Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 8 › Seite 61
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-12-09, Seite 61
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brünstiger Liebe zu dem Bräutigam ihrer Seelen ein süßer Geruch waren vor dem HErrn — mitunter jedoch auch hinausbrechend wie die Prophetinnen des alten Bundes, und die gottlosen Päpste strafend mit dem Worte des HErrn; da waren auch unter den Lehrern der hohen Schulen, und unter den Priestern, hohen und niedrigen, einzelne gesunde fruchttragende Obstbäume, Zeugen der Wahrheit, deren Stimmen wir bereits oben vernommen haben; da gab es unter allerlei Ständen mannhafte kräftige Eichen und jugendlich kühne Buchen, die in ihrem Stande und Berufe, wenngleich bei schwacher Erkenntniß, doch sich im rechtschaffenen Glauben an Christum als Pflanzen des HErrn zum Preise, als Kinder der einen heiligen christlichen Kirche erzeigten, die unter dem Papstthum verborgen war. Diese edlen Fruchtbäume und anmuthigen Zierpflanzen im Garten Gottes, in seiner heiligen Kirche hin und her zerstreut in jener gräulichen Wildniß und unter dem Unkraute des Papstthums — diese Heiligen des HErrn waren es nun, die Angesichts des ungeheuren Verderbens der Kirche in Lehre und Leben, ohne Unterlaß klagten und zu Gott seufzten: „Hüter, ist die Nacht schier hin?“ Sie waren es, die mit herzlichen Seufzern und Thränen ihr Gebet zum HErrn aufhoben u. beweglich ausriefen: „Ach! daß die Hülfe aus Zion käme und der HErr sein gefangen Volk erlösete, so würde Jakob sich freuen und Israel fröhlich sein.“
Und wie? sollte der gnädige und barmherzige Gott, der durch seinen heiligen Geist solch' Flehen und Seufzen, solch Beten und Fürbitten seiner gefangenen Kirche in das Herz gegeben hatte, nicht endlich auch die so lange und bange ersehnte Hülfe erscheinen lassen und das Gefängniß seines Volkes wenden? Ja gewiß! Aber wie geschah denn solche Erlösung? Wie führte er sein geistliches Israel aus dem Babel des Papstthums und zerriß ihre Stricke und machte sie los von ihren Banden? Etwa durch Kirchenversammlungen und deren Beschlüsse, wie diese und jene Zeugen der Wahrheit von daher die Besserung hofften und keinen andern Rath noch Hülfe wußten? Nicht also; denn diese hätten, selbst im besten Falle, und wenn die Päpste aus menschlicher Klugheit auf eine Weile nachgegeben, doch nur auf eine Zeit lang diese und jene groben Mißbräuche abgethan und einzelne reif gewordene Geschwüre aufgeschnitten, ohne doch die ins innerste Mark gekrochene Krankheit von Innen heraus gründlich zu heilen und neue Lebenskräfte in die verschmachtete und dahinsiechende Kirche auszugießen.
Nein! durch Menschenweisheit und Menschenkraft war hier die Hülfe nicht möglich; und wie der Vater der Lügen durch Erweckung des antichristischen Papstthums das reine Wort Gottes und die Lehre der Kirche unterdrückt und gefälscht hatte, also war die gründliche Reinigung und Heilung der Kirche von Innen heraus nur dann möglich, wenn der Vater des Lichtes sein erleuchtendes und heilendes Wort, und sonderlich das seligmachende Evangelium von seiner Gnade in Christo, das allein der Glaube ergreife, in seiner Reinheit und Lauterkeit wieder hineinscheinen ließ in die papistische Finsterniß, um diese zu durchbrechen und das antichristische Ungeheuer des Papstthums in der Schande seiner Blöße vor den Augen Aller, die da sehen wollten, im klaren Lichte darzustellen.
Aber wie geschah solches? Etwa durch Schaaren der Evangelisten, wie zur Apostel Zeit, die da gleichzeitig ausgingen nach allen Ecken und Enden der verderbten Kirche in Begleitung von Zeichen und Wundern, die durch ihre Hände geschahen? Oder etwa durch das Zusammenwirken gelehrter und berühmter Lehrer der Kirche, die das herrschende Verderben erkannten?
Nicht also. Denn es gefiel seiner Weisheit, sich für dieses neue Auf- und Durchleuchten seines allmächtigen und erneuernden Wortes eines vor der Welt gar geringen und armseligen Werkzeugs zu bedienen, damit alle Ehre und Ruhm Ihm allein bleibe und seinem Worte.
Wie aber Johannes der Täufer zuvor in der Wüste war, daselbst zu- und vorbereitet von dem Geiste und Worte des HErrn in der Stille und Einsamkeit, ehe denn er hervortreten sollte mit seiner Heroldsstimme und mit seinem Zeugniß von Christo vor die Kinder Israel: also erzog sich der HErr auch zuvor in dem stillen Kloster und in der einsamen Mönchszelle jenen Zeugen der Wahrheit, unsern herzlieben Vater in Christo und Lehrer, Dr. Martin Luther, und bereitete ihn in der Schule seines heiligen Geistes durch sein Wort und darnach zugleich durch allerlei äußere Erlebnisse und innere Erfahrungen, ehe denn er als Prediger der Gerechtigkeit mündlich und schriftlich seine Stimme erheben sollte als eine Posaune, um, angethan mit Kraft aus der Höhe und in gleichsam prophetischer Machtvollkommenheit, mit unwiderstehlicher Gewalt die evangelische Wahrheit unerschrocken und unablässig zu bezeugen.
Zuvor aber mußte er in der Verborgenheit des Klosters die verzehrende Heiligkeit und den Fluch des göttlichen Gesetzes sammt der Ohnmacht der papistischen Satzungen und Werke, um diesen Fluch zu tilgen, gründlich an seinem Herzen erfahren; dieser Hammer des Gesetzes, welches das in Adam von Gott geschenkte göttliche Ebenbild vom Menschen wiederfordert, und da es dasselbe nirgends findet, zeitliche Strafen, den Tod und die ewige Verdammniß über alle Menschen als das gerechte Gericht Gottes ausspricht — dieser Hammer der heil. zehn Gebote mußte zuvor alle natürliche und mönchisch dazu gethane Selbstgerechtigkeit und Werkheiligkeit in ihm gründlich zerschlagen und zermalmen. Der verzehrende Feuereifer des heiligen und gerechten Gottes wider den Sünder in Adam, auch wenn dieser noch so rechtschaffen, ehrbar und sittig vor der Welt bis daher gelebt hatte, mußte zuerst die Spinnweben-Kleider der papistischen Buße und ihrer verdienstlichen Genugthuungen, sammt allem mönchischen Beten, Fasten, Wachen, Kasteien, Ringen und Kämpfen *) gleichsam im Nu verzehren und ihn bis auf das Mark versengen, daß er wie ohnmächtig und todt da lag unter dem Zorn und Gericht Gottes, unter dem Fluche des Gesetzes, in der Angst des Gewissens, in der Furcht des Todes, unter den Schrecknissen des Satans und in dem Vorschmack der Höllenqual. Denn also mußte er den geistlichen Tod seines erbsündlichen Verderbens, die unverletzliche und dem Sünder unerträgliche Heiligkeit und Strafgerechtigkeit Gottes, die völlige Ohnmacht aller Selbsthülfe und aller papistischen Sühnmittel durch die Arbeit des heiligen Geistes mittelst des Gesetzes zuvor gründlich an seinem Herzen und Gewissen erfahren, damit er völlig und durchaus an aller eigenen Kraft verzweifelte, auch nur stückweise die Gerechtigkeit vor Gott mitzuwirken und die Vergebung der Sünde, Leben und Seligkeit sich mitzuverdienen, kurz um eben der arme Sünder in Adam zu werden.
*) „Auch ich selbst — sagt Luther — bin zwanzig Jahre ein Mönch gewesen und habe mich gemartert mit Beten, Fasten, Wachen, Frieren, daß ich allein für Frost möchte gestorben sein.“ — „Da ich Gott gesuchet habe mit großer Arbeit und Abbrechen meines Leibes durch Fasten, Wachen, Singen und Beten; denn ich hätte mich, wenns länger gewähret, damit zu Tode gemartert;“ — „doch je mehr ich suchte und meinte ihm näher zu kommen, je weiter ich von ihm kam. Nein, er läßt sich nicht also finden; er will vor uns ungefunden sein; er muß zuvor selbst zu uns kommen und uns daheim suchen; mit unsrem Nachlaufen und Jagen läßt er sich nicht erhaschen noch fangen.“ (Luth. Werke Altenb. Ausg. 7, 53. Leipziger Ausg. 11, 53. 14, 351 b. 21, 21.) Darin ist zugleich auch die Widerlegung der giftigen papistischen Lügen enthalten — denn er schrieb ja Solches und Ähnliches zu der Zeit, da gar manche seiner früheren Klostergesellen noch lebeten, die ihn ja dann hätten der Lüge zeihen und seinen ganzen Ruf verderben können — als sei Luther von Hause aus ein lustiger Lebemann gewesen, der auch nur um des Heirathenswillen aus dem Kloster gegangen sei, um ihn dadurch, obwohl wider alle geschichtliche und allbekannte Wahrheit, den Katholiken verhaßt und verächtlich zu machen.
Gleichwohl hatte der vielgetreue, väterlich erziehende Gott, der dieses sein auserwähltes Rüstzeug also vorbereitete, dafür gesorgt, daß unter diesem jahrelangen Fordern, Drohen, Fluchen, Tödten und Verdammen seines heiligen Gesetzes, und in der steten Angst und Arbeit von Luthers Seele das Glaubensfünklein nicht erlosch, das von der heiligen Taufe her in ihm war, und das der HErr dann durch seinen heiligen Geist mittelst des Evangeliums zur hellen Flamme anblies, nachdem das Gesetz sein Werk, der Hauptsache nach, an ihm gethan hatte und er an aller eigenen Vernunft und Kraft völlig verzweifelt war, um durch deren Anstrengungen einen gnädigen Gott zu erlangen und die Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit sich auch nur stückweise mitzuverdienen.
Da sendet ihm Gott in seinen Kämpfen und Ängsten, da all sein Meßhalten ihm keinen Trost geben will, einen alten Bruder im Kloster zum Beichtvater zu; der tröstet ihn herzlich — wie Matthesius schreibet — und weiset ihn auf das dritte Stück des apostolischen Glaubensbekenntnisses: ich glaube „die Vergebung der Sünden;“ und dieses ist ein lebendiger Trost in seinem Herzen gewesen, wie er dieses seines Beichtvaters mit großen Ehren oft erwähnet.
Da giebt Gott dem Dr. Staupitz, Luthers geistlichem Obern, die zugleich strafenden und tröstenden Worte in Herz und Mund, da ihm
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fervent love toward the Bridegroom of their souls, a sweet savor before the LORD — sometimes, however, also bursting forth like the prophetesses of the old covenant and rebuking the godless popes with the Word of the LORD; there were also among the teachers of the higher schools, and among the priests, high and low, here and there sound, fruit-bearing fruit trees, witnesses of the truth, whose voices we have already heard above; there were among all sorts of estates manly, vigorous oaks and youthfully bold beeches, who in their station and calling, though with feeble understanding, yet showed themselves, in upright faith in Christ, to be plants of the LORD to His praise, children of the one holy Christian Church, which lay hidden under the papacy. These noble fruit trees and graceful ornamental plants in the garden of God, in His holy Church, scattered here and there in that dreadful wilderness and among the weeds of the papacy — these saints of the LORD it was who, in view of the monstrous corruption of the Church in doctrine and life, complained without ceasing and sighed to God: "Watchman, what of the night?" It was they who with heartfelt sighs and tears lifted up their prayer to the LORD and cried out movingly: "Oh that the salvation were come out of Zion, and the LORD would bring back the captivity of His people, then Jacob would rejoice, and Israel would be glad."
And how? Should the gracious and merciful God, who by His Holy Spirit had put into the heart of His captive Church such supplication and sighing, such prayer and intercession, not at last also let the help so long and anxiously longed for appear, and turn the captivity of His people? Yes, certainly! But how then did such deliverance come about? How did He lead His spiritual Israel out of the Babel of the papacy, and break their cords and set them free from their bonds? Perhaps by councils of the Church and their decrees, as this and that witness of the truth hoped for amendment from that quarter and knew no other counsel or help? Not so; for these, even in the best case, and if the popes out of human prudence had yielded for a while, would yet only for a time have abolished this or that gross abuse and lanced a few boils that had come to a head, without yet thoroughly healing from within the sickness that had crept into the innermost marrow, and without pouring new powers of life into the languishing and wasting Church.
No! By human wisdom and human strength help was not possible here; and as the father of lies, by raising up the antichristian papacy, had suppressed and falsified the pure Word of God and the doctrine of the Church, so the thorough cleansing and healing of the Church from within was possible only if the Father of lights let His enlightening and healing Word, and especially the saving Gospel of His grace in Christ, which faith alone lays hold of, shine again in its purity and sincerity into the papistical darkness, to break through it and to present the antichristian monster of the papacy, in the shame of its nakedness, in clear light before the eyes of all who were willing to see.
But how did this come about? Perhaps through hosts of evangelists, as in the time of the apostles, who went forth at the same time to all the corners and ends of the corrupted Church, accompanied by signs and wonders done by their hands? Or perhaps through the cooperation of learned and renowned teachers of the Church who recognized the prevailing corruption?
Not so. For it pleased His wisdom to make use, for this new shining forth and breaking through of His almighty and renewing Word, of an instrument very small and poor in the eyes of the world, that all honor and glory might remain with Him alone and with His Word.
But as John the Baptist was beforehand in the wilderness, there prepared and made ready by the Spirit and Word of the LORD in stillness and solitude, before he was to come forward with his herald's voice and with his testimony of Christ before the children of Israel: so also the LORD beforehand reared for Himself, in the quiet cloister and in the lonely monk's cell, that witness of the truth, our heartily beloved father in Christ and teacher, Dr. Martin Luther, and prepared him in the school of His Holy Spirit through His Word and thereafter at the same time through all sorts of outward experiences and inward trials, before he was to lift up his voice, orally and in writing, as a preacher of righteousness, like a trumpet, in order, endued with power from on high and in a manner with prophetic plenitude of authority, to testify to the evangelical truth fearlessly and unceasingly with irresistible force.
But first he had to experience thoroughly in his heart, in the seclusion of the cloister, the consuming holiness and the curse of the divine Law, together with the powerlessness of the papistical ordinances and works to remove this curse; this hammer of the Law, which requires back from man the divine image given in Adam by God, and, since it finds it nowhere, pronounces temporal punishments, death and eternal damnation upon all men as the righteous judgment of God — this hammer of the holy Ten Commandments had first to break and crush to pieces in him all natural self-righteousness and work-righteousness, and that which he had added in monkish fashion. The consuming zeal of the holy and righteous God against the sinner in Adam, even if he had hitherto lived ever so upright, honorable and decent before the world, had first to consume, as it were in a moment, the cobweb garments of papistical penance and its meritorious satisfactions, together with all monkish praying, fasting, watching, mortifying, wrestling and struggling *), and scorch him to the very marrow, so that he lay there as one powerless and dead under the wrath and judgment of God, under the curse of the Law, in the anguish of conscience, in the fear of death, under the terrors of Satan and in the foretaste of the pains of hell. For thus he had to experience thoroughly in his heart and conscience, by the working of the Holy Spirit through the Law, the spiritual death of his hereditary corruption, the inviolable holiness and punitive justice of God, intolerable to the sinner, the complete powerlessness of all self-help and of all papistical means of atonement, in order that he might utterly and altogether despair of all his own strength, ever to work out even in part the righteousness before God and to merit for himself forgiveness of sin, life and salvation, in short, to become just the poor sinner in Adam.
*) "I myself also," says Luther, "was a monk for twenty years, and tortured myself with praying, fasting, watching, freezing, so that I might well have died of cold alone." — "When I sought God with great labor and wearing down of my body by fasting, watching, singing and praying; for I would have tortured myself to death with it, had it lasted longer;" — "yet the more I sought and thought to come nearer to Him, the farther I got from Him. No, He will not be found thus; He will remain unfound before us; He must first Himself come to us and seek us at home; by our running after Him and hunting He lets Himself be neither caught nor taken." (Luther's Works, Altenburg ed. 7, 53. Leipzig ed. 11, 53. 14, 351 b. 21, 21.) Herein is at the same time contained the refutation of the venomous papistical lies — for he wrote such things and the like at a time when quite a few of his former cloister companions were still living, who could then have charged him with lying and ruined his whole reputation — as though Luther had been from the start a merry man of pleasure, who left the cloister only for the sake of marrying, in order thereby, though against all historical and well-known truth, to make him hateful and contemptible to the Catholics.
Nevertheless the faithful God, who as a father trains His own, and who thus prepared this His chosen instrument, had taken care that under this years-long demanding, threatening, cursing, killing and condemning of His holy Law, and in the constant anguish and travail of Luther's soul, the little spark of faith was not extinguished, which had been in him from holy Baptism, and which the LORD then, by His Holy Spirit through the Gospel, blew into a bright flame, after the Law had done its work upon him in the main, and he had utterly despaired of all his own reason and strength, so as to obtain by their exertions a gracious God and to merit for himself, even in part, forgiveness of sins, life and salvation.
Then God sends him, in his struggles and anxieties, when all his saying of Mass will give him no comfort, an old brother in the cloister as father confessor; he comforts him heartily — as Mathesius writes — and points him to the third article of the Apostles' Creed: I believe "the forgiveness of sins;" and this was a living comfort in his heart, as he often mentions this his father confessor with great honor.
Then God puts into the mouth and heart of Dr. Staupitz, Luther's spiritual superior, the words at once rebuking and comforting, when to him