Lutheran synods of this country decidedly and purely maintains the Lutheran Confession in doctrine and practice, and freshly and joyfully defends the same against all assaults of the spirit of lies, only greater blessing can accrue to the Church; and secondly, because, if the two remain separated from one another, Satan might easily creep upon the one and inflame it to zeal for party, so that thus, instead of building in one spirit the fallen walls of the Lutheran Zion, and everywhere, both in the founding and in the reception and ministering of congregations, acting harmoniously in accordance with the Confession, the ground of the Confession would be clouded and the Church only brought to ruin; thirdly, because such a union is not only desirable for the blessing of the Church, but is also commanded by God's Word. For God will assuredly one day demand an account of His Church, how it has obeyed the clear commands: Be diligent to keep the unity of the Spirit, and minister one to another, every one according to the gift that he hath received.
The undersigned also did not fail to recognize the good confidence which the M. Synod showed by sending a delegation to the Ind. Synod, since from the often-occurring offenses of the latter against sound confessional practice it truly had reason enough to call in question its professed orthodoxy and to let the sending of a delegation to it stand.
How, now, has the friendly advance of the M. Synod, which took place through the sending of Prof. Crämer, been received by the Synod? Hear, and see at the same time from what follows the clear grounds which had to move us to take our withdrawal from the Synod:
1. Instead of returning the good confidence which the M. Synod had shown toward the J. Synod, the orthodoxy of the M. Synod was called in question by the Synod as such, and therefore a deliberation upon union was not entered into, without the majority of the members who had such distrust having in open assembly freely raised their objection against the above-named delegate and demanded of him the removal of the same. From this the undersigned gained
2. the conviction that the Ind. Synod is not at all certain in the doctrine of the Church, of the holy ministry, of ordination and related articles, and also shows no earnestness at all to arrive at proper certainty concerning them. For were the latter the case, one would surely have subjected the above-named articles to a special and thorough deliberation, and would have found that God's Word and the symbolical books of our Church, taken in their simple sense, as they read, teach clearly and definitely about it. As it is, however, the doubters have remained in their uncertainty, and accordingly are also unable to give to their congregations entrusted to them any certain instruction on these most important articles of our holy doctrine.
3. Finally, there has forced itself upon us, especially at the last meeting, the no less certain conviction that the Ind. Synod does not possess sufficient spiritual gifts and powers to perform, as a deliberative body, the great, heavy and responsible service of watching over and guiding in a fatherly way the congregational union of the Synod according to God's Word and the Confession of the Church, of also taking vigorous part in the struggle of the Lutheran Church outwardly against the papists, sects and false Lutherans, and of giving thorough counsel to the pastors and congregations connected with it in difficult cases; therefore many offenses against sound churchly practice have been committed by it, partly from ignorance and unskillfulness, partly from indifference, and our consciences — we testify it before God — have therefore already sometimes before been troubled whether most of the members of the Synod also have the essence of Lutheranism, or rather, as the other eastern so-called Lutheran synods possess, content themselves with the mere name. —
It grieves us that the members of the Ind. Synod, among whom there are several members with whom we have hitherto been personally connected, must hear such a judgment of us. But we can assure them all that no slanderous spirit has moved us to write the foregoing, but that love of the truth is the cause why we thus openly justify our withdrawal from their connection and our entrance into the M. Synod.
May the faithful God, however, give to the Ind. Synod a rich measure of His Holy Spirit, that it may be wholesomely alarmed, especially at the doing of its last meeting, and repent sincerely. Amen.
Cincinnati and Weißeichen, Ham. Co., the 10th of October 1851.
Th. Wichmann.
G. Polack.
In the name of the Ev. Luth. Trinity Congregation in Cincinnati, the church council:
Rothkopf. Landwehr. Chr. Wichmann.
Schack. Zahn.
Obituary.
The LORD Jesus has called home a gifted and faithful servant of His Word from heavy labor to eternal rest.
On the 6th of October of this year, toward evening, the hitherto pastor of the Evang. Luth. congregation at Staunton, Macoupin Co., Ills., the late Mr. Johann Friedrich Reißner, fell blessedly asleep in the Lord. Fourteen days before, on the 22nd of Sept., his dear wife, the late Mrs. Anna Margaretha, née Hörmann, had gone before him into heavenly glory. Both had been seized one after the other by an acute bilious fever, which became the outward cause of their early death. Both departed in the joyful confession of the faith in their Lord and Savior Jesus Christ and with great longing for eternal blessedness. The blessed brother in the faith was born on the 9th of February 1820 at Harburg in the Kingdom of Bavaria. Only in his twentieth year and after many labors was it made possible for him to turn to that calling toward which, especially since his awakening to faith, his chief inclination went, namely the calling of a teacher of the Word of God. Through the mediation of a Christian friend he found admission in the teachers' seminary at Beuggen on the Rhine, and studied there three years under the direction of the capable and experienced pedagogue Zeller. After the lapse of this period of his studies he was summoned to his native country as a school vicar, and administered several vicariates, as his testimonials showed, with great conscientiousness. Through "the church communications concerning the Lutheran Church of North America" which Pastor Löhe edits, and through the description of the distress here for preachers and teachers, he was pressed in his conscience to set out also and to devote his services to the Church in North America, if the LORD would open the way for him to it. Not slight difficulties concerning his journey hither with wife and child were removed, and so he went in the spring of 1849 at his own expense to America and first to Fort Wayne. With what dispositions he went toward this field of labor, the songs standing below show, which he composed at that time on the journey. (See No. 1 and 2. After a short stay in Fort Wayne he was sent to St. Louis, passed here the prescribed examination to satisfaction, preached as a candidate before the congregation near Perryville, Mo., was called by this congregation as its pastor and schoolteacher, and stood 1 year in this office. In January of this year he followed the call of the Staunton congregation, where he had many conflicts to endure, but also enjoyed many refreshments. He had received from the LORD fine gifts of preaching, as all who have heard him will testify. He was inspired by a decided spirit, knowing no fear of man and no man-pleasing, ken-