Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 8 › Seite 62
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-12-09, Seite 62
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription AI-corrected against the scan
62
Luther seine Noth klaget: „Ihr wollt ein erdichteter (gemalter) Sünder sein und Christum für einen erdichteten Heiland halten. Gewöhnt euch daran, daß Christus der wahrhaftige Heiland und ihr ein wirklicher Sünder seid. Gott spielt kein Schattenspiel und scherzt nicht, da er seinen Sohn uns sendet und für uns dahin giebt.“
Da schickt der HErr Luthern aus demselben Munde, als er über die Versehung und Gnadenwahl Gottes harte Anfechtung und Versuchung hatte, neuen Trost durch die Worte: „in den Wunden Christi wird die Versehung verstanden u. gefunden, sonst nirgend nicht; denn es steht geschrieben: den sollt ihr hören. Der Vater ist zu hoch; darum saget er: ich will euch einen Weg geben, darauf man zu mir kommen möge, nämlich Christum; an den gläubet und dem hanget an; so wird sichs zu seiner Zeit wohl finden, wer ich bin. Denn Gott ist unbegreiflich, und wir können nicht verstehen, noch uns denken, was er sei, viel weniger, wie er gesinnet ist; er wird auch nicht begriffen und will kurzum ungefasset sein, außer Christo.“
Ferner, als einst die Rede auf das Wort poenitentia oder Buße kam, sagte Staupitz: es sei keine wahre Buße, als die, welche aus der Liebe Gottes und seiner Gerechtigkeit herfließt; und dieses Wort haftete — wie Luther Staupitzen später bei Übersendung seiner Thesen selbst erzählte — in seiner Seele, „wie der scharfe Pfeil eines Starken.“
Dazu trieb ihn nun der Geist Gottes immer mehr in die heil. Schrift und immer mehr ward er zuerst angestrahlt, je länger je mehr aber auch innerlich erleuchtet von der seligmachenden Wahrheit des Evangelii, sonderlich in den Briefen St. Pauli, daß der Sünder in Adam allein aus Gnaden durch das Verdienst Christi, das er lediglich und ausschließlich mittelst des Glaubens ergreife und sich aneigne vor Gott und seinem Gericht als gerecht erklärt und seiner Schuld losgesprochen werde, ohne Zuthun der Werke.
Doch erst nach und nach ward ihm diese seligmachende Wahrheit aus Gottes Wort innerlich hell und klar; langsam und allmählig erst gelangte er zur innerlichen göttlichen Gewißheit derselben und zur rechten innern Erfahrung des rechtfertigenden Glaubens; lange wehrten sich in ihm die papistischen Irrthümer gegen diese beseligende Wahrheit des Evangelii; lange sträubte sich in ihm der hoffärtige werkerische Mönch gegen das allgenugsame und vollgütige Verdienst Christi; und wiewohl ihm schon früher der Spruch: „der Gerechte wird seines Glaubens leben.“ mit seiner göttlichen Kraft mannigfach das Gemüth gerühret hatte und mächtig durchs Herz gegangen war, so war er, als er 1510 in Sachen seines Ordens sich zu Rom aufhielt, doch noch ein so „toller Heiliger“ wie er sich selbst nennt, daß er auf den Knieen die Stufen an der sogen. Pilatusstiege hinaufrutschte, um den Ablaß zu empfangen, welchen der Papst denen, die solches Werk verrichten würden, versprochen hatte.
Da geschah es nun aber, während er, in seinem immer noch in der Menschenlehre gefangenen Gewissen, solches Narrenwerk ausrichtete, daß ihm auf einmal nicht anders zu Muthe ward, als wenn ihm eine Donnerstimme zurief: „Der Gerechte lebt seines Glaubens.“
Nach seiner Heimkehr aber ging er von Neuem daran, diesen Spruch in und mit der Schrift noch genauer und schärfer zu betrachten und zu erwägen; und endlich durchbrach diese Sonne der evangelischen Wahrheit in seiner Seele die Nebel der Gesetzes- und Menschenlehre mit großer Gewalt und erfüllte sein Herz mit Gerechtigkeit, Friede und Freude im heiligen Geist, davon er selbst diese denkwürdigen Worte schreibet: „Hier fühlte ich alsbald, daß ich ganz neu geboren wäre und nun gleich eine weite aufgesperrte Thür, in das Paradies, selbst zu gehen, gefunden hätte; es sahe mich auch die liebe heilige Schrift nunmehr viel anders an, denn zuvor geschehen war, lief derhalben bald durch die ganze Bibel, wie ich mich derselbigen erinnern konnte, und sammelte auch in andern Worten, nach dieser Regel, alle ihre Auslegung zusammen, als, daß Gottes Werk dies heiße, das Gott in uns selbst wirket; Gottes Kraft, damit er uns kräftig und stark machet; Gottes Weisheit, damit er uns weise machet, also die anderen, Gottes Stärke, Gottes Heil, Gottes Herrlichkeit und dergleichen. Wie ich nun zuvor dieses Wörtlein „Gottes Gerechtigkeit“ mit rechtem Ernst hassete, so fing ich auch dagegen an, dasselbe als mein allerliebstes und tröstliches Wort theuer und hoch zu achten und war nun derselbige Ort in St. Paulo in der Wahrheit die rechte Pforte des Paradieses.“
Und dieselbe seligmachende Wahrheit vom rechtfertigenden Glauben bezeuget er auch später in einem Briefe an seinen Freund und Ordensbruder Georg Spenlein in Memmingen, darin er unter andern also schreibet: „Darum, mein lieber Bruder, lerne Christum und zwar den Gekreuzigten, lerne ihm singen und an dir selbst verzweifelnd sprechen: „Du, mein HErr Jesu, bist meine Gerechtigkeit, ich aber bin deine Sünde. Du hast angenommen, was mein ist und mir gegeben, was dein ist. Du hast angenommen, was du nicht warst, und mir gegeben, was ich nicht war.“
(Schluß folgt.)
Berichtigung eines Artikels im „kirchlichen Informatorium“ des Herrn Past. Grabau, die Angelegenheiten der lutherischen Gemeine zu Detroit, Mich., betreffend.
(Fortsetzung.)
Seine Willensmeinung, die Sache durchaus von einer zu berufenden Comittee verhandeln zu lassen, hatte Winkler am Schluß des bereits angeführten Briefes vom 16. März v. J. mit dürren Worten erklärt. Es hieß darin:
„Des Unterzeichneten Wahl ist bereits getroffen: Ihnen als Klägern liegt es jetzt ob, Ihre Wahl auch zu treffen, damit die Sache eine Erledigung finde. — Sie mögen Ihre getroffene Wahl schriftlich entweder an mich oder sonst an ein Glied des Kirchenvorstands in Kürze einsenden.“
Merkwürdig ist dabei, daß er wie hier so nirgend erwähnt, wen er seiner Seits als Comitteeglied berufen habe, und doch in Nro. 3 des kirchlichen Informatoriums sagt, seine Wahl sei nicht nach dem Wunsch derjenigen Prediger von der Missouri-Synode gewesen, die sich in dieser Angelegenheit betheiligt hätten; ja sich die Mühe gibt, weitläufig mit Gründen zu beweisen, warum seine Wahl so und nicht anders habe ausfallen müssen. Weiß doch Herr Pastor Winkler gar wohl, daß der Unterzeichnete erst am 15. Juni, am Ende seiner Verhandlungen mit ihm, aus seinem Munde erfuhr, wen er als Comitteeglied ersehen habe. Es kann also von einer Zufriedenheit oder Unzufriedenheit mit seiner Wahl gar nicht die Rede sein. Aber so geht's, wenn man einmal um jeden Preis eine schlechte Sache als gut darstellen will, dann kann man das Dichten und Lügen selbst da nicht lassen, wo es gar nicht einmal dem bösen Zwecke etwas dient. Winkler erzählt weiter: die Beschwerdeführenden hätten zwar den vorgeschlagenen Weg der Untersuchung angenommen, hätten aber Wochen lang nicht hören und sehen lassen, daß sie etwas in der Sache thäten. Auch dies ist der Wahrheit nicht gemäß. In einem Briefe vom 21. März hatten die Leute zwar, wiewohl „nicht als Kläger, sondern als Bittsteller,“ darein gewilligt, die Sache „einem ehrlichen, competenten, bekenntnißmäßigen, kirchlichen Gericht zur Untersuchung und resp. Entscheidung zu unterwerfen,“ hatten aber auch gebeten, daß ihnen Winkler sein Committeeglied nennen möchte, damit ihre Wahl nicht auf denselben Mann falle und abermals Verzug entstünde. Da nun Winkler in seiner Antwort vom 26. März dieser Bitte nicht willfahren mochte, so haben sich die Leute schon am folgenden Tage brieflich an den Präses unserer Synode mit der Bitte gewendet, sich ihrer Sache anzunehmen. Derselbe hat auch bereits unterm 5. April an den Unterzeichneten Meldung ergehen lassen, daß er ihn mit dieser Angelegenheit betraue und ihn gebeten, sich zu dem Zwecke nach Detroit zu begeben. Der Brief, der dies enthielt, trägt das St. Louiser Postzeichen vom 7. April, ging aber leider statt unmittelbar nach Bridgeport (der damaligen Postoffice des Unterzeichneten), zuvor nach Bridgewater in die Irre, wie auf dem Couvert deutlich zu ersehen ist, und so kam er erst den 24. April am Ort seiner Bestimmung an. Mittlerweile hatte Winkler unterm 9. April folgendermaßen an die Leute geschrieben:
„Wie schon am 16. und am 26. März geschehen, werden Sie hiermit noch einmal dringend ersucht, Ihren Theil der Committee zu wählen und uns die Zeit zu bestimmen, wann unser Theil hier sein soll. Wenn nichts der Art in den nächsten drei Tagen geschieht, so sind wir genöthigt, ohne Rücksicht auf spätere Bestimmungen von Ihrer Seite unsere eignen Wege in dieser Sache zu gehen.“
Dies schien selbst zweien seiner Vorstände zu
English translation AI translation
62
Luther laments his distress: "You want to be a fictitious (painted) sinner and to hold Christ for a fictitious Savior. Accustom yourselves to this, that Christ is the true Savior and you are real sinners. God does not play a shadow-play and does not jest, in that He sends His Son to us and gives Him up for us."
Then the LORD sent Luther, out of the same mouth, when he had a hard trial and temptation concerning God's foreknowledge and election of grace, new comfort through the words: "In the wounds of Christ foreknowledge is understood and found, otherwise nowhere at all; for it is written: Him shall ye hear. The Father is too high; therefore He says: I will give you a way whereby one may come to me, namely Christ; believe in Him and cleave to Him; so it will be found out well enough in due time who I am. For God is incomprehensible, and we can neither understand nor think what He is, much less how He is minded; He also cannot be comprehended and will in short be ungraspable, except in Christ."
Furthermore, when the discussion once turned to the word poenitentia or repentance, Staupitz said: there was no true repentance except that which flows from the love of God and of His righteousness; and this word stuck — as Luther himself later related to Staupitz when sending him his Theses — in his soul "like the sharp arrow of a mighty man."
Thereto the Spirit of God drove him ever more into the Holy Scripture, and more and more he was first illumined, but, the longer the more, also inwardly enlightened by the saving truth of the Gospel, especially in the Epistles of St. Paul: that the sinner in Adam is declared righteous before God and His judgment, and absolved of his guilt, alone by grace through the merit of Christ, which he lays hold of and appropriates solely and exclusively by means of faith, without the deeds of the Law.
But only little by little did this saving truth from God's Word become inwardly bright and clear to him; slowly and gradually he first attained to the inward divine certainty of it and to the true inward experience of justifying faith; long did the papistical errors resist in him this blessed truth of the Gospel; long did the haughty, work-righteous monk in him rebel against the all-sufficient and perfectly good merit of Christ; and although the saying, "The just shall live by his faith," had already earlier, with its divine power, touched his heart in many ways and passed mightily through it, yet when in 1510, on business of his Order, he was staying in Rome, he was still such a "mad saint," as he calls himself, that he slid up on his knees the steps of the so-called Pilate's Stairs, in order to receive the indulgence which the pope had promised to those who should perform such a work.
Then it happened, however, while he, in his conscience still held captive in human doctrine, was performing such foolish work, that all at once he felt no differently than as if a voice of thunder called to him: "The just shall live by his faith."
After his return home, however, he went anew to consider and weigh this saying yet more exactly and sharply in and with the Scripture; and at last this sun of the evangelical truth broke with great power through the mists of the doctrine of the Law and of men in his soul and filled his heart with righteousness, peace and joy in the Holy Ghost, of which he himself writes these memorable words: "Here I felt at once that I was born quite anew and had found, as it were, a wide-open door to go into Paradise itself; the dear Holy Scripture also looked upon me now quite differently from before, so that I ran forthwith through the whole Bible, as far as I could remember it, and gathered also in other words, according to this rule, all their interpretation together, as, that the work of God means that which God works in us; the power of God, by which He makes us mighty and strong; the wisdom of God, by which He makes us wise; so also the others, the strength of God, the salvation of God, the glory of God, and the like. As I had before hated this little word "the righteousness of God" with true earnestness, so I began, on the contrary, to esteem it dear and high as my most beloved and comforting word, and this very place in St. Paul was now in truth the right gate of Paradise."
And the same saving truth of justifying faith he also testifies later, in a letter to his friend and fellow monk Georg Spenlein in Memmingen, wherein he writes among other things thus: "Therefore, my dear brother, learn Christ, and Christ crucified, learn to sing to Him and, despairing of thyself, say: "Thou, my Lord Jesus, art my righteousness, but I am Thy sin. Thou hast taken upon Thee what is mine and hast given me what is Thine. Thou hast taken upon Thee what Thou wast not, and hast given me what I was not."
(Conclusion to follow.)
Correction of an Article in the "kirchliches Informatorium" of Pastor Grabau, Concerning the Affairs of the Lutheran Congregation at Detroit, Mich.
(Continuation.)
His determined intention, to have the matter handled absolutely by a committee to be called, Winkler had declared in blunt words at the close of the letter already cited, of the 16th of March of last year. It read therein:
"The undersigned's choice has already been made: it is now incumbent upon you, as complainants, to make your choice also, that the matter may find a settlement. — You may send in your choice, once made, in writing, either to me or otherwise to a member of the church council, in short order."
It is remarkable that he, here as nowhere else, mentions whom he on his part had called as committee member, and yet says in No. 3 of the kirchliches Informatorium that his choice was not according to the wish of those preachers of the Missouri Synod who had taken part in this affair; indeed, he takes the trouble to prove at length with reasons why his choice had to turn out thus and not otherwise. Yet Pastor Winkler knows full well that the undersigned first learned from his mouth on the 15th of June, at the end of his negotiations with him, whom he had selected as committee member. Of a satisfaction or dissatisfaction with his choice there can therefore be no talk at all. But so it goes, when one has once resolved at any price to present a bad cause as good: then one cannot leave off inventing and lying even where it does not in the least serve the evil purpose. Winkler relates further: the complainants had indeed accepted the proposed way of investigation, but for weeks had let nothing be heard or seen that they were doing anything in the matter. This also is not in accord with the truth. In a letter of the 21st of March the people had indeed consented, although "not as complainants, but as petitioners," to submit the matter "to an honest, competent, confession-true, churchly court for investigation and respective decision," but had also requested that Winkler should name to them his committee member, so that their choice might not fall upon the same man and delay arise again. Since now Winkler in his answer of the 26th of March was unwilling to grant this request, the people turned in writing already on the following day to the President of our Synod with the request that he take up their cause. He, too, had already by the 5th of April sent word to the undersigned that he entrusted him with this affair and had asked him to betake himself to Detroit for that purpose. The letter which contained this bears the St. Louis postmark of the 7th of April, but unfortunately, instead of going directly to Bridgeport (the then post office of the undersigned), it went first astray to Bridgewater, as can be plainly seen on the cover, and so it arrived at its destination only on the 24th of April. Meanwhile Winkler had written to the people on the 9th of April as follows:
"As already happened on the 16th and the 26th of March, you are hereby once more urgently requested to choose your part of the committee and to appoint to us the time when our part shall be here. If nothing of the kind takes place within the next three days, we are compelled, without regard to later arrangements on your part, to go our own ways in this matter."
This seemed even to two of his elders to