Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 26 › Seite 205

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-08-17, Seite 205

201 202 203 204 205 206 207 208

⤓ Download page image (full resolution)

German transcription AI-corrected against the scan

⤓ Download .txt · copy text

205

ten namhaftesten Theologen der reformirten Kirche folgen.

Zwingli schreibt: „Siebentens, glaube ich und weiß, daß alle Sacramente sogar die Gnade nicht ertheilen, daß sie sie nicht einmal reichen oder vorhalten. Denn die Gnade wird vom heiligen Geiste gewirkt und gegeben, und daher kommt diese Gabe allein dem Geiste zu. Der Geist aber braucht kein Geleit oder Wagen, denn er ist selbst die Kraft und Fuhre, dadurch alles geführt wird, braucht nicht, daß er geführt werde. Wir lesen auch dergleichen nie in heiliger Schrift, daß äußerliche Dinge, dergleichen die Sacramente sind, den Geist gewiß mit sich bringen. Daraus man den Schluß macht (welches ich in dem Sacramenthandel gerne gestehe und zulasse), daß die Sacramente zum öffentlichen Zeugniß derjenigen Gnade, welche bei jeder einzelnen Person schon vorher da ist, gegeben werde. Also nimmt die Kirche durch die Taufe denjenigen auf, der erst durch die Gnade aufgenommen ist. Bringt also die Taufe keine Gnade, sondern bezeugt nur der Kirche, daß sie der, welchem sie gegeben wird, schon empfangen habe. . . Wenn man canonisch oder recht richtig reden will, so sehen wir, daß die äußerliche Predigt der Apostel und Evangelisten oder Bischofe bei allen Völkern vor dem Glauben hergegangen, welchen wir doch dem heiligen Geiste allein zuschreiben. Denn wir sehen leider gar viele, welche zwar die äußerliche Predigt des Evangelii hören, aber doch nicht gläuben, weil es am Geist fehlt. Wo demnach Propheten d. i. Prediger des Worts hingeschickt werden, da ist es ein Zeichen der Gnade Gottes, weil er seinen Auserwählten die Erkenntniß seiner selbst offenbaren will.“ (Bekenntniß des Glaubens vom Jahre 1530.) Ferner sagt Zwingli: „Es ist eine Frechheit, daß man gelehret hat, daß der Mensch durch die Schlüssel (des Himmelreichs, welche sind das Evangelium) „gewiß werde, welcher nur durch den Glauben inwendig gewiß ist. Vergeblich wirst du sprechen: Du bist frei“ (von der Verdammniß der Sünde) „denn du kannst ihn durch dein Wort nicht mehr gewiß machen, als du aus einer Fliege einen Elephanten machst, wenn du sagst: Du bist ein Elephant.“ (Buch von der wahren u. f. Religion.)

Calvin schreibt: „Obgleich wir nicht leugnen, daß Gott selbst mit der durchaus gegenwärtigen Kraft seines Geistes bei seiner Einsetzung sei, damit die Verwaltung der Sacramente, die er geordnet, nicht unfruchtbar und leer sei, so behaupten wir doch, daß die innere Gnade des Geistes, wie sie von dem äußerlichen Amte verschieden ist, so auch gesondert anzusehen und zu denken ist.“ (Institut. B. 4, Cap. 14, § 17.

Beza schreibt: „Der irrt sich gar sehr und thut Gott Unrecht, welcher meint, daß Gott entweder den Menschen, durch deren Mund er redet, oder dem äußerlichen Worte Gottes selbst oder den sacramentlichen Zeichen auch nur das allergeringste von jener seiner göttlichen Kraft, die Menschen zu erneuern und zum ewigen Leben in Christo zu erhalten, zuschreibe.“ (Resp. ad Acta Coll. II, 218.) Derselbe Beza schreibt ferner: „Es sei ein handgreiflicher, aus den stinkenden Pfützen der Scholastiker (päbstischen Theologen) geschöpfter Irrthum, wenn zwar, wie man spricht, die ursprüngliche verursachende Kraft der Gnadenmittheilung Gott, die vermittelnde aber (instrumentalis) den Sacramenten zugeschrieben wird.“ (Ib.)

Grynäus: „Die Frommen mögen bedenken, daß dem äußerlichen Amte die Wirkung des innerlichen Amtes durch diesen Ausspruch Pauli 2 Cor. 3, 6. und andere ähnliche in sacramentierlicher Redeweise*), um dasselbe zu ehren, zugeschrieben werde.“ (Disput. de euchar. th. 17)

*) Die Reformirten machen eine Petitio principii, das heißt, sie beweisen etwas durch das, was erst zu beweisen ist. Sie sagen nehmlich, der Leib Christi ist im Abendmahl nicht wirklich gegenwärtig, weil er blos sacramentierlich gegenwärtig sei. Aber das ist eben zu beweisen, daß eine sacramentierliche Gegenwart nicht eine wahre, wirkliche, wesentliche sei. Grynäus geht nun so weit, zu behaupten, auch das ganze äußerliche Amt habe göttliche Kraft, wenn man nach sacramentierlicher Weise reden wolle, das heißt nach seinem Sinne, wenn man etwas zwar sagt, wenn es aber nicht so ist, wenn man dem Zeichen einer Sache die Sache selbst zuschreibt.

Die Reformirten stehen 1., wie man hieraus sieht, auf einem Grunde mit den Schwärmern, indem sie nicht nur die äußere Ordnung des Predigtamtes herabsetzen, sondern überhaupt die göttliche wirkende und mittheilende Kraft des Wortes verleugnen und eigentlich an eine unmittelbare Erleuchtung glauben.

Diese Lehre aber verdammen wir als eine schändliche und gottlose Lehre. Wie kann nun Herr Pastor Grabau es wagen, dieselbe uns aufzubürden? Er hat die Kraft des Wortes Gottes von dem Amte der Prediger abhängig gemacht, und das haben wir geleugnet, weil eben dadurch die rechte lutherische Lehre von der Kraft des Predigtamtes oder des Wortes verleugnet wird. Wir aber haben nicht, wie Herr Past. Grabau unbegreiflicherweise vorgibt, „das Wort Gottes vom Predigtamte getrennt,“ sondern vielmehr eben gegen ihn selbst zu vertheidigen und zu retten gesucht, daß ohne das Wort Gottes das Predigtamt ein schlecht Amt sei, unkräftig, nichtig, wie das Wasser ohne Gottes Wort schlecht Wasser und keine Taufe ist, daß aber allein durch das Wort Gottes, und nicht, ich weiß nicht was für einen, den Laien nicht inwohnenden Character (delebilis oder indelebilis), das heilige Predigtamt seine Kraft habe; welche Kraft aber das heilige Predigtamt auch bei einem nicht rechtmäßig dazu Berufenen erweise, weil Gottes Wort und Sacrament Gottes Wort und Sacrament ist und bleibt u. seine göttliche himmlische Kraft hat und behält, mag nun, daß wir mit Herrn Pastor Grabau reden, das Dienstmittel sein, welches es wolle; das aber hat Herr Past. Grabau geleugnet.

Gott gebe, daß derselbe die Sache unpartheiisch überlegen und seine grundlose Anschuldigung, die nicht allein unsere Person, sondern das von uns geführte Bekenntniß der rechtgläubigen Kirche betrifft, zurücknehmen möge.

(Eingesandt.)

Beurtheilung des Kampfes zwischen Past. Grabau und der Synode von Missouri, Ohio u. a. St. *)

*) Auch dieser Aufsatz ist von den unterzeichneten Brüdern eingesendet werden, ehe Past. Grabau's Erklärung, sich auf keine mündlichen Verhandlungen einlassen zu wollen, eingegangen war. D. R.

Herr Past. Grabau betrachtet den ganzen Streit mit der Synode von Missouri als einen Streit mit den hervorragenden Häuptern derselben. Die Synode selbst sieht er nur als ein Werkzeug dieser Männer an und traut ihr nicht so viel Selbstständigkeit zu, die Wahrheit zu vertreten und zu vertheidigen, wenn sie schon sehen sollte, daß sie von diesen ihren Stimmführern mehr oder weniger verletzt würde. Daß solches für unsere Synode ein sehr beschwerender Vorwurf ist, sieht ein Jeder. Stünde es wirklich so, so wäre es fürwahr traurig; denn dann bestände in der That unter uns ein Papismus, eine Herrschaft über die Gewissen im Widerspruch mit der Lehre, welche von unsrer Synode seit ihrem Bestehen vielfältig vertheidigt worden ist, nämlich mit der Lehre vom geistlichen Priesterthum aller Christen. Dann hätte unsre Synode allerdings die herrliche Freiheit, die sie in Christo hat, verkauft und sich zur Schmach des einigen Kirchenhauptes Jesu Christi in Menschenknechtschaft begeben, welches erschrecklich ist nur zu denken, geschweige zu behaupten.

Da nun dieser Vorwurf von Past. Grabau erhoben worden ist, so müssen sich allerdings die Glieder unsrer Synode regen, wenn sie nicht durch Stillschweigen das Urtheil Grabaus rechtsprechen wollen.

Und das ist die Ursache, welche die Unterzeichneten, als Glieder der Synode, dringt, gegen einen solchen Vorwurf zu protestiren, und die Unschuld der Synode zu vertheidigen. Und obgleich die Hoffnung sehr gering ist, daß Herr Past. Grabau von der Ungerechtigkeit seines Vorwurfs dadurch überzeugt und ihn öffentlich wiederrufen wird; so bleibt immerhin die Selbstvertheidigung Pflicht, wenn der uns gemachte Vorwurf Gottes Ehre und Wahrheit selbst beeinträchtigt, und viele unschuldige Seelen ärgern kann; sie mögen nun von der Gegenpartei anerkannt werden oder nicht.

Der ganze Vorwurf des Past. Grabau scheint sich darauf zu gründen, daß Etliche unter uns sind, die allerdings meist das öffentliche Wort führen. Aber daraus zu beweisen, daß die Andern alle wie die unmündigen Kinder nur Ja und Nein sagen und durch Menschenfurcht oder Menschengefälligkeit in ihrem Gewissen gebunden sind, ist eine starke Präsumtion, die jedes gerechten Grundes entbehrt. Denn ist es nicht immer und allenthalben so, daß die am meisten das öffentliche Wort führen, welche besonders mit Licht, Kraft und Geist dazu ausgerüstet sind? Wär' es nicht schändlich, das große Werkzeug der Reformation Dr. Luthern darum einen Papst zu nennen, weil er in allen Streitfragen das vornehmste Wort führte? Hat Gott die Glieder des Leibes nicht verschieden gemacht?

English translation AI translation

⤓ Download .txt · copy text

205

most renowned theologians of the Reformed Church.

Zwingli writes: "Seventhly, I believe and know that all sacraments do not so much as bestow grace, that they do not even convey or offer it. For grace is wrought and given by the Holy Ghost, and therefore this gift belongs to the Spirit alone. But the Spirit needs no escort or wagon, for He Himself is the power and the vehicle by which all things are carried, and needs not that He be carried. Neither do we ever read the like in Holy Scripture, that outward things, such as the sacraments are, certainly bring the Spirit with them. From this one draws the conclusion (which I gladly concede and allow in the sacramental controversy) that the sacraments are given as a public testimony of that grace which is already present beforehand in each individual person. Thus the Church receives through Baptism him who has first been received through grace. If, then, Baptism brings no grace, but only testifies to the Church that he to whom it is given has already received it. . . If one wishes to speak canonically or quite correctly, we see that the outward preaching of the apostles and evangelists or bishops has gone before faith among all peoples, which faith we nevertheless ascribe to the Holy Ghost alone. For we see, alas, very many who indeed hear the outward preaching of the Gospel, but yet do not believe, because the Spirit is lacking. Where, accordingly, prophets, that is, preachers of the Word, are sent, there it is a sign of the grace of God, because He wills to reveal the knowledge of Himself to His elect." (Confession of Faith of the year 1530.) Further Zwingli says: "It is an impudence that men have taught that man is made certain by the keys (of the kingdom of heaven, which are the Gospel) who is certain only inwardly through faith. In vain wilt thou say: Thou art free" (from the condemnation of sin) "for thou canst no more make him certain by thy word than thou makest an elephant out of a fly when thou sayest: Thou art an elephant." (Book on the True and False Religion.)

Calvin writes: "Although we do not deny that God Himself is present with the fully present power of His Spirit at its institution, so that the administration of the sacraments, which He ordained, may not be unfruitful and empty, yet we maintain that the inward grace of the Spirit, as it is distinct from the outward office, is also to be regarded and thought of as separate." (Institut. B. 4, Cap. 14, § 17.

Beza writes: "He errs very greatly and does God wrong who thinks that God ascribes even the very least of that His divine power, to renew men and to preserve them in Christ unto eternal life, either to the men through whose mouth He speaks, or to the outward Word of God itself, or to the sacramental signs." (Resp. ad Acta Coll. II, 218.) The same Beza writes further: "It is a palpable error, drawn from the stinking pools of the Scholastics (the papistical theologians), when, as men say, the original causing power of the imparting of grace is ascribed to God, but the mediating power (instrumentalis) to the sacraments." (Ib.)

Grynäus: "Let the pious consider that the effect of the inward office is ascribed to the outward office by this saying of Paul, 2 Cor. 3, 6., and other similar ones, in a sacramental manner of speaking*), in order to honor it." (Disput. de euchar. th. 17)

*) The Reformed commit a Petitio principii, that is, they prove something by that which is yet to be proved. For they say that the body of Christ is not really present in the Lord's Supper, because it is only sacramentally present. But that is precisely what is to be proved, that a sacramental presence is not a true, real, essential one. Grynäus now goes so far as to assert that even the whole outward office has divine power, if one wishes to speak after the sacramental manner, that is, in his sense, when one indeed says something, but it is not so, when one ascribes to the sign of a thing the thing itself.

The Reformed stand, 1., as one sees from this, upon one ground with the enthusiasts, in that they not only lower the outward order of the ministry, but altogether deny the divine working and imparting power of the Word, and actually believe in an immediate illumination.

But this doctrine we condemn as a shameful and godless doctrine. How can Pastor Grabau now dare to impose it upon us? He has made the power of the Word of God dependent upon the office of the preachers, and that we have denied, precisely because thereby the true Lutheran doctrine of the power of the ministry or of the Word is denied. But we have not, as Pastor Grabau incomprehensibly alleges, "separated the Word of God from the ministry," but rather have sought, precisely against himself, to defend and to rescue this: that without the Word of God the ministry is a mere office, powerless, void, as water without God's Word is mere water and no Baptism, but that the holy ministry has its power solely through the Word of God, and not through I know not what character (delebilis or indelebilis) not indwelling in the laity; which power the holy ministry, however, also exerts in one not lawfully called to it, because God's Word and Sacrament is and remains God's Word and Sacrament, and has and retains its divine heavenly power, let the means of service be, to speak with Pastor Grabau, what it will; but that Pastor Grabau has denied.

God grant that he may weigh the matter impartially and take back his groundless accusation, which concerns not our persons alone, but the confession of the orthodox Church held by us.

(Communicated.)

Appraisal of the Conflict between Pastor Grabau and the Synod of Missouri, Ohio and Other States. *)

*) This essay also was sent in by the undersigned brethren before Pastor Grabau's declaration, that he does not wish to enter upon any oral negotiations, had been received. Ed.

Pastor Grabau regards the whole controversy with the Synod of Missouri as a controversy with its prominent leaders. The Synod itself he regards only as an instrument of these men, and does not credit it with so much independence as to represent and defend the truth, even if it should see that it was more or less injured by these its spokesmen. That this is a very grievous reproach for our Synod, everyone sees. If it really stood so, it would truly be sad; for then there would in fact exist among us a papacy, a dominion over consciences in contradiction to the doctrine which has been manifoldly defended by our Synod since its beginning, namely the doctrine of the spiritual priesthood of all Christians. Then our Synod would indeed have sold the glorious liberty which it has in Christ, and, to the disgrace of the one Head of the Church, Jesus Christ, have betaken itself into human bondage, which is dreadful even to think, to say nothing of asserting.

Since this reproach has now been raised by Pastor Grabau, the members of our Synod must indeed bestir themselves, if they would not by silence justify Grabau's judgment.

And this is the cause which urges the undersigned, as members of the Synod, to protest against such a reproach and to defend the innocence of the Synod. And although the hope is very slight that Pastor Grabau will thereby be convinced of the injustice of his reproach and publicly retract it, yet self-defense remains a duty, when the reproach made against us impairs the honor of God and the truth itself, and can offend many innocent souls, whether they be acknowledged by the opposing party or not.

Pastor Grabau's whole reproach appears to be grounded upon this, that there are some among us who indeed for the most part speak publicly. But to prove from this that the others all, like minor children, say only Yes and No, and are bound in their consciences by fear of man or by man-pleasing, is a strong presumption, which lacks every just ground. For is it not always and everywhere so, that those speak most publicly who are especially equipped for it with light, power and spirit? Would it not be shameful to call the great instrument of the Reformation, Dr. Luther, a pope for the reason that he took the foremost word in all controversies? Has not God made the members of the body different?