Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 8 › Seite 60
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-12-09, Seite 60
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und Pfarrherrn zu ihrer geistlichen Nutznießung habe, ja daß am Ende das Evangelium und die heiligen Sacramente nur dann ihre geistlich segnende und belebende Kraft äußerten, wenn sie durch die ordinirten Priester gehandelt würden. Denn zwischen diesem Wahne und der einfältigen evangelischen Wahrheit von der von dem HErrn Christo der Kirche, nicht aber dem sogenannten geistlichen Stande, mitgetheilten Schlüsselgewalt, wie diese Wahrheit durchweg auf Grund der Schrift von unsern kirchlichen Symbolen einmüthig bezeugt wird — zwischen jenem Wahn und dieser Wahrheit giebt es, wie gesagt, keinen mittleren Standpunkt, der durch die Angriffe scharfsinniger Papisten sich nicht als unhaltbar erwiese.
Wer diese Wahrheit aber, die wieder auf der evangelischen Erkenntniß des Wesens der Kirche ruht, nur lose erfaßt hat oder gar fahren läßt, und sich in seiner Abirrung nicht wieder besinnt, zum rechten evangelischen Grundbegriffe vom Wesen der Kirche nicht wieder eilends zurückkehrt und ihn nun um so unverrückter festhält, der muß folgerichtig von Stufe zu Stufe immer tiefer jenem Wahne zugetrieben werden, der aus der Hölle seinen Ursprung hat und vom Vater der Lügen erzeugt ist.
Zeugnisse römisch-katholischer Schriftsteller von dem durch das Papstthum verderbten Zustande der Kirche vor dem Anbruch der gesegneten Reformation, sammt dem Gedächtniß dieses Anbruchs.
(Fortsetzung)
Das gemeine Volk aber versank durch die verkehrte Lehre seiner Priester in die tiefste Unwissenheit über den Heilsweg und die Heilsordnung Gottes und gerieth in den unsinnigsten und maßlosesten Aberglauben. Es glaubte wirklich an die Oberherrlichkeit und Machtvollkommenheit des Papstes, ja daß er Gott auf Erden sei und die Gewalt habe, als wesentlicher Inhaber und Besitzer des heiligen Geistes den Schriftverstand zu bestimmen, den Priesterstand zu setzen, Lehren zu stellen und Gesetze, Ordnungen und Cärimonien zu befehlen, die bei Verlust der Seligkeit von allen Christenmenschen eben so unverbrüchlich zu halten seien, als die Einsetzungen und Ordnungen des HErrn Christi selber, ja daß er Macht habe, diese selber zu ändern und dem Volke den Kelch im hl. Abendmahle zu entziehen. Es glaubte, daß der Papst, nach göttlichem Rechte, über den Kirchenversammlungen stehe und daß er — nicht aber die hl. Schrift und die durch sie erleuchtete Kirche — der oberste Richter sei in allen Glaubens- und Lehr-Streitigkeiten, und daß seiner höchsten und letzten Entscheidung sich Alle unterwerfen müssen; es glaubte, daß seine Amtsverwaltung nichts zu schaffen habe mit seiner persönlichen Gesinnung, und er, obwohl vielleicht in groben und offenbaren Lastern dahinlebend, dennoch den heil. Geist besitze, und daß deshalb seine, nicht aber der heiligen Schrift Aussprüche untrüglich und unfehlbar seien; es glaubte, daß der Herzensschrein des heil. Vaters zu Rom — nicht aber des HErrn Christi im Himmel — wesentlich und eigentlich der Sitz der Schlüssel und ihrer Gewalt sei, die er durch seine Diener, die Bischöfe, ausübe, und daß sein Bann, er sei recht oder unrecht, jedenfalls von der Kirche Gottes ausschließe und dem Satan übergebe. Es glaubte, daß wirklich, auf oben bereits gemeldete Weise, ein Ablaß-Gnadenschatz vorhanden sei und der Papst der wesentliche und ursprüngliche Verwalter desselben sei, und daß man Vergebung begangener oder noch zu begehender Sünden von ihm eben so gut um Geld erkaufen könne, als die Erlaubniß, an Fasttagen Butter oder Fleisch zu essen; es glaubte, daß der Papst aus göttlichem Rechte auch die Gewalt habe über alle Reiche der Welt, daß er könne Könige setzen und entsetzen, weltliche Reiche ordnen, die Unterthanen aller Fürsten ihres Eides und Gehorsams gegen diese entbinden ꝛc.
Endlich aber — und das ist freilich das Schrecklichste von Allem — glaubte das Volk, daß dieser sein Glaube an den Papst und der äußerliche Gehorsam gegen dessen Beschlüsse, Satzungen und Ordnungen ihm unfehlbar die Seligkeit verdiene. War und ist das nicht — denn viele Millionen Seelen, die noch jetzt in der Finsterniß des Papstthums liegen, haben ja noch keinen andern Glauben — der Gipfel oder vielmehr der Abgrund der papistischen Abgötterei und des seelenmörderischen Aberglaubens?
Und sollte nicht auch an dieser gräulichen Wirkung deutlich genug erkannt werden, daß der hl. Vater zu Rom — nicht als vergängliches Einzelwesen, sondern als stehende Amtsperson gedacht — wesentlich und persönlich der Antichrist sei, der Christo die Ehre raubend und Gottes Gebote durch seine Gebote aufhebend, und unter dem Schein der Demuth doch gleichsam der eingefleischte geistliche Hochmuths- und Herrschsuchtsteufel, sich gesetzet hat in den Tempel Gottes und sich darstellet und erweiset, als sei er Gott? —
Was Wunder nun, daß aus so gräulichem Aberglauben ein wildes und wüstes Wesen folgte und das arme betrogene Volk durch Schuld der gottlosen Lehre sich in seinem Leben und Wandel als ein unschlachtiges und verkehrtes Geschlecht erzeigte? Wurde ja doch sein Ungehorsam gegen Gottes Gebote durch den Gehorsam gegen des Papstes Gebote bedeckt und der Unglaube wider Christum durch den Glauben an den Papst überschwänglich gesühnt; konnte es ja doch für Zauberei um 2, für Mord um 8, für Kirchenraub und Meineid um 9 Dukaten Ablaß bekommen von den Ablaßkrämern des Papstes! Was brauchten die Leute den fernen unsichtbaren Gott zu fürchten, da sie den sichtbaren Gott, den Papst, in seinen Dienern allezeit zur Hand hatten, der ihr etwa erschrecktes Gewissen durch seine Ablaßgnade leichtlich heilen konnte, und dessen Bann, allein um des Ungehorsams gegen ihn willen, zu fürchten war! —
Auch konnten sie zum Ueberfluß von den umherlaufenden Bettelmönchen die Verdienste ihrer Orden um Geld erkaufen, und ein Sterbender durfte kein Bedenken tragen, alsbald fröhlich zum Himmel aufzufahren, wenn er zuvor die schäbichte Kutte eines Mönches erhandelt hatte und darin eingekleidet war.
Wie nun aber — so möchte Jemand fragen — war denn in dieser furchtbaren Verfinsterung durch das gräuliche Papstthum das Licht des göttlichen Wortes in der Kirche des HErrn völlig erloschen? Wurde denn von den Knechten und Lobrednern des Antichrists die Stimme Christi in seiner Kirche ganz und gar unterdrückt? Gab es in dieser Sodoma des papistischen Verderbnisses gar keinen Zeugen der Wahrheit, keinen strafenden Lot mehr? War in diesem babylonischen Gefängniß der Kirche durch das antichristische Papstthum gar kein Volk des HErrn mehr, und hatte er in dem so schrecklich verwilderten und mit papistischem Unkraut bedeckten Garten seiner Kirche gar keinen gesegneten Samen, keinen Baum der Gerechtigkeit übrig gelassen, der da unter sich wurzelte und über sich Früchte trug?
Ja! gelobet sei der HErr! — noch gab es deren; hatte ja doch die Kirche die Verheißung ihres getreuen und allmächtigen HErrn Christi, daß die Pforten der Hölle sie nicht überwältigen sollen, und daß die kleine Heerde, seine Heiligen, endlich das Reich einnehmen würden. Und daher kam es, daß mitten in seinem unerforschlichen Gerichte, das er durch das Papstthum über seine Kirche verhängte, doch das Licht und die Leuchte seines Wortes und sonderlich seines gnadenreichen Evangeliums nicht völlig erlosch, sondern Stücke desselben, die hl. Taufe, der apostolische Glaube, das hl. Vater unser in seiner Kirche verblieb; und daraus erwuchs denn und erstarkte mitten in den Wildnissen und Wüstungen des Papstthums der gesegnete Same, hin und her zerstreute Gotteskinder vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang, die in der Furcht Gottes standen, an den HErrn Christum kindlich und einfältig glaubten und aus dem Glauben an Ihn in Werken der Liebe wandelten, sein Kreuz in Geduld ihm nachtrugen und durch sonderliche Bewahrung des heil. Geistes vor der seelenmörderischen Gewalt der papistischen Irrlehren errettet wurden.
Mannichfaltig in Gestalt, Duft und Farbe waren diese Blumen und Bäume des HErrn im Garten seiner Kirche meist einander verborgen und nur von Ihm, dem himmlischen Gärtner, mit einem Blicke überschauet, von der Sonne seines Angesichts freundlich angestrahlt, von seinem Auge überwacht, von dem Thau seines Mundes erquickt, von seiner Hand durch das Messer der Trübsal und des Kreuzes heilsam gereinigt. Da waren verborgene Veilchen, die getauften Säuglinge in der Wiege und die lallenden Kindlein, aus deren Munde er sich ein Lob zurichtete; da waren schlanke Lilien und duftende Rosen, nämlich auch diese und jene edle und zarte Klosterjungfrauen, deren Gebete und Lieder aus gläubigem Herzen und heiliger
English translation AI translation
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and pastors for their spiritual usufruct, yes, so that in the end the Gospel and the holy Sacraments would exert their spiritually blessing and quickening power only when they were administered by the ordained priests. For between this delusion and the simple evangelical truth concerning the power of the keys imparted by the LORD Christ to the Church, and not to the so-called spiritual estate, as this truth is unanimously testified throughout, on the ground of the Scripture, by our ecclesiastical Symbols — between that delusion and this truth there is, as said, no middle position which would not prove untenable under the attacks of acute papists.
Whoever has grasped this truth, which in turn rests on the evangelical knowledge of the nature of the Church, only loosely, or even lets it go, and does not recollect himself in his straying, does not return in haste to the right evangelical fundamental conception of the nature of the Church and hold it fast thenceforth the more unmoved, must consistently, from step to step, be driven ever deeper toward that delusion which has its origin from hell and is begotten of the father of lies.
Testimonies of Roman Catholic Writers concerning the State of the Church, corrupted by the Papacy, before the Dawn of the blessed Reformation, together with a Memorial of this Dawn.
(Continuation)
The common people, however, sank through the perverted doctrine of their priests into the deepest ignorance concerning the way of salvation and the order of salvation of God, and fell into the most senseless and immoderate superstition. They believed in truth in the supremacy and plenitude of power of the pope, yes, that he is God on earth and has the authority, as the essential possessor and holder of the Holy Ghost, to determine the sense of Scripture, to appoint the priestly estate, to set up doctrines and to command laws, ordinances and ceremonies, which on pain of the loss of salvation were to be kept by all Christians just as inviolably as the institutions and ordinances of the LORD Christ Himself, yes, that he has power to change these themselves and to withdraw the cup from the people in the holy Supper. They believed that the pope, by divine right, stands above the councils of the church, and that he — and not the holy Scripture and the Church enlightened by it — is the supreme judge in all controversies of faith and doctrine, and that all must submit to his highest and final decision; they believed that his administration of office has nothing to do with his personal disposition, and that he, although perhaps living in gross and open vices, nevertheless possesses the Holy Ghost, and that therefore his utterances, and not those of the holy Scripture, are unerring and infallible; they believed that the heart's shrine of the holy Father at Rome — and not that of the LORD Christ in heaven — is essentially and properly the seat of the keys and of their power, which he exercises through his servants, the bishops, and that his ban, be it right or wrong, in any case excludes from the Church of God and delivers to Satan. They believed that in truth, in the manner already mentioned above, an indulgence treasury of grace exists, and that the pope is the essential and original administrator of the same, and that one can buy forgiveness of sins committed or yet to be committed from him for money just as well as the permission to eat butter or meat on fast days; they believed that the pope by divine right has also the authority over all kingdoms of the world, that he can set up and depose kings, regulate worldly kingdoms, release the subjects of all princes from their oath and obedience toward these, etc.
Finally, however — and that is indeed the most dreadful of all — the people believed that this their faith in the pope and the outward obedience to his decrees, statutes and ordinances would infallibly merit them salvation. Was and is not that — for many millions of souls who even now lie in the darkness of the papacy have indeed no other faith — the summit, or rather the abyss, of papistical idolatry and of soul-murdering superstition?
And ought it not to be recognized plainly enough also by this horrible effect that the holy Father at Rome — thought of not as a perishable individual, but as a standing official person — is essentially and personally the Antichrist, who, robbing Christ of the honor and abolishing God's commandments by his commandments, and under the semblance of humility yet as it were the incarnate devil of spiritual pride and lust of domination, has seated himself in the temple of God and presents and shows himself as if he were God? —
What wonder, then, that from such horrible superstition a wild and waste condition followed, and the poor deceived people, through the guilt of the godless doctrine, showed itself in its life and conduct to be a crooked and perverse generation? For was not their disobedience to God's commandments covered by obedience to the pope's commandments, and unbelief toward Christ exceedingly expiated by faith in the pope; could they not obtain indulgence from the indulgence-hawkers of the pope for sorcery at 2, for murder at 8, for church robbery and perjury at 9 ducats! Why should the people need to fear the distant invisible God, since they had the visible God, the pope, always at hand in his servants, who could readily heal their perhaps terrified conscience by his indulgence-grace, and whose ban was to be feared solely for the sake of disobedience against him! —
Moreover, they could, over and above, buy from the begging monks who ran about the merits of their orders for money, and a dying man need have no scruple about going up at once joyfully to heaven, if he had previously bought the shabby cowl of a monk and was clothed in it.
How then — someone might ask — was the light of the divine Word in the Church of the LORD wholly extinguished in this fearful darkening by the abominable papacy? Was the voice of Christ in His Church then quite and altogether suppressed by the servants and panegyrists of Antichrist? Was there in this Sodom of papistical corruption no witness of the truth at all, no rebuking Lot any more? Was there in this Babylonian captivity of the Church under the antichristian papacy no people of the LORD any more, and had He left in the so terribly run wild garden of His Church, covered with papistical weeds, no blessed seed at all, no tree of righteousness, which rooted downward and bore fruit upward?
Yes! praised be the LORD! — there were still such; for the Church had indeed the promise of her faithful and almighty LORD Christ that the gates of hell shall not prevail against her, and that the little flock, His saints, should at last take the kingdom. And hence it came that in the midst of His unsearchable judgment which He imposed through the papacy upon His Church, yet the light and the lamp of His Word, and especially of His gracious Gospel, did not wholly go out, but pieces of it, holy Baptism, the apostolic Creed, the holy Lord's Prayer, remained in His Church; and from this there grew up and gained strength, in the midst of the wildernesses and wastes of the papacy, the blessed seed, children of God scattered here and there from the rising of the sun to the going down thereof, who stood in the fear of God, believed in the LORD Christ childlike and simply, and from faith in Him walked in works of love, bore His cross after Him in patience, and through special preservation of the Holy Ghost were rescued from the soul-murdering power of the papistical false doctrines.
Manifold in form, fragrance and color, these flowers and trees of the LORD in the garden of His Church were for the most part hidden from one another, and surveyed only by Him, the heavenly Gardener, at one glance, kindly irradiated by the sun of His countenance, watched over by His eye, refreshed by the dew of His mouth, wholesomely cleansed by His hand through the knife of tribulation and of the cross. There were hidden violets, the baptized infants in the cradle and the lisping little ones, out of whose mouth He prepared for Himself a praise; there were slender lilies and fragrant roses, namely also these and those noble and tender cloister virgins, whose prayers and songs from believing heart and holy