Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 26 › Seite 206
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-08-17, Seite 206
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haben sie alle einerlei Verrichtung? Ein jedes hat seine Gabe und dient mit seiner Gabe dem ganzen Leibe, aber darum sind die Gaben nicht gleich. Wem gebührt mit Recht in weltlichen, wie in geistlichen Händeln ein größerer Antheil an der öffentlichen Führung des Worts, dem, der bei aller sonstigen Einfalt und Redlichkeit des Herzens dennoch in seiner Auffassung der Verhältnisse kurzsichtig und beschränkt ist, oder dem Gott geübte Sinne zur Unterscheidung des wahren und falschen, und einen beredten Mund gegeben hat, die Lehre klar und überzeugend auseinanderzusetzen? Was sollte aus einer Synode werden, wenn die Ordnung umgekehrt wäre, wenn der Unverstand herrschen, und die Weisheit sich unterwerfen sollte? Wollte wohl Past. Grabau in seiner Synode eine solche Ordnung oder vielmehr Unordnung aufrichten; ist es nicht offenbar er selbst, der in seiner Synode das gewichtigste Wort führt, und könnten wir darum nicht denselben Vorwurf der Buffalo-Synode machen, den er unsrer Synode macht? Ja gewiß mit viel größerem Recht. Und wenn Past. Grabau den glücklichsten Versuch machte zu beweisen, daß seine Herren Collegen und die mit ihm verbundenen Gemeinden ganz unabhängig von ihm seine Meinung in der vorliegenden Streitsache theilen u. seine hierarchischen Grundsätze verfechten, so wird er doch einen Menschenkenner und guten Beobachter der Dinge nimmer überreden, daß jene nicht sollten von ihm merklich beeinflußt sein.
Die Unterzeichneten glauben dem Herrn Past. Grabau im Namen ihrer Brüder von der Missouri Synode unbedenklich das Zugeständniß machen zu dürfen, daß allerdings unter uns die Gaben unserer hervorragenden Glieder anerkannt und geehrt werden, und daß uns denselben gegenüber eine gewisse Bescheidenheit nicht übel, sondern vielmehr wohl ansteht. Aber dagegen verwahren wir uns, daß wir sollten von dem Glanz der Gabe die Augen blenden lassen und unser Gewissen unter das Ansehn der Menschen gefangen geben. Das Wort: „Einer ist euer Meister“ steht mit unauslöschlichen Buchstaben in unser Herz geschrieben. Gott behüte uns, daß wir je andre Meister aufwerfen sollten.
Nur dann hätte Past. Grabau gerechten Grund zu seiner Beschuldigung; wenn von den Gliedern unsrer Synode, welche in dem ganzen Streit mit ihm die handelnden Personen sind, irgend etwas geschehen wäre, welches durchaus nicht nach Gottes Wort zu rechtfertigen ist; und die Synode hätte es doch ungeprüft angenommen u. gebilligt. Dann möchte er mit Recht auf die Unsebstständigkeit der Synode folgern. Allein Herr Past. Grabau erinnere sich, daß auf der Synode von 1850 und '51 alle diese Sachen vor das Forum derselben gekommen sind und jeder unsrer Glieder Gelegenheit gehabt hat den Stand der Dinge kennen zu lernen und sich ein Urtheil davon nach Gottes Wort zu bilden. Es war jedem vergönnt zu reden, der etwa Bedenken trug; jene beiden Glieder unserer Synode, von denen Past. Grabau schreibt, sie hätten die Synode zur Buße ermahnt, wären aber von Herrn Prof. Walther überredet und beschwichtigt worden, sind eben ein Beweis, daß die Synode nichts auf Treu und Glauben ihrer Stimmführer (wir bitten, von dem übeln Sinn, den dieses Wort sonst hat, abzusehn), angenommen hat. Sie wurden gehört, alle ihre Bedenken erwogen, wie der Synodalbericht von 1851 ausweist, und die Zurücknahme jener beiden Synodal-Glieder war eine freiwillige aus Überzeugung. Hätten wir von ihnen anders denken wollen, so würden wir diesen unsern lieben Brüdern gewiß nur weh gethan haben.
Alle die Thatsachen, die unsrer Synode von der kirchlichen Praxis Pastor Grabaus, besonders von der Handhabung des Bannes vorgelegt und durch Zeugen bestätigt wurden, waren keineswegs geeignet, denselben als einen rechtschaffenen Seelenhirten im Gewissen eines jeden Christen offenbar zu machen, und dasselbe zu bestimmen, das bisherige Verfahren der Synode, solchen der Härte und Herrschsucht ihrer Prediger zum Opfer gefallenen und der geistlichen Segnungen beraubten Seelen durch treue Hirten dieselben wiederum darzureichen, als unbefugt und ungerecht zu verwerfen. Fürs andere waren die Behauptungen Herrn Past. Grabau's über die falschen Lehren der von ihm sogenannten Missourier wirklich zu monströs, um in uns die Überzeugung zu wirken, Grabau sei ein reiner Lehrer der lutherischen Kirche, und jene Christen hätten sich schwer versündigt, die sich von ihm und seiner Synode getrennt hatten. Wenn Pastor Grabau fort und fort unserer Synode vorwirft, wir hätten falsche Lehre vom Predigtamt, vom Bann und Amt der Schlüssel, vom geistlichen Priesterthum, vom rechten Beruf, von der Ordination und von der Kirche, und wir sind uns doch bewußt, in allen diesen Stücken es treu und lauter mit der Schrift und den Bekenntnissen unsrer Kirche zu halten; wie können wir denn anders denken, als daß allerdings Past. Grabau eine abweichende, durch hierarchische Grundsätze gefärbte Lehre führen muß, wie es ja auch in seinem Hirtenbrief und den darauf bezüglichen Schriften klar am Tag liegt. Und doch verlangt er von unserer Synode, daß wir wider unser Gewissen den Leuten, die sich an seiner Lehre stoßen, sagen sollen: Ihr sündigt, wenn ihr euch von einem so reinen lutherischen Lehrer, wie Pastor Grabau ist, trennt.
Nein, wahrlich, Herr Pastor Grabau müßte erst ganz anders in unserm Gewissen offenbar werden, ehe er von uns verlangen kann, daß wir wegen des nach seiner Meinung an ihm begangenen Unrechts Buße thun sollen. Und würde er's, so sollte es bei uns nicht erst der Aufforderung zur Buße bedürfen, sondern wir wollten sie thun, ehe sie gefordert würde. Das möge aber doch Pastor Grabau ja nicht denken, daß er dadurch in unserm Gewissen als ein treuer Knecht des Herrn offenbar wird, wenn er fort und fort sein Informatorium mit seiner Selbstrechtfertigung und bittern Angriffen auf uns anfüllt; sondern das steigert unser Mißtrauen. Ein rechtschaffner Lehrer wird nicht dadurch in dem Gewissen Andrer offenbar, daß er für sich eifert, sondern durch seine Lehre und durch sein Verhalten. Hätte nun die Lehre verbunden mit der That Herrn Pastor Grabau als einen treuen lutherischen Lehrer in den Augen und Gewissen aller rechtschaffenen Lutheraner beurkundet, es wäre wahrlich nicht dahin gekommen, daß man ausgeschiedene oder gebannte Glieder seiner Gemeinde wider ihn hat in Schutz nehmen müssen.
Meint Herr Pastor Grabau, daß er sich uns dadurch empfiehlt oder in unserer Synode Sympathien für sich erweckt, wenn er nunmehr ganz schonungslos selbst den Character unsrer von uns sehr geliebten und hochgehaltenen Mitbrüder angreift, so irrt er sich; er erstickt dadurch in uns das letzte Fünklein Vertrauens, und macht, wenn nicht Gott Wunder thut, jede Vereinbarung unmöglich, die vielleicht nicht so unmöglich gewesen wäre, wenn sich Herr Past. Grabau leidenschaftsloser gezeigt hätte. Wüßte Pastor Grabau, wie es als ein Mordschwerdt in unsere Seele schneidet, und wie es vielleicht Tausende von redlichen Kindern Gottes mit tiefster Betrübniß, wenn nicht sogar mit gerechtem Zorn und Unwillen erfüllt, wenn er, wie er in No. 17 seines Informatoriums gethan hat, eins der verehrtesten und verdienstvollsten Glieder unserer Synode einen stephanistischen Fuchs, einen stephanistischen Schlangenkopf*) und dergleichen nennt; er würde sich bedacht haben, so etwas niederzuschreiben.
*) Welch' eine Erbitterung und Verfinsterung muß nicht in einem Herzen sein, wo man Brüdern ihre Verirrungen, die längst erkannt, öffentlich bekannt und von Gott und Menschen verziehen sind, immer wieder mit gehäßigen Schimpfworten vorwirft. Vergebene Sünden vorrücken ist des Satans Werk. Anm. d. Eins.
In solchen Ausdrücken kann man nichts als ein mit bittrer Galle erfülltes Gemüth lesen. Der leidenschaftliche, verketzerungssüchtige Eifer der ehemaligen sogenannten Orthodoren in ihrem Streit wider die Pietisten ist, so wenig auch deren Richtung von gesundem kirchlichen Standpunkt aus zu rechtfertigen ist, bis auf den heutigen Tag ein Schandfleck in der Geschichte der lutherischen Kirche; will denn Hr. P. Grabau einen ähnlichen Schandfleck auf sich und die lutherische Kirche Amerikas laden? Können Brüder im eignen Hause ihre Familienzwiste, daß ich so sage, nicht auf eine andere Weise abthun, als daß sie sich einander zerfleischen und zerreißen; oder besteht der Eifer für Gottes Ehre darin, daß man sich einander den ehrlichen Namen nimmt, dem Teufel ein Hohnlachen bereitet, viele unschuldige Gemüther irre macht, dadurch den Lauf des Evangelii hindert und die Wahrheit in Ungerechtigkeit aufhält? Ein Wunder wäre es nicht, wenn die erbitterten Angriffe Grabau's, für welche das Informatorium ausschließlich geschaffen zu sein scheint, auch auf unsrer Seite die Leidenschaftlichkeit gereizt hätten (welches eben der Satan gern wollte); und doch muß jeder Unbefangene, ja Hr. P. Grabau selbst, gestehen, daß ihm nicht mit dergleichen fleischlichen Waffen begegnet worden ist, wie er sie geführt hat. Der unpartheiische Leser beider Blätter muß sich oft wundern, wie öfters ganz wohlgemeinten, unverfänglichen
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have they all the same office? Each has his gift and serves with his gift the whole body, but therefore the gifts are not alike. To whom belongs by right, in worldly as in spiritual affairs, a greater share in the public conduct of the word: to him who, with all his otherwise simplicity and honesty of heart, is nevertheless shortsighted and limited in his grasp of circumstances, or to him to whom God has given exercised senses for the discerning of the true and the false, and an eloquent mouth to set forth the doctrine clearly and convincingly? What would become of a Synod if the order were reversed, if folly should rule and wisdom should submit? Would Pastor Grabau want to set up such an order, or rather disorder, in his Synod; is it not evident that he himself is the one who carries the weightiest word in his Synod, and could we not therefore make against the Buffalo Synod the same reproach which he makes against our Synod? Yes, certainly with much greater right. And if Pastor Grabau made the most successful attempt to prove that his colleagues and the congregations connected with him share his opinion in the present controversy quite independently of him, and defend his hierarchical principles, he will nevertheless never persuade a judge of men and good observer of things that those would not be noticeably influenced by him.
The undersigned believe they may without hesitation make this concession to Pastor Grabau, in the name of their brethren of the Missouri Synod, that among us the gifts of our prominent members are indeed recognized and honored, and that a certain modesty toward them does not ill become us, but rather befits us well. But we protest against the notion that we should let our eyes be dazzled by the splendor of a gift and give up our conscience captive under the authority of men. The word: "One is your Master" stands written in our hearts in indelible letters. God forbid that we should ever set up other masters.
Only then would Pastor Grabau have just ground for his accusation, if anything had occurred on the part of the members of our Synod, who are the acting persons in the whole controversy with him, which is in no way to be justified by God's Word; and the Synod had nevertheless accepted and approved it without examination. Then he might with right conclude the lack of independence of the Synod. But let Pastor Grabau remember that at the Synod of 1850 and '51 all these matters came before its forum, and each of our members had opportunity to become acquainted with the state of affairs and to form a judgment of it according to God's Word. Everyone who had any scruple was permitted to speak; those two members of our Synod, of whom Pastor Grabau writes that they had admonished the Synod to repentance, but were talked over and pacified by Professor Walther, are precisely a proof that the Synod has accepted nothing on the faith and credit of its spokesmen (we beg that the bad sense which this word otherwise has be disregarded). They were heard, all their scruples were weighed, as the Synodalbericht of 1851 shows, and the withdrawal by those two members of the Synod was a voluntary one, out of conviction. Had we wished to think otherwise of them, we should surely only have grieved these our dear brethren.
All the facts which were laid before our Synod concerning the churchly practice of Pastor Grabau, especially concerning the administration of the ban, and confirmed by witnesses, were by no means suited to make him manifest as an upright shepherd of souls in the conscience of every Christian, and to determine the same to reject as unauthorized and unjust the Synod's previous procedure of again offering, through faithful shepherds, to such souls as had fallen victim to the harshness and domineering spirit of their preachers and been robbed of spiritual blessings. In the second place, the assertions of Pastor Grabau concerning the false doctrines of those whom he calls the Missourians were really too monstrous to work in us the conviction that Grabau is a pure teacher of the Lutheran Church, and that those Christians had sinned grievously who had separated from him and his Synod. When Pastor Grabau continually charges our Synod with having false doctrine concerning the ministry, concerning the ban and the office of the keys, concerning the spiritual priesthood, concerning the right call, concerning ordination and concerning the Church, and we are nevertheless conscious of holding faithfully and sincerely to the Scriptures and the Confessions of our Church in all these points; how can we think otherwise than that Pastor Grabau must indeed hold a divergent doctrine, colored by hierarchical principles, as indeed is plain as day in his Hirtenbrief and the writings relating to it? And yet he demands of our Synod that we, against our conscience, should say to the people who take offense at his doctrine: You sin if you separate from so pure a Lutheran teacher as Pastor Grabau is.
No, truly, Pastor Grabau would have to become manifest in our conscience quite differently before he can demand of us that we should do penance for the wrong which in his opinion has been done to him. And if he did, there would be no need among us of a summons to repentance, but we would do it before it was demanded. But let Pastor Grabau by no means think that he becomes manifest in our conscience as a faithful servant of the Lord by continually filling his Informatorium with his self-justification and bitter attacks upon us; rather this increases our distrust. An upright teacher does not become manifest in the conscience of others by zealously contending for himself, but by his doctrine and by his conduct. Had doctrine joined with deed attested Pastor Grabau as a faithful Lutheran teacher in the eyes and consciences of all upright Lutherans, it would truly not have come to the point that one has had to take excluded or banned members of his congregation under protection against him.
If Pastor Grabau thinks that he commends himself to us thereby, or awakens sympathies for himself in our Synod, when he now quite unsparingly attacks even the character of our brethren, so dearly loved and highly esteemed by us, he is mistaken; thereby he stifles in us the last little spark of confidence, and, unless God works wonders, makes every agreement impossible, which perhaps would not have been so impossible had Pastor Grabau shown himself more dispassionate. If Pastor Grabau knew how it cuts like a murderous sword into our soul, and how it perhaps fills thousands of honest children of God with deepest grief, if not even with righteous anger and indignation, when he, as he has done in No. 17 of his Informatorium, calls one of the most venerated and meritorious members of our Synod a Stephanist fox, a Stephanist serpent's head*) and the like; he would have thought twice before writing down such a thing.
*) What embitterment and darkening of mind there must be in a heart where one reproaches brethren, again and again with spiteful abusive words, for their errors which have long been recognized, publicly confessed and forgiven by God and men. To cast up forgiven sins is the work of Satan. Note of the Sender.
In such expressions one can read nothing but a mind filled with bitter gall. The passionate, heresy-hunting zeal of the former so-called Orthodox in their strife against the Pietists, little as their tendency is to be justified from a sound churchly standpoint, is down to this present day a disgrace in the history of the Lutheran Church; does Mr. Pastor Grabau then wish to lay a like disgrace upon himself and the Lutheran Church of America? Can brethren in their own house not settle their family quarrels, so to speak, in any other way than by tearing and rending one another; or does zeal for God's honor consist in this, that one takes from one another the honest name, prepares a scornful laughter for the devil, confuses many innocent minds, thereby hinders the course of the Gospel and holds the truth in unrighteousness? It would be no wonder if Grabau's embittered attacks, for which the Informatorium seems to have been created exclusively, had also provoked passion on our side (which is just what Satan would gladly have); and yet every impartial person, yes, Mr. Pastor Grabau himself, must confess that he has not been met with such carnal weapons as he has wielded. The impartial reader of both papers must often wonder how frequently quite well-meant, harmless